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Olympia 2026: Johan-Olav Botn ist Olympiasieger im Einzel

Der Norweger Johan-Olav Botn ist Olympiasieger. Im Einzel der Herren bei den Olympischen Wettkämpfen 2026 in Antholz gewann er nach vier fehlerfreien Schießen verdient die Goldmedaille vor Eric Perrot auf dem Silberrang. Der weitere Norweger Sturla Hom Laegreid gewinnt Bronze. Philipp Nawrath wird bester Deutscher auf dem fünften Platz. 

Spannender Kampf zur Hälfte des Rennens

Philipp Nawrath (GER) © Thibaut/NordicFocus

Am zweiten Wettkampftag der Biathleten bei den Olympischen Winterspiele 2026 in Antholz stand der Einzellauf der Herren auf dem Programm. Ein Bewerb über 20 Kilometer mit vier Schießeinlagen in der Reihenfolge liegend, stehend, liegend und zum Abschluss noch einmal stehend. Für jeden Fehlschuss wird eine Zeitstrafe von einer Minute auf die Laufzeit addiert. Vor beeindruckender Kulisse und bestem Biathlon-Wetter gingen 89 Herren an den Start und zur Hälfte des Rennens sah es so aus, als würde sich Eric Perrot tatsächlich die Goldmedaille holen. Im Ziel übernahm er die Führung, aber ungefähr zeitgleich kam der Norweger Johan-Olav Botn zum letzten Anschlag, Zuvor brachte er drei Mal die Null und auch im entscheidenden Schießen blieb er fehlerfrei und mit 11,7 Sekunden Vorsprung vor Perrot bog er in die Schlussrunde. Und währenddessen lief der Deutsche Philipp Nawrath in der Schlussrunde auf Medaillenkurs. Bei jeder Zwischenzeit lag der Deutsche nach einer Strafzeit knapp vor dem Finnen Hiidensalo. Der Vorsprung schien auszureichen, auf der Zielgeraden waren es noch zwei Sekunden, aber die Ziellinie überquerte Nawrath nur 1,8 Sekunden hinter dem Finnen auf dem vorerst dritten Rang. Johan-Olav Botn war noch unterwegs in der Spur, er war informiert über die Zeiten, knapp zwei Kilometer vor dem Ziel hatte er seinen Vorsprung auf den Franzosen weiter ausgebaut um dann wieder etwas zurückzufallen. Auf den letzten 500 Metern flog er über die Strecke.

Johan-Olav Botn ist Olympiasieger im Einzel

Johan-Olav Botn (NOR) © Thibaut/NordicFocus

Mit 14,8 Sekunden Vorsprung kam Johan-Olav Botn nach zwanzig Treffern ins Ziel und war damit Olympiasieger 2026 im Einzelbewerb der Herren über 20 km. Botn richtete seinen Finger gen Himmel, den er war es, der seinen Teamkameraden Sivert Guttorm Bakken am 23.12.2025 tot in seinem Hotelzimmer am Lavaze-Pass aufgefunden hat. 1992 gab es den letzten Olympiasieger im Einzel, der mit zwanzig Treffern ins Ziel kam. Auch Johan-Olav Botn brachte alle Schüsse ins Ziel. „Ich weiß nicht so genau, wie ich das gemacht habe,“ sagte der Olympiasieger nach dem Rennen.  Botn war nach dem Vorfall am Lavaze-Pass erkrankt und erst wieder beim Biathlon Weltcup in Nove Mesto in Tschechien in das Wettkampfgeschehen zurückgekehrt. „Ich habe das Gefühl gefunden, dass ich vor Weihnachten hatte. Da war es so, dass ich alles was ich getan habe, funktioniert hat.“ Bis Weihnachten lief Johan-Olav Botn nach vier Weltcupsiegen im gelben Trikot des Gesamtweltcupführenden. Derzeit liegt er an vierter Position hinter Eric Perrot, Tommaso Giacomel und Sebastian Samuelsson. „Meine Form war nicht besonders gut heute, ich musste es im Schießen machen, das hat super funktioniert,“ so Botn nach dem Rennen im ZDF. Ein sehr emotionaler Botn sagte auch: „Ich habe auf der letzten Runde kaum an mich selbst gedacht. Meine Gedanken und meine Gefühle kamen direkt nach dem letzten Schießen für Sivert. Er und ich haben im letzten Jahr fast jeden Tag miteinander trainiert. Für uns beide war es ein großer Traum hier bei Olympia zu starten. Ich hoffe, dass er jetzt von oben zuschaut und stolz auf mich ist.“ Botn krönte sein Olympiadebüt, der zuvor auch an keinen Biathlon Weltmeisterschaften teilgenommen hat, mit der Goldmedaille. 

