Zweimal Silber zum Finale: Deutsche Damen- und Herrenstaffel sorgen bei der offenen Biathlon‑EM in Sjusjoen (NOR) für einen erfolgreichen Abschluss. Frankreich war die überragende Nation der diesjährigen EM mit fünf von acht möglichen Titeln.
Staffeln zum Abschluss der EM
Bei den offenen Biathlon Europameisterschaften gingen in Sjusjoen (NOR) 24 Staffeln bei den Herren auf die Jagd nach dem Titel, nur 19 erreichten das Ziel. Bei der letzten EM in Martell siegte Norwegen vor Deutschland und Frankreich. Am Nachmittag bei den Damen starteten 18 Staffeln, hier kamen 13 ins Ziel. Bei den Damen siegte im letzten Jahr in Martell das deutsche Team vor Frankreich und Italien. Frankreichs Damen waren allerdings nach den Vorleistungen in den Einzelbewerben der große Favorit für den Staffelsieg.
Herren-Staffel
Norwegen und Österreich führen nach dem ersten Läufer
Bei anhaltendem Schneefall übernahm Schweden nach dem ersten Schießen die Führung vor Italien, Elias Seidl bog ohne Nachlader als Siebter in die nächste Runde und führte eine große Verfolgergruppe Richtung Stehendanschlag an den Schweden heran. Finnland übernahm durch fehlerfreies Schießen die Führung gefolgt von Schweden und Norwegen. Antonin Guigonnat für Frankreich und auch der Deutsche kassierten eine Strafrunde und hatten 33,3 bzw. 44,4 Sekunden Rückstand auf der 12. und 13. Position. Der Norweger zog schnell an allen vorbei und wechselte als Erster, nahezu zeitgleich mit dem Österreicher David Komatz. Frankreich als Elfte hinter der Schweiz und Elias Seidl mit einem Rückstand von 52,9 Sekunden als Zwölfter. David Komatz war Schnellster in der Spur und Seidl bot die sechste Laufzeit im ersten Leg.
Hochbetrieb in der Strafrunde
Im zweiten Leg hatten sich Magnus Oberhauser und Kasper Kalkenberg deutlich mit einem Vorsprung von nahezu 15 Sekunden von ihren Verfolgern abgesetzt. Österreich, Italien, Tschechien und Schweiz kamen am Schnellsten zurück in die nächste Runde. Der zuvor führende Norweger Kalkenberg kassierte eine Strafrunde und fiel mit einem Rückstand von 40,2 Sekunden zurück auf Rang neun, gefolgt vom Franzosen Damien Levet, der zwei Zusatzpatronen benötigte. Dahinter kam Simon Kaiser mit einem Rückstand von 43,4 Sekunden, nachdem er seine fünf Scheiben sicher und ohne Zusatzpatronen weiß werden ließ. Italien, Österreich, Schweden und Tschechien hatten sich mit hohem Tempo an der Spitze einen Vorsprung von nahezu 30 Sekunden erarbeitet, als sie zum Stehendanschlag ansetzten. Sie mussten schließlich dem hohen Tempo Tribut zollen. Der Italiener Didier Bionaz kassierte zwei Strafrunden, der Österreicher eine und der Tscheche Marecek ging in Führung vor dem Ukrainer Nasyko. Auch Simon Kaiser musste eine Extrarunde laufen und kam mit einem Rückstand von über einer Minute zurück ins Rennen. Norwegen rückte nach einem guten Stehendschießen auf die vierte Position vor und auch Frankreich war auf Rang sechs wieder im Geschäft.
