Mit etwas Abstand blicken wir noch einmal auf die vergangene Ski Classics Saison XVII zurück. Was waren die Highlights, Besonderheiten und mit wem ist in Zukunft besonders zu rechnen…?!
Karriereende im Gelben Trikot
Ein besseres Karriereende hätte man sich nicht ausmalen können: Tagessieg im letzten Saisonrennen und damit zum zweiten Mal in Folge der Gesamtsieg in der Ski Classics Serie. Somit verlässt Anikken Gjerde Alnaes auf dem Höhepunkt ihrer Karriere die Bühne des Leistungssports. Dabei war mit diesen Erfolgen vor eineinhalb Jahren nicht unbedingt zu rechnen. Im Frühjar2024 wechselte die Norwegerin vom Team Ragde Charge, wo sie als größte Erfolge den Gewinn des Grünen Trikots sowie eines Podestplatzes feierte, zum Team Engcon. Im Sommer desselben Jahres wurde Alnaes bei einem Rollski-Unfall mit einem Auto schwer verletzt und musste lange Zeit alternativ, unter anderem mit einem Sitzschlitten, trainieren. Im ersten Rennen der Saison 2024/25 folgte dann die große Überraschung mit ihrem ersten Tagessieg bei einem Pro Tour Event. Diesem Erfolg folgten seitdem noch viele weitere, ebenso wie der Gesamtsieg in der Ski Classics Serie 2024/25 und nun erneut in der vergangenen Saison 2025/26. In den beiden Saisons sicherte sich die 31-Jährige außerdem den Sieg in der Sprintwertung um das Grüne Trikot.
In Alnaes‘ Spuren in die Weltspitze
Bei den Erfolgen von Anikken Gjerde Alnaes kommt der Aufstieg ihrer Teamkollegin Hanna Lodin in die absolute Skimarathon-Weltspitze fast etwas zu kurz. Dabei stand die 26-Jährige Schwedin in sechs Einzelentscheidungen auf dem Podium, was in der Gesamtwertung Platz Drei hinter Alnaes und Emilie Fleten bedeutet. Im wortwörtlichen Windschatten von Anikken Gjerde Alnaes gelang Louise Lindström beim Grönklitt ITT nach zahlreichen vierte, fünften und sechsten Plätzen endlich ihre erste Podiumsplatzierung. Dabei profitierte die Schwedin davon, dass sie einen Großteil des 50 Kilometer langen Einzelstarts im Windschatten der späteren Siegerin laufen konnte. Dass sie aber auch aus eigener Kraft aufs Podest laufen kann, zeigte Lindström zwei Wochen später beim Marcialonga Bodø, wo sie als Drittplatzierte erneut auf dem Podium landete. Neben Platz Fünf in der Gesamtwertung sicherte sich die Läuferin vom schwedischen Team Eksjöhus zum wiederholten Male die Nachwuchswertung.
Stadaas, Riege, Staadas und dann doch wieder Riege
Nach den ersten Saisonrennen hatten Kasper Stadaas und Amund Riege den Eindruck erweckt, als würde in diesem Winter kein Weg mehr an den beiden Norwegern, die beide seit dieser Saison für das Team Aker Daehlie starten, vorbei führen. In Bad Gastein gewann Kasper Stadaas, bei La Diagonela Amund Riege, beim Marcialonga erneut Kasper Stadaas, dieses Mal direkt vor Amund Riege und beim Jizerska50 holte sich Amund Riege den Sieg vor Kasper Stadaas. Nach der langen Olympia-Pause und dem Wechsel von Mitteleuropa nach Skandinavien konnten die Dominatoren der ersten Saisonhälfte ihre Form nicht ganz bestätigen und liefen den Podestplätzen hinterher. Zum Saisonabschluss fand Amund Riege seine Form jedoch wieder und gewann nicht nur das abschließende Rennen beim Summit2Senja, sondern auch die Gesamtwertung sowie die Nachwuchswertung! Kasper Stadaas verpasste durch die Geburt seines ersten Kindes am Wochenende des Marcialonga Bodø wichtige Punkte für die Gesamt- sowie die Bergwertung – ein Verlust den er verschmerzen dürfte. Auf Platz Zwei in der Gesamtwertung landet somit Vorjahressieger Ole Jørgen Bruvoll (Team Engcon). Ihm folgt sein Teamkollege Torleif Syrstad, der eine sehr starke Spätform bewies und sich an der letzten Bergwertung auch noch das Bergtrikot sicherte.