Eric Perrot auf Silberrang

Eric Perrot (FRA) © Thibaut/NordicFocus

Silber gewann der Franzose Eric Perrot mit einer Strafminute belastet und der dritten Skizeit. Auch für Perrot war es die erste Teilnahme an olympischen Winterspielen. „Das sollen meine Spiele werden,“ sagte er im Vorfeld. Seinen Kindheitstraum hat er sich ja bereits mit der ersten Medaille erfüllt, als Frankreich Gold mit der Mixed-Staffel am Eröffnungstag gewann. Perrot führt derzeit in der Gesamtweltcupwertung und strotzt vor Selbstvertrauen. Er will immer besser sein als die anderen und immer Erfolg haben. Zuletzt wurde er Weltmeister im Einzel bei der WM in Lenzerheide 2025 und in dieser Saison verbuchte er bereits drei Weltcupsiege, die ihm immer dann gelangen, wenn er vier Schießeinlagen zu absolvieren hatte. Bei allen drei Weltcuperfolgen brachte er seine zwanzig Schüsse ins Ziel. Heute im olympischen Einzel hat ihm dieser eine Fehler im zweiten Anschlag den Olympiasieg gekostet.Das Podest komplettierte schließlich der Norweger Sturla Holm Laegreid. Mit einer Strafzeit belastet schob er den Finnen Ole Hiidensalo vom Podest. Laegreid war in der Spur zu jeder Zeit schneller als der Finne, der wie der Sieger seine zwanzig Schüsse ins Ziel brachte. Hinter Philipp Nawrath auf Rang fünf hat der Italiener Tommaso Giacomel nach insgesamt drei Schießfehlern und der vierten Skizeit Rang sechs belegt. 

Philipp Nawrath wird Fünfter

Philipp Nawrath (GER) © Thibaut/NordicFocus

Zu einer olympischen Medaille hat es für Philipp Nawrath nicht ganz gereicht. Bereits im ersten Anschlag kassierte er eine Strafminute, als der letzte Schuss das Ziel verfehlte. In der Folge absolvierte er drei Schießeinlagen fehlerfrei und am Ende wurde er Fünfter mit einem minimialen Rückstand von 1,8 Sekunden hinter dem Viertplatzierten. Zum Podest fehlten letztendlich 43,2 Sekunden, nachdem sein läuferisches Vermögen auf den schweren Antholzer Strecken nicht ausreichte. Aus dem vierköpfigen DSV-Team hat bisher lediglich Philipp Nawrath olympische Wettkämpfe bestritten. „Mein Plan war, wenn irgendetwas Richtung Medaille gehen soll, muss es mit einer lupenreiner Weste am Schießstand laufen,“ so Nawrath im ZDF. „Ich war sehr knapp dran. Es war eine kleine Bewegung an der Waffe, von der Schulter oder vom Körper, die sich auf die Waffe übertragen hat. Ich habe gewusst, es war an sich ein gutes Schießen.“ Dennoch zeigte sich Nawrath mit seinem Ergebnis durchaus zufrieden. „Es ist ein sensationelles Ergebnis für mich persönlich am Schießstand. Wenn ich meine Resultate über vier Schießen sehe, war es heute absolut in Ordnung.“ Nawrath versuchte sich nach dem Fehler im ersten Anschlag weiter zu konzentrieren, nach vorne zu schauen und Gas zu geben, obwohl ihm durchaus bewusst war, dass er in der Spur auf die Spitzenathleten ein paar Sekunden verliert. 

