Interview mit Johannes Hoesflot Klaebo: "Ich habe noch nie sprintspezifisch trainiert" - xc-ski.de Langlauf

Interview mit Johannes Hoesflot Klaebo: „Ich habe noch nie sprintspezifisch trainiert“

Johannes Hoesflot Klaebo © Modica/NordicFocus

Norwegens Langlauf-Shooting-Star der vergangenen Saison, Johannes Hoesflot Klaebo, spricht im exklusiven Interview mit xc-ski.de über die vergangenen Monate, Petter Northug, seine Ambitionen als Allround-Athlet und seine Ziele.

Johannes, herzlichen Glückwunsch zu einer sehr erfolgreichen letzten Saison! Wenn du zurückblickst, fragst du dich selbst, wie du in deiner ersten vollen Weltcupsaison drei Weltcup-Siege und eine Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften in Lahti erringen konntest?

Um ehrlich zu sein, die Ergebnisse der letzten Saison waren viel mehr als ich mir erträumt hatte. Ich hatte gehofft, im Weltcup während der Saison ein Sprint-Finale erreichen zu können und hatte einen Traum, in Lahti an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu können. Mehrmals auf dem Podium zu stehen und auch in einer Distanz und Mini-Tour an die Spitze zu kommen, hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen.

2015/2016 war deine letzte Saison als Junior. Du hast drei Goldmedaillen bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Rasnov gewonnen. War es damals, dass du realisiert hast, dass du eine Abkürzung in die Spitze des Senioren-Weltcups nehmen könntest oder wusstest du schon vorher von deinem Potenzial?

Die letzte Saison als Junior war unglaublich. Es gab mir Vertrauen in meine Trainingsarbeit und ich bekam einen Platz im norwegischen Rekrutenteam. Ich habe einen Start im Sprint in Drammen als Junioren erhalten, wo ich einen 17. Platz belegt habe. Das Niveau war hoch, aber es erschreckte mich nicht, und ich sah, dass es möglich war, das Niveau zu erreichen. Im Herbst letzten Jahres habe ich mit den schnellsten Sprintern in Norwegen trainiert und sah, dass ich es an einem guten Tag mit ihnen aufnehmen konnte. Dann erkannte ich, dass es möglich war, im Winter mit den besten Sprintern zu konkurrieren.

Vor der letzten Saison kannten nur Langlauf-Experten deinen Namen. Kannst du uns ein wenig erzählen, woher du kommst, wann und warum du mit dem Skilanglauf angefangen hast und zu welchem Sporthelden du aufgesehen hast?

Ich bin ein zwanzig Jahre alter Junge, bald 21, aus Trondheim, Norwegen. Ich wohne mit meinem jüngeren Bruder, meiner Schwester, meiner Mutter und meinem Vater zusammen. Meine ersten Ski bekam ich von meinem Großvater, als ich zwei Jahre alt war, und mir wurde gesagt, dass ich den ganzen Heiligabend mit meinen Skiern im Wohnzimmer herumgelaufen bin. Mama und Papa lieben Skilanglaufen und sie haben mich als Kind oft zum Langlaufen mitgenommen. Mein Großvater ist seit Jahren mein Trainer gewesen und er ist es immer noch. Als ich ein Kind war, verbrachten mein Großvater und ich Stunden um Stunden mit Langlaufen, Skispringen und Spielen auf Skiern. Aber das, was ich am meisten liebte, war Fußball spielen. Ich lebte fast auf dem Fußballplatz und ich war mir sicher, dass ich ein Fußballspieler werden sollte. Meine Helden waren meistens Fußballer und Christian Ronaldo war (ist) einer von ihnen.

Wenn Nicht-Norweger an Langlaufen in Norwegen denken, denken sie meist an den Namen Petter Northug. Wie gehst du als erfolgreicher Sportler damit um?

Petter Northug hat in seiner Karriere beeindruckende Langlaufergebnisse erzielt und was er in der Loipe gemacht hat, war für mich eine große Inspiration. Petter hat viel Interesse für den Langlauf geweckt und das ist wirklich gut. Jetzt wächst eine neue Generation von Langläufern aus vielen Ländern heran und ich hoffe, dass wir in der Zukunft gute TV-Momente für die Öffentlichkeit erbringen können.

