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Langlauf Kurznews: Trainer kündigt, Johaug zu Olympia, Marathon-Karriere für Jakob Lange, weiter Knieprobleme bei Andersson und Gendertests vertagt

Nach Ablauf von Skistads Ultimatum hat Lage Sofienlund nun doch die Konsequenzen gezogen. Therese Johaug will noch einmal zu den Olympischen Spielen und Ex-Kombinierer Jakob Lange ist stark im Marathon. Außerdem leidet Ebba Andersson weiter unter Knieproblemen und geplante Gendertests wurden auf später vertagt.

Neuer Job für kritisierten Trainer

In einer Pressemeldung gab Konnerud IL bekannt, dass Lage Sofienlund nach den Anschuldigungen von Kristine Stavås Skistad (>>wir berichteten<<) nicht mehr als Trainer für den Verein arbeiten wird. Obwohl der Fall offiziell abgeschlossen ist, beschloss Sofienlund, seinen Trainerposten aufzugeben. Den Job als Cheftrainer und sportlicher Leiter übernimmt nun der bisherige Co-Trainer Tinus Dahl. Der 1989 geborene Sofienlund war seit Jahren sportlicher Leiter in Konnerud, auch als er als Entwicklungsleiter beim lokalen Fußballverein Strømsgodset Toppfotball gearbeitet hat. Seit 2020 wechselte er auch als Cheftrainer nach Konnerud und brachte Kristine Stavås Skistad entscheidend nach vorne. Er verlässt den Verein jedoch nicht komplett, sondern nimmt künftig eine administrative Rolle ein. In naher Zukunft ist er für den Bau und die Projektleitung der neuen Mehrzweckhalle verantwortlich, das Eventmanagement und die Organisation von Veranstaltungen wie die Planung der Feierlichkeiten für das große 100-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 2027. Aktuell ist er aber auf ärztlichen Rat zunächst krankgeschrieben, um sich zu erholen, weil ihn die Situation rund um den Konflikt mit Kristine Stavås Skistad so sehr belastet hat.

Johaug will wieder zu Olympia

Ganz hat sich Therese Johaug noch nicht von den Olympischen Spielen verabschiedet – es geht aber nicht um ein Comeback im Skilanglauf. Nach ihrem beeindruckenden Halbmarathon in Kopenhagen in 1:08:43 Stunden, was die schnellste in Europa gelaufene Zeit in diesem Jahr bedeutet, hat die 38-Jährige nun große Ziele. Sie will sich für die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles im Marathon qualifizieren. Nach ihrem Erfolg in Kopenhagen äußerte sich Johaug in ihrem Podcast „Johaug & Gukild“ extrem angriffslustig über eine Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2028 in Los Angeles im Marathon: „Vielleicht sollte ich das machen! Es wäre verdammt cool, bei den Olympischen Sommerspielen dabei zu sein, wenn man es schafft, sich zu qualifizieren.“ Eine offizielle Norm für Los Angeles 2028 gibt es vom Leichtathletik-Weltverband noch nicht. Für die Spiele in Paris 2024 lag die Marathon-Norm bei 2:26:50 Stunden. Der norwegische Leichtathletik-Experte Jann Post von NRK hält Johaugs Qualifikation für absolut realistisch. Ihre enorme aerobe Ausdauer aus dem Skilanglauf bringe dafür die perfekte Grundlage mit. Sie selbst traut sich die Marathon-Zeiten voll zu. Allerdings gibt es in Norwegen nicht nur Begeisterung, sondern auch deutliche Warnungen von Experten wie die 70-jährige Lauf-Legende Ingrid Kristiansen, die zur Vorsicht mahnte. Ein Marathon verlangt dem Körper aufgrund des harten Asphalts eine extreme muskuläre Robustheit ab, die Skilangläufer oft unterschätzen. Zu intensives Marathontraining auf Asphalt berge für Johaug ein immenses Verletzungsrisiko, sagte sie. Schon jetzt vor Kopenhagen litt sie an einer Sehnenentzündung im Oberschenkel / Adduktorenbereich. Johaug selbst gab zu: „Ich habe eine sehr gute Kapazität […], aber mir fehlt die muskuläre Robustheit für einen vollen Marathon. Aber ich werde es definitiv versuchen.“ Johaug will die kommenden Wochen nutzen, um nach dem Kopenhagen-Erfolg zu regenerieren, sich mit ihrem Trainer Sindre Buraas abzustimmen und das „Projekt Marathon“ offiziell zu planen.

