Biathlon

Vier Massenstarts bei der Biathlon-JWM am Arber – Österreich jubelt, DSV ohne Medaille

In den vier Massenstarts bei der Biathlon Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaft am Arber im Bayer. Wald gab es spannende Entscheidungen zu sehen. Die DSV-Nachwuchsathleten kamen nicht in die Medaillenränge. Bei der weiblichen Jugend trumpften die Österreicherinnen auf und die IBU Junior Cup-Gesamtsieger wurden geehrt.  

Massenstart 60 der Junioren

Kasper Kalkenberg (NOR) © Deubert/IBU

Im Massenstart 60 über 12 Kilometer schießen die Athleten der Startnummer 31 bis 60 nach einer Runde, während sich für die Athleten bis zur Startnummer 30 nach der ersten Runde kein Schießen, sondern eine weitere Runde anschließt. Die Medaillengewinner und die Athleten mit den besten Ergebnissen aus den bisherigen Rennen der JWM starten mit den vorderen Startnummern, sind daher die Stärkeren und bisher erfolgreicheren Athleten. Da es in der Nacht zu den Massenstarts leichte Minustemperaturen gab, war die Strecke insbesondere bei den Junioren noch in sehr gutem Zustand. Aus dem DSV-Team waren ursprünglich fünf Athleten qualifiziert, allerdings musste Korbinian Kübler kurzfristig gesundheitlich angeschlagen passen. Nachdem auch die zweite Gruppe beim ersten Schießen war, schiebt sich die Gruppe langsam zusammen und man konnte erkennen, wer im Rennen vorne liegt. Fünf Athleten führten mit einem Vorsprung von zehn Sekunden das Feld an, an der Spitze der Titelverteidiger Kasper Kalkenberg aus Norwegen. Kalkenberg wurde letzte Saison Junioren-Weltmeister im Massenstart 60. Nach dem zweiten Anschlag übernahm der bis dahin fehlerfrei gebliebene Matja Legovic aus Kroatien die Spitzenposition. Im dritten Schießen leistete sich der Führende zwei Strafrunden und der Tscheche Jakub Bouska und Kasper Kalkenberg nur 1,9 Sekunden dahinter gingen in Führung, dicht gefolgt vom Drittplatzierten Philip Lindkvist-Floetten. Die DSV-Starter lagen mit zu vielen Schießfehlern nach dem dritten Schießen bereits zu weit zurück, um in den Kampf um eine Medaille eingreifen zu können.

Kasper Kalkenberg verteidigt Titel

Jakob Kulbin (EST), Kasper Kalkenberg (NOR), Philip Lindkvist-Floetten (SWE), (l-r) © Deubert/IBU

Im entscheidenden Schießen blieb Kalkenberg fehlerfrei, räumte seine fünf Scheiben in nur 21,9 Sekunden ab und mit großem Vorsprung von 26,8 Sekunden bog er in die Schlussrunde ein. Philip Lindkvist-Floetten brachte sich durch zwei Fehlschüsse um eine gute Position und hatte eingangs der Schlussrunde einen Rückstand von 43,8 Sekunden auf den Führenden. Auch der Tscheche Jakub Bouska verfehlte zwei Scheiben und fiel deutlich zurück. Auf weiter Flur allein lief Kasper Kalkenberg dem Junioren-Weltmeister-Titel 2026 im Massenstart 60 entgegen. Hinter ihm sicherte sich der Este Jakob Kulbin durch die zweitschnellste Schlussrunde die Silbermedaille und Philip Lindkvist Floetten lief in der Schlussrunde durch kräftige Schübe an Ruj Groselj Simic (SLO) und Camille Grataloup-Manissolle (FRA) vorbei und erreichte die Bronzemedaille. Der Slowene wurde Vierter, der Franzose Fünfter und auf dem sechsten Platz kam der Norweger Oliver Alm ins Ziel. Lukas Tannheimer wurde mit insgesamt sieben Strafrunden auf dem 23. Platz bester Deutscher. Karl Schütze verfehlte fünf Scheiben und wurde 25., Clemens Boehme (6 Fehler) überquerte die Ziellinie als 26. und Luc Richter (7 Fehler) erreichte bei seinem ersten Einsatz am Arber Platz 45.
Der 19jährige Philip Lindkvist Floetten (SWE) ist nach der Goldmedaille im Einzel, Silber im Sprint und Bronze im Massenstart 60 der beste Junior bei den Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften 2026 am Arber und hat sich dadurch einen Startplatz beim Saisonfinale des Biathlon Weltcups in Oslo erarbeitet.

