Ida Marie Hagen (NOR) und Jens Luraas Oftebro (NOR) heißen die Gewinner des ersten Sommer Grand Prix der Saison. Beim Gundersen in Bischofshofen (AUT) konnten die beiden Gesamtweltcupsieger der letzten Saison ihre Form auch im Sommer unter Beweis stellen. Für die Österreicher Katharina Gruber und Stefan Rettenegger gab es jeweils dritte Plätze.
Paul-Außerleitner-Schanze gewöhnungsbedürftig
In zwei Dingen waren sich Damen und Herren in Bischofshofen am ersten Wettkampftag überwiegend einig. Punkt eins: Die Schanze ist schwierig zu springen und für die Kombinierer, die in dieser Generation erstmals dort starteten, doch eher gewöhnungsbedürftig. Punkt zwei: Es war abartig heiß. „Schwierig“, „hoch“, „langer Anlauf“, waren die Stichworte, die den Aktiven selbst einfielen, als sie gebeten wurden, die Schanze zu charakterisieren. Herren-Bundestrainer Eric Frenzel erklärte ausführlicher, was die Anlage denn so besonders macht: „Bischofshofen ist für uns eine sehr spezielle Schanze. Durch den langen Anlauf und den geringen Radiusdruck tun sich die Sportler gerade beim Anfahren der Kante und beim Timing oft etwas schwer. Das hat man heute auch gesehen. Uns haben ein paar Meter gefehlt, um in wirklich gute Ausgangspositionen zu kommen und den Norwegern Paroli bieten zu können.“ Bei den Damen kommt hinzu, dass sie generell noch weniger Großschanzen-Erfahrung haben als die Herren. So reiste beispielsweise Nathalie Armbruster erst mit drei Großschanzensprüngen in der Sommervorbereitung in Bischofshofen an. Und Bischofshofen mit einer Hillsize von 142 Metern ist ebenso groß wie Ruka (FIN), die die größte Weltcup-Sprungschanze der Herren ist und wo die Damen bislang noch nie gestartet waren.
Brabec gewinnt Springen, Hagen den Wettkampf
Dennoch waren es – sowohl bei den Damen als auch den Herren – am Ende die üblichen Verdächtigen, die sich durchsetzen. Allen Schwierigkeiten zum Trotz kam Alexa Brabec (USA), die bereits im vergangenen Winter durch gute Sprungleistungen aufgefallen war, am besten zurecht. Nachdem sie am Freitag bereits den provisorischen Wertungsdurchgang gewonnen hatte, entschied sie auch den Sprungdurchgang am Samstag für sich. Brabec erzielte mit 131,5 Metern und 123,6 Punkten den weitesten Sprung des Tages und ging als Führende in den 5-km-Rollski-Wettkampf. Hagen sprang 125 Meter (119,7 Punkte) und startete als Zweite 16 Sekunden hinter Brabec. Ingrid Laate (NOR), die beste Springerin des vergangenen Winters, wurde mit 126,5 Metern und 117,3 Punkten Dritte im Springen, trat zum Rollski-Rennen jedoch nicht an. Katharina Gruber (AUT) ging nach 130,5 Metern und 116,9 Punkten als Dritte mit 25 Sekunden Rückstand auf die Strecke. Bereits in der ersten Runde holte Hagen Brabec ein und übernahm die Führung. Nach 3,8 km lag sie bereits 38,2 Sekunden vor Brabec und baute ihren Vorsprung weiter aus. Im Ziel gewann Hagen souverän mit 54,2 Sekunden Vorsprung auf Brabec. Gruber sicherte sich unter dem Jubel der heimischen Fans mit 59,9 Sekunden Rückstand den dritten Platz.
Kreislaufprobleme bei Göpfert
Während die Österreicherinnen Annalena Slamik, Lisa Hirner und Claudia Purker ihren Heimvorteil auf der Schanze ausspielten und allesamt unter die Top Ten sprangen, wurde Nathalie Armbruster (114 m) als beste Deutsche Elfte nach dem Springen, Jenny Nowak (115 m) wurde Zwölfte. „Leider haben wir an der Schanze schon zu viele Meter liegen gelassen. Wir tun uns auf der großen Schanze aktuell noch sehr schwer und waren dadurch nicht mehr in der Lage, aus einer guten Ausgangsposition heraus um das Podest mitzumischen,“ bilanzierte Damen-Bundestrainer Florian Aichinger. Da Nowak außerdem wie geplant im Lauf nicht startete, traten die deutschen Damen nur noch zu zweit an, denn auch Trine Göpfert fiel kurzfristig aus: „Sie hatte bei der großen Hitze extreme Kreislaufprobleme und musste deshalb nach der Erwärmung zurück ins Hotel geschickt werden,“ erläuterte Aichinger.
