Ziemlich genau ein Jahr vor der WM wurde heute ein Freistilsprint im Rahmen des Langlauf Weltcups in Falun ausgetragen, bei dem die beiden Olympiasieger der gesamten Konkurrenz kaum keine Siegchance ließen. Coletta Rydzek verpasste das Podium knapp.
Svahn und Klæbo nicht zu schlagen
Linn Svahn und Johannes Høsflot Klæbo haben ihre Form seit dem olympischen Sprint nicht verloren, obwohl beide in der zweiten Olympiawoche etwas erkältet waren. Im Finale sorgte Linn Svahn für eine frühe Vorentscheidung, als sie schon im ersten Anstieg attackierte und eine Lücke riss. Am Schluss wurde es noch recht eng, aber Svahn triumphierte vor Kristine Stavås Skistad. Im Sprint um Platz drei hatte Nadine Fähndrich knapp die Nase vorn vor Coletta Rydzek. Bei den Herren ging alles seinen gewohnten Gang: Johannes Høsflot Klæbo feierte seinen 108. Weltcupsieg, was bei seiner Siegeserie bei Großereignissen fast unwichtig erscheint. Er setzte sich im Sprint gegen Lars Heggen durch, der im Laufe des Tages immer stärker wurde. Als Dritter stürmte ein bockstarker Benjamin Moser ins Ziel, der damit sein erstes Sprint-Podest holte. Janik Riebli wurde Fünfter.
Olympiasieger bereits im Prolog weit vorne
Schon im Prolog hatten Linn Svahn und Johannes Høsflot Klæbo das Geschehen völlig bestimmt, während manche ihrer Teamkollegen große Probleme hatten. Überraschend für die Athleten wurde zum Freitagstraining eine neue Kurve im Stadion eingebaut beziehungsweise die vorhandene Kurve in der Abfahrt umgebaut, so dass man da nun viel Zeit und Tempo verlieren kann, wenn man weit nach außen getrieben wird. Vor allem die Schwedinnen, die die Strecke in und auswendig kennen, zeigten sich überrascht von der Streckenänderung, auf die auch sie nicht vorbereitet wurden. So gelang bei den Schwedinnen Emma Ribom nur ganz knapp als 30. die Qualifikation, in den Heats verzichtete sie dann aber auf einen Start. Tiril Weng gehörte zu denen, die die Qualifikation nicht überstanden. Das passierte auch einigen DSV-Damen trotz des kleinen Starterfelds von nur 55 Starterinnen und Helen Hoffmann fehlten als 32. etwa 0,6 Sekunden. Auch Lena Keck und Pia Fink schieden aus, überraschend weit hinten landete aber vor allem Laura Gimmler als 47., die lange die rote Laterne inne hatte. Magdalena Scherz verpasste als einzige Österreicherin das Viertelfinale wie auch die beiden Schweizerinnen Lea Fischer und Alina Meier. Positiv: Mathilde Myhrvold meldete sich nach ihrer Schulterverletzung beim Tour de Ski-Auftakt und verpassten Olympischen Spielen zurück und kam unter die besten 30. Bei den Herren hatten auch einige Norweger Probleme wie Even Northug und Lars Heggen, die sich nur als 24. und 26. qualifizierten, was Ansgar Evensen nach einem Sturz als Letztplatzierter nicht gelang. Elias Keck schied auf dem Weg zur U23-WM als 31. um Haaresbreite aus und auch Anian Sossau-Daubermann musste seinen Arbeitstag vorzeitig beenden. Ebenso erging es dem Schweizer Antonin Savary sowie Michael Föttinger aus Österreich und seinem Landsmann Mika Vermeulen, der sich kurzfristig noch für einen Start im Sprint entschied.
Frühe Lücke durch Svahn
Nachdem sich zu Beginn des finalen Heats Kristine Stavås Skistad an die Spitze gesetzt hatte, ging Topfavoritin Linn Svahn schon vor dem ersten Anstieg nach vorne, wo sie dann überraschend früh attackierte. Damit riss sie schon früh eine Lücke von etwa 15 Metern, die auch nach dem zweiten Anstieg Bestand hatte. Dann kam aber die Zeit von Skistad, die in der Abfahrt ihre Chance nutzen wollte. Durch ihre Größe und damit mehr Gewicht kam sie immer näher an die Olympiasiegerin heran und fing sie auf den letzten Metern fast noch ab. Dennoch jubelte am Schluss Linn Svahn und die Norwegerin war einmal mehr sehr enttäuscht. „Das macht so Spaß hier. Ich habe hier bisher schon zweimal gewonnen. Ich habe mich sehr darauf gefreut, es hier noch einmal zu versuchen vor der WM nächstes Jahr. Es war ein guter Tag“, meinte Linn Svahn im Siegerinterview und lag damit falsch. Tatsächlich gewann die 26-Jährige trotz vieler Verletzungen hier schon ihren vierten Weltcupsprint – alle anderen aber in der klassischen Technik. „Es ist immer schön, wenn der König hier ist. Man will sich dann immer beweisen, ich glaube er bringt uns Glück und hoffentlich besucht er uns weiterhin“, fügte sie hinzu. Der Kampf um den letzten Podestplatz entwickelte sich zu einem Duell zwischen Nadine Fähndrich und Coletta Rydzek, die zuvor schon zusammen als Lucky Loser ins Finale eingezogen waren. Auch diesmal hatte die Schweizerin die Nase vorn und holte sich ihren vierten Podestplatz in diesem Winter. Die mitfavorisierten Schwedinnen Maja Dahlqvist und Johanna Hagström konnten im Finale nicht mehr mithalten und wurden Fünfte und Sechste.
