Laura Gimmler und Coletta Rydzek haben die perfekte Generalprobe für die Olympischen Spiele hingelegt und den Teamsprint beim Langlauf Weltcup im Goms gewonnen. Bei den Herren triumphierten Harald Østberg Amundsen und Einar Hedegart.
Österreich und Schweiz II im Prolog raus
Die Teamsprint-Qualifikation der Damen im freien Stil war schon nach der ersten Läuferin aller Teams entschieden, weil nach Österreichs Heidi Bucher auf Platz 15 eine sechssekündige Lücke bis zu Rosie Fordham als 16. bestand. Somit konnten sich alle deutschsprachigen Teams für das Finale der besten 15 qualifizieren. Von den großen Nationen scheiterte nur Finnland II mit Vilma Ryytty und Vilma Nissinen als 16. von 22 startenden Teams. Bei den Herren war es bei 29 Teams schon schwieriger, es unter die besten 15 zu schaffen und nach den ersten Läufern der Teams klassierten sich Antonin Savary (SUI II) und Österreichs Mika Vermeulen, der nach seiner Krankheit und schwachem Abschneiden in Oberhof noch Rennkilometer braucht, als 17. und 18. ein und zwei Sekunden hinter dem sicheren 15. Rang. Das konnten Lukas Mrkonjic und Silvan Hauser nicht mehr aufholen und kassierten beide in etwa denselben Rückstand wie ihre Teamkollegen, so dass sie als 18. und 19. das Finale verpassten.
Norwegen und Deutschland stark
„Das ist eine harte Strecke, die aber Spaß macht. Wir wollen aufs Podium“, gab Finnlands Jasmi Joensuu erwartungsgemäß nach dem Prolog als Devise heraus. Daraus wurde aber nichts und dort machte sich die schwere Strecke mit dem langen und etwas modifizierten Albrecht-Anstieg bemerkbar, auf den der kürzere Hallenbarter-Anstieg folgte. Und auch die sonst hoch favorisierten Schwedinnen hatten heute nichts zu melden. Sie hatten Moa Lundgren und Johanna Hagström nominiert, aber als Lundgren über Nacht erkrankt ausfiel, rückte Märta Rosenberg aus dem zweiten Teams ins Team Schweden I, das dann das einzige schwedische Duo bildete. Das lag nicht nur an der Ersatzfrau, auch Hagström konnte sich auf der schweren Strecke auf 1300 Meter nicht in Spitzenpositionen zeigen und fiel in der Schlussrunde weit zurück. Umso stärker zeigte sich das Team Norwegen II mit Karoline Grøtting, der Führenden im Scandinavian Cup, und Tiril Udnes Weng, die schon die Qualifikation gewannen und auch im Finale das Tempo bestimmten. Ihnen immer auf den Fersen war aber das deutsche Teamsprint Duo, das sich durch Laura Gimmler auf allen Runden bärenstark zeigte, während sich Coletta Rydzek planmäßig zunächst versteckte.
Rydzek im Endspurt nicht zu schlagen
Coletta Rydzek spielte ihre Stärken auf der Schlussrunde perfekt aus. Die 28-Jährige war als Erste von ihrer Freundin auf die Schlussrunde geschickt worden, schlug aber kein hohes Tempo an, um noch etwas ihre Kräfte zu schonen. Dadurch vergrößerte sich die Spitzengruppe wieder auf sieben Athletinnen und Tiril Udnes Weng ging als Erste vor Jasmi Joensuu in die Abfahrt nach dem ersten Anstieg gefolgt von Rydzek und Drivenes. Weng hielt das Tempo weiter hoch und hatte nach dem Hallenbarter-Anstieg eine kleine Lücke, aber die Oberstdorferin saugte sich in der Abfahrt wieder heran wie auch Julie Bjervig Drivenes, die sich mit ihrer Teampartnerin Astrid Øyre Slind lange im Feld versteckte und erst gegen Rennende vorne auftauchte. In der Zielkurve zog Coletta Rydzek außen an Weng vorbei und war auf der Zielgeraden nicht mehr einzuholen, so dass das DSV-Duo einen weiteren klaren Sieg im Teamsprint wie schon beim Saisonfinale in Lahti feierte. „Das war perfekt“, lobte Damen-Trainer Per Nilsson im Ziel. Laura Gimmler erklärte im FIS-Interview: „Es war ein sehr hartes Rennen. Jeder sagt das, glaube ich. Der Plan war, zu Beginn Energien zu schonen und dann für Coletta zu arbeiten, damit auch sie Kraft sparen kann.“ Dazu sagte ihre Teampartnerin: „Ich habe zu Beginn viel Kraft gespart und man hat gesehen, wie stark Laura war. Dann hatte ich ein starkes Finish, aber es war nicht so leicht wie es aussah. Wir werden sehen, wie es bei Olympia läuft, aber es ist immer schön, oben auf dem Treppchen zu stehen.“ Im Kampf um Platz zwei übersprintete noch Julie Drivenes Tiril Weng, so dass Norwegen I vor Norwegen II landete. Finnlands Jasmin Kähärä und Jasmi Joensuu gehörten als Vierte mit fünf Sekunden Rückstand heute zum geschlagenen Feld vor USA I mit der 20-jährigen Samantha Smith und Julia Kern, die diesmal Schlussläuferin war. Sammy Smith war erst in Oberhof in den Weltcup zurückgekehrt, nachdem sie das Meisterschaftsfinale im College-Fußball mit ihrem Team Stanford Cardinal im Dezember verloren hatte. Das einzige Schweizer Team mit Nadja Kälin und Alina Meier hielt lange sehr gut mit und musste sich erst auf der Schlussrunde geschlagen geben, was Rang sechs bedeutete vor Frankreich I (Perry/Gal) und Italien II (Ganz/Monsorno), die beide im Laufe des Rennens gestürzt waren.