Das neue Leben des Jakob Lange

Im Winter hatte Jakob Lange mit 30 Jahren seine Karriere als Nordischer Kombinierer nach vielen Verletzungen beendet. Seitdem hat er eine neue sportliche Herausforderung gefunden und sich dem Marathon verschrieben. Noch während seiner aktiven Karriere lief er am 15. Februar den Sevilla Marathon in einer absoluten Fabelzeit von 2:16:40 Stunden, für die er ein Jahr heimlich trainiert hatte, nachdem er aus dem NoKo-Kader gestrichen worden war. Zu alt, zu schwer und ohne Perspektive – Jakob Lange bewies das Gegenteil in einem neuen Sport. Neun Wochen später gewann er den Leipzig-Marathon in 2:17:43 Stunden und nun stand am Sonntag der Berlin-Marathon auf dem Programm, in dem er sich noch einmal steigern konnte auf 2:13:57 Stunden. Damit war er der viertbeste Deutsche im Rennen und sprang auf Platz 9 der aktuellen deutschen Jahresbestenliste. Lange betonte direkt nach dem Rennen, dass er noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist. Wenn sein Training weiterhin so gut anschlägt, möchte er sich in naher Zukunft an eine Zielzeit in Richtung 2:10 Stunden herantasten. Ein solcher Wert würde ihn endgültig in die absolute deutsche Spitzenklasse bringen. Obwohl seine rasanten Zeitsprünge in der Laufszene Spekulationen über eine Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2028 in Los Angeles befeuert haben, erteilte er diesem Traum eine Absage: „Nein, das ist eine Nummer zu krass“, erklärte Lange. Der wichtigste Grund für seine bodenständigen Pläne ist seine veränderte Lebenssituation. Im Gegensatz zu seiner Zeit im Wintersport betreibt er den Marathonlauf nicht mehr als Hauptberuf, sondern nebenbei. Nach dem Ende seiner NoKo-Karriere und dem Abschluss seines Masterstudiums in Wirtschaftspsychologie hat er einen festen Job im Produkt- und Athletenmanagement beim Sporternährungshersteller Dextro Energy angenommen. Seine Geschichte beweist aber, dass man auch als Langläufer seinen Platz im Marathon-Feld finden kann, was Therese Johaug Mut machen sollte.

Knieprobleme dauern an

Auch nach dem Sommertraining leidet Ebba Andersson immer noch an Knieproblemen. „Es ist ein bisschen unvorhersehbar“, sagte die Schwedin nun. Die Beschwerden hat sie seit ihren drei Stürzen in der Olympiastaffel und am Holmenkollen und nach der vorzeitig abgebrochenen Saison wurde eine schmerzhafte und langwierige Knochenprellung diagnostiziert. Da die Beschwerden auch nach Monaten immer wieder auftreten, muss sie sich nun im Hinblick auf die bevorstehende Heim-WM in Falun auf den mentalen Aspekt fokussieren. „Ich habe nun versucht, die mentalen Blockaden zu lösen, die ich seit der letzten Saison habe. Ich hatte immer das Gefühl, ich hätte nicht die volle Kontrolle über das Knie“, sagte sie. Das rechte Knie war schon immer der Schwachpunkt der 29-Jährigen, die sich im Gegensatz zu einigen Teamkolleginnen vorstellen kann, ihre Karriere noch einige Jahre fortzusetzen. Anderssons rechtes Knie ist eine bekannte Schwachstelle. Bereits 2016 musste sie sich zwei Operationen wegen gelöster Knorpelteile unterziehen und erlitt 2019 eine weitere Sehnen-/Weichteilverletzung am selben Knie. Im Juli 2025 verletzte sie sich bei einem Sturz während eines Lauftrainings im Sommer und zog sich einen leichten Meniskusschaden zu, der ihre Olympiavorbereitung einschränkte.

