Interviews

Langlauf: Das sagt das deutsche Team vor dem Beginn der Olympischen Spiele

Vier Tage vor dem ersten Langlauf-Rennen bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand-Cortina äußert sich das DSV-Team zur Vorbereitung, den Erwartungen und Zielen.

Peter Schlickenrieder, Sportdirektor Langlauf

Peter Schlickenrieder (GER) © DSV

„Mit Blick auf die Olympischen Spiele können wir bei den Damen auf eine insgesamt stabile und früh strukturierte Saison zurückschauen. Gleich beim Auftakt in Ruka haben wir wichtige Schritte gemacht: mehrere Teil- und zwei Vollqualifikationen waren ein starkes Signal. Katherine Sauerbrey und Pia Fink haben früh ihre Tickets gesichert, Helen Hoffmann, Katharina Hennig Dotzler, Coletta Rydzek und Laura Gimmler haben nachgelegt und ihre Qualifikation komplettiert. Damit hatten wir nach den ersten vier Weltcup-Stationen bereits sechs Athletinnen fix für Olympia. Das hat Ruhe in die Planung gebracht. Auch unsere Sprinterinnen konnten ihre Qualifikation frühzeitig absichern.

Mit dieser Kernmannschaft sind wir anschließend bewusst gesteuert durch den Weltcup gegangen, haben selektiv eingesetzt und Trainingsphasen integriert. Die Tour de Ski war dabei ein Baustein, aber nicht der alleinige Fokus. Entscheidend war, gezielt Form aufzubauen. In Oberhof ist uns ein guter Einstieg ins neue Jahr gelungen, auch wenn dort nicht die komplette Weltelite am Start war. Umso höher ist der Weltcup in Goms einzuordnen, wo wir gegen starke Konkurrenz überzeugt haben: Podestplätze im Sprintbereich und ein fünfter Rang von Katharina Hennig Dotzler haben Selbstvertrauen und Schwung gebracht.

Natürlich schmerzt der Ausfall von Victoria Carl. Sie ist sowohl in den Teamwettbewerben als auch mit Blick auf mögliche Einzelmedaillen eine zentrale Athletin. Das ist ein Faktor, den man nicht wegdiskutieren kann. Gleichzeitig spürt man in der Mannschaft den Anspruch, auch für sie mitzulaufen und sich geschlossen zu präsentieren.

Unsere klare Stärke liegt – wie schon bei den vergangenen Spielen – in den Teamwettbewerben, insbesondere in der Staffel. Dort sehen wir unsere größte Chance. Eine Medaille ist ambitioniert, aber genau das ist unser Ziel. Im Teamsprint gilt: Einzelne starke Ergebnisse hatten wir, aber die internationale Dichte ist enorm. Wenn wir dort eine Top-6-Platzierung erreichen, wäre das ein sehr gutes Resultat. Für eine Medaillenerwartung braucht es über die Saison hinweg noch mehr Konstanz auf absolutem Spitzenniveau.

Zur Einsatzkonzeption bei den Damen ist der Auftaktwettbewerb, der 20 Kilometer Skiathlon, klar gesetzt. Dort werden Katharina Hennig Dotzler, Pia Fink, Katherine Sauerbrey und Helen Hoffmann starten. Im Sprint sind drei Plätze vergeben, der vierte wird nach dem Skiathlon festgelegt. Coletta Rydzek, Laura Gimmler und Sofie Krehl sind gesetzt. Da es sich um einen klassischen Sprint handelt, kommen zudem unsere Klassikspezialistinnen Katharina Hennig Dotzler und Katherine Sauerbrey in Frage. Die formstärkere Athletin wird den vierten Startplatz erhalten. Daraus ergeben sich dann auch mögliche Konstellationen für weitere Einsätze. Im Teamsprint planen wir mit Coletta Rydzek und Laura Gimmler. Über die Staffel entscheiden wir nach den ersten Rennen. Gute Leistungen im Skiathlon oder im Einzel können die Reihenfolge noch beeinflussen. Für das 10-Kilometer-Freistilrennen sind aktuell Pia Fink und Helen Hoffmann gesetzt. Die weiteren Startplätze werden nach den ersten Wettbewerben vergeben. Insgesamt bleibt die Strategie flexibel. Entscheidend ist die tatsächliche Form vor Ort.

