Frida Karlsson hat eine Ansage gemacht: Vor einem möglichen Karriereende will sie die große Kristallkugel holen. Aber geht das überhaupt? Das und mehr erfahrt ihr in dieser Kurznews.
Gesamtweltcup trotz gesundheitlicher Probleme?
Frida Karlsson ist inzwischen nicht mehr sicher, ob sie nach der Heim-WM in Falun ihre Karriere beenden wird. Das gab sie auch schon letzten Winter mehrfach bekannt. Die 27-Jährige will erst nach der Saison entscheiden, ob sie ihre erfolgreiche Karriere mit zwei Olympiasiegen und drei WM-Titeln noch fortsetzen will. Als großes Ziel hat sie nun den Gesamtweltcup herausgegeben, den sie mangels konstanter Leistungen noch nicht gewinnen konnte. 2024 war ihr bestes Jahr, wo ihr aber als Gesamt-Dritte mehr als 400 Punkte auf Jessie Diggins fehlten. Motivation, den Gesamtweltcup in Angriff zu nehmen, gibt ihr die Rückkehr ihres Heimtrainers Per Nilsson nach Schweden. „Das ist großartig. Vorher hat es sich angefühlt wie eine Fernbeziehung über Telefon, aber nun ist das komplett anders. Besonders für meine Motivation: Ihn hier bei mir zu haben, um mich anzuspornen, das macht im Training den Unterschied. Außerdem kann ich ihn nicht anlügen. Er kennt mich sehr gut und sieht sofort, wenn ich erschöpft bin und wir das Training anpassen müssen. Mit ihm hier wird alles besser“, sagte sie dem Expressen. Um das Ziel des Gesamtweltcups zu erreichen, will sie nun mehr Punkte im Sprint holen und einen festen Startplatz in Weltcupsprints erreichen. Das ist im schwedischen Team aber nicht leicht, obwohl Frida Karlsson eine eigentlich sehr gute Sprinterin ist. 2018 gewann sie Bronze bei der Junioren-WM und lief bei Weltcupsprints achtmal ins Finale, darunter 2024 in Oberhof auf Platz zwei zwischen den Olympiasiegerinnen Linn Svahn und Jonna Sundling. 2025/26 nahm sie nur noch zwangsweise bei der Tour de Ski an Sprints teil – auch weil die Belastung zu groß war. „Ich denke nicht, dass mein Ziel sein sollte, Sprintweltmeisterin zu werden. Ich wollte das Sprinten nie ganz aufgeben, aber mein Fuß hat das Training in den letzten Jahren eingeschränkt. Vor den Olympischen Spielen wusste ich, dass dort extrem harte Strecken warten, so musste ich anders trainieren und viele Stunden auf der Treadmill arbeiten, um an meiner Ausdauer zu arbeiten“, so Karlsson. Denn das große Problem war und ist ja der linke Fuß, der immer wieder schmerzt. Die Beschwerden resultieren primär aus einer Überlastung der Weichteile, begünstigt durch ein schwaches Fußgewölbe. Im schwedischen Fernsehen gab Karlsson zu, dass diese Probleme sie vermutlich ihre gesamte Karriere und auch die Zeit danach begleiten werden. Dennoch gelingt es ihr durch gezieltes Alternativtraining und Reha-Phasen immer wieder, in die Weltspitze zurückzukehren. Ihre Fußverletzung heißt „Haglund-Ferse“. Das ist eine knöcherne Ausziehung am Fersenbein (Fersenhöcker), die oft zu schmerzhaften Entzündungen der Weichteile oder der Achillessehne führt. Bei den von ihr immer wieder erwähnten Schmerzen in der Leiste oder bis ins Gesäß handelt es sich um Folgebschwerden durch Schonhaltung. Die veränderte Biomechanik führt bei ihr zu einer Überlastung der Adduktoren und der Bauchmuskelansätze. Eine OP kommt während und vermutlich auch nach der Karriere nicht in Frage, weil sie „zu riskant“ sei. Es bestehe immer die Gefahr, dass die Achillessehne verletzt werde. Kann man mit diesen chronischen Problemen den Gesamtweltcup gewinnen? Oder muss die Schwedin bald wieder Pausen einlegen und sich wie in den vergangenen Jahren auf die Saisonhöhepunkte konzentrieren? Im Winter wissen wir mehr…