Gabriel Strid stiehlt den großen Teams die Show
Als besonderes Highlight der vergangenen Saison bleibt der Kampf um das Grüne Trikot des besten Sprinters in Erinnerung. Vorjahressieger Vebjørn Moen zeigte früh seine Ambitionen und schien als Läufer des Team Eksjöhus, einem der größten Ski Classics Pro Teams, erneut der Top-Favorit. Jedoch hatte er (und vermutlich auch sonst niemand) mit den Ambitionen und Fähigkeiten von Gabriel Strid gerechnet. Der Schwede hatte zwar bereits das ein oder andere Top-20 Resultat erreicht, trat sonst aber noch nicht weiter in Erscheinung. In diesem Winter ging der 28-Jährige außerdem mit seinem eigenen kleinen Team GS8 an den Start – mit einem finanziellen Budget, welches fernab von Teams wie Team Eksjöhus liegt. Unterstützt wurde er an der Strecke hauptsächlich von Freunden und Familie. Sein Effort mit teilweise unkonventionellen Herangehensweisen sorgte jedoch dafür, dass Strid nach dem Grönklitt ITT zum ersten Mal das Grüne Trikot überstreifen durfte. Die entscheidenden Punkte dafür sammelte er durch einen all-out Einsatz auf den ersten rund sieben Kilometern bis zur Sprintwertung ein. Daraufhin musste sich der Schwede erst einmal im Schnee erholen – die verbleibenden 43 Kilometer absolvierte er dennoch souverän. Beim Marcialonga Bodø sicherte er sich nach einem zwei Kilometer langen Sprint ebenfalls die maximale Punktzahlt und beeindruckte damit die Ski Classics Pro Tour sowie seinen direkten Kontrahenten Vebjørn Moen. Im vorletzten Sprint des Winters kam dieser noch einmal bis auf einen einzelnen Punkt an Strid heran, mit einer erneuten Energieleistung bei Summit2Senja sammelte dieser jedoch die letzten Punkte ein und durfte sich somit über den überraschenden, aber verdienten Sieg in der Sprintwertung freuen.
Neue Formate bringen neue Sieger
Die vergangene Saison brachte wieder einige Neuerungen mit sich, besonders hervorzuheben sind die zwei neuen Formate: der Bedrichov Sprint sowie das 50 Kilometer lange Einzelrennen. Insbesondere der Sprint wurde viel diskutiert und sorgte für viele Diskussionen und Kritik, da das 1,5 Kilometer lange Rennformat in starkem Kontrast zum eigentlichen Konzept der Langdistanzserie steht. Andererseits bot das Event auch eine gute Show, spannende Rennen und (teilweise) neue Namen auf dem Podium. So konnte die ehemalige Fußballerin Julie Kvale Støstad ihren ersten Sieg feiern. Bei den Herren wäre Petter Northug beinahe die große Sensation gelungen. Hätte der inzwischen 40-Jährige Norweger nicht seine zweite Gelbe Karte, die zur Disqualifikation führte, gesammelt, wäre auch ihm zum ersten Mal der Sprung auf das Podest bei einem Ski Classics Rennen gelungen. Dies gelang beim 50 Kilometer ITT gleich zwei (deutlich jüngeren) Schweden: Malte Jutterdal und Elias Andersson gelang dabei ein historischer und äußerst überraschender Doppelsieg für das vergleichsweise kleine Ski Team Göhlins. Es bleibt also abzuwarten, wie das Fazit ausfällt und ob beide oder zumindest eines der Rennformate auch im Kalender der kommenden Saison wieder zu finden ist.
Historisches Quintupel beim Vasaloppet
Die Saison XVII verlief sicherlich nicht nach den Vorstellungen des schwedischen Pro Teams Lager 157 Skiteam, da man insgesamt den Erfolgen vergangener Jahre etwas hinterher lief. Eine Ausnahme dabei blieb jedoch der Vasaloppet, wo dem Team um Alvar Myhlback eine historische und sensationelle Leistung gelang: Platz Eins bis Fünf ging an die Läufer in Schwarz und Weiß. Den Sieg holte sich Oskar Kardin nach einem geglückten Ausreichversuch. Dies gelang dem Schweden unter anderem durch die taktische Hilfe seiner Teamkollegen, die sich anschließend auf der Zielgeraden auch noch bärenstark präsentierten und durch Alvar Myhlback, Nils Dahlsten, Runar Skaug Mathisen und Einar Kalland-Olsen auch noch die Plätze Zwei bis Fünf belegten! Als wäre dies nicht schon bemerkenswert genug, siegte Kardin auch noch auf zwei verschiedenen Ski, da er nach Problemen mit einem seiner Fischer Ski während des Rennens einen Ersatzski von Myhlback und damit von Madshus bekam.