Armbruster macht Boden gut
Positiv aus deutscher Sicht war die Laufleistung von Nathalie Armbruster, die mit der drittschnellsten Laufzeit noch vier Plätze gutmachen konnte und somit Siebte wurde. „Damit hätte ich nach dem Urlaub und einer kleinen Erkältung vorher ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ich habe heute vor dem Rennen sehr viel Nervosität gespürt – allerdings gar nicht unbedingt wegen des Laufens selbst, sondern wegen der unglaublichen Hitze hier. Ich glaube, wir hatten alle ziemlich Respekt davor. Bei den Männern hat man gesehen, wie hart die Bedingungen waren. Deshalb bin ich das Rennen auch sehr vorsichtig angegangen und habe mir meine Kräfte gut eingeteilt. Zum Schluss hatte ich noch richtig gute Energie und glaube, einen wirklich guten Lauf gemacht zu haben. Damit bin ich sehr zufrieden,“ lautete das Fazit der Schwarzwälderin. Die erst 18-jährige Sofia Eggensberger beendete den Wettkampf auf einem respektablen 17. Platz.
„Oftebrodium“ ist zurück
Die beiden Oftebros scheinen Gefallen daran gefunden zu haben, im Doppelpack auf den Plätzen eins und zwei zu stehen. In Bischofshofen zeigten sie dies in Perfektion. Sowohl im Springen als auch im Laufen belegte der jüngere Bruder Jens jeweils den ersten Platz, während sich Einar direkt dahinter einsortierte. Mit 142 Metern und 134,4 Punkten erzielte Jens Oftebro die größte Weite des Tages und ging als Führender in das 10-km-Rollski-Rennen, nachdem er bereits am Vortag alle drei Trainingsdurchgänge einschließlich des PCR dominiert hatte. Einar Oftebro belegte mit 137,5 Metern und 128,4 Punkten den zweiten Platz und startete 24 Sekunden zurück. Richard Stenzel (GER) komplettierte mit 132 Metern und 121,7 Punkten als Dritter die Top drei nach dem Springen und ging 51 Sekunden hinter dem Führenden auf die Strecke. Am Ende reichte es für ihn für einen starken achten Platz. Damit verdiente er sich ein Sonderlob des Bundestrainers: „Nichtsdestotrotz bin ich mit unserem jüngsten Athleten, Richard Stenzel, sehr zufrieden. Er ist als Dritter auf die Strecke gegangen und hat am Ende ein sehr gutes Ergebnis für sich herausgeholt. Gerade der Lauf war aufgrund der hohen Temperaturen enorm anspruchsvoll und hat heute die höchste Anstrengung gefordert.“
Oftebro dominiert das Feld
Mit acht Runden des 1,3 km langen Stadtkurses vor sich, setzte Jens Oftebro vom Start weg ein hohes Tempo. Nach 2,5 km hatte der Norweger seinen Vorsprung bereits auf 39,1 Sekunden ausgebaut. Bei 3,8 km lag er 51 Sekunden vor seinem Bruder und machte trotz der intensiven Hitze weiter Druck. Hinter den beiden Norwegern entwickelte sich der Kampf um den verbleibenden Podiumsplatz zu einem engen Duell. Stenzel fiel zurück, sodass Thomas Rettenegger (AUT) nach 3,8 km auf den dritten Platz vorrückte und eine Verfolgergruppe anführte, zu der Kristjan Ilves (EST), Stenzel, Franz-Josef Rehrl (AUT), Julian Schmid (GER), Jiri Konvalinka (CZE) und Stefan Rettenegger gehörten. An der Spitze blieb Jens Oftebro unantastbar. Er hielt sein starkes Tempo das ganze Rennen über und hatte seinen Vorsprung auf Einar nach 7,5 km auf 1:13,6 Minuten ausgebaut. Einar Luraas Oftebro verteidigte den zweiten Platz und komplettierte damit ein norwegisches Eins-Zwei, 1:18,3 Minuten hinter seinem Bruder. Die letzte Podiumsposition wurde auf der letzten Runde entschieden, als Stefan Rettenegger (AUT) es schaffte, sich von der Verfolgergruppe abzusetzen. Er überquerte die Ziellinie als Dritter, 1:41,2 Minuten hinter dem Sieger.
