Der Skilanglauf Weltcup macht Station in der gerade einmal 1.800 Einwohner zählenden Destination Goms in der Schweiz. Was dabei hinter den Kulissen abläuft, welche Bedeutung das Event für den Tourismus hat und warum es sich lohnt, mal dabei gewesen zu sein, das haben wir uns vor Ort genauer angeschaut.
Es ist Dienstagnachmittag, drei Tage vor dem ersten Rennen im Goms und ich befinde mich gerade mit dem Autoverlad Furka auf dem Weg durch den Tunnel, im Winter die beste Alternative, um ins Hochtal im Wallis zu gelangen. Die meisten Pässe rundherum haben Wintersperre, nur der Transportzug fährt pünktlich alle 30 Minuten. Am Ende der Fahrt komme ich mir vor, als ob ich im Langlauf-Paradies angekommen wäre. Strahlend blauer Himmel, weiße Landschaft und frisch gespurte Loipen, das werden sicher tolle Tage hier!
Ich bin zum einen vor Ort, um für euch einmal hinter die Kulissen zu schauen, zum anderen werde ich wieder als Kommentator-Guide neben Jens-Jörg Rieck sitzen, der Stimme des Skilanglaufs in der ARD. Aber um all dies möglich zu machen, geht es für mich zunächst zur Akkreditierung, um überhaupt Zutritt zu den einzelnen Bereichen zu bekommen. Zwei freundliche Mitarbeiterinnen versorgen mich mit meiner „Erkennungsmarke“ und einer Parkgenehmigung. Flächen zum Parken gibt es hier genug, befindet sich das Weltcup-Stadion schließlich auf einem ehemaligen Militärflugplatz der Schweizer Armee. Das hat viele Vorteile, ist aber auch mit Auflagen verbunden, wie mir Beat Schilter, der Leiter des Nordischen Zentrums Goms, erzählt, den ich im Bistro oberhalb eines der Hangars treffe, die inzwischen zu Räumlichkeiten für Sitzungen, Wachsboxen und einem Kraftraum umfunktioniert wurden.
Der Stadionaufbau befindet sich derweil in den Endzügen. Die Mitarbeiter der FIS Marketing AG befestigen gerade die letzten Banden. Diese und die diversen Aufsteller sowie Torbögen machen vielerorts aus natürlichem Loipengelände erst ein richtiges Weltcup-Stadion. So ist es auch hier im Goms. Normalerweise verlaufen mehrere Loipen von Oberwald kommend über Obergesteln und durch das Nordische Zentrum weiter nach Geschinen und Münster. Diese werden während des Weltcups umgeleitet, wodurch es weiterhin möglich ist, alle Loipen auch am Eventwochenende zu nutzen. So manche Zuschauer werden sogar mit Ski zum Stadion kommen, verläuft die Loipe doch direkt an ihrer Unterkunft vorbei.
Am nächsten Morgen treffe ich Samuel Hofmann, den Geschäftsführer der Obergoms Tourismus AG, im Stadion. Er berichtet mir, wie wichtig der Weltcup für die Destination ist, aber auch wieviel Arbeit und monetärer Aufwand dahintersteckt. 340 Helferinnen und Helfer sind im Einsatz, um den Athletinnen und Athleten, Betreuern, Trainern und Offiziellen sowie Zuschauern ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Drei davon treffen wir im Verpflegungsbereich der Sportler. Dort gibt es auf Bestellung jeden Tag Mittagessen, um die Speicher nach Training oder Wettkampf schnell wieder zu füllen. Nur wenige Meter weiter werden noch Absperrungen aufgebaut und der Streckenplan so positioniert, dass man sich als Zuschauer einen ersten Überblick über das Eventgelände verschaffen kann.
Am späten Nachmittag trifft JJ Rieck ein und ich begebe mich mit ihm auf eine Besichtigungsrunde. Wir laufen gemeinsam die fünf Kilometer Schleife ab, analysieren Anstiege und Abfahrten sowie Kurven. Das verschafft uns einen tiefen Einblick in das, was die Läuferinnen und Läufer die nächsten Tage erwartet. Aber nicht nur wir bereiten uns auf die Übertragung vor. Am Streckenrand werden Kameras platziert und die deutsche Firma Airtime Unlimited errichtet das System für die Seilkamera, die über das Stadion schweben wird. In Kletterausrüstung gekleidet berichtet uns Andi, wo sein Team im Winter überall im Einsatz ist. Das System ist nämlich deutlich ausfallsicherer im Vergleich zu Drohnen und kann auch bei starkem Wind oder Schneefall genutzt werden. Am Ende ist sie eine von 18 Kameras, die Beat Zumstein als Produzent des internationalen Signals in seiner Verantwortung hat. Das Schweizer Fernsehen SRF liefert an den Wettkampftagen mit 35 Mitarbeitern Bild und Ton von den Wettbewerben, auf die alle anderen Fernsehsender weltweit zugreifen.
