In dieser Kurznews geht es um das für alle überraschende Karriereende von Kerttu Niskanen, die zweite Schwangerschaft von Yulia Stupak und die schwierigen letzten Monate für Mathilde Myhrvold und Flora Dolci nach ihrer Verletzung.
Schlussstrich für Kerttu Niskanen
Aus dem Nichts – auch für ihren Nationaltrainer – kam die Ankündigung von Kerttu Niskanen, die die Ski-Welt schockierte: Mitten in der Saisonvorbereitung beendet die 38-Jährige ihre sportliche Karriere. „Ich war nun für unglaubliche 20 Jahre Profi. In diese Reise inbegriffen sind viele großartige Erfolge, gefeierte Siege, Erfahrungen, Weiterentwicklung, Herausforderung und Rückschläge. Einfach alles, was Leistungssport ist“, schreibt die Finnin auf Instagram. „Ich habe das Training und die Wettkämpfe enorm genossen und habe jeden Tag nur die Skilaufen gewidmet. Nun ist die Zeit, Raum für etwas anderes zu schaffen.“ Zudem dankt sie ihren Fans, ihrer Familie, ihren Partnern und Unterstützern und besonders ihrem Ehemann Juho Mikkonen, der seit Jahren ihr Heimtrainer war. Gegenüber Ilta Sanoma erklärte sie die Gründe für ihre überraschende Entscheidung: „Die Entscheidung muss für viele eine Überraschung gewesen sein, das habe ich an all den Nachrichten gemerkt, die ich an dem Tag bekommen habe. Ich musste aufhören mit dem Lesen, weil es so emotional war. Mir graute schon vor den Interviews“, sagte sie und fügte hinzu: „Ich habe oft gesagt, dass ich es von Jahr zu Jahr entscheide und der letzte Winter war mir wegen der Olympischen Spiele wichtig. Am Ende der Saison litt ich an einer Verletzung [Muskelfaserriss], so dass ich den letzten Weltcup und die nationalen Meisterschaften verpasste. Das machte es alles noch schwerer. Ich habe im Sommer so viel trainiert wie ich trotz Verletzungen konnte. Aber am Ende fiel die Entscheidung zum Aufhören.“ Wie sie weiter sagte, hat sie in den letzten Monaten immer wieder mit ihrem inneren Kreis über die Fortsetzung ihrer Karriere diskutiert. Für Außenstehende sei die Entscheidung nur aus dem Nichts gekommen, weil sie wegen der Verletzung den Medien am Saisonende nicht für Gespräche über den vergangenen Winter und die Zukunft zur Verfügung stand. Niskanen gewann fünf olympische Medaillen und zwei WM-Medaillen, holte 2023 den Distanzweltcup und kam bei 357 Weltcupstarts 36 mal aufs Podium und feierte neun Siege. Finnlands Skipräsident Petter Kukkonen bedauert den Abschied von Niskanen: „Kerttu ist in das Herz der Finnen gelaufen.“ Die 38-Jährige beendet ihre Karriere als Millionärin. Ihre Firma mit ihr als Betreiberin erwirtschaftete in den letzten fünf Geschäftsjahren einen Umsatz von 1,38 Millionen Euro. Das Geld stammt hauptsächlich aus ihren Preisgeldern, Sponsoren- und Kooperationsverträgen, die sie über diese Firma abgewickelt und anschließend erfolgreich in Investments umgeschichtet hat. Da die Firma kaum laufende Kosten, Angestellte oder Materialaufwände hatte, blieben von diesem Umsatz über 1 Million Euro als reiner Gewinn übrig.
Stupak wieder schwanger
Von Karriereende ist bei Yulia Stupak nicht die Rede. Die 31-Jährige gab aber Ende August via Social Media bekannt, dass sie zum zweiten Mal Mutter wird. Sie und ihr Ehemann Nikita haben bereits einen Sohn, Arseniy, der sechs Jahre alt ist. „Wir wollen wunderbare Nachrichten mit euch teilen. Ich starte in meine absolute Bestform als Mama“, schreibt sie und das Bild zeigt bereits einen beachtlichen Babybauch. Stupak wurde lange von Markus Cramer gecoacht, auch noch nach dem Ende der offiziellen Zusammenarbeit. Nun ist Training aber Nebensache und eine Rückkehr in den internationalen Sport in absehbarer Zeit ist ohnehin fraglich, weil sie Angehörige der russischen Streitkräft im Rang eines Kapitän ist.