Renovierung der olympischen Langlaufstrecken von 2030 beginnt
Die Olympischen Spiele von 2030 werfen bereits ihre Schatten voraus, auch wenn OK-Präsident Edgar Grospiron kürzlich wegen anhaltender interner Querelen, Machtkämpfe und massivem Vertrauensverlust von seinem Posten zurücktrat. In La Clusaz, wo die Langlaufbewerbe stattfinden sollen, geht nun aber alles seinen gewohnten Gang. Die bestehenden Loipen und Funktionsgebäude werden nun für die Spiele überarbeitet und renoviert. Der Ort nahe der Schweizer Grenze auf 1040 Metern über dem Meer hatte in den vergangenen Jahren keinen Platz mehr im Langlauf Weltcup, weil die Schneesicherheit auch auf den etwa 1450 Meter hoch gelegenen Loipen auf dem Plateau den Confins nicht gewährleistet und man den Weltcup im Dezember mehrfach kurzfristig absagen musste. Bei den Spielen im Februar und März soll die Schneelage aber deutlich besser sein als beim Weltcup-Termin im Dezember. Es wurde ein umfassender Entwicklungsplan für das Confins-Plateau beschlossen. Dazu gehört eine deutliche Erweiterung des Kunstschneenetzwerks mit einer Aufrüstung von bisher acht auf bis zu 20 Schneekanonen sowie der massive Ausbau von Snow-Farming. „es geht nicht darum, einen komplett neuen Wettkampfort auf die Beine zu stellen, sondern ein bestehendes nordischen Zentrum zu modernisieren, um die Voraussetzungen für die Ausrichtung der Olympischen Spiele zu erfüllen“, heißt es in einer Pressemeldung. „Es geht hierbei nicht darum, einen neuen Wettkampfort zu schaffen, sondern darum, ein bestehendes nordisches Skigebiet anzupassen und zu modernisieren. Das Ziel ist es, den Anforderungen der Spiele gerecht zu werden und gleichzeitig die tägliche Bewirtschaftung nachhaltig zu verbessern“, erklärte das Komitee in einer Pressemitteilung. „Das Programm umfasst insbesondere die Anpassung der Strecken, den Erneuerung des nordischen Zentrums, die Erweiterung der technischen Anlagen in Arpettaz, die Sicherung des Beschneiungsnetzwerks und der Schneelagerstätten sowie die Sanierung von Straßen, Parkplätzen und Wegen.“ Für die gesamten Modernisierungsarbeiten auf dem Plateau des Confins inklusive der technischen Anlagen in Arpettaz und der Loipenanpassungen sind insgesamt 13,2 Millionen Euro veranschlagt. 8,4 Millionen Euro fließen in den eigentlichen Umbau der Strecken, den Neubau des nordischen Zentrums und die technischen Beschneiungsanlagen in Arpettaz. 4,8 Millionen Euro werden für die Infrastruktur drumherum aufgewendet, für die Sanierung der Zufahrtsstraßen, den ökologischen Umbau der Parkplätze und Trennung von Publikum und Athleten. Gezahlt wird dieses Budget zu großen Teilen aus öffentlichen Mitteln der Region Auvergne-Rhône-Alpes und dem Department Haute-Savoie, da die Anlagen nach den Spielen nachhaltig für den Breitensport weitergenutzt werden sollen. „Der Start dieser Bürgerbefragung bietet allen Einwohnern, Unternehmen und Nutzern des Confins-Plateaus die Gelegenheit, sich aktiv in das Entwicklungsprojekt für die Olympischen Winterspiele 2030 in den Alpen einzubringen“, fügte Didier Thévenet, Bürgermeister von La Clusaz, hinzu. „Ich setze mich persönlich dafür ein, dass alle Baumaßnahmen den Ort respektieren, sich ihm anpassen und die Landwirtschaft, die wirtschaftlichen Aktivitäten sowie die Landschaft bewahren. Diese Olympischen Spiele werden nur dann ein Erfolg, wenn sie sich dem Ort Confins anpassen – und nicht umgekehrt.“
