Das war knapp! Nach ihrem zweiten Platz bei der Tour de Ski musste sich Teresa Stadlober in Oberhof knapp geschlagen geben. Der Sieg ging an Moa Ilar.
Moa Ilar rettet knappen Sieg
Wegen des dünn besetzten Starterfelds war Moa Ilar als klare Favoritin in den zehn Kilometer langen Einzelstart gegangen und wurde dieser Rolle auch voll gerecht. Nach 7,6 Kilometern am Ende der Wolfsschlucht lag sie 17 Sekunden vor ihrer größten Rivalin Teresa Stadlober. Obwohl auch Ilar schon auf den letzten Kilometern auf die bislang Führenden deutlich Zeit gutmachte, war die Österreicherin noch so viel stärker. Die IBU-Schneise hinauf und hinunter und durch die große Sägespänerunde war die Radstädterin so viel schneller, dass sie der Schwedin fast noch den sicher geglaubten Sieg entriss. Am Schluss holte sich Moa Ilar mit 0,7 Sekunden Vorsprung ihren ersten Saisonsieg und sagte danach: „Ich bin sehr glücklich mit dem ersten Platz. Früh im Rennen hatte ich Probleme, so dass ich sehr froh bin, dass ich es geschafft habe. Ich freue mich jetzt auf die Olympischen Spiele und danach geht der Kampf im Weltcup weiter. Natürlich will ich den Gesamtweltcup gewinnen, ich würde lügen, wenn ich was anderes sagen würde!“ Mit „früh im Rennen“ meint die 28-Jährige den Birxsteig, wo sie aber nur vier Sekunden hinter der Schnellsten lag – nach der Wolfsschlucht hatte sie bereits die Führung übernommen, die sie bei allen Zwischenzeiten behauptete.
Stadlober zufrieden trotz knappem Rückstand
Teresa Stadlober war aber über weite Strecken einige Sekunden langsamer unterwegs als die Schwedin. Ihren größten Rückstand von 17 Sekunden hatte die 32-Jährige nach der zweiten Wolfsschlucht, wo sie dann alle Kräfte mobilisierte und die 17 Sekunden noch beinahe aufholte. „Das war ein mega Rennen und es ist natürlich ein bisschen schade, dass sich mein erster Weltcupsieg am Ende so knapp nicht ausgegangen ist. Ich hatte ein super Finish, konnte auf den letzten Metern noch einige Zeit gutmachen und auch das Material war wieder richtig gut. Ich konnte mich nach der Tour wieder sehr gut erholen und das war heute definitiv eine super Generalprobe in Hinblick auf die Olympischen Winterspiele“, freute sich Stadlober. Die drittplatzierte Jonna Sundling, die auch im Distanzbereich eine starke Form bewies, hatte mit 20 Sekunden schon einen deutlichen Abstand auf die beiden Athletinnen vor ihr. Jessie Diggins betrieb als Vierte trotz eines Sturzes Schadensbegrenzung im Gesamtweltcup und behauptete das gelbe Trikot mit 149 Punkten Vorsprung.
Grøtting nach Sorgen in Topform
Überraschung des Tages war sicherlich die 24-jährige Karoline Grøtting. Die aktuelle Führende des Scandinavian Cups, die dadurch einen Freiplatz hat, setzte mit der frühen Nummer sieben die Bestzeiten, die bis zu Moa Ilar halten sollten. Diese Leistung ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass die Norwegerin zu Saisonbeginn ihren Großvater verlor, durch den Stress ein Magengeschwür bekam und sich dennoch in so gute Form brachte. Sie ist nach Einar Hedegart, der Donnerstag norwegischer Meister wurde, und Alpe Cermis-Siegerin Karoline Simpson-Larsen schon die dritte Athletin aus dem kleinen Team Anlegg Øst aus Lillehammer, die diese Saison richtig durchstartet. Maja Dahlqvist komplettierte das Sextett, das an der Siegerehrung teilnehmen durfte.
Starke Schweizer Damen
Ganz knapp an der Siegerehrung vorbei lief Nadja Kälin, die ein richtig starkes Rennen machte. Die Engadinerin teilte sich ihr Rennen in Oberhof perfekt ein und drehte nach einem verhaltenen Start auf. Ihre größten Verluste kassierte sie am ersten Birxsteig und auf Runde zwei in dem Abschnitt nach dem Birxsteig, aber insgesamt konnte sie ihren Rückstand bei nur 34 Sekunden belassen, was Platz sieben nur 2,7 Sekunden hinter Dahlqvist bedeutete. Lea Fischer wurde mit etwas mehr als einer Minute Rückstand sehr gute 22. und Nadjas jüngere Schwester Marina Kälin konnte als 26. auch recht zufrieden sein. Rang 47 belegte Alina Meier und Giuliana Werro wurde 57. von 62 Starterinnen.
