Zum Abschluss der Deutschen Meisterschaften in Hinterzarten standen am Sonntag die Teamwettbewerbe der Nordischen Kombinierer auf dem Programm. Während sich bei den Herren mit Julian Schmid und Vinzenz Geiger die Favoriten durchsetzten, gelang Nathalie Armbruster und Amelie Steiner bei den Damen die erfolgreiche Titelverteidigung. Beide Siegerteams überzeugten insbesondere im Lauf, nachdem sie nach dem Springen noch nicht an der Spitze gelegen hatten.
Dreikampf um den Titel bei den Damen
Im Teamspringen der Nordischen Kombination bei den Deutschen Meisterschaften in Hinterzarten setzte sich zunächst das Duo Ronja Loh und Jenny Nowak (SVSAC I) mit insgesamt 209,6 Punkten an die Spitze. Loh sprang 96 Meter weit, Nowak überzeugte mit einem Sprung auf 99 Meter. Dahinter belegten Cindy Haasch und Maria Gerboth (TSV) mit 182,1 Punkten den zweiten Platz und gingen mit 37 Sekunden Rückstand in den anschließenden Langlauf. Haasch erreichte 90,5 Meter, Gerboth 89 Meter. Auf Rang drei folgten Amelie Steiner und Nathalie Armbruster (SBW I) mit 181,4 Punkten und 38 Sekunden Rückstand. Besonders Armbruster zeigte mit 95 Metern einen starken Sprung, Steiner kam auf 86,5 Meter. Vierte wurden die Schwestern Pia und Maja Loh (SVSAC II) mit 1:49 Minuten Rückstand, gefolgt von Finja Eichel und Fabienne Klumpp (TSV/SBW), die mit 1:53 Minuten Rückstand in den Lauf starteten.
„Ostblockduell“ zwischen Thüringen und Sachsen
Bei den Herren sicherten sich Hugo Ackermann und Richard Stenzel (TSV I) mit insgesamt 239,9 Punkten die Führung nach dem Springen. Ackermann erreichte 98,5 Meter, während Stenzel mit 101,5 Metern die 100-Meter-Marke übertraf. Auf dem zweiten Platz folgten Nick Seidel und Tristan Sommerfeldt (SVSAC I) mit 228,8 Punkten und 15 Sekunden Rückstand, was Stenzel spaßeshalber dazu bewog, das „Ostblockduell“ zwischen den Thüringern und den Sachsen zu eröffnen. Seidel gelang dabei mit herausragenden 107,5 Metern der mit Abstand weiteste Sprung des Wettkampfs, Sommerfeldt landete bei 94,5 Metern. Rang drei belegten Vinzenz Geiger und Julian Schmid (BSV I), die mit Sprüngen auf 99,5 beziehungsweise 96,5 Meter insgesamt 218,7 Punkte sammelten und mit 28 Sekunden Rückstand in den Langlauf gingen. Dahinter reihten sich Maximilian Uhr und David Mach (BSV V) mit 36 Sekunden Rückstand ein, wobei Mach mit 101 Metern ebenfalls die 100-Meter-Marke übertraf. Allerdings sollten beide aus gesundheitlichen Gründen, wie schon am Vortag, nicht zum Lauf antreten. Die Top Fünf nach dem Springen komplettierten Benedikt Gräbert und Felix Brieden (BSV II), die nach Sprüngen auf 99 beziehungsweise 92 Meter mit 44 Sekunden Rückstand ins Rennen gingen.
Heimsieg für die Schwarzwälderinnen
Auf der insgesamt neun Kilometer langen Laufstrecke, auf der sich die beiden Teammitglieder alle 1,5 Kilometer abwechselten, machten Nathalie Armbruster und Amelie Steiner ihren Rückstand von 38 Sekunden aus dem Springen schnell wett. Mit der schnellsten Laufzeit des Tages von 24:49,5 Minuten sicherten sich die beiden Athletinnen der Skiverbände Baden-Württemberg in einer Gesamtzeit von 25:27,5 Minuten den Deutschen Meistertitel. Am Ende hatten sie einen Vorsprung von 28,8 Sekunden auf Jenny Nowak und Ronja Loh (Skiverband Sachsen I) herausgelaufen, die sich mit Silber zufriedengeben mussten. Die Bronzemedaille ging an Maria Gerboth und Cindy Haasch (Thüringer Skiverband), die das Rennen mit 1:03,3 Minuten Rückstand auf die Siegerinnen beendeten. Auf den weiteren Plätzen folgten Pia und Maja Loh (Skiverband Sachsen II/+2:39,7 Minuten) sowie Finja Eichel und Fabienne Klumpp (Thüringer Skiverband/Skiverbände Baden-Württemberg, +2:55,6 Minuten).