Mathilde Myhrvold – neun Monate danach
Fast genau fünf Jahre nach ihrem ersten Podium, das einen Polizeieinsatz bei Mathildes Schwester auslöste, nachdem Nachbarn nach einem lauten Kreischen in Sorge waren, lief sie in Davos wieder zweimal aufs Podium und ging hochmotiviert in die Tour de Ski, die den Weg zu den Olympischen Spielen ebnen sollte. Aber dann kam alles ganz anders. Im Sprintfinale auf der ersten Etappe stürzte sie in der letzten Kurve und kugelte sich äußerst schmerzhaft die Schulter aus. Der heftige Aufprall riss den Oberarmkopf aus der Pfanne und beschädigte typischerweise die Gelenklippe (das Labrum), die umliegenden Bänder sowie die Rotatorenmanschette. Schon vor der genauen Diagnose war klar, dass es mit den Olympischen Spielen schwierig werden würde. Während der Spiele feierte sie aber schon ihr Comeback im Scandinavian Cup und eine Woche später im Weltcup, wo sie in drei Sprint noch 16., Sechste und Zwölfte bis zum Saisonende wurde. Aktuell blickt sie bei langrenn.com auf diese schwierige Zeit zurück, in der sie auch große mentale Probleme hatte. Sie ist immerhin froh, dass sie die Saison noch mit guten Ergebnissen beenden konnte: „Es wäre schade gewesen, wenn mein letztes Rennen der Saison am 28. Dezember gewesen wäre. Das wäre eine sehr kurze Saison gewesen. Darum habe ich mir schnell das Ziel gesetzt, einen Teil der Weltcups noch zu bestreiten. Aber ich konnte nur alternativ trainieren ohne meinen Arm. Nach einiger Zeit konnte ich wieder gemütlich laufen, aber bis ich wieder schwerere Strecken laufen konnte, hat es noch länger gedauert. Dann startete ich im Scan-Cup und dann wieder im Weltcup“, sagte sie. Nun geht sie aber wieder hochmotiviert in die neue Saison mit dem Ziel der WM in Falun, die nach den Olympischen Spielen in Peking und der Heim-WM in Trondheim ihr drittes Großereignis wären. „Der Plan war, einfach ein paar Rennen in der Saison noch zu laufen im Hinblick auf die nächste, aber es war auch schön, noch gute Ergebnisse abzuliefern. Es ist wichtig, ein gutes Gefühl in das Sommertraining mitzunehmen. Die WM in Falun ist mein Hauptziel. Die Vorbereitung ist gut gelaufen und ich hoffe, es geht im Herbst so weiter“, sagte sie. „Das einzige, was mir Sorgen bereitet, ist dass wieder ein Unfall passieren könnte. Da habe ich mehr Bedenken als früher.“
Comeback von Flora Dolci steht bevor
Auf dem Weg zurück ist auch Flora Dolci. Elf Monate ist es jetzt her, dass die Französin ihren 26. Geburtstag mit einem Paragliding-Ausflug feiern wollte und aus offenbar größerer Höhe abstürzte. Genaue Details zur Höhe oder zur Unfallursache gab der französische Skiverband nie bekannt. Bei dem Absturz, wo ihr während des Fallens sehr bewusst war, dass es gleich sehr weh tun wird, brach sie sich den vierten Lendenwirbel mit Beteiligung des Rückenmarks. Die Ärzte waren selbst überrascht, dass sie bei dieser Fraktur noch ihre Beine spürte, so dass sie haarscharf an einer Querschnittslähmung vorbeischrammte. Fünf Wirbel wurden mit Metallplatten verstärkt und zudem mussten Muskeln im unteren Rücken weichen, um die Platten zu fixieren. Sie sagte nun zu Ski Nordique: „Mein Rücken wird nie wieder so sein wie vorher.“ Sie musste komplett neu lernen, ihr Becken und ihren Körper beim Skaten zu bewegen. Nach dem Krankenhausaufenthalt absolvierte sie ihr Rehaprogramm, lief im Winter noch Ski und fuhr viel Rad. Der Knorpelriss im linken Knöchel, den sie sich ebenfalls zuzog, behinderte zusätzlich beim Wiedereinstieg. Im Sommer ist sie wieder ins Teamtraining eingestiegen, aber es war eine Mischung aus hartem Training und kontinuierlicher Anpassung an ihre körperlichen Einschränkungen. Inzwischen hat sie zwei Trainingslager mit dem Team absolviert, beschreibt das erste Schneetraining in Schweden aber als „echten Albtraum“. Ihr großes Ziel ist der Weltcup-Auftakt in Ruka im November 2026. Obwohl sie im Training voll durchzieht, betont sie, dass sie ihren genauen Leistungsstand im Vergleich zur Weltspitze aktuell noch überhaupt nicht einschätzen kann.
https://www.instagram.com/p/DWjgPXjuCAZ
