Langlauf Kurznews: Nein zu Bolshunov, Zwangspause bei Perry, Karriereende bei Hartz Melling und veränderte Anti-Doping-Regeln - xc-ski.de Langlauf

Langlauf Kurznews: Nein zu Bolshunov, Zwangspause bei Perry, Karriereende bei Hartz Melling und veränderte Anti-Doping-Regeln

Alexander Bolshunov hat auf seinen Antrag auf Neutralität offenbar eine Absage bekommen. Léonie Perry und Maria Hartz Melling müssen gesundheitlich kürzer treten und im Anti-Doping-Kampf gibt es auch Neuerungen. 

Bolshunov erhält kein grünes Licht

Alexander Bolshunov hat alles Mögliche getan, um wieder international starten zu dürfen. Er unterschrieb die geforderte Neutralitätserklärung und kündigte vorher beim Militär – trotz der möglichen politischen und finanziellen Folgen. Die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti meldete am letzten Sonntag unter Berufung auf interne Quellen, dass Bolshunovs Antrag auf den Status als neutraler Athlet abgelehnt worden sei. Ihm sei demnach empfohlen worden, bis zur nächsten Saison zu warten.  Der FIS-Vorstand (FIS Council) kam dann am Dienstag zu einer geplanten Sitzung zusammen, bei der unter anderem über die Zulassung russischer und belarussischer Athleten sowie konkret über den Fall Bolshunov beraten wurde. Die Meldung am Sonntag basierte auf Vorab-Signalen und ersten internen Prüfungen der FIS-Kommissionen. Die finale, formelle Entscheidung und die politische Debatte darüber, ob man den Ausschluss aufrechterhält, fand dann tatsächlich wie geplant am Dienstag im FIS-Vorstand statt. Nach Ansicht des Councils erfüllt er die strengen Kriterien zur politischen Neutralität nicht. Obwohl Bolshunov (wie von russischer Seite betont) versucht hat, formale Hürden zu nehmen und Berichten zufolge seinen aktiven Dienst quittiert hat, wiegen zwei Punkte in seiner Akte für das FIS Neutrality Review Panel zu schwer: Bolshunov bekleidet den Rang eines Hauptmanns (Captain) in der russischen Armee. Eine bloße Kündigung des aktuellen Dienstes löscht diese historische und strukturelle Verbindung zu staatlichen Militärverbänden in den Augen der Prüfer nicht ohne Weiteres aus. Außerdem nahm er im März 2022 an der großen Pro-War-Massenkundgebung im Moskauer Luschniki-Stadion teil und trat dort öffentlich auf. Dies gilt als klarer Verstoß gegen das strikte Verbot einer „aktiven oder öffentlichen Unterstützung des Krieges“. Das große Durcheinander wird nun aber ausgelöst durch die neuen Regeln aus dem Herbst 2026. Die FIS hatte die Hürden so formuliert, dass die Prüfung der Neutralität primär auf den Zeitpunkt der Antragstellung abzielt. Über 200 russische Athleten (darunter 50 Skilangläufer wie Natalia Terenteva) haben genau deshalb bereits grünes Licht erhalten. Rein bürokratisch hätte Bolshunov durch die neuen Formulierungen eine Chance gehabt. Die FIS-Führung stand am Dienstag vor dem Dilemma, dass sie den Topstar eigentlich blockieren wollte, ihre eigenen, laxen Regeln ihm aber fast den Weg ebneten. Statt Bolshunovs Antrag formell im Detail abzulehnen, nutzte der FIS-Vorstand die Sitzung, um „Präzisierungen und Richtlinien zur Auslegung“ zu beschließen. Man hat die Regeln also im Nachhinein so festgezurrt, dass Bolshunov aufgrund seiner Luschniki-Teilnahme und seines Offiziersrangs eben doch außen vor bleibt. Genau hier setzt die russische Seite an: Sie wirft der FIS „Russenhysterie“ und reine Willkür vor und bereitet eine Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) vor, da Bolshunov alle geforderten Dokumente fristgerecht eingereicht hatte. Da der Internationale Sportgerichtshof (CAS) kurz zuvor in einem ähnlichen Fall im Eishockey zugunsten Russlands entschieden hatte (Teilnahme an Eishockey-WM 2027 in Deutschland gestattet), befürchtet der Skiverband nun eine offizielle Klage beziehungsweise einen Einspruch der russischen Seite, der die FIS trotz des jetzigen „Neins“ theoretisch noch zu einer Zulassung zwingen könnte.