Dritter Team-Titel für Armbruster
Für Nathalie Armbruster war es bereits der dritte Deutsche Meistertitel im Teamsprint in Folge – und das mit drei unterschiedlichen Partnerinnen. Nach Svenja Würth 2024 und Fabienne Klumpp 2025 durfte sie sich diesmal gemeinsam mit Amelie Steiner über Gold freuen. Dennoch war der erneute Titelgewinn eine besondere Überraschung. „Ich glaube, ich kann für uns beide sprechen, wenn ich sage, dass wir heute nicht unbedingt damit gerechnet hätten, den Titel zu verteidigen – und am Ende sogar noch relativ deutlich“, freute sich Armbruster. Besonders lobte sie ihre Teamkollegin: „Amelie hat das heute richtig gut gemacht, schon auf der Schanze einen sehr guten Sprung gezeigt und ist anschließend im Rennen unglaublich dynamisch gelaufen. Man hat ihren Ehrgeiz richtig gespürt.“
Erster Sieg für Steiner
Für Steiner war der Erfolg vor heimischem Publikum ein besonderes Erlebnis. „Die Stimmung an der Strecke hat mich unglaublich motiviert und mir geholfen, noch einmal schneller zu laufen. Die Unterstützung der Zuschauer hat mich richtig nach vorne gepusht“, schwärmte die 21-Jährige. Auch Maria Gerboth zog nach dem Gewinn der Bronzemedaille ein positives Fazit. „Ich denke, Cindy und ich haben heute einen sehr guten Job gemacht und das herausgeholt, was möglich war.“ Mit ihrer Leistung auf der Schanze war sie dagegen nicht vollständig zufrieden. „Ich konnte nicht ganz an meine Sprungleistung von gestern anknüpfen. Außerdem haben wir uns mit den Coach-Requests ein bisschen verpokert, weil wir versucht haben, über die Gate-Kompensation noch ein paar zusätzliche Punkte herauszuholen.“
Herren: Schmid und Geiger setzen sich gegen die Konkurrenz durch
Bei den Herren entwickelte sich auf der 15 Kilometer langen Laufstrecke ein spannender Kampf um die Medaillen. Julian Schmid und Vinzenz Geiger, die mit 28 Sekunden Rückstand ins Rennen gegangen waren, machten bereits in der Anfangsphase deutlich, dass sie ein gewichtiges Wort bei der Titelvergabe mitreden würden. In seinem zweiten Laufabschnitt setzte Schmid zu einer entscheidenden Attacke an und konnte sich von seinen Verfolgern absetzen. Dahinter bildete sich zunächst eine Vierergruppe mit Richard Stenzel, Felix Brieden, Manuel Faißt und Tristan Sommerfeldt. Im weiteren Rennverlauf mussten Sommerfeldt und sein Teamkollege Nick Seidel jedoch etwas abreißen lassen.
Erfahrung siegt
Während Schmid und Geiger ihren Vorsprung absicherten, entwickelte sich dahinter ein spannender Kampf um die verbleibenden Medaillen. Beim vorletzten Wechsel waren die Teams um Stenzel, Brieden und Faißt noch gemeinsam unterwegs. In der Schlussphase setzte sich schließlich die Erfahrung durch: Während Geiger und Schmid ihren Vorsprung souverän verwalteten, konnte sich Manuel Faißt gegen die jüngeren Konkurrenten behaupten und gemeinsam mit Marcel Dickhaut die Silbermedaille sichern. Nach der mit Abstand schnellsten Laufzeit des Tages von 33:12,4 Minuten überquerten Schmid und Geiger in einer Gesamtzeit von 33:40,4 Minuten als neue Deutsche Meister die Ziellinie. Für Schmid war es bereits der zweite Titelgewinn im Teamsprint nach 2022, als er ebenfalls in Hinterzarten gemeinsam mit Jakob Lange triumphiert hatte.