Riethmüller bringt DSV-Staffel in Podestnähe
Tschechien übernahm mit einem Vorsprung von zehn Sekunden zur Halbzeit des Bewerbs vor der Ukraine und Norwegen. Dann folgte die Schweiz, Italien, Frankreich, Österreich, Schweden und Deutschland hatte durch die schnellste Schlussrunde von Simon Kaiser beim Wechsel auf der neunten Position nur mehr 43,7 Sekunden Rückstand. Simon Kaiser hat auf der Schlussrunde 27 Sekunden nach vorne aufgeholt. Da liegend der führende Tscheche für einen Fehlschuss zwei Nachlader benötigte konnte der Norweger Martin Nevland mit fünf Treffern an ihm vorbeiziehen und die Spitzenposition übernehmen. Tschechien folgte, dann Italien, Schweden und Frankreich und Danilo Riethmüller hatte mit einem Nachlader und zuvor starker Leistung in der Loipe seinen Rückstand auf 29,6 Sekunden minimiert und war nun an achter Position. In der Runde zum Stehendanschlag schob sich Riethmüller als Anführer einer Verfolgergruppe an die fünf Nationen an der Spitze heran, wo zwischenzeitlich der Franzose Gaetan Paturel Führungsarbeit übernahm, gefolgt von Tschechien, Norwegen, Italien und Schweden. Martin Nevland räumte schnell ab und bog neun Sekunden vor dem Franzosen in seine Schlussrunde. Riethmüller verfehlte zwei Scheiben, konnte mit dem letzten Nachlader die Strafrunde vermeiden und hatte eingangs seiner Schlussrunde 40,8 Sekunden Rückstand auf der sechsten Position. Gaetan Paturel ging an dem Norweger vorbei, sie wechselten dennoch zeitgleich mit einem Vorsprung von 23,6 Sekunden auf Tschechien. Riethmüller, mit der schnellsten Schlussrunde und auch mit der absolut schnellsten Gesamtlaufzeit in seinem Leg, brachte die DSV-Staffel nur vier Sekunden hinter Tschechien auf den vierten Platz, gefolgt von Italien.
Norwegen siegt vor Deutschland und Frankreich
Der Norweger Isak Frey übernahm die Führungsarbeit Richtung Liegendanschlag, Valentin Lejeune hielt sich stets in seinem Windschatten, möglicherweise um wertvolle und zum Schluss wichtige Körner zu sparen. Dahinter machten der Tscheche Stvrtecky und Leonhard Pfund gemeinsame Sache, wobei sich Pfund hinter dem Tschechen hielt und den Italiener und den Schweden an den Skienden hatte. Diese sechs Nationen hatten sich mit einem Vorsprung von nahezu einer Minute von den Verfolgern abgesetzt. Frey und Lejeune blieben bei anhaltendem Schneefall und auch starken Windbewegungen nach fünf Treffern an der Spitze. Leonhard Pfund hat sich mit ebenfalls fünf sauberen Treffern an die dritte Position gearbeitet und einen Rückstand von 26,9 Sekunden, allerdings sich von Tschechien, Schweden und Italien deutlich abgesetzt. Nun übernahm an der Spitze der Franzose die Führungsarbeit und Isak Frey hielt sich in seinem Windschatten. Beim entscheidenden Schießen positionierte sich Frankreich auf Schießbahn eins, Norwegen daneben aber Leonhard Pfund war auch bereits zum Stehendanschlag angekommen. Frey schoss schnell, verfehlte zwei Scheiben, lud genau so schnell nach und nach zwei Nachladern war er weg und in die Schlussrunde eingebogen. Lejeune traf erst nicht und hatte dann auch noch Probleme beim Nachladen. Erst mit dem letzten Nachlader hat er die Strafrunde vermieden und bog als Dritter in die letzte Runde. Auf Leonhard Pfund hatte der Franzose 28 Sekunden Rückstand, der seinerseits nur 4,2 Sekunden hinter Frey in die letzte Runde einbog. Der Norweger hat seinen Vorsprung schnell auf Leonhard Pfund ausgebaut und schließlich mit der norwegischen Fahne die Ziellinie als Sieger überquert. Das Quartett aus Norwegen mit Sivert Gerhardsen, Kasper Kalkenberg, Martin Nevland und Schlussläufer Isak Frey sind Europameister mit der Staffel. Nach einer Strafrunde und acht Nachlader hatten sie im Ziel einen Vorsprung von 6,5 Sekunden. Elias Seidl, Simon Kaiser, Danilo Riethmüller und Leonhard Pfund gewannen Silber nach zwei Strafrunden und zehn Nachladern. Riethmüller und schließlich Pfund haben durch ihre hervorragende Laufleistung die deutsche Staffel zurück gebracht und Pfund hat sich schließlich auch durch die starken Norweger und Franzosen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Antonin Guigonnat, Damien Levet, Gaetan Paturel und Valentin Lejeune komplettierten das Podest auf dem Bronzerang nach einer Strafrunde und 13 Nachladern (+ 55,2 Sek.). Italien belegte den vierten Rang vor Schweden und Finnland. Österreich mit David Komatz, Magnus Oberhauser, Fredrik Mühlbacher und Lukas Haslinger kamen nach einer Strafrunde und zehn Nachladern auf den siebten Platz und die Schweiz mit Gion Stalder, Matthias Riebli, Arnaud Du Pasquier und Felix Ullmann (2 Strafrunden/14 Nachlader) belegten im Ziel Rang zwölf.