Stepanova bekräftigt Unterstützung für Putin

Veronika Stepanova hatte ebenfalls einen Antrag auf Neutralität eingereicht. Fast gleichzeitig bekräftigte sie aber noch einmal ihre Unterstützung für ihren Präsidenten Vladimir Putin. Auf Instagram hatte sie unmissverständlich nachgelegt und erklärt, sie sei eine „langjährige Unterstützerin“ von Vladimir Putin und der feierliche Empfang durch ihn im Kreml bedeute ihr „mehr als die olympische Goldmedaille“. Weiterhin schreibt sie: „Das norwegische Dagbladet bezeichnet mich in seinem Artikel als ‚en mangeårig Putin-lojalist‘ / eine langjährige Putin-Unterstützerin. Erstens steht in den FIS-Dokumenten absolut nichts über Ihre Loyalität. Es gibt dort keine anderen Erklärungen als das Versprechen, politische Äußerungen ausschließlich bei Wettkämpfen unter der Schirmherrschaft des Internationalen Skiverbandes zu unterlassen. Zweitens, und das ist noch wichtiger: Ja, ich bin eine langjährige Unterstützerin. Jung und relativ erfolgreich. Ich bin stolz auf meinen Empfang im Kreml beim Präsidenten Russlands. Viel mehr als auf meine olympische Goldmedaille – oder jede andere.“ Ihrer Meinung nach beziehen sich die FIS-Regeln also auf das Unterlassen politischer Äußerungen während der FIS-Veranstaltungen. Dass sie überhaupt eine theoretische Chance auf eine Zulassung sah, liegt an der Formulierung der Neutralitätsregeln, die nun verschärft wurden. Die Richtlinien des IOC und der Weltverbände besagen unmissverständlich, dass Athleten, die den Krieg oder das Regime aktiv und öffentlich unterstützen, strikt von der Teilnahme als neutrale Sportler ausgeschlossen sind. Mit ihren jüngsten Social-Media-Statements hat sich Stepanova vor den Augen der Weltöffentlichkeit und der FIS-Prüfer selbst jegliche sportliche Grundlage für den Status als „neutrale Athletin“ entzogen. Ihr Fall zeigt drastisch, warum der FIS-Vorstand am Dienstag die Notbremse ziehen und die Auslegungsregeln verschärfen musste: Die Behauptung russischer Funktionäre, es handele sich bei den Anträgen um rein „unpolitische Rückkehrversuche zum Sport“, wurde durch Stepanovas eigene Propaganda-Statements komplett ad absurdum geführt. Neben Bolshunov wurden offenbar auch Denis Spitsov, Alexey Chervotkin, Ivan Yakimushkin und Alexander Terentev abgelehnt. Yulia Stupak ist schwanger, ob Tatiana Sorina, die gerade erst Mutter wurde, einen Antrag gestellt hat, ist nicht bekannt. Vor allem die skandinavischen Länder verweigern aber weiterhin die Einreise russischer Sportler. Auch der finnische Ministerpräsident Petteri Orpo bekräftigte noch einmal, keine Russen ins Land lassen zu wollen. „Das Außenministerium bereitet zusätzliche Maßnahmen vor, um die Einreise für Russen zu beschränken. Wir bemühen uns weiterhin, Einfluss auf die Europäische Union zu nehmen, damit diese Entscheidung auf paneuropäischer Ebene angenommen wird“, sagte Orpo in einem Interview mit MTV Uutiset.

Essstörungen bei Léonie Perry

Léonie Perry ist eines der aufstrebenden Talente bei den französischen Damen. Nachdem sie Ende 2024 ihr Weltcup-Debüt gab, lief sie im Winter 2025/26 mit nur 21 Jahren sensationell in die Weltspitze. In Davos belegte sie über zehn Kilometer Freistil den sechsten Platz und bei der Tour de Ski verpasste sie das Podest als Vierte im Heat-Massenstart nur hauchdünn. Bei ihren ersten Winterspielen überzeugte sie auf ganzer Linie. Sie wurde Zehnte über zehn Kilometer Freistil und belegte Platz 16 im Skiathlon. Direkt nach den Olympischen Spielen drückte sie den Junioren-Titelkämpfen ihren Stempel auf. Sie gewann Gold mit der Mixed-Staffel in der U23-Klasse sowie jeweils Bronze über zehn Kilometer klassisch und 20 Kilometer Freistil. Nur wenige Tage vor ihrem 22. Geburtstag gibt es nun leider sehr besorgniserregende Nachrichten von ihr. Wie der französische Skiverband (FFS) am Montagabend offiziell bekannt gab, wurde Léonie Perry wegen einer Essstörung ins Krankenhaus eingeliefert und fällt auf unbestimmte Zeit aus. Der Verband betonte, dass ihr Zustand es aktuell unter Sicherheitsaspekten nicht zulässt, Leistungssport zu betreiben. Sie wird die ersten Weltcups der neuen Saison 2026/27 definitiv verpassen. Die Veröffentlichung dieser Diagnose geschah ausdrücklich mit Perrys Zustimmung, was in der Langlaufszene viel Respekt hervorgerufen hat, da das Thema Essstörungen im Ausdauersport leider extrem verbreitet ist, aber selten so offen kommuniziert wird. Weitere Informationen soll es dazu aber nun nicht mehr geben. 