Olympia-Debüt für Zobel, Fratzscher und Horn

David Zobel (GER) © Thibaut/NordicFocus

Für David Zobel, Lucas Fratzscher und Philipp Horn waren es die ersten Spiele. David Zobel ging das Rennen etwas verhalten an und blieb in der Folge fehlerfrei im ersten Schießen, kassierte im zweiten Anschlag zwei Minuten um in der Folge die nächsten beiden Schießen fehlerfrei zu absolvieren. Läuferisch konnte Zobel nichts kompensieren und am Ende reichte es für ihn mit einem Rückstand von 5:00 Minuten nur zum 21. Platz. Ähnlich verlief das Rennen für Lucas Fratzscher. Er hielt sich in den ersten beiden Schießen fehlerfrei, kassierte dann jeweils eine Minute und am Ende konnte auch er läuferisch nicht zu den Schnellsten aufschließen. Mit einem Rückstand von 5:07 Minuten landete Fratzscher auf Rang 23. Philipp Horn, der wegen eines hartnäckigen Infekts den kompletten Januar keine Wettkämpfe bestritt, hoffte, dass er an seine Dezember-Form anknüpfen kann. Läuferisch war Horn aus dem DSV-Team zwar gut unterwegs mit der zehnten Skizeit und der neunten Gesamtlaufzeit, aber am Schießstand kam er in keinem Anschlag ungeschoren davon. Mit 2-1-1-2 und damit mit sechs Minuten Strafe auf der Laufzeit hatte er im Ziel 6:19 Minuten Rückstand und sortierte sich auf Rang 40 ein. Aus deutscher Sicht war Michael Greis der letzte deutsche Olympiasieger im Einzel. Mit einem Fehlschuss gewann er 2006 in Turin die Goldmedaille. 

Strelow wird noch gebraucht

Dass Justus Strelow, offensichtlich der sicherste Schütze im DSV-Team, nicht für das schießlastige Einzel nominiert wurde, hat im Vorfeld zu Irritationen geführt. Wie Sportdirektor Felix Bitterling allerdings im ZDF erklärte, sei mit Justus zu einem frühen Zeitpunkt ein Gespräch geführt worden und er verstehe die Beweggründe. Justus Strelow hat demnach sehr professionell und reflektiert reagiert. „Wir haben uns für den zweiten Teil der Olympischen Winterspiele für Justus entschieden,“ so Bitterling. Seiner Meinung sind die Strecken in Antholz sehr, sehr hart, vielleicht eine der härtesten Einzelstrecken überhaupt. „Justus ist ein ehrgeiziger Athlet und wir brauchen Justus noch.“     

Österreich und Schweiz abgeschlagen

Jeremy Finello (SUI) © Thibaut/NordicFocus

Aus dem Team der Österreicher schaffte des Patrick Jakob als Bester nach zwei Fehlern auf Platz 24. Dominic Unterweger, ebenfalls mit zwei Fehlern belastet kam auf Platz 32 und Simon Eder (2 Fehler) wurde 34. Fabian Müllauer kassierte insgesamt sieben Strafminuten und wurde 73. Aus dem Schweizer Team war Joscha Burkhalter auf Platz 36 (3 Fehler) Bester. Niklas Hartweg (6 Fehler) sortierte sich als 59. ein, direkt vor Sebastian Stalder, der nach drei Schießfehlern 60. wurde. Jeremy Finello traf sieben Scheiben nicht und kam am Ende als 63. ins Ziel. 

Ergebnis

Medaillenspiegel

Der Wettkampfplan der olympischen Biathlonbewerbe

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