Klæbo holt 108. Sieg, den 63. im Sprint
Im Finale der Herren ging Lucas Chanavat zunächst offensiv nach vorne, aber es war klar, dass Klæbos Zeit noch kommen würde. Der Olympiasieger griff erwartungsgemäß im letzten Anstieg an, aber der Franzose musste zuerst in die Abfahrt. Nach der Einfahrt ins Stadion zog er dann an Chanavat vorbei und Lars Heggen, der schon die ganze Zeit an dritter Position hinter den beiden gelauert hatte, überholte ebenso. An der Brücke vor der Zielkurve attackierte auch Benjamin Moser, der nun vor der Zielgeraden an dritter Stelle lag. Im Zielsprint blieben die vorderen Positionen unverändert. Johannes Høsflot Klæbo feierte seinen 108. Weltcupsieg, den 63. in einem Sprint. „Es war ein hartes Finale. Nach dem Olympischen Spielen hatte ich eine gute Party, so dass ich froh bin, nun hier zu sein. Das war schon ein bisschen kritisch. Aber die Party hat meiner Form geholfen. Ich denke, du weiß, wovon ich rede“, grinste er FIS Media Koordinatorin Synne Dyrhaug an. „Ich fühle mich gut, ich mag es, Rennen zu bestreiten und es macht immer Spaß, in Falun zu laufen. Es ist immer eine tolle Atmosphäre und das Wochenende mit einem Sieg zu starten, ist großartig. Ich freue mich nun auf morgen.“ Lars Heggen zeigte als Zweiter einmal mehr, dass er einen Startplatz bei den Olympischen Spielen verdient gehabt hätte und Benjamin Moser jubelte über sein erstes Podium in einem Sprint, nachdem er zuvor schon bei der Tour de Ski im Heat Massenstart das Treppchen gestürmt hatte. Obwohl es für ihn nicht für ein Podium reichte, dürfte auch Mathias Holbæk sehr zufrieden mit seinem Start in Falun sein. Der 22-Jährige erreichte als Vierter sein bestes Weltcupresultat, das bisher bei Platz zwölf gelegen hatte. Janik Riebli konnte nicht mehr den Endspurt aus dem Halbfinale zeigen und wurde Fünfter vor dem zurückgefallenen Lucas Chanavat.
Rydzek verpasst Podium knapp
Das deutsche Team hatte die neue Kurve offenbar gut besichtigt, denn Coletta Rydzek fuhr die Kurve im Viertelfinale ganz anders an als die meisten anderen, die weit rausgetragen wurden oder wie Jasmi Joensuu sogar stürzten. Dadurch ging sie mit hoher Geschwindigkeit auf die Gegengerade, fuhr auch die Zielkurve außen an und zog im Zielsprint noch an allen vorbei. Im Halbfinale ging diese Taktik nicht ganz so gut auf, aber immerhin zog sie noch als Lucky Loser ins Finale ein. Dort endete die Aufholjagd vom Ende der Gruppe ebenfalls auf dem vierten Platz hinter Fähndrich. Dennoch wird die Oberstdorferin zuversichtlich nach Lahti reisen, wo nächste Woche auf ihrer Lieblingsstrecke ein Weltcupsprint ausgetragen wird. Sofie Krehl war im Viertelfinale ausgeschieden wie auch Jan Stölben, die anderen Deutschen bereits im Prolog.
Drei Schweizer in den besten Sieben
Nadine Fähndrich jubelte im Ziel sichtlich zufrieden über ihren vierten Podestplatz in diesem Winter, wo ihr nur noch ein Sieg fehlt. Nach der Enttäuschung im olympischen Einzelsprint ist dieser dritte Platz aber dennoch eine Genugtuung für die Innerschweizerin. Auch Anja Weber gab in Falun die richtige Antwort. Die Langläuferin und Triathletin aus dem Zürcher Oberland war enttäuscht von den Olympischen abgereist, nachdem sie nicht für den Teamsprint nominiert wurde und ihr damit eine gute Chance entging, im Langlauf noch eine Medaille zu holen – nach dieser Saison wird sie ihre Karriere möglicherweise beenden, wie sie vor einem Jahr bekannt machte. Ob sie wirklich ganz zum Triathlon wechseln wird, um dort 2028 ihre olympische Chance zu nutzen, wird sie aber erst nach der Saison entscheiden. Heute in Falun verpasste sie nur um Haaresbreite das Finale und wurde somit Siebte. Im Interview mit SRF Sport zeigt sich Weber emotional und erklärte, wie schwierig die letzte Zeit war. Dabei bedankte sie sich noch einmal bei den Menschen, die an ihrer Seite stehen. Janik Riebli schaffte wie Fähndrich den Sprung ins große Finale mit einer ganz starken Zielgeraden im Halbfinale. Im Finale ging ihm dann aber die Kraft aus und der Milchbauer belegte den fünften Rang.
Moser sprachlos
Benjamin Moser konnte sein erstes Sprintpodium selbst nicht ganz fassen und sagte nach seinem Erfolg: „Im Moment bin ich ehrlicherweise ein wenig sprachlos und das war einfach ein unfassbar cooler Tag“, sagte der überglückliche Achenseer, der das erste Mal ins Finale sprintete: „Das ist unglaublich und war ein wirklich langersehntes, großes Karriereziel von mir. Dass sich dann auch noch ein Podestplatz ausgeht, damit habe ich ehrlicherweise wirklich nicht gerechnet. Wir hatten unfassbar gutes Material und ich muss mich beim gesamten Serviceteam bedanken. Es ist einfach nur schön, dass das heute so aufgegangen ist. Jetzt zum zweiten Mal in diesem Winter auf dem Podest zu stehen ist wirklich unglaublich.“
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