         

Ergebnis MS60 Junioren

Kurze Zusammenfassung des MS60 der Junioren

Massenstart 60 der Juniorinnen

Oleksandra Merkushyna (UKR) © Deubert/IBU

Zur Hälfte des Massenstarts 60 der Juniorinnen über neun Kilometer, als sich das Feld wieder zusammengeschlossen hatte, übernahm Oleksandra Merkushyna mit 8,8 Sekunden Vorsprung vor der Deutschen Johanna Lehnung die Führung. Mit deutlichem Abstand zur Spitze reihten sich Ilona Plechacova (CZE) und Carlotta Gautero (ITA) an dritter und vierter Position ein. Sydney Wüstling lag nach einer Strafrunde mit 35,4 Sekunden Rückstand auf der siebten Position. Merkushyna baute ihren Vorsprung Richtung drittes Schießen auf 26,2 Sekunden aus und die Norwegerin Silje Berg-Knutsen war an die zweite Position direkt vor die Deutsche Wüstling gerückt. Merkushyna blieb trotz eines Fehlschusses in Führung, aber ihre Verfolgerinnen mussten auch alle in die Strafrunde abbiegen und die Slowenin Sever und die Lettin Volfa waren nun die ersten Verfolgerinnen der Ukrainerin an der Spitze. Nach ebenfalls einer Strafrunde hielt sich Johanna Lehnung auf der vierten Position, hatte aber die starke Berg-Knutsen an den Skienden. Merkushyna ließ im entscheidenden Schießen eine Scheibe stehen, aber Volfa kassierte auch eine Extrarunde und konnte die Chance nicht nutzen, Sever zwei Runden, Berg-Knutsen eine und Lehnung riskierte viel und traf zwei Scheiben nicht, aber Sydney Wüstling brachte die Null.

Merkushyna gewinnt vor zwei Lettinnen

Estere Volfa (LAT), Oleksandra Merkushyna (UKR), Elza Bleidele (LAT), (l-r) © Deubert/IBU

Merkushyna lief als Führende in die Schlussrunde, 22,6 Sekunden dahinter Estere Volfa (LAT) und an dritter und vierter Position bogen Silje Berg-Knutsen (NOR) und die Deutsche Sydney Wüstling zeitgleich im Kampf um Bronze in die letzte Runde. Hinter den beiden liefen allerdings die weitere starke Lettin Elza Bleidele und die Italienerin Carlotta Gautero. Mit drei Strafrunden im Gepäck und einem Vorsprung von 19,9 Sekunden wurde Oleksandra Merkushyna nach Silber im Einzel Junioren-Weltmeisterin im Massenstart. Estere Volfa gewann nach vier Strafrunden Silber und ihre Teamkollegin Elza Bleidele komplettierte das Podest nach einem starken Schlusssprint. Volfa und Bleidele holten zusammen in der Mixed-Staffel bereits den Titel und Gold. Silje Berg-Knutsen wurde Vierte, Carlotta Gautero Fünfte und die Finnin Inka Hämäläinen komplettierte die Top-6. Die 17jährige Sydney Wüstling überquerte die Ziellinie nach insgesamt zwei Strafrunden als Achte und damit beste Deutsche. „Beim ersten Schießen habe ich Treffer vor Zeit gemacht in der Hoffnung, dass ich die Null schieße und das ging gut,“ so die Deutsche im ARD-Stream nach dem Rennen. „Auf der letzten und vorletzten Runde hat es mir so die Energie gezogen, es ging gar nichts mehr.“ Johanna Lehnung begann mit zwei fehlerfreien Serien und lag da noch im Bereich einer Medaille. Im dritten Schießen fiel eine Scheibe nicht und im vierten blieben dann zwei stehen. Am Ende erreichte sie nach drei Extrarunden das Ziel als Elfte. Leni Dietersberger begann mit drei Fehlschüssen im ersten Anschlag, ließ die Null folgen, aber in der Folge kassierte sie noch zwei weitere Strafrunden und sortierte sich als 30. in die Ergebnisliste ein. Melina Gaupp gab das Rennen nach dem dritten Schießen auf.   

