Reportagen

Snowfarming Loipe in Ramsau am Dachstein: Schneetraining auf Weltcup-Runde

Mit zwei schnellen Schritten bin ich um die Kurve und stehe direkt im steilsten Bereich des Anstiegs. Jetzt nur nicht nachlassen und auf eine saubere Technik achten, ruft mein innerer Trainer mir zu.

Snowfarming Loipe Ramsau am Dachstein © Felgenhauer/xc-ski.de

Es ist Anfang November und wie fast jeder Skilangläufer bin ich heiß auf die ersten Schneekilometer. Früher habe ich sie am Gletscher gesammelt, aber mit den Jahren einfachere Wege für den Saisoneinstieg gesucht. Und dank Snowfarming ist auch im Tal ein fixer Starttermin möglich. Es ist Freitag und während der Dachsteingletscher nur noch zwei Tage von seiner Revision entfernt ist, gehen in Ramsau am Dachstein die ersten Loipenkilometer auf übersommertem Schnee in Betrieb. Ich stehe im WM-Stadion und blicke auf die weiße Fläche, wo sich bereits einige Frühstarter tummeln. Eigentlich scheint die Sonne, aber der Nebel hält sich heute ungewöhnlich lange auf der Hochebene rund um den Weltmeisterschaftsort von 1999.

 

Länger will ich nun aber nicht mehr warten und schnalle meine Ski an. Auf einer ersten Stadionrunde gewöhne ich mich langsam wieder an die technischen Abläufe. Die Fläche ist perfekt präpariert und bietet genug Platz für Technik- und Koordinationsübungen. Nach der zweiten Runde verlasse ich das Stadion und laufe weitgehend flach halb um den Beschneiteich. Dann muss man allerdings wenden, da die Runde noch nicht komplett geschlossen werden konnte.

Snowfarming Loipe Ramsau am Dachstein © Felgenhauer/xc-ski.de

Mit einem scharfen Rechtsknick geht es in den Tunnel und Richtung Schanzenanlage. Hier lässt es sich entspannt laufen, auch wenn es kurvig zwischen den Gasthäusern hindurchgeht. Aber bereits nach wenigen Metern beginnt der Weltcup-taugliche Anstieg parallel zu den Schanzen. Nach rund einem Drittel muss man sich entscheiden, ob man eher steil oder etwas flacher weiterlaufen will. So kann man seine Belastung relativ gut steuern. Die steile Variante kommt schließlich über eine kurze Abfahrt auf die flachere Variante zurück und es geht auf die letzten Meter der Steigung bis dann die Abfahrt wartet. Relativ steil und mit drei Kurven versehen schlängelt sich diese in relativ direkter Richtung über den Tunnel zurück ins Stadion und auf die Zielgerade.

1,3 Kilometer zeigt meine GPS-Uhr schließlich nach der flacheren Variante an. Läuft man beide Varianten in Kombination, kommt man auf rund drei Kilometer. Immer mit einkalkulieren muss man dabei aber die Weltcup-tauglichen Steigungen. Denn wie meint eine Hobbyläuferin aus der Region, mit der ich ins Gespräch komme: „Da merkt man schon, ob sich das Sommertraining ausgezahlt hat oder nicht!“ Einen Schweizer Skilangläufer, mehrere tschechische Sportler und noch die eine oder andere Nation mehr treffe ich an diesem ersten Tag. Ich drehe noch ein paar Runden und dann lasse ich es gut sein. Schließlich will ich ja auch am zweiten Tag noch ein paar Kilometer machen.

Snowfarming Loipe Ramsau am Dachstein © Felgenhauer/xc-ski.de

Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es am nächsten Morgen zurück ins Stadion. Es ist Samstag und das merkt man sofort. Trotz der frühen Stunde sind schon zahlreiche Langläuferinnen und Langläufer unterwegs. Von Kids im Schüleralter über Jugendliche, Top-Athleten wie Franz-Josef Rehrl und Seniorensportler ist die Läuferschar bunt gemischt. Ich treffe viele Bekannte und verfalle eher ins „Ratsch-Tempo“. Dazu nutze ich die kurze Stadionrunde, die weitestgehend flach verläuft. Am Ende stehen heute zwar nicht übermäßig viele Kilometer auf der Uhr, dafür hat es mal wieder Laune gemacht, sich über die schönste Sportart der Welt auszutauschen.

Kurze Zeit später sitze ich mit frischen Klamotten im Auto und begebe mich auf den Heimweg. Mein Verlangen nach Schnee ist kurzzeitig gestillt, aber wie ein Vampir nach Blut, dürstet es mich sicher schon bald wieder nach Schnee unter meinen Skiern!

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