Silber für die Lokalmatadoren
Marcel Dickhaut aus Hinterzarten und Manuel Faißt aus Baiersbronn folgten mit 39,4 Sekunden Rückstand auf Rang zwei. Besonders für den erst 17-jährigen Dickhaut, der für den gastgebenden SC Hinterzarten startet, war der Gewinn der Silbermedaille ein großer Erfolg. „Es macht natürlich immer Spaß, eine Deutsche Meisterschaft zu Hause auszutragen. Wenn es dann auch noch mit der Silbermedaille klappt, ist das umso schöner“, freute sich Faißt. „Ich denke, wir haben heute das Maximum herausgeholt. Julian und Vinzenz waren vorne einfach zu stark, an die beiden sind wir nicht mehr herangekommen.“ Die Bronzemedaille ging an Benedikt Gräbert und Felix Brieden vom Bayerischen Skiverband, die 46,6 Sekunden hinter den Siegern ins Ziel kamen. Damit durfte sich auch der erst 18-jährige Brieden über einen weiteren Podestplatz freuen. Das nach dem Springen führende Thüringer Duo Hugo Ackermann und Richard Stenzel fiel mit 55,1 Sekunden Rückstand auf den vierten Platz zurück. Nick Seidel und Tristan Sommerfeldt komplettierten mit 1:23,6 Minuten Rückstand die Top Fünf.
Bundestrainer Frenzel und Aichinger ziehen positives Fazit
Auch die beiden Bundestrainer Eric Frenzel (Herren) und Florian Aichinger (Damen) zeigten sich mit dem Verlauf der Deutschen Meisterschaften in Hinterzarten sehr zufrieden. Beide lobten die Organisation und die Leistungen ihrer Athletinnen und Athleten. Frenzel hob insbesondere die gemeinsame Austragung der Meisterschaften mit den Skispringern sowie die Entwicklung des Nachwuchses hervor. „Es ist erfreulich zu sehen, dass die Nordische Kombination weiterlebt und wir nach wie vor motivierten Nachwuchs haben, der unserer tollen Sportart treu bleibt und mit Begeisterung dabei ist.“ Neben den etablierten Athleten hätten sich auch zahlreiche talentierte Junioren präsentieren können. „Schon zu unserer aktiven Zeit waren die Deutschen Meisterschaften eine gute Gelegenheit für den Nachwuchs, sich zu zeigen. Diese Chance haben die jungen Athleten auch diesmal genutzt.“
Aichinger froh über Comebacks
Damen-Bundestrainer Florian Aichinger freute sich ebenfalls über die gelungenen Wettkämpfe und die zahlreichen Zuschauer an der Laufstrecke in der Hinterzartener Innenstadt. Besonders positiv bewertete er jedoch die Comebacks mehrerer Athletinnen. So habe Jenny Nowak trotz krankheitsbedingt stark eingeschränkter Trainingsmöglichkeiten eine überzeugende Laufleistung gezeigt. „Herausragend war auch das Comeback von Maria Gerboth, die nach ihrem schweren Kreuzbandriss im vergangenen Jahr erst seit etwa zwei Wochen wieder auf der Schanze trainiert. Gestern gewann sie bereits das Springen, heute zeigte sie erneut eine starke Leistung und holte verdient Bronze.“ Auch Cindy Haasch habe nach zwei Kreuzbandrissen und langen verletzungsbedingten Pausen wieder Anschluss gefunden. „Ich denke, sie ist auf einem guten Weg zurück an die Weltspitze“, zeigte sich Aichinger optimistisch. Insgesamt stimme ihn das Abschneiden seiner Athletinnen sehr zuversichtlich für den bevorstehenden Winter.
Ausblick: Letzte Vorbereitungen auf den Weltcup-Winter
Mit den Deutschen Meisterschaften in Hinterzarten ist die unmittelbare Wettkampfvorbereitung auf den bevorstehenden Weltcup-Winter in ihre letzte Phase eingetreten. In den kommenden Wochen stehen für die deutschen Nordischen Kombinierer noch mehrere Trainingslehrgänge auf dem Programm. Unter anderem sind weitere Einheiten auf den Eisspurschanzen in Predazzo und Oberstdorf geplant. Ende Oktober soll zudem ein Lehrgang im Pitztal stattfinden, bei dem die Athleten erstmals wieder auf Schnee trainieren werden. Kurz vor dem Weltcup-Auftakt im finnischen Kuusamo ist schließlich noch ein Lehrgang in Klingenthal vorgesehen. Die Vorfreude auf den Winter ist bereits groß, auch wenn bis dahin noch an einigen Details gearbeitet werden muss. Während im Laufbereich die Form weitgehend stimmt, gilt es insbesondere auf der Schanze noch an der Konstanz zu arbeiten.
Zwischenstand SprungEndergebnis
Bildergalerie




