Ergebnis MS60 Juniorinnen

Kurze Zusammenfassung des MS 60 der Juniorinnen

 

Spannung bis zum Schluss beim Massenstart 60 der männlichen Jugend

Georgi Dzhorgov (BUL) © Deubert/IBU

Der 16jährige Rihards Lozbers aus Lettland lief von Beginn des Rennens an als Führender, obwohl er in den ersten beiden Anschlägen jeweils eine Strafrunde kassierte. Die Verfolger hinter ihm wechselten sich ab. Nach dem ersten Schießen war es der Italiener Jonas Tscholl, nach dem zweiten Anschlag der Österreicher Simon Hechenberger. Zum dritten Schießen kam der Lette mit einem Vorsprung von 53,3 Sekunden auf den Finnen Tuomas Latvalahti und Simon Hechenberger. Lozbers leistete sich zwei weitere Fehlschüsse, blieb zwar in Führung als er aus der Strafrunde zurück in die Loipe kam, aber der Finne war mit der Null auf 2,8 Sekunden eingangs der Runde an den Letten herangekommen. Hinter ihm nach bisher nur einen Fehlschuss der Bulgare Georgi Dzhorgov mit einem Abstand von knapp 20 Sekunden. Hechenberger war zusammen mit dem Schweden Nordlander auf der vierten Position in die nächste Runde eingebogen. Der Lette Lozbers lief hohes Tempo und hatte seinen Vorsprung bis zum Schießstand wieder auf 25 Sekunden ausgebaut. Drei Schüsse kamen dann nicht ins Ziel und es kam darauf an, was seine Verfolger daraus machten. Latvalahti verfehlte zwei Scheiben und bog ebenfalls in die Strafrunde während der Bulgare Dzhorov dem Druck standhielt, die Null brachte und als Erster den Schießstand verließ. 15,8 Sekunden hinter ihm kam der Schwede Elmer Nordlander und zehn Sekunden dahinter der Österreicher Hechenberger, dann Latvalahti und mit 35,7 Sekunden Rückstand auf den Führenden Bulgaren kam Lozbers aus der Strafrunde. Der Bulgare Dzhorgov überquerte die Ziellinie als Jugend-Weltmeister mit einem Vorsprung von 10,8 Sekunden. Und es war der 16jährige Lozbers, der nahezu Unmögliches in der Spur leistete und mit der schnellsten Gesamtlaufzeit, mit einem rein läuferischen Vorsprung von 1:20 Minuten, an Nordlander, Hechenberger und Latvalahti vorbeizog und auf dem Silberrang ins Ziel kam. Das Podest komplettierte Tuomas Latvalahti. Simon Hechenberger kam nach nur zwei Strafrunden auf dem fünften Rang ins Ziel und sein Teamkollege Matti Pinter belegte mit fünf Strafrunden im Gepäck Rang 12. Die DSV-Athleten haben erneut ihre Chancen am Schießstand vergeben. Kilian Simon (4 Fehler) kam als Bester auf dem achten Platz ins Ziel, Hannes Lipfert (6 Fehler) belegte Platz 17, Björn Hederich (7 Fehler) den 19. Platz und Hugo Winter (8 Fehler) kam auf Platz 47.   

