Engadin

La Diagonela: Ein Klassik-Skimarathon, wie man ihn sich wünscht

Müde kämpfe ich mich den steilen Anstieg am Skilift von S-chanf hoch. Ich bin froh, hier, wie auch an zahlreichen anderen Passagen der La Diagonela, nicht schieben zu müssen, sondern diagonal laufen zu können. So schaut meine Idealvorstellung von einem klassischen Skimarathon aus.

La Diagonela: Startnummernausgabe © Felgenhauer/xc-ski.de

Bereits vor 22 Jahren konnte ich den Engadin Skimarathon finishen und so von meiner Bucket-List streichen. Aber inzwischen gibt es schon seit 13 Jahren mit der La Diagonela einen Klassik-Skimarathon zwischen Pontresina, St. Moritz und Zuoz. Es war also an der Zeit, mich dieser Herausforderung einmal zu stellen. Und so habe ich mich am Freitag auf den Weg ins Engadin gemacht, wo ich am frühen Nachmittag Zuoz und damit die Startnummernausgabe erreichte. Diese findet im Clubhaus des Engadin Golfclubs statt. Hier steigt man im Winter in das Loipennetz ein und findet Sportgeschäft, Umkleide und Duschen. Nachdem ich meine Startnummer und das Startgeschenk, ein Funktionsshirt, in Empfang genommen habe, laufe ich noch ein bisschen und teste meine Ski. Danach geht’s erstmal ins Hotel, wo ich zufällig Jörg, den Gewinner unserer Startplatzverlosung treffe. Wir fachsimpeln ein wenig und präparieren später im hauseigenen Wachsraum gemeinsam unsere Ski.

La Diagonela: Kurz nach dem Start © Felgenhauer/xc-ski.de

Am nächsten Morgen läuft dann alles ganz entspannt. Denn auch im Engadin hat es diesen Winter noch nicht übermäßig geschneit und die Strecke muss angepasst werden. Dadurch verschieben sich die Hobby-Starts um eine Stunde, während die Profis der Ski Classics ihre ersten Kilometer absolvieren. Das gibt mir und Jörg die Chance, noch vor dem Aufwärmen an der Strecke zu stehen und die Stars der Szene anzufeuern. Dann heißt es auch für uns ab in unsere Startblocks. Zusammen mit circa 300 anderen stehe ich in Nummer drei, dem ersten nach der Elite und Jörg reiht sich in Startblock vier ein. Wenig später zählt der Stadionsprecher den Countdown und die wilde Meute wird losgelassen. Zunächst führt die Strecke, von kurzen Hügeln unterbrochen, tendenziell bergab Richtung Celerina. Dort drehen wir eine Runde um die Kirche San Gian und es folgt der erste Anstieg über die Traumloipe zurück nach Pontresina.

Ich bin mit Fellski unterwegs und habe meine verschiebbare Bindung für das Gefälle nach hinten geschoben. Das macht sich in diesem ersten Anstieg bemerkbar, denn ich habe Mühe, genug Grip zu finden. Da wir aber noch dicht beisammen liegen, traue ich mich nicht, sie mitten in der Steigung zu verstellen. Nach acht Kilometern laufen wir am Startgelände vorbei, der Abschnitt ins Val Roseg fällt dem Mangel an Schnee zum Opfer. In der zweiten Runde, die komplett identisch mit der Startschleife ist, mache ich es besser. Nach einem kurzen Verpflegungsstopp, bei dem mir sogar Gels angeboten werden, schiebe ich meine Bindung nach vorne und tue mich so spürbar leichter im Anstieg zurück nach Pontresina. Immer wieder begegne ich mir bekannten Skilangläufern. Wir feuern uns gegenseitig an und gehen dann wieder getrennter Wege.

La Diagonela 2026 © Felgenhauer/xc-ski.de

Nach diesen beiden Startschleifen zweigt die Strecke in Celerina ab in Richtung Flugplatz Samedan. Es beginnt ein circa neun Kilometer langer Doppelstockabschnitt, der erst kurz vor La Punt mit einer Steigung endet, die ich schon vom Engadin Skimarathon kenne. Dann wird der Ort durchquert und es folgt ein weiterer Anstieg, bevor zum ersten Mal der Zielort Zuoz in Sicht kommt. Allerdings ist das Rennen hier noch nicht zu Ende. Die Rampe hinter dem Clubhaus, die ich schon oft erklommen habe, bildet den Auftakt zum großen Finale. Zehn Kilometer lang wechseln sich Anstiege und Abfahrten ab. Die wohl größte Herausforderung ist dabei die bereits erwähnte Steigung am Skilift von S-chanf. Aber nachdem sich die Renndistanz dem Ende zuneigt, schöpfe ich neue Motivation und finde noch ein paar Kraftreserven.

La Diagonela: Geschafft! © Felgenhauer/xc-ski.de

Schließlich ist der Schlussanstieg hinauf nach Zuoz erreicht. Die Rampe zu Beginn meistere ich noch voller Elan. Aber es folgt eine lange Serpentine und der letzte Kilometer über schmale Gassen bis ins Ortszentrum. Dann ist es vollbracht und ich sinke erschöpft auf meine Stöcke. Ski Classics Läufer Adrian steht hinter der Bande und beglückwünscht mich zu meiner Leistung. Ich fühle mich zwar gerade etwas ernüchtert, aber ein Blick in die Ergebnisliste stimmt mich schnell wieder zufrieden. Platz 225 von 500 Läufern im Ziel und mit 3:19:52 Stunden auch eine Zeit, die meinen Ansprüchen an mich selbst genügt. Schnell hole ich meinen Beutel mit den Wärmeklamotten ab und gönne mir eine Portion Pasta, bei der ich das Rennen mit Teamkollegen analysiere.

Erst beim Schreiben dieser Zeilen wird mir klar, dass die La Diagonela zwar von den Besten durchgeschoben wird, im Grunde aber ein echtes Klassik-Rennen ist, das den kompletten Athleten fordert. Deshalb ein großes Kompliment an die Organisatoren zur Streckenwahl, auch wenn mich diese heute teilweise an meine Grenzen gebracht hat. Leider reichen die Energiereserven nicht für einen Start beim La Sfida am nächsten Morgen. Zum dritten Mal wird nämlich im Rahmen des Diagonela Wochenendes ein kurzes Skating-Rennen angeboten. Das lasse ich mir dann aber zumindest als Zuschauer nicht entgehen und nehme mir fest vor, dort demnächst mal am Start zu stehen.

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