Harald Østberg Amundsen feierte im Massenstart über 20 Kilometer Freistil seinen ersten Saisonsieg vor Biathlet Einar Hedegart. Mika Vermeulen wurde nach offensivem Rennen Fünfter.
Anger und Vermeulen als Ausreißer
Für den Massenstart mit 101 Startern wurde die fünf Kilometer Runde an beiden Anstiegen etwas verkürzt, so dass heute auf einer vier Kilometer Runde gelaufen wurde. Durch das Kürzen am Impilinna-Anstieg wurde die Geschwindigkeit für die Abfahrt reduziert, die für einen Massenstart bei vereisten Bedingungen knapp unter Null zu schwierig gewesen wäre. Das Tempo war von Beginn recht hoch und wurde an der Spitze des Feldes zunächst von Martin Løwstrøm Nyenget und Edvin Anger bestimmt. Ein anderer Kandidat für frühe Tempoverschärfungen, Iivo Niskanen, entschied sich kurzfristig gegen einen Start. Der Finne wurde während des Warmlaufens mit dem Handy am Ohr gesehen, wo er vermutlich seine Trainer informierte, dass er sich nicht gut fühlt und nicht starten wird. In der zweiten Runde übernahmen Mattis Stenshagen und Mika Vermeulen die Tempoarbeit am langen Anstieg, später gingen wieder Nyenget und Anger nach vorne. Auf der dritten Runde stand am Valkeisenvaara der erste Bonussprint auf dem Programm, den Anger gewann, aber Vermeulen attackierte drüber und rief dem Schweden ein „Let’s go!“ zu. Zusammen mit Hugo Lapalus setzte sich ein Trio ab und lief etwa zehn Sekunden Vorsprung heraus und Friedrich Moch fand sich in der Führungsarbeit bei den Verfolgern wieder, bis Hedegart und Klæbo das Kommando übernahmen. Für den Franzosen entpuppte sich das Tempo aber als zu hoch, so dass er in der vorletzten Runde nach 13 Kilometern ins Feld zurückfiel.
Amundsen stellt Ausreißer
Da der Abstand mehr oder weniger konstant blieb, machte Klæbo schließlich selbst die Arbeit und versuchte, die Ausreißer einzuholen, bei denen Edvin Anger einen Großteil der Arbeit machte. Im Stadionanstieg verschärfte der Österreicher wieder das Tempo und der Abstand auf die Verfolger betrug bei Beginn der Schlussrunde 13 Sekunden. Hinten verschärfte Amundsen nach einem Stockwechsel das Tempo vor Hedegart, Nyenget und Klæbo und der Rückstand verringerte sich beim zweiten Bonussprint auf acht Sekunden. Drei Norweger und Desloges konnten den Abstand weiter verkürzen, aber Klæbo gehörte nicht mehr zu ihnen, als sie am Fuße des Impilinna zu den beiden Führenden aufschlossen. Oben zog Amundsen als Erster über die Kuppe in die letzte Abfahrt des Rennens gefolgt von Anger, Hedegart, Nyenget und Vermeulen. Im letzten Anstieg vom See ins Stadion attackierte Amundsen, der eine kleine Lücke zu den anderen herauslief. Hedegart schob sich im Stadion noch an Anger vorbei, Vierter wurde Nyenget vor Vermeulen, der sich auch über Platz fünf freute. Sehr groß war der Jubel aber auch bei dem Biathleten Einar Hedegart, der vorher sehr unsicher war, ob er mithalten kann, weil er noch nie ein Langlaufrennen über mehr als zehn Kilometer bestritten hatte.
Amundsen wiederholt Vorjahressieg
Für Amundsen war dieser Sieg die Wiederholung seines Erfolgs vom Vorjahr, was er selbst nicht glauben konnte, wie er im ausführlichen Siegerinterview sagte: „Das ist verrückt, dieses Rennen zweimal nacheinander zu gewinnen. Die Bedingungen waren so schwierig, es war ein so hohes Tempo. In den Abfahrten war ich sehr nervös. Auf den ersten vier Runden war ich recht weit zurück und habe versucht, nach vorne zu kommen. Aber auf der letzten Runde war ich sehr stark. Am Ende hatte ich aber sehr schwere Beine, vielleicht wegen der Bedingungen. Aber ich hatte einen tollen Endspurt“, so Amundsen, der weiter erzählt: „Am Anfang war ich recht weit zurück und ich musste abwarten, aber auf der letzten Runde sagte ich mir, dass ich die Ausreißer nicht davon kommen lassen kann. Ich habe alles gegeben und habe sie im letzten Anstieg eingeholt und dann habe ich versucht, noch Kraft für den Sprint zu sparen, weil ich nicht wusste, wo Edvin im letzten Anstieg ist. Ich hatte heute gute Beine.“ Mattis Desloges führte die zweite Gruppe unmittelbar hinter Vermeulen als Sechster ins Ziel gefolgt von Mattis Stenshagen und dem jungen Italiener Martino Carollo, der sein bestes Weltcupresultat einlief. Zak Ketterson, der Freitag als Gefolge von Nyenget schon stark war trotz eines Sturzes kurz vor dem Ziel, überzeugte erneut als Neunter vor zwei weiteren starken Italienern, Elia Barp und Davide Graz. Johannes Høsflot Klæbo konnte am Schluss nicht mehr mithalten und war als 15. zutiefst enttäuscht: „Sch… mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Es hat einfach nicht geklappt. Nun gehe ich nach Hause“, sagte er und ließ den Eurosport-Reporter stehen. Seinen 100. Weltcupsieg wird er nun zu Hause in Trondheim holen, was aber sicher auch nicht verkehrt ist für ihn.