Rydzek wieder mit „Nervositätskötzerle“
Im Gespräch mit Jens-Jörg Rieck nach dem Rennen äußerten sich die beiden Siegerin ausführlich zu ihrem Rennen. Demnach hatte sich Laura Gimmler gar nicht so stark gefühlt, wie es den Eindruck gemacht hatte: „Tatsächlich habe ich mich gar nicht gut gefühlt“, lachte sie. „Ich war sehr überrascht über den Prolog und es hat mir gut getan mental. Ich habe dann gemerkt, alle jammern heute und vielleicht ist es auch einfach die schwere Runde. Es war schon sehr sehr hart hier. So bin ich es dann angegangen, einfach von Runde zu Runde. Ich habe immer ein bissel das Tempo gesteigert von Runde zu Runde. So habe ich am Anfang Kraft gespart, weil sich das am Ende auszahlt und für Coletta Positionen gemacht, damit sie dann am Ende auch ihre Stärken ausspielen kann. Und das hat alles so geklappt, ist aufgegangen und wir sind beide happy mit unserem Auftritt“, freute sie sich. Auch bei Coletta Rydzek lief nicht alles optimal, aber das ist die Oberstdorferin inzwischen schon gewohnt: „Ich hatte wieder ein kleines Nervositätskötzerle kurz bevor Laura los ist, aber mittlerweile weiß ich damit umzugehen. Es ist primär Nervosität und das Adrenalin und der Stress. Es ist nicht ganz angenehm, aber ich weiß nun, dass es auch damit geht.“ Laura Gimmler hofft nicht, dass das im Val di Fiemme auch der Fall ist, „weil ich mir das sehr unangenehm vorstelle. Aber wir müssen jetzt einfach unaufgeregt unser Ding weiter machen und nicht an irgendwelche Resultate denken, sondern einfach, dass wir als Zimmerkolleginnen und Freundinnen Deutschland repräsentieren dürfen und uns auf unsere Stärken besinnen. Dann wird das auch alles gut laufen.“ Zu hoch will das DSV-Duo den heutigen Erfolg aber auch nicht hängen: „Heute waren viele nicht da, USA nicht in Top-Besetzung, Schweden auch nicht. An so einem Tag bei Olympia muss alles passen. Wir geben unser Bestes und genießen es und dann sehen wir, was raus kommt.“ Das zweite deutsche Team mit Sofie Krehl und Lena Keck fiel in der dritten Runde zurück und belegte schließlich den guten zehnten Rang. Die Österreicherinnen Heidi Bucher und Magdalena Scherz kamen als 14. in die Wertung.