Damenstaffel
Schweden führt, Mareike Braun mit Laufbestzeit
Schwedens Sara Andersson blieb nach dem Liegendanschlag nach fünf schnellen Treffern in Führung vor Finnland, Polen, Österreich und Norwegen. Nach einem Nachlader hielt sich Mareike Braun mit einem Rückstand von 10,1 Sekunden auf dem sechsten Platz. Die Französische Starläuferin Celia Henaff, nach dem Schießen noch hinter der Deutschen, zog an allen vorbei und war zum Stehendanschlag bereits vor der Schwedin als Erste am Schießstand angekommen. Sieben Athletinnen hatten sich bereits von den Verfolgerinnen leicht abgesetzt und Schweden übernahm auch durch das bessere Schießen im Stehen wieder die Spitzenposition, dicht gefolgt von Österreich. Mareike Braun benötigte für einen Fehlschuss zwei Nachlader und hatte eingangs der Schlussrunde 23,6 Sekunden Rückstand an siebter Position. Schweden wechselte in Führung liegend vor Norwegen und Frankreich. Mit der schnellsten Schlussrunde holte Mareike Braun nahezu zehn Sekunden auf der Zweikilometer-Runde auf, aber auch mit der schnellsten Gesamtlaufzeit in ihrem Leg übergab die Deutsche schließlich an vierter Position mit 14,6 Sekunden Rückstand auf die Spitze und direkt neben Frankreich.
Schweden bleibt vorne – Kebinger hält DSV-Staffel im Podestbereich
Auf der Runde durch die verschneiten Wälder hielt sich Hanna Kebinger immer im Windschatten der Französin Voldiya Galmace Paulin, in Führung lag weiterhin Schweden mit Anna Hedstrom. Kebinger räumte liegend ab und verließ den Schießstand als Erste, die Französin folgte nach einem Nachlader erst 16,6 Sekunden später und neben ihr Anna Hedstrom, die für einen Fehlschuss zwei Zusatzpatronen benötigte. Allein auf weiter Flur konnte Kebinger ihr Tempo Richtung Stehendanschlag laufen, Schweden und Frankreich mussten in der Loipe mehr investieren, kamen aber nicht entscheidend an Kebinger heran. Schweden hat stehend alle fünf Scheiben abgeräumt und die Führung zurückerobert, während Kebinger und Galmace Paulin um jeden Schuss kämpften, nachdem zuvor zwei bei Frankreich und drei bei der Deutschen nicht ins Ziel kamen. Mit dem letzten Nachlader schaffte es Kebinger und hatte eingangs der Schlussrunde 20,3 Sekunden Rückstand als Zweite auf die führende Schwedin. Norwegen verließ zusammen mit der Französin 16 Sekunden nach Kebinger den Schießstand auf der dritten und vierten Position. Norwegen und Frankreich machten mächtig Druck hinter Kebinger und waren beim Wechsel an der Deutschen dran. Schweden übergab mit 17,6 Sekunden Vorsprung vor Deutschland, Norwegen und Frankreich.
Norwegen übernimmt Spitze – Kink hält Staffel auf Kurs
Für Schweden in Führung liegend war nun Annie Lind im Rennen und hinter ihr hat Sophie Chauveau schnell die Spitze der Verfolgerinnen mit Deutschland und Norwegen übernommen. Julia Kink kam ohne Nachlader durch und übernahm wie zuvor auch Hanna Kebinger die Führung. Mit ihr zeitgleich kam die Norwegerin Juni Arnekleiv zurück in die Spur, die Schwedin knapp dahinter und Sophie Chauveau fiel nach zwei Nachladern mit einem Rückstand von 23,1 Sekunden zurück auf die vierte Position. In der Runde zum Stehendanschlag übernahm Juni Arnekleiv die Führungsarbeit, Julia Kink und Annie Lind dicht an deren Skienden. Die Viertplatzierte Sophie Chauveau musste in der Spur deutlich mehr investieren um an die Spitzengruppe heranzulaufen, hatte allerdings bis zum Schießstand bereits zehn Sekunden aufgeholt. Arnekleiv kam mit einem Nachlader durch, Kink benötigte zwei Zusatzpatronen und folgte der Norwegerin mit einem Abstand von 5,8 Sekunden. Und obwohl Chauveau hohes Tempo lief, räumte sie ihre fünf Scheiben blitzschnell ab und bog nur 4,4 Sekunden hinter der Deutschen in die Schlussrunde. Kink konnte den Angriff der laufstarken Französin Sophie Chauveau, die absolute Besstzeit brachte, nicht abwehren.
