Am Mittwoch entscheidet das FIS-Council, wo die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2031 stattfinden werden. Zur Wahl stehen Oberstdorf und das slowenische Planica. Beide Orte waren erst kürzlich Ausrichter dieses Großereignisses für Skilanglauf, Nordische Kombination und Skisprung.
Direktes Duell
Mit Oberstdorf und Planica stehen nur zwei Kandidaten zur Wahl, wenn es am Mittwoch im Rahmen des FIS-Kongresses in Belgrad um die Vergabe der WM 2031 geht. Österreich hatte seine Ambitionen mit Ramsau und Bischofshofen zurückgestellt und auf eine Bewerbung verzichtet. Das wiederum bewog den DSV, sich für Oberstdorf und gegen Oberwiesenthal sowie für eine kurzfristige Bewerbung für 2031 statt erst 2033 zu entscheiden. Damit gehen die Ausrichter von 2021 (Oberstdorf) und 2023 (Planica) bereits wenige Jahre nach der Austragung der Titelkämpfe erneut ins Rennen. Zuletzt hatte das Val di Fiemme innerhalb von zehn Jahren zwei Mal eine WM ausgetragen.
Das Wahlprozedere
Nach dem Ende der Bewerbungsphase im Frühjahr 2025 mussten die beiden Bewerber bis zum 1. August 2025 ihre Bewerbungsdossiers einreichen. Im vergangenen Winter fanden dann Inspektionen vor Ort statt. Vor der Wahl dürfen sich Planica und Oberstdorf in Belgrad noch einmal präsentieren, ehe die 22 Mitglieder des FIS-Councils in geheimer Abstimmung den Austragungsort wählen. Nachdem nur zwei Kandidaten zur Wahl stehen, reicht eine einfache Mehrheit. Bei Stimmengleichstand entscheidet die Stimme des Präsidenten. Dieser wird übrigens einen Tag später neu gewählt.
Wie stehen die Chancen?
Spätestens seit dem Überraschungserfolg von Seefeld im Jahr 2014 in der Abstimmung um die WM 2019 (Gegenkandidat damals Oberstdorf) ist klar, einen sicheren Gewinner gibt es nicht. Für Oberstdorf sprechen insbesondere das Versprechen eines „Wintermärchens“ wie 2005 durch den Veranstalter mit zahlreichen Zuschauern. Hier hatte sich Planica 2023 verkalkuliert und musste teils nur spärlich gefüllte Zuschauertribünen hinnehmen. Außerdem findet in Planica 2028 die Skiflug-WM statt. Nur drei Jahre später dort die Nordische Ski-WM auszurichten, widerspricht der Politik des FIS-Councils, regelmäßig zu wechseln. Was die Modernität der Anlagen betrifft, können wohl beide Orte aufgrund ihrer jüngsten Vergangenheit punkten. Neubauten sind weder in Oberstdorf noch in Planica geplant. Infrastrukturell müsste aber in Oberstdorf nachgebessert werden. Darüber hinaus gilt Deutschland als wichtigster und finanzstärkster TV- und Sponsorenmarkt im nordischen Skisport. Eine Heim-WM würde hier natürlich für eine starke Reichweite sorgen.
Stimmen zur Oberstdorfer WM-Bewerbung
Bereits im vergangenen Jahr hatte sich DSV-Präsident Jörg Flechtner optimistisch bezüglich der WM-Bewerbung Oberstdorfs geäußert: „Oberstdorf hat in den vergangenen Jahren, teils unter schwierigsten Bedingungen, bewiesen, dass es Weltklasse-Veranstaltungen organisieren kann. Die vorhandene Infrastruktur, das erfahrene Organisationsteam und die Begeisterung der Region bilden ein starkes Fundament für eine überzeugende Bewerbung.“ Auch Oberstdorfs Bürgermeister Klaus King gab sich am Rande der Skiflug-WM vergangenen Winter kämpferisch: „Wir wollen es wieder beweisen. Vor fünf Jahren haben wir trotz Pandemie mit einer schwarzen Null abgeschlossen.“ Es gibt aber auch negative Stimmen in der Region, wie zum Beispiel seitens der ödp Oberallgäu/Kempten: „Großveranstaltungen wie eine Nordische Ski-WM führen nicht zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Wertschöpfung im Ort. Im Gegenteil: In der Zeit der Veranstaltung kommt es häufig zu einer Art Overtourism-Syndrom. Stammgäste und qualitätsorientierte Urlauber meiden den Ort bewusst und weichen auf andere Destinationen aus – nicht selten kehren sie dauerhaft nicht mehr zurück.“ Die Organisation Oberstdorf for Future betont: „Wir unterstützen gerne, wenn diese WM regenerativ für Oberstdorf ist, also über das Marketing und kurzfristige Einnahmen hinaus 100 % klimaneutral wirkt und einen Mehrwert für die Zukunft bringt.“ Damit verbunden ist die Forderung einer ersten „Auto-freien Weltmeisterschaft“.
Wir sind gespannt, wie die Entscheidung am Mittwoch ausfällt und werden natürlich direkt im Anschluss berichten!