Die Ski Classics Serie wird internationaler
Nach wie vor wir die Ski Classics Serie von dem Pro Teams, Athletinnen und Athleten aus Norwegen und Schweden dominiert. Langsam aber sicher werden aber auch in Mitteleuropa Fortschritte und Erfolge sichtbar. So konnte Jeremy Royer (Team Eksjöhus) nach Gewinn des Pinken Trikots des besten Nachwuchsläufers in der Vorsaison bei Engadin La Diagonela nun auch seine erste Podiumsplatzierung bei einem Rennen der Pro Tour erzielen. Dies war gleichzeitig auch die erste Podiumsplatzierung eines französischen Läufers in der Ski Classics Serie. Sein Landsmann Simon Vuillet (Team Slavia Pojistovna Robinson Trentino) belegte hinter den beiden Ausnahmeläufern Amund Riege und Alvar Myhlback einen ebenfalls sehr starken dritten Platz in der Nachwuchswertung und ist somit eine neue/weitere französische Hoffnung für die nächsten Jahre. Mit seinem tschechisch-italienischen Team verpasste Vuillet beim Pro Team Tempo in Bad Gastein nur knapp eine Überraschung, als sie Platz Drei um nur 0,3 Sekunden verpassten. Auf Seite der Damen zeigte die Tschechin Sandra Schützova ihre beste Saison bisher. Die Läuferin des norwegischen Teams Kaffebryggeriet DRIV lief fünfmal in die Top-Ten und verpasste beim Grand Finale Summit2Senja als Viertplatzierte nur knapp ihre erste Podiumsplatzierung. In der Pro Team Wertung wurden zwar die ersten Plätze durch die skandinavischen Teams (Team Engcon gewinnt vor Team Eksjöhus, Team Ramudden, Team Aker Daehlie und Lager 157 Skiteam), auf Platz Sechs folgt aber bereits das bereits erwähnte tschechisch-italienische Team Slavia Pojistovna Robinson Trentino und auf Platz Acht der 29 Pro Teams folgt das italienische Team Futura GTE Trentino.
Die Ski Classics Saison aus deutscher Sicht
Auch aus deutschsprachiger Sicht gibt es Fortschritte zu sehen, auch wenn diese aufgrund beschränkter finanzieller Budgets kleiner ausfallen als im Vergleich mit den großen Pro Teams. Besonders hervorzuheben sind die Leistungen von Jakob Walther, der zwischen Continental Cup und Weltcup auch immer wieder bei Rennen der Ski Classics Serie startete. Er war Teil des viertplatzierten Team Slavia Pojistovna Robinson Trentino beim PTT und lief dort die sechstbeste Laufzeit bei den Herren! Beim Reistadløpet gelang ihm mit Platz 21 nicht nur das persönlich beste Ergebnis, sondern auch das beste Ergebnis eines deutschsprachigen Läufers in diesem Winter. Bei den Damen erzielte Anna Schmidhofer (Team Internorm Trentino GSG) die besten Ergebnisse von Läuferinnen der DACH-Region. Die Österreicherin belegte beim Marcialonga sowie beim Jizerska50 ebenfalls Platz 21. Die vier deutschsprachigen Teams landen am Ende der Saison einheitlich im Mittelfeld der Pro Team Wertung. Das österreichische Cibes Lift Ski-Willy Marathon Team verbesserte sich am letzten Rennwochenende noch auf Platz 20, gefolgt vom Schweizer Team BSV Ibex und dem deutschen Bruse Sauerland Ski Team. Das zweite Schweizer Team Emtec Nordic belegt in seiner ersten Saison Platz 25.
Hier findet ihr noch einmal alle Rennberichte sowie die Ergebnisse der Gesamtwertung in der Übersicht:
-> Gastein Pro Team Tempo
-> Bad Gastein Criterium
-> Engadin La Diagonela
-> Marcialonga
-> Bedrichov Sprint
-> Jizerska50
-> Vasaloppet
-> Grönklitt ITT Damen
-> Grönklitt ITT Herren
-> Birkebeinerrennet
-> Marcialonga Bodø
-> Reistadløpet
-> Summit2Senja
-> Gesamtwertung/Trikotwertungen