Frankreich gewinnt vor Deutschland
Für Norwegen kam nun Guru Ytterhus als Führende ins Rennen, sieben Sekunden später übernahm Gilonne Guigonnat für Frankreich und Marlene Fichtner startete 5,9 Sekunden hinter der Französin ins Rennen. Hinter der Deutschen war eine große Lücke zu den Schwedinnen entstanden und eine noch größere zu den Italienerinnen auf der fünften Position. Schnell hatten Guigonnat und Fichtner zur führenden Norwegerin aufgeschlossen, waren sogar vorbeigezogen und zeitgleich erreichten diese drei den Schießstand zum Liegendanschlag. Fichtner schoss in schnellem Rhythmus und traf alle fünf Scheiben, die Französin agierte minimal langsamer, blieb aber ebenso fehlerfrei und verließ gleich hinter Fichtner den Schießstand. Ytterhus benötigte zwar nur einen Nachlader, benötigte dafür aber wesentlich mehr Zeit und war nun als Dritte mit einem Rückstand von 16,3 Sekunden unterwegs. Zum finalen Schießen standen die Französin auf Bahn eins und Fichtner auf Bahn zwei bereit. Guigonnat hatte als Erste begonnen, den besseren Rhythmus und abgeräumt und setzte offensichtlich mit ihrem letzten Treffer die Deutsche so unter Druck, dass Fichtner ihren letzte Scheibe nicht traf. Mit dem ersten Nachlader wurde die Scheibe weiß, allerdings war Guigonnat bereits 8,3 Sekunden vor ihr aus dem Schießstand gelaufen. Norwegen lag an dritter Position zu weit weg um noch in den Kampf um Gold eingreifen zu können. Gilonne Guigonnat führte die französische Damenstaffel mit Celia Henaff, Voldiya Galmace Paulin und Sophie Chauveau nach acht Nachladern zum Sieg. Das DSV-Team mit Mareike Braun, Hanna Kebinger, Julia Kink und Marlene Fichtner benötigte einen Nachlader mehr und erreichte das Ziel auf dem Silberrang mit einem Rückstand von 16,6 Sekunden. Norwegen mit Emilie Aagheim Kalkenberg, Karoline Erdal, Juni Arnekleiv und Guro Ytterhus sicherte sich nach acht Nachladern die Bronzemedaille (+ 56 Sek.). Dahinter platzierten sich Schweden Italien, die Slowakei, Polen und Österreich. Die Schweiz stellte keine Damenstaffel.
Frankreich dominiert die EM
Mit fünf Goldmedaillen, zwei Silber- und sechs Bronzemedaillen führt das französische Team im Medaillenspiegel der offenen Biathlon Europameisterschaft in Sjujsoen. Norwegen sicherte sich mit zwei Goldenen, zwei Silbernen und einer Bronzenen den zweiten Rang vor der Ukraine mit einer Goldmedaille. Anastasiya Merkushyna gewann überraschend das Einzel der Damen und holte die Goldmedaille für die Ukraine. Deutschland hat sich gegenüber der letzten Saison keinen der Titel geholt, allerdings drei Silber- und eine Bronzemedaille und rangiert am Ende auf dem vierten Rang vor Italien.
Medaillenspiegel
Der offenen Biathlon Europameisterschaft schließt sich ein weiterer IBU Cup in Sjusjoen an, bevor dann in Lake Placid in den USA zwei weitere den die IBU Cup Serie 2025/26 beschließen. Derzeit führt Pula Botet (FRA) vor vier weiteren Französinnen bei den Damen und bei den Herren Antonin Guigonnat vor Vetle Paulsen in der IBU Cup Gesamtwertung.