Johannes Hoesflot Klaebo (NOR), Niklas Dyrhaug (NOR), (l-r) © Modica/NordicFocus

Nach der Saison gab es in den norwegischen Zeitungen große Schlagzeilen darüber, dass du Teil des norwegischen Allround-Teams werden wolltest, aber du wurdest „nur“ für das Sprint-Team nominiert. War das für dich ein großes Thema oder nur eine Schlagzeile von Journalisten? Was wäre anders gewesen, wenn du für das Allround Team ausgewählt worden wärst?

Ich habe noch nie sprintspezifisch trainiert und sehe mich als Allround-Langläufer. Es war mir wichtig, den Leuten zu sagen, dass ich dem Allround-Team beitreten wollte, auch wenn der NSF (Anm. d Red.: norwegischer Skiverband) es anders wollte. Jetzt ist es ok für mich, ein Teil des Sprint Teams zu sein und ich mache eine gute Arbeit im Training vor der kommenden Saison. Wir haben eine gute Konkurrenz im Team und Arild Monsen (der Trainer für das Sprint-Team) arbeitet gut mit meinem Großvater zusammen, der immer noch mein Trainer ist.

Die Medien in Norwegen berichten jedenfalls sehr viel mehr über Langlauf als in Deutschland. Ist das etwas, woran du gewöhnt bist oder würdest du gern mit einem deutschen Langläufer tauschen, der nicht befürchten muss, dass sein nächster Disco-Besuch zur Schlagzeile in der Zeitung wird?

Zuerst: Ich gehe nicht in die Disco! 🙂  Ich bin eher der Fahrer für meine Freunde, wenn sie vor 22 Uhr in eine Disco gehen. Mein Ziel ist es, das Langlaufen außerhalb Norwegens populärer zu machen, deshalb habe ich meinen eigenen VLOG auf YouTube, um zu zeigen, wie mein tägliches Leben ist. Ich denke nicht, dass die norwegische Presse lautstark ist. Ich würde es sehr begrüßen, wenn die deutsche Presse den gleichen Schwerpunkt auf Langlauf legen würde oder wenn ich die gleiche Anzahl deutscher Besucher auf meinem VLOG hätte, wie Norweger.

Johannes Hoesflot Klaebo (NOR) © NordicFocus

Du hast die deutsche Marke Leki als Stock-Ausrüster gewählt. Was war/ist der Grund, warum du dich auf deutsche Stöcke verlässt?

Ich war einer der ersten norwegischen Langläufer, die sich in Norwegen für Leki entschieden haben. Ich habe die Stöcke getestet und war sehr zufrieden damit. Leki hat auch schon früh an mich geglaubt, über was ich sehr erfeut bin und nun benutze ich Leki Stöcke seit vier Jahren. Mein Grund für mein Vertrauen in Leki ist, dass die Stöcke sehr gut sind.

Die nächste Saison rückt mit großen Schritten näher. Wie ist deine Vorbereitung bislang verlaufen? Hast du an speziellen Punkten gearbeitet?

Ich hatte einen guten Sommer. Eine kleine Pause im Juni wegen Krankheit und eine Anfang September, aber ansonsten habe ich einen guten Job gemacht. Ich muss noch meine Kapazität verbessern, das wird also ein grundlegender Schwerpunkt sein.

Was sind deine Ziele im Allgemeinen und speziell für die Olympischen Spiele in Pyeonchang?

In Norwegen ist es schwer, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, aber ich hoffe, dass ich es schaffe. Meine besten Chancen habe ich vielleicht im Sprint, aber ich hoffe, dass ich auch auf anderen Distanzen um die Plätze mitkämpfen kann. Die Norweger, die bei den Olympischen Spielen an den Start gehen werden, werden wahrscheinlich alle um die Medaillen kämpfen können.

Danke für das interessante und aufschlussreiche Interview!

Die mobile Version verlassen
Die mobile Version verlassen