Zwischenstand Sprung DamenEndergebnis DamenZwischenstand Sprung HerrenEndergebnis Herren
Stimmen zum Wettkampf
Jens Luraas Oftebro (NOR):„Es war ein perfekter Tag. Mein Springen war viel besser als gedacht, was etwas ist, woran ich diesen Sommer wirklich hart gearbeitet habe, also war es großartig, das auch in einem Wettkampf zeigen zu können. Das Skifahren war gut. Es war ein bisschen chaotischer, aber auch lustig. Die Hitze war heute eine Herausforderung, also hoffentlich wird es morgen ein bisschen kühler sein.“
Einar Luraas Oftebro (NOR):„Ich bin einfach überhitzt. Es ist viel zu warm für die Eisbären aus Norwegen bei doppelten Graden. Es war ein super schwerer Kurs und ich bin einfach froh, dass ich es geschafft habe, ins Ziel zu kommen.“
Stefan Rettenegger (AUT):„Beim Springen war es noch gar nicht so toll. Ich hatte auf der Schanze so meine Schwierigkeiten und konnte mich nicht auf den langen Radius einstellen. Die Ausgangsposition war trotzdem noch ok, im Rennen konnte ich dann genau das zeigen, was ich mir erhofft habe. Mein Grundspeed war richtig hoch und die anderen hatten da schon zu kämpfen. Nachdem ich schon sehr viel aufgeholt habe, konnte ich dann noch die entscheidende Attacke setzen. Ich bin sehr zufrieden, wie es derzeit läuft.“
Ida Marie Hagen (NOR):„Es war natürlich wirklich heiß, aber auch super lustig. Ich bin froh, wieder zurück zu sein, und ich liebe diesen Sport einfach. Ich bin wirklich happy, wie es gestartet ist, und kann gar nicht aufhören, mich auf weitere Rennen zu freuen.“
Alexa Brabec (USA):„Ich habe diesen Sommer viel gearbeitet und konsequent trainiert. Es ist cool, die beste Springerin zu sein. Ich habe auf der Schanze viel Arbeit gesteckt, und es ist großartig zu sehen, dass sich das auszahlt.“
Katharina Gruber (AUT):„Der Tag war sehr gut, bereits auf der Schanze hab ich mir sehr leicht getan. Auch beim Skirollern habe ich mich von Beginn an gut gefühlt. Der letzte Stieg war dann nochmal ziemlich hart, viel länger hätte das Rennen nicht mehr gehen dürfen. Der dritte Platz ist eine super Bestätigung, dass wir im Training einiges richtig gemacht haben. Ich freue mich auf die nächsten Tage.“
Thomas Rettenegger (AUT):„Eine echt coole Veranstaltung hier in Bischofshofen vor heimischem Publikum, auch wenn ich auf der Schanze nicht das zeigen konnte, was ich mir vorgenommen habe. Es war so brutal heiß beim Rollern, da hat sich jeder schwer getan. Gott sei Dank sind an einigen Stellen Betreuer gestanden, die uns mit Wasser bespritzt haben. Ich habe auf den Skirollern einen Schritt nach vorne gemacht, das ist ein richtig gutes Vorzeichen für den Sommer.“
Julian Schmid (GER):„Das war jetzt der erste Wettkampf beim Sommer-Grand-Prix hier in Bischofshofen. Im Springen hatte ich heute ein bisschen Dusel, dass ich den Sprung so hinbekommen habe. Die Sprünge davor waren noch nicht ganz so optimal, deshalb bin ich mit dem Wettkampf heute sehr zufrieden. Im Laufen hat es sich zwar noch nicht ganz so gut angefühlt, aber für den ersten Wettkampf war es auf jeden Fall ganz ordentlich. Deshalb freue ich mich jetzt auf die nächsten Tage.“
In Bischofshofen geht es am Sonntag weiter mit den Compact-Rennen. Los geht es mit dem Springen der Herren um 13:30 Uhr, die Damen springen um 14:45 Uhr. Die Läufe finden um 14:25 Uhr (Damen, 5 km) beziehungsweise 15:00 Uhr (Herren, 7,5 km) statt.
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