Um aus so vielen Quellen eine stimmige Übertragung zu machen, braucht es einen Multitasker wie Regisseur Dimitri, dem wir am Donnerstag bei der Generalprobe über die Schulter schauen dürfen. Hierbei wird nochmal getestet, wann es Sinn macht, von einer Kameraposition zur Nächsten zu schalten. Teamsprint, Sprint und Massenstart, die hier im Goms auf dem Programm stehen, zählen dabei zu den eher leichteren Aufgaben. Einzelstarts, bei denen die Führenden zu unterschiedlichen Zeiten zu den Zwischenzeiten kommen, sind dagegen echte Herausforderungen.
Aber nicht nur das Team des Hostbroadcasters SRF testet am Tag vor dem ersten Wettkampf. Auch die Athleten sind unterwegs, um sich die Strecke noch einmal genau einzuprägen. Dazu werden die Spuren und Begrenzungen exakt so gesetzt, wie es dann auch für die Rennen gemacht wird. Schließlich kann eine verpasste Spur oder ein Sturz über eine Begrenzung über Sieg und Niederlage entscheiden. Eine nicht beachtete Technikzone, in der bei Klassikrennen nur der Diagonalschritt erlaubt ist, führt zur Disqualifikation. Und auch die Serviceleute beziehungsweise Skitechniker der jeweiligen Teams sind unterwegs, um die beste Kombination aus Ski, Schliff, Struktur und Wachs zu finden, um ihren Athleten den bestmöglichen Wettkampfski vorzubereiten. Das erfolgt bei den größeren Langlaufnationen inzwischen im eigenen Wachstruck, in dem sich mehrere fix eingerichtete Arbeitsbereiche befinden und mit dem Sattelschlepper von einer Weltcup-Station zur nächsten transportiert werden.
Im Weltcup-Tross immer mit dabei sind auch die Vertreter der Ski- und Wachsfirmen, die sich vor Ort um die perfekte Ausrüstung der Top-Athleten kümmern. Ist ein Stock gebrochen, gibt es Ersatz. Fehlt ein Ski für spezielle Bedingungen, haben die Spezialisten sicher was im Skisack dabei. Und das Verbrauchsgut Skiwachs muss sowieso ständig aufgefüllt werden. Die Wachsboxen der Industrie sind immer gut besucht während so eines Wettkampfwochenendes. Derweil treffen sich die Teamchefs der einzelnen Nationen zur Mannschaftsführersitzung. Hier wird noch einmal genau besprochen, auf was am nächsten Tag zu achten ist. Zudem werden Änderungswünsche aus den Reihen der Teams vorgebracht, die meist auch Berücksichtigung finden.
Wenn sich die Dunkelheit langsam über das Stadion senkt und Sportler, Offizielle sowie Techniker beim Abendessen sitzen, schlägt die Stunde der Pistenbully-Fahrer. Es gilt, die Wettkampfstrecken wieder perfekt herzurichten, damit die Entscheidungen am nächsten Tag fair ablaufen können. Dazu ist der Blick in den Wetterbericht unerlässlich. Bleibt es trocken und kalt über Nacht, werden die frischen Spuren bereits am späten Abend gezogen. Ist dagegen Neuschnee gemeldet, müssen die Fahrer früh am nächsten Morgen raus und das weiße Gold verarbeiten.
Am Wettkampftag erstrahlt das Stadion dann in seinem vollen Glanz und erwartet die Zuschauer. Neben den obligatorischen Kuhglocken der Schweizer Fans mischt sich auch Motorsägen-Lärm der Franzosen unter die allgemeine Geräuschkulisse, die die Sportler zu Höchstleistungen antreiben soll. Auf allen Positionen vom Helfer über die TV-Produktion bis hin zu den Teams greifen nun die an den Tagen zuvor erprobten Maßnahmen und am Ende steht sogar das deutsche Teamsprint-Duo Gimmler/Rydzek ganz oben auf dem Podest. Das wird natürlich in der ARD-Kommentatorkabine mit erhobener Stimme gewertschätzt und so den Zuschauern an den TV-Geräten nähergebracht. Die anschließende Siegerehrung ist bereits eine große Party, aber danach geht es weiter bei der Nordic Night im Nordic Village. Da darf dann das traditionelle Käsefondue natürlich nicht fehlen. Viele Helfer sieht man dagegen nicht bei den Feierlichkeiten. Sie versuchen zumindest ein paar Stunden Schlaf zu finden, ehe am nächsten Tag alles von vorne beginnt.
Am Ende bleibt für mich das festzuhalten, was ich auch von Sportler und Trainern durchweg höre während des Wochenendes: Die Organisatoren im Goms machen einen richtig guten Job und jeder kommt immer wieder gerne hierhin zurück.
















