Gendertests auf unbestimmte Zeit verschoben

Auch im Langlauf soll es in Zukunft Gender-Tests geben (>>wir berichteten<<), bei der WM 2027 wird das aber noch nicht der Fall sein. Eigentlich hatte der Weltverband im September 2025 beschlossen, verpflichtende Gen-Tests auf das SRY-Gen für alle Starterinnen einzuführen. Geplant war, diese Tests ab Juli 2026 im Weltcup scharfzuschalten und bei der Nordischen Ski-WM 2027 in Falun (22. Februar bis 7. März 2027) erstmals bei einer großen WM anzuwenden. Dieser Plan ist nun offiziell vom Tisch. FIS-Kommunikationsmanager Bruno Sassi erklärte gegenüber Medien, dass man bei einem so sensiblen Thema nichts überstürzen wolle, da viele essenzielle organisatorische Details völlig ungeklärt sind. Der Skiverband weiß schlicht noch nicht, wer die Tests logistisch durchführen soll, wer genau getestet werden muss und vor allem, wer die enormen Kosten trägt. Für Top-Langläuferinnen aus Norwegen gab es zudem ein großes rechtliches Hindernis: In Norwegen verbietet das Biotechnologiegesetz solche nicht-medizinischen Gentests im Inland. Die FIS hätte für die norwegischen Athletinnen erst komplexe Teststationen im Ausland organisieren müssen. Bei der Nordischen Ski WM in Falun müssen sich Skilangläuferinnen definitiv keinem Geschlechtstest unterziehen. Die Tests im Skisport sind auf unbestimmte Zeit verschoben, bis die FIS ein klares, funktionierendes Regelwerk vorlegen kann. Ähnlich wie bei Fluor-Tests kann es sich zum Inkrafttreten also noch einige Zeit hinziehen.

Warum sind diese Tests notwendig?

Das Hauptziel hinter der Einführung dieser Gendertests ist laut den internationalen Sportverbänden der Schutz des Frauensports. Die Verbände wollen damit eine klare, unmissverständliche Grenze ziehen, wer in der Frauenkategorie antreten darf und wer nicht. Es geht im Kern um Fairness und biologische Fakten, weil Männer durch die Pubertät im Durchschnitt biologische Vorteile gegenüber Frauen haben, was Muskelmasse, Knochendichte, Lungenvolumen und die Herzgröße betrifft. In den letzten Jahren wurde die Startberechtigung oft über den Testosteronwert im Blut geregelt (unter anderem bei Intersex- oder Trans-Athletinnen). Das führte jedoch zu dauerhaften medizinischen und rechtlichen Streitigkeiten, zum Beispiel wie stark Athletinnen ihren natürlichen Hormonspiegel künstlich durch Medikamente senken müssen und ob das gesundheitsschädlich ist. Bekannte Präzedenzfälle sind Leichtathletin Caster Semenya und die Boxerin Imane Khelif bei den letzten Olympischen Spielen. Der neue Ansatz mit dem SRY-Gen-Test (Sex-determining region of Y) soll das System vereinfachen, denn das SRY-Gen steuert in der Embryonalentwicklung die biologische Entwicklung des männlichen Geschlechts. Wer SRY-negativ getestet wird, darf bei den Frauen starten. Wer SRY-positiv getestet wird, also das Gen besitzt, das typischerweise auf dem männlichen Y-Chromosom liegt, darf unabhängig von der gelebten Geschlechtsidentität nicht in der Frauenklasse antreten. Kritiker und Athletenverbände bemängeln, dass dieser radikale Schritt zurück zu Gentests, die man vor 30 Jahren eigentlich abgeschafft hatte, Sportlerinnen diskriminiert, die mit seltenen genetischen Besonderheiten wie Intersexualität geboren wurden, sich selbst als Frau definieren und völlig ohne böse Absicht von Natur aus andere Voraussetzungen mitbringen.