Diggins gewinnt 100 Meilen Ultra Trail
Das war eines der Ziele, die Jessie Diggins nach Beendigung ihrer Langlauf-Karriere geäußert hatte: Die Teilnahme am Superior 100 Mile Trail Race in ihrer Heimat Minnesota, einem der ältesten, härtesten und prestigeträchtigsten Ultramarathons in den USA. Es findet im Nordosten des US-Bundesstaates Minnesota entlang der „North Shore“ des Oberen Sees (Lake Superior) statt und führt fast ausschließlich über den Superior Hiking Trail. Der Weg ist berüchtigt für seinen ruppigen, extrem technischen Untergrund voller Wurzeln, Felsen und tiefem Schlamm. Das Trailrunning Rennen geht eigentlich sogar über 103 Meilen, also über rund 166 Kilometer, mit etwa 5.300 Höhenmetern bergauf und ebenfalls bergab. Die Läufer haben ein striktes Zeitlimit von 38 Stunden. Die durchschnittliche Finisher-Zeit liegt meist bei stolzen 34 Stunden. Jessie Diggins war bei ihrer Erstteilnahme aber deutlich schneller und finishte in 25 Stunden, 9 Minuten und 46 Sekunden als schnellste Frau und Fünfte im Gesamtklassement. „Das war eine schöne Überraschung“, sagte Diggins im Ziel zum Star Tribune. „Mein Hauptziel war, einfach mutig zu laufen und mit der Hilfe meines großartigen Teams ins Ziel zu kommen.“ Trotz schwerer Gewitter und einer nervenaufreibenden Schlammschlacht bewältigte sie die Strecke in den Sawtooth Mountains mit ihrem charakteristischen Glitzer-Make-up. Die 35-Jährige lief damit die achtschnellte Zeit einer Frau auf dieser Strecke seit 2006, wo die Strecke und der Modus verändert wurde. Der absolute Kursrekord wird seit 2023 von Gretchen Metsa gehalten in 21 Stunden, 54 Minuten und 10 Sekunden. Das Rennen startete am Freitagvormittag bei zunächst warmen Temperaturen. Doch mit der Sonne stiegen die Luftfeuchtigkeit und der Taupunkt rasant an. Es wurde im Wald extrem schwül und „gottserbärmlich heiß“, was bei vielen Läufern bereits auf den ersten 40 Meilen zu Dehydrierung, Krämpfen und einem ungewohnt hohen Puls führte. In der Nacht zum Samstag schlug das Wetter komplett um, und eine Kette von schweren Gewittern und sintflutartigen Regenschauern zog über die Sawtooth Mountains hinweg. Der Starkregen verwandelte den ohnehin schon technischen Trail voller Felsen und Wurzeln in eine rutschige Schlammhölle. Der Untergrund war so tief, dass die Zeiten des gesamten Feldes im Vergleich zu trockenen Jahren massiv eingebrochen sind. Jessie Diggins beschrieb die Nacht in Textnachrichten an Journalisten als absolut „episch“. Der Regen prasselte phasenweise so laut auf das dichte Blätterdach des Waldes, dass sie die Rufe und Anweisungen ihres direkt neben ihr laufenden Pacemakers akustisch nicht mehr verstehen konnte. Unaufhörliche Blitze erhellten den stockfinsteren Wald, während die Läufer nur mit ihren Stirnlampen bewaffnet versuchten, auf dem glitschigen Pfad nicht umzuknicken. Wie der Siegerkuss zeigt, war ihr Mann Wade einer ihrer Pacemaker, die aber erst in der zweiten Rennhälfte zum Einsatz kommen durften. Er begleitete sie über ausgewählte Etappen – vor allem im späteren Verlauf des Rennens und in den frühen Morgenstunden, um sie mental durch das Tief der Erschöpfung zu pushen. Den Schlusssprint und den Einlauf ins Ziel am Samstagmorgen hat er dann nach einer Pause wieder als Pacer übernommen.