Norwegen I durch Hedegart mit deutlicher Ansage
„Es ist immer hart hier. Die Anstiege sind sehr sehr lang. Es ist schwierig, am ersten Anstieg einen guten Rhythmus zu finden und in der Abfahrt wird es dann leichter. Wir haben uns nichts Besonderes vorgenommen, wir wollen unser Bestes geben und wollen dran bleiben“, sagte Valerio Grond nach dem Prolog. Wie erwartet hielt das Schweizer Duo lange gut mit, aber das Rennen wurde eindeutig von den Norwegern bestimmt, die Klæbo außen vor ließen und stattdessen Harald Østberg Amundsen zusammen mit Einar Hedegart testeten und dazu die nicht für Olympia nominierten Sprinter Evensen/Northug als Norwegen II. Amundsen und Hedegart waren es aber, die dem Rennen ihren Stempel aufdrückten, während die Sprinter um Anschluss kämpften. In Runde vier attackierte der aktuell beste Skater Einar Hedegart auf dem Weg zum Wechsel und Amundsen konservierte auf seiner Runde diesen Abstand. Bei Hedegart schien es zwischenzeitlich wieder enger zu werden, aber nach einer Tempoverschärfung war früh alles klar. Der Skatingspezialist, der in der kommenden Saison weiter im Langlauf antreten und nebenbei sein Schießen trainieren will, um in der Zukunft einer guter Biathlet zu werden, konnte früh jubeln und aus den Stockschlaufen schlüpfen. „Das war richtig cool, aber die Strecke ist sehr hart. Man muss sehr vorsichtig sein. Aber ich wusste, dass ich mit Einar einen guten Mann an meiner Seite habe“, sagte Amundsen und Hedegart fügte hinzu: „Das war mein Debüt im Teamsprint. Ich wusste nicht ganz, was ich erwarten kann. Aber es lief sehr gut und offenbar liegt mir die Strecke sehr gut.“ Im Hinblick auf den Teamsprint bei den Olympischen Spielen, den er gerne laufen würde, sagte er: „Message sent, I hope the message is received!“ Im Duell um Platz zwei setzte sich im Endspurt doch noch Federico Pellegrino (im Team mit Elia Barp) durch, der zuvor schon sehr müde wirkte. Ben Ogden und Gus Schumacher jubelten aber auch ausgiebig über Platz drei. Mit zwölf Sekunden Rückstand holten Davide Graz und Martino Carollo auch den vierten Platz nach Italien vor Schwedens Gustaf Berglund und Edvin Anger. Janik Riebli und Valerio Grond sicherten sich den sechsten Platz, nachdem Grond am Schluss nicht mehr mit den Besten mithalten konnte. Elias Keck und Jan Stölben wurden gute Siebte. Anian Sossau-Daubermann und Simon Jung belegten als zweites deutsches Team Rang 13 klar vor Schweden II und Norwegen II.
Trainer sehr zufrieden mit DSV-Teams
Natürlich waren auch die Trainer mit dem Sieg mehr als zufrieden, so dass Per Nilsson lobte: „Natürlich sind wir sehr glücklich mit dem Rennen von Coletta und Laura. Das war das taktisch beste Rennen, was sie je gemacht haben. Es war der härteste Kurs, den wir im Weltcup haben für einen Teamsprint. Vom Start bis zur Spitze waren es für die Damen 1:20 Minuten, das ist für alle sehr hart. Wir sind froh, vor den Spielen einen so guten Teamsprint gesehen zu haben auf dieser schweren Strecke. Großes Kompliment an die Mädels und auch die Techniker haben einen sehr guten Job gemacht. Wir haben sehr gute Ski im Vergleich zu den anderen. Nun erholen wir uns für morgen, wo ein schwerer Klassiksprint auf dem Programm steht.“ Auch Teamchef Peter Schlickenrieder fand fast nur lobende Worte für seine vier Duos: „Erster Saisonsieg für Deutschland. Sie haben sich taktisch eindrucksvoll verhalten, haben sich das Rennen schon in der Qualifikation gut eingeteilt und dort schon gezeigt, wozu sie fähig sind und dann waren sie im Finale die Besten. Taktisch perfekt eingestellt, sie waren zu jedem Zeitpunkt dort, wo man sein muss, um attackieren zu können und dann ist der Zielsprint von Coletta einmalig. Das ist eine gute Motivation für die Olympischen Spiele, wo die Karten sicher nochmal neu gemischt werden. Das ist eine gute Motivation, aber wir dürfen uns auch nicht zu viel erwarten, weil die Strecken im Val di Fiemme noch einmal deutlich anders sind. Diese haben jetzt gut gepasst.“ Über Sofie Krehl und Lena Keck sagte er: „Das Team II hat bei den Damen den zehnten Platz geholt. Da sieht man das Potential, aber da geht natürlich auch noch mehr, das ist klar“, so Schlickenrieder, der sich auch zu Keck/Stölben und Sossau-Daubermann/Jung äußerte: „Bei den Herren wurde es Platz sieben mit einem sehr starken Jan Stölben wieder, Elias Keck hat sich natürlich schwer getan, das hohe Tempo der Norweger standzuhalten. Team II mit Anian Sossau-Daubermann und Simon Jung hat sich auch sehr gut präsentiert und eine gute Qualifikationsszeit hingelegt. Dieser Einzug ins Finale ist schon ein Erfolg und als 13. ins Ziel zu kommen hat noch Potential, ist aber gut und ausbaufähig. Insgesamt können wir zufrieden sein, es geht bei den Jungs auch leicht bergauf, daran müssen wir uns hochziehen und dann freuen wir uns auf den Sprint morgen auf dieser schweren Strecke und schauen, was da drin ist.“
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