In den vergangenen Tagen hat bei den Olympischen Spielen neben den sportlichen Ergebnissen insbesondere ein Thema Schlagzeilen im Skilanglauf geschrieben. Haben Norwegen und die USA gegen die Wettkampfregeln verstoßen oder hat die FIS einfach nur schlecht kommuniziert? Wir nehmen die Vorwürfe unter die Lupe und beleuchten die Hintergründe.
Regelverstoß oder Kommunikationsfehler?
Seit Tagen köcheln im Val di Fiemme Vorwürfe gegen Norwegen und die USA, die im Sprint gegen die Regeln verstoßen haben sollen und durch Johannes Høsflot Klæbo, Ben Ogden und Oskar Opstad Vike alle Medaillen bei den Herren gewonnen haben. War das nur durch Betrug möglich? Was war geschehen? „Und zwar hat die norwegische Mannschaft eine Wachsmaschine benutzt und das US Team hatte auf dem Wachstisch ein Liquid stehen. Beides ist nicht erlaubt“, erklärte Italiens deutscher Cheftrainer Markus Cramer im ZDF. Die Norweger hatten bei FIS Renndirektor Michal Lamplot nachgefragt, ob sie während des Sprints die Wachsmaschine benutzen dürfen, weil sie den Grip verändern wollten. Lamplot nickte die Nutzung ab, versäumte es aber, die anderen Teams zu informieren, um ihnen dieselben Möglichkeiten zu gewährleisten. Außerdem wurde bekannt, dass am Wachsplatz der Amerikaner eine Flasche mit Flüssigkeit stand. Da während der Heats ein Nachwachsen des Gleitbereiches verboten ist, sind insbesondere Flüssigwachse in diesem Bereich nicht erlaubt. Laut Auskunft von US-Pressesprecherin Leann Bentley wurde die Flüssigkeit nur zum Reinigen der Hände benutzt. Ob das den Tatsachen entspricht, kann im Nachhinein nicht mehr überprüft werden. Man werde darauf achten, dass das nicht wieder vorkomme, so Bentley. „Am vorausgegangenen Abend wurde beim Team Captains Meeting haargenau festgelegt, was man machen darf. Im Wettkampf tauchte dann die Wachsmaschine auf, die nicht erlaubt war. Das ist der große Vorwurf an die FIS: Wie kann sowas zustande kommen? Wir sind natürlich enttäuscht über das Versagen der FIS. Das ist ein ganz klares Versagen der FIS. Alles wird kontrolliert bis zum Letzten. Jede Verfehlung wird mit drastischen Strafen belegt und dann passiert genau sowas, dass einige wenige Nationen sich einen Vorteil verschaffen“, erklärte Peter Schlickenrieder.
Wachsmaschine und Flüssigwachse
Doch wie kam es überhaupt zu den Vorwürfen? Denn grundsätzlich sind die Verwendung einer Wachsmaschine und die Anwendung von Flüssigwachsen erlaubt. In den Wachstrucks und -containern der Teams sind sie massenweise zu finden. Die Anschuldigungen betreffen aber einen ganz speziellen Bereich. Aufgrund des Fluor-Verbots wurde es notwendig, die Ski vor und nach dem Wettkampf auf Fluor zu testen. Da dies während des Sprintwettkampfs nicht nach jedem Heat möglich ist, verbleiben die Ski der Athleten zwischen den Läufen im Fluor-Testbereich. Da sich Bedingungen jedoch schnell ändern können und das gravierende Folgen insbesondere für die Steigzone von Klassik-Ski haben kann, gibt es einen Bereich innerhalb der Fluortest-Area, in dem die Steigzone nachgewachst werden darf. Allerdings sind dort elektrische Geräte und Flüssigkeiten verboten, damit die Kontrolle vereinfacht wird. Wachsmaschinen werden eigentlich mit Strom beheizt und dienen zur einfachen Auftragung von Klister in die Steigzone. Dazu Markus Cramer im ZDF-Interview: „Die Wachsmaschine ist ein ganz klarer Vorteil, weil du in sehr kurzer Zeit das Wachs neu aufgezogen hast und das ist wie ein neuer Ski.“ Flüssigwachse mit Schwammapplikator werden grundsätzlich zur vereinfachten Aufbringung von Gleitwachsen benutzt. Das Gleitwachsen der Ski ist im Fluor-Testbereich und auch allgemein zwischen den Heats verboten.
Keine Bestrafung mehr möglich
Konsequenzen wird es trotz der beobachteten Vorfälle nun aber keine geben. Zwar erhoben der finnische Verband und das Finnische Olympische Komitee Einspruch gegen die Wertung des Sprints. Da der Einspruch aber erst nach der 48-Stunden-Frist einging, wurde er abgewiesen. „Es war ein Kommunikationsfehler von uns, der FIS. Trotzdem ist es aus unserer Sicht ganz einfach: Wir haben den Einspruch erhalten. Er kam aber viel zu spät nach der Deadline für so einen Fall, der während eines Rennens passiert. Darum ist der Fall schlicht und einfach nicht zulässig“, erklärte FIS-Pressesprecher Bruno Sassi.
Strafe gegen Norwegen
Eine Strafe gegen Norwegen gibt es nun dennoch. Das hat aber einen anderen Grund. Auf einem Team Captains Meeting am Samstag hatten die Österreicher darauf hingewiesen, dass vor der Damen-Staffel von mehreren Teams illegal auf der Strecke getestet wurde, obwohl die Strecke gesperrt war. Das kam wohl nicht zum ersten Mal vor. Österreich forderte Konsequenzen für derartige Verstöße. Vor der Herren-Staffel am Sonntag sichtete dann Iivo Niskanen einen Norweger beim Skitesten auf der gesperrten Strecke. Das erzählte er nach dem Rennen, in dem er eine gelbe Karte für einen Technikverstoß bekam, den finnischen Medien: „Es ist interessant zu sehen, dass die Strecken um 11:15 Uhr gesperrt wurde und als ich am Zaun stehe, sehe ich Norweger beim Skitesten. Die FIS greift bei solchen Dingen nicht durch… das fühlt sich merkwürdig an.“ Das tat die FIS nun doch und entzog den Norwegern ein „TEAM“-Leibchen bis einschließlich zum Teamsprint am Mittwoch. Das bedeutet, dass Norwegen bis dahin ein Teammitglied weniger auf die Strecke und zum Skitesten schicken kann. Team Manager Per Elias Kvalfoss entschuldigte sich in einer Pressemeldung für den Vorfall. „Es war ein Missverständnis, der Wachser wusste nicht die richtige Zeit, zu der die Strecke geschlossen wird. Er blieb noch für acht bis zehn Minuten auf der Klassikstrecke, während die Skatingrunde noch geöffnet war. Er hat seinen Fehler selbst bemerkt und direkt die FIS kontaktiert, um sich bei der Jury für seinen Fehler zu entschuldigen. Wir sind informiert worden, dass wir ein Leibchen abgeben müssen und akzeptieren das.“