Mutiger Ausreißversuch nicht belohnt
Mika Vermeulens Taktik mit dem Ausreißversuch ging nicht ganz auf, weil er und Edvin Anger kurz vor Schluss noch eingeholt wurden. Aber es wäre auch fraglich gewesen, ob es gegen den schnellen Schweden im Endspurt zum Sieg gereicht hätte – vermutlich nicht, denn im Zielsprint endete Anger trotz Führungsarbeit vor dem Österreicher, der aber dennoch zufrieden war: „Natürlich ist es ein bisschen schade, dass es nicht für ganz vorne gereicht hat, aber ich glaube, nach so einem Rennen kann man eigentlich nicht enttäuscht sein. Ich habe heute alles probiert, habe Vollgas gegeben und die Karten relativ früh auf den Tisch gelegt. Das war definitiv kein Fehler und im Endeffekt eigentlich die einzige Möglichkeit, heute ein Podium erreichen zu können“, sagte der 26-Jährige. „Es waren extrem schnelle Verhältnisse und dadurch auch wahnsinnig schwierig, eine Selektion des Feldes herbeizuführen. Deswegen habe ich einfach auf den passenden Moment gewartet und die Entscheidung nach vorne getroffen. Mit Edvin Anger hatte ich auch den richtigen Mann an meiner Seite. Wir haben es probiert und wenn man etwas riskiert, muss man auch verlieren können. Am Ende habe ich heute das Maximum herausgeholt.“ Neben dem mutigen Mika Vermeulen nahmen zwei weitere Österreicher teil und Tobias Ganner und Alexander Brandner belegten die Plätze 43 und 78.
Schweizer auf 14 und 16
Mit Beda Klee und Jason Rüesch mischten zwei Schweizer ganz vorne mit. Beide hielten sich einen Großteil des Rennens um Platz 15 herum auf und wiesen im Ziel als 14. und 16. nur 17 und 18 Sekunden Rückstand auf den Sieger auf und nahmen damit den großen Klæbo ins Sandwich. Candide Pralong verlor als 48. 1:25 Minuten auf Amundsen und Sprinter Janik Riebli, der aus einer der letzten Reihen startete, kam als 66. ins Ziel. Antonin Savary überquerte die Linie als 81.
Moch zufrieden, aber keine Norm
Friedrich Moch, der nach dem misslungenen Auftakt mit Startnummer 20 ins Rennen ging, zeigte sich in der zweiten Runde hinter den Führenden und auch Janosch Brugger war weit vorne, bis er sich in der zweiten Runde am Impilinna selbst auf den Stock trat und er nach dem Sturz den Stock wechseln musste. Dadurch fiel er bis auf Rang 35 zurück. Moch hielt sich mit zwei Ausnahmen, wo er ganz vorne war, meisten um Platz zehn oder 15 auf, aber als es darauf ankam war er zu weit hinten, um reagieren zu können. Dennoch war er zufrieden mit Platz 18 und 19 Sekunden Rückstand: „Ich habe mich deutlich besser gefühlt als am Freitag. Ich hatte ein bisschen mehr Power und war mit dem Rennverlauf sehr zufrieden. Es war ein sehr enges Rennen, sehr eisige Bedingungen, dadurch hat sich das Feld viel weiter zusammengeschoben. Die ersten dreieinhalb runden war ich sehr gut positioniert, aber dann sind aus einer Abfahrt heraus relativ viele nach vorne gefahren. Da war ich ein bisschen hinten eingeklemmt und habe es nicht mehr geschafft, nach vorne zu kommen. Das hat mich am Ende ein bisschen geärgert, aber trotzdem bin ich zufrieden, dass ich jetzt wieder ein bisschen weiter vorne gelandet bin“, sagte er. Einen Orientierungspunkt im Feld hatte er mit dem Topfavoriten: „Ich habe geguckt, dass ich mich an Klæbo orientiere, das hat ganz gut geklappt. Aber auch er hatte am Ende ein bisschen zu kämpfen mit dem hohen Tempo und für ihn hat es auch nicht für ganz vorne gereicht. Ich war knapp hinter ihm, hätte ihn gerne geschlagen auf der Zielgeraden, aber da ist er leider nicht zu schlagen“, so Moch, der doch noch ein positives Fazit nach Ruka zieht: „Es war ein schlechtes und ein gutes Rennen in Ruka. Ich bin froh, dass wir jetzt den Ort verlassen und an den nächsten Ort gehen und bin nun gut drin im Wettkampfmodus und freue mich auf nächste Woche in Trondheim.“
Notz und Sossau in den Top 30
Im Gegensatz zu Janosch Brugger, der nach dem Sturz mit Stockbruch weit zurückfiel, machten Florian Notz und Anian Sossau-Daubermann ein gutes Rennen, das sie als 24. und 27. beendeten. Vor allem für Sprintspezialist Sossau-Daubermann ist dieses Resultat ein sehr gutes. Für Janosch Brugger ging es in der letzten Runde noch weit nach hinten. Der Schwarzwälder verlor noch eine Minute und landete auf Position 51 und somit noch hinter Elias Keck, der 46. wurde. „Die sportliche Leistung ist wechselhaft wie das Wetter in Ruka. Heute ein kleiner Lichtblick mit 3 unter den ersten 30, darauf kann man aufbauen“, meinte Peter Schlickenrieder.
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