Hennig Achte und Gimmler Elfte
Für die deutschen Damen wurde es ein sehr gutes Mannschaftsergebnis mit fünf Athletinnen in den besten 20 und drei weiteren auf 23, 24 und 32 – aber bei dem schwachen Starterfeld musste das auch so sein. Beste Deutsche wurde Katharina Hennig Dotzler als Achte, die nach dem Erfüllen der Olympianorm die Tour de Ski abgebrochen hatte, um ins Training zu gehen. „Ich bin sehr froh und happy, hier vor der Kulisse laufen zu dürfen. Am Birxstieg war die Hölle los, da haben mir meine Ohren schon weh getan, da kann Norwegen einpacken. Das war dieses Jahr das mit Abstand lauteste Anfeuern, was ich gehört habe und ich denke, da können wir stolz drauf sein. Es hat mega Spaß gemacht, hier vor heimischer Kulisse zu laufen“, sagte Katharina Hennig Dotzler, die ihr Ergebnis in Ordnung fand: „Für mich war es ein zufriedenstellender Tag. Ich habe mich nicht 100% taufrisch gefühlt, deswegen bin ich guter Dinge, dass wenn es wirklich mal flutscht, dann kann es auch schon mal ein Stück weiter nach vorne gehen und das gibt mir Zuversicht für Olympia. Olympia steht definitiv im Vordergrund. Von der Tour bin ich ja erkältungsbedingt abgereist, war zum Glück relativ schnell wieder auf dem Damm und bin ich wieder ins volle Training eingestiegen. Die Weltcups vor Olympia passieren aus dem Training heraus, darum habe ich diese Woche schon gespürt, dass ich nicht 100% frisch bin, aber da hat Olympia Priorität und darum ist das in Ordnung so.“ Sehr gute Form bewies wie gestern wieder Laura Gimmler, die als Elfte ins Ziel kam und sehr glücklich darüber war: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Heimweltcup. Sowohl gestern als auch heute bin ich über meine Erwartungen herausgewachsen. Ich bin relativ müde hier hergefahren, weil ich aus meinem großen Trainingsblock für Olympia schon rauskomme. Ich habe mich aber scheinbar in den letzten Tagen doch noch gut berappelt und erholt. Gestern der vierte Platz war natürlich der Hammer und ein sehr langer Tag. Wir sind um 12 aus der Kaserne raus und um 19 Uhr erst zurückgekommen, darum hat das sehr viel Kraft gekostet und das habe ich heute natürlich sehr gespürt. Dafür bin ich heute sehr zufrieden mit meiner Leistung“, freute sich die Oberstdorferin. „Ich habe ein gutes Pacing gehabt, bin das ganze gut angegangen, obwohl ich sehr viel Respekt vor der Runde hatte und konnte am Ende nochmal Druck machen bei meiner Stärke im Doppelstock. Es ist sehr eng beieinander, ich habe gerade gesehen, drei Sekunden schneller wäre Top8 gewesen. Von daher tiptop, es kann so weitergehen. Morgen werde ich mich ausruhen, dann noch ein bisschen Training, dann kommt der Weltcup in der Schweiz, bei dem ich zwei bis drei Wettkämpfe laufen werde und dann einfach ganz normal unaufgeregt weitermachen, gesund bleiben und auf Olympia freuen, dann sollte das schon laufen.“
Fünf Deutsche in den besten 20
Pia Fink wurde 13. und auch Sofie Krehl und Saskia Nürnberger kamen noch unter die besten 20. „Ich bin auf jeden Fall zufrieden heute, gerade nach meiner kleinen Krankheit nach der Tour war ich mir irgendwie nicht sicher, ob ich schon bereit bin für Wettkämpfe. Ich habe aber vorher nicht so viel intensiv trainiert, deswegen konnte ich das gar nicht so richtig einschätzen“, sagte Pia Fink und fügte hinzu: „Es war eine coole Veranstaltung, gerade für die Zuschauer war es ein cooles Wochenende, wo viel geboten war. Gerade heute war eine super gute Stimmung an der Strecke und das das hat auf jeden Fall motiviert.“ Nachdem Krehl gestern als 15. die erste Hälfte der Norm erfüllt hatte, verpasste sie die zweite Hälfte als 17. knapp. Besonders hoch zu bewerten ist aber das Ergebnis von Saskia Nürnberger. Die 23-jährige Klingenthalerin feierte als 20. als grandioses Weltcupdebüt und wird sicher noch mehr Einsätze bekommen. Die drei Lokalmatadorinnen Helen Hoffmann, Katherine Sauerbrey und Lisa Lohmann mussten sich mit den Rängen 23, 24 und 32 begnügen, was für Lohmann nach ihrem Ermüdungsbruch im Wadenbein Ende September aber dennoch einen Erfolg bei ihrem ersten Weltcupwochenende in diesem Winter darstellt. Auch Sauerbrey akzeptiert das Ergebnis wegen der Trainingsbelastung: „Es hat schon viel Spaß gemacht mit den Zuschauern, wenn sie einen den Birx da hochjagen. Das ist schon cool. Nichtsdestotrotz bin ich nicht ganz so zufrieden mit heute, aber bei dem Wetter bleibt die Laune trotzdem gut und ich freue mich“, sagte Kate Sauerbrey, die weiter erklärte: „Ich habe mir mehr vorgenommen, das ist schon mein Lieblingsformat hier. Das ist nicht ganz aufgegangen, aber aus dem Training heraus, denn der Fokus liegt auf Olympia ganz klar. Dann kann ich das verkraften, dass es heute nicht ganz so lief, aber es sollte schon etwas weiter vorne landen. Wir wollen die Olympiavorbereitung hier in Oberhof machen, hier haben wir beste Bedingungen und da freue ich mich schon drauf.“ Das deutsche Ergebnis komplettierte die ebenfalls 23-jährige Germana Thannheimer als 41. bei ihrem ersten Weltcuprennen, Verena Veit wurde 51. und Debütantin Charlotte Böhme wurde 53.
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