Ergebnis MS60 männliche Jugend

Kurze Zusammenfassung des MS 60 der männlichen Jugend

Weibliche Jugend aus Österreich trumpft im Massenstart60 auf

Selina Ganner (AUT), Ilvy Giestheuer (AUT), (l-r) © Deubert/IBU

Bei der weiblichen Jugend waren von Anfang an die beiden Österreicherinnen Ilvy Giestheuer (16) und Selina Ganner (17) gut im Rennen und gaben sich auch nach der ein oder anderen Strafrunde nicht auf. Die Französin Adele Ouvrier Buffet kam als Erste zum entscheidenden Schießen, hatte einen Vorsprung von 10,3 Sekunden auf die Slowakin Michaela Strakova. Die Schweizerin Giannina Piller machte sich als Dritte, zehn Sekunden später zum letzten Anschlag bereit. Während die Französin und auch Strakova eine Scheibe verfehlten und kreiselten, räumte Piller ab und verließ mit einem Vorsprung von 11,4 Sekunden den Schießstand. Die Französin Ouvrier Buffet war erste Verfolgerin und dann reihte sich ebenfalls nach einer fehlerfreien Serie die Österreicherin Selina Ganner ein. Ilvy Giestheuer kam mit einem Rückstand von 28,7 Sekunden aus der Strafrunde und auf der Schlussrunde wurde richtig gekämpft. Mit der schnellsten letzten Runde zog Selina Ganner an den beiden Mädels vor ihr vorbei und brachte den Sieg 10,2 Sekunden vor Ouvrier Buffet ins Ziel. Beide hatten insgesamt drei Strafrunden im Gepäck. Auch Giestheuer hatte noch genügend Kraft im Tank um am letzten Anstieg alles zu geben, an die Schweizerin heranzulaufen und schließlich im Schlussspurt mit 0,4 Sekunden Vorsprung sich die Bronzemedaille zu sichern. Bitter für die Schweizerin Piller, die das Podest und ihre erste Medaille auf der Schlussrunde nicht halten konnte und auf dem undankbaren vierten Platz landete. Ganner sagte nach dem Rennen: „Das war heute richtig cool und nach dem zweiten Schießen habe ich nicht gedacht, dass ich das heute noch gewinnen könnte. Jetzt gemeinsam mit Ilvy am Podium zu stehen, ist einfach nur schön.“ Ilvy Giestheuer: Es ist einfach so cool, dass Selina gewinnen konnte und dass wir heute gemeinsam am Podium stehen dürfen. Als ich auf der Zielgeraden den dritten Platz holen konnte, war das ein unglaubliches Gefühl und ich habe im Ziel einfach nur mehr gejubelt.“ (Quelle: Ski Austria PM) Beste von den deutschen Mädels wurde Katharina Staller (3 Fehler) auf dem achten Rang und Ina Lickert (6 Fehler) sortierte sich als 33. ein. Leonie Hinterstoisser startete nicht und Giovanna Nicolussi brach das Rennen ab.   

Ergebnis MS60 weibliche Jugend

Kurze Zusammenfassung des MS 60 der weiblichen Jugend

Thomas Marchl und Estere Volfa ausgezeichnet

Thomas Marchl (AUT) © Deubert/IBU

Die kleine Kristallkugel im Massenstart ging an den Österreicher Thomas Marchl. Schon vor dem Wettkampf am Arber war sein Vorsprung so groß, dass ihm diese Trophäe nicht mehr zu nehmen war. Einen Sieg in den drei Massenstarts zuvor, die in die Wertung einflossen, hat er nicht verbucht, wurde Fünfter in Goms (SUI) und jeweils Zweiter in Madona (LAT) und bei der Junioren-EM in Imatra (FIN). Mit Rang elf im Massenstart am Arber ging die kleine Kristallkugel in der Massenstart-Wertung mit 88 Punkten Vorsprung an den Österreicher Thomas Marchl.
Bei den Juniorinnen gewann Estere Volfa die kleine Massenstartkugel. Obwohl sie beim ersten Massenstart der IBU Junior Cup Serie in Goms in der Schweiz nicht startete, führte sie am Ende nach dem Sieg in Madona (LAT) und in Imatra (FIN) und dem zweiten Rang bei der JWM am Arber mit deutlichem Vorsprung von 110 Punkten und wurde am Arber mit der Trophäe ausgezeichnet. Aber Thomas Marchl und Estere Volfa siegten nicht nur in der Massenstartwertung. Beide setzten sich auch in der Gesamtwertung durch und erhielten den Preis für den Sieg am Arber überreicht.    

Das weitere Wettkamfprogramm