Weng-Zwillinge bei Team Anlegg Øst
Die norwegischen Skilanglauf-Zwillinge Lotta und Tiril Udnes Weng starten nach ihrem Ausschluss aus der Elite-Nationalmannschaft im privaten Team Anlegg Øst neu durch. Das Team hat vor allem im letzten Jahr von sich reden gemacht, als Karoline Simpson-Larsen und Karoline Grøtting im Weltcup durchstarteten und Biathlet Einar Hedegart sogar Gold und Bronze bei den Olympischen Spielen im Langlauf gewann. Alle drei haben das Team inzwischen verlassen – Hedegart sucht sien Glück nun wieder im Biathlon, die beiden Damen stiegen in die Nationalmannschaft auf und mussten das Team gegen ihren Willen verlassen. So war nun Platz für die Weng-Zwillinge Tiril und Lotta. Nach zwei von Krankheiten und Formschwächen geprägten Saisons setzen die Athletinnen auf ein neues Trainingsumfeld nahe ihrer Heimat. Ihr großes Saisonziel ist die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Falun im kommenden Februar. „Wir waren darauf vorbereitet, dass es nicht bei beiden klappen würde, aber wir sind froh, dass wir nun beide in diesem Team sind. So gab es zwei zum Preis von einer“, sagten sie zu Langrenn. Erste positive Ergebnisse zeigten sich bereits mit einem Sieg, zwei zweiten Plätzen und einem dritten Platz beim Blinkfestivalen, bei der Toppidrettsveka und der Trollhättan Action Week waren sie nicht am Start und absolvierten stattdessen ein Höhentrainingslager in Font Romeu. Positiv bewerten sie an ihrem neuen Team, dass Trainer Emil Hosøy bei fast allen Trainingseinheiten persönlich vor Ort ist, was für höhere Qualität sorgt. Hosøy zeichnet sich durch eine extrem hohe Präsenz im Trainingsalltag aus. Er leitet den Großteil der täglichen Trainingseinheiten persönlich vor Ort. Lotta Udnes Weng betont, dass es in Norwegen kaum Gruppen gibt, bei denen der Trainer so stark involviert ist.Der Fokus im Training liegt verstärkt auf der Distanzfähigkeit und der Intensitätssteuerung statt auf dem Sprinten. „Wir achten wahrscheinlich mehr auf die Steuerung der Intensität als zu der Zeit, als wir noch in der Nationalmannschaft waren. Und wir haben den Fokus auf den Sprint beiseitegelegt. Jetzt, wo wir bei Anlegg Øst sind, ist die Arbeit an der Distanz Teil des Systems geworden, in das wir eingetreten sind“, erklärte Lotta. „Ich habe gesehen, dass unsere Fähigkeiten auf der Distanz wachsen müssen; dort müssen wir den Sprung schaffen. Seit ich im Team bin, konnte ich sehr gut trainieren. Mehr Konstanz, weniger Unterbrechungen und sehr wenige schlechte Tage. Das ist es, was uns meiner Meinung nach den Sprung ermöglichen wird.“
Norweger ergänzt Schweizer Trainerteam
Unter Cheftrainer Erik Bråten Guidon gehört nun ein weiterer Norweger zum Trainerteam der Schweizer Langläufer. Sverre Huber Kaas lebte bisher in Oslo und hat selbst eine Vergangenheit als Langläufer auf nationaler Stufe. Zuletzt betreute er in den vergangenen acht Saisons die erfolgreichen norwegischen Weltcup-Biathletinnen in den Bereichen der Physis und Langlauftechnik. Neben Erik Bråten Guidon sind also künftig seine Frau Karoline, Toni Livers und Sverre Huber Kaas für das Weltcupteam verantwortlich. Livers war zuvor Trainer des COC-Teams. Dort übernimmt nun Ursina Matossi neu die Leitung. Sie wird das Team wie bereits in der vergangenen Saison gemeinsam mit Peeter Kümmel betreuen. Unverändert bleibt die Trainersituation im C-Kader (Trainingsgruppe 3) mit den beiden Trainern Peter von Allmen und Jöri Kindschi. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Sverre Huber Kaas und dem leicht umstrukturierten Trainerteam und sind überzeugt davon, dass wir die Athletinnen und Athleten in dieser Konstellation beim Erreichen ihrer Höchstleistungen optimal unterstützen können“, so Rafael Ratti, Chef Elite Langlauf und Biathlon bei Swiss-Ski.