Melling muss Karriere beenden

Zunächst hoffte Maria Hartz Melling noch auf eine zeitlich begrenzte Pause, nun ist aber klar: Die 23-Jährige, die 2022 in Lygna Junioren-Weltmeisterin im Sprint und mit der Staffel wurde, muss ihre sportliche Karriere beenden. Zwischen 2022 und 2024 startete sie 19 mal im Weltcup und lief bei U23-Sprints 2024 und 2025 auf Bronze und Platz fünf, danach stellten sich Herzprobleme ein, die ihren Fortschritt ausbremsten. Sie leidet seit über zwei Jahren lang unter anhaltenden Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien). Die Erkrankung selbst stuften die Mediziner zwar als gutartig und medizinisch ungefährlich ein, allerdings traten die Rhythmusstörungen extrem unberechenbar bei intensiven Trainingseinheiten und unter maximaler Wettkampfbelastung auf. Für eine Skilangläuferin auf Weltklasseniveau machte dies Spitzenleistungen praktisch unmöglich. Melling und ihr Ärzteteam versuchten über Monate hinweg alles, um das Problem in den Griff zu bekommen. Sie unterzog sich im Laufe des Winters zwei Katheterablationen (medizinische Eingriffe am Herzen zur Verödung der betroffenen Gewebestellen), um die Fehlimpulse dauerhaft zu stoppen. Da auch diese Behandlungen nicht den gewünschten Erfolg brachten und die Herzbeschwerden bei hoher Intensität bestehen blieben, hat Melling im Oktober 2026 offiziell erklärt, ihre internationale Skilanglaufkarriere komplett zu beenden. Sie erklärte dazu nüchtern, dass sie keinen Sinn darin sehe, weiterzumachen, wenn der eigene Körper das Laufen von Skirennen auf diesem Niveau einfach nicht mehr zulässt. Trotz des bitteren Verlusts ihres sportlichen Traums hat Melling bereits einen klaren neuen Weg eingeschlagen: Sie hat die freigewordene Zeit genutzt, um ein Medizinstudium an der Universität Oslo (UiO) zu beginnen.

Neue Anti-Doping-Regeln

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA refortiert die Anti-Doping-Regeln. Die WADA hat diese Änderungen über Monate hinweg auf globaler Ebene erarbeitet und dabei das Feedback von über 600 Athleten aus mehr als 60 Ländern einbezogen. Die FIS hat diese neuen Richtlinien jetzt im November lediglich offiziell präsentiert und für ihre Sportarten übernommen, damit sich alle nationalen Verbände, Trainer und Sportler bis zum weltweiten Stichtag am 1. Januar 2027 darauf einstellen können. Das Ziel ist es, Prozesse klarer zu gestalten, junge Athleten besser zu schützen und Strafen verhältnismäßiger zu machen. 
• Besserer Schutz bei unbeabsichtigter Kontamination: Nicht deklarierte Inhaltsstoffe in Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln, verunreinigte Lebensmittel sowie die Übertragung durch direkten physischen Kontakt mit einer anderen Person oder von ihnen berührten Objekten. Der „bessere Schutz“ ergibt sich im neuen Regelwerk aus einer Beweiserleichterung und der Ausweitung dessen, was als unverschuldete Ursache anerkannt wird. Im alten Antidoping-Code war das für Sportler deutlich strenger geregelt. Im bisherigen System war es für Athleten fast unmöglich, eine Sperre abzuwenden, wenn eine Substanz durch reines Berühren oder Intimkontakt (z. B. Küssen, Schweiß oder das Benutzen desselben Gegenstands wie eine gesperrte Person) in den Körper gelangte. Das alte Recht verlangte meist ein verunreinigtes Produkt (wie ein Nahrungsergänzungsmittel), das man im Labor nachträglich testen konnte. Künftig reicht der Nachweis einer solchen menschlichen „Kontaminationsquelle“, um die Strafe drastisch zu senken. Wenn ein Athlet nachweisen kann, woher die Verunreinigung kam (z. B. durch ein verunreinigtes Lebensmittel) und dass er nicht betrügen wollte, wird die Sperre im neuen System automatisch auf zwei Jahre verkürzt. Vorher drohten selbst bei unabsichtlicher Einnahme ohne lückenlosen, wissenschaftlichen Beweis oft direkt die vollen vier Jahre Sperre. Das System schützt Sportler also davor, wegen Sabotage, unglücklicher alltäglicher Berührungen oder verunreinigtem Essen direkt als „vorsätzliche Doper“ abgestempelt und für vier Jahre gesperrt zu werden.
• Abgestufte Sperren nach Absicht und Nachweisbarkeit:
  • 2 Jahre Sperre: Wenn der Athlet nachweisen kann, wie die Substanz in den Körper gelangt ist und dass keine Absicht vorlag.
  • 3 Jahre Sperre: Wenn der Athlet zwar den Weg der Substanz nachweisen kann und die Umstände nichts mit der sportlichen Leistung zu tun hatten, er aber nicht beweisen kann, dass die Verletzung völlig unabsichtlich war.
  • 4 Jahre Sperre: Wenn es für die gefundene Substanz keinerlei Erklärung oder Nachweis gibt.
• „Rabatt“ bei schnellem Geständnis: Wenn ein Athlet das Vergehen innerhalb von 20 Tagen nach Erhalt der offiziellen Anklage vollumfänglich zugibt und die Konsequenzen akzeptiert, reduziert sich die Sperre automatisch um 25 Prozent. Bei Sperren über vier Jahren verringert sie sich pauschal um ein Jahr.
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