Bei den Herren müssen wir festhalten, dass die Saison bislang deutlich schwieriger verlaufen ist, als es die Vorbereitung vermuten ließ. Die Trainingsphase war ausgesprochen vielversprechend, mit sehr guten Testwerten in Oberhof und einem starken Trainingslager. Einzelne Athleten haben dort mit überzeugenden Leistungen auf sich aufmerksam gemacht.
In der ersten Saisonhälfte konnten wir das jedoch nicht in entsprechende Ergebnisse umsetzen. In den Distanzrennen blieben wir häufig hinter den Erwartungen zurück. Positiv hervorzuheben ist der Sprintbereich: Jan Stölben erlebt seine bislang stärkste Saison und hat sich eine volle Olympia-Qualifikation gesichert. Sein Finaleinzug in Val di Fiemme war ein wichtiger Entwicklungsschritt. Gelingt ihm bei Olympia der Sprung ins Halbfinale, wäre das ein sehr starkes Ergebnis.

Ebenfalls erfreulich ist die Entwicklung von Florian Notz, der sich stabil präsentiert und ebenfalls voll qualifiziert hat. Insgesamt jedoch war die erste Saisonhälfte für die Langlauf-Herren herausfordernd. Deshalb ordnen wir die Erwartungen realistisch ein. In den Einzelrennen sind wir derzeit weiter von den Medaillenplätzen entfernt, als es unser Anspruch ist. Der Fokus liegt klar auf der Staffel. Dort zählen Geschlossenheit, Rennverlauf und Tagesform. Eine Platzierung im Bereich Top-6 wäre nach dem bisherigen Verlauf ein sehr gutes Resultat, auch ein Rang unter den besten Acht wäre solide. Gleichzeitig wissen wir: Bei Olympischen Spielen ist in einer Staffel vieles möglich. Eine schöne Perspektive bietet die Nominierung von Jakob Moch. Mit 19 Jahren sammelt er bei seinen ersten Spielen wichtige Erfahrungen – ein wertvoller Schritt für die Zukunft des Herrenbereichs.

Zur Einsatzplanung bei den Herren: Im Skiathlon werden wir voraussichtlich nur mit Friedrich Moch, Florian Notz und Jakob Moch an den Start gehen, da zwei Tage später bereits der Sprint stattfindet und wir unsere Spezialisten vorher nicht unnötig belasten wollen. Im Sprint sind Jan Stölben und Janosch Brugger gesetzt. Weitere Starter sind hier nicht vorgesehen, da kurz darauf die 10 Kilometer Freistil folgen, die für mehrere Athleten ein Schlüsselrennen darstellen. Über die 10 Kilometer sind Friedrich Moch, Janosch Brugger und Florian Notz aussichtsreich eingeplant. Je nach Verlauf der ersten Wettbewerbe kann es hier noch Anpassungen geben. Die endgültige Staffelaufstellung wird nach dem Skiathlon und dem Sprint festgelegt. Wir wollen zunächst sehen, wie sich die Athleten in den ersten Rennen präsentieren, und dann die stärkste Formation für den Teamwettbewerb benennen.

Unterm Strich reisen wir mit einer realistischen, aber klaren Zielsetzung an. Die Mannschaft hat in den letzten Wochen intensiv gearbeitet, teilweise bewusst auf Weltcup-Starts verzichtet, um gezielt Form aufzubauen. Wenn es gelingt, diese Arbeit beim Höhepunkt in Leistung umzusetzen, können wir auch im Herrenbereich ein wichtiges Zeichen setzen.

Pia Fink

Pia Fink (GER) © picture alliance

„Ich freue mich wirklich riesig, dass ich nochmal das Glück habe, zu Olympischen Spielen fahren zu dürfen. Meine ersten Spiele waren in Peking, und die waren ja doch sehr speziell. In den letzten vier Jahren hatte ich deshalb immer im Kopf: Mein großes Ziel ist es, da nochmal hinzufahren und Olympia anders zu erleben als damals. In Peking lief bei mir nicht alles ganz rund, umso mehr freue ich mich jetzt auf ein bisschen mehr olympisches Flair in Val di Fiemme und dass ich wieder mit dabei sein darf.

Meine Saison war bisher eigentlich recht konstant. Ich bin vor allem die Distanzrennen gelaufen und konnte die Quali relativ früh abhaken. Das hat mich sehr gefreut und auch beruhigt. Mit meinen Distanzleistungen bin ich wirklich zufrieden und hoffe natürlich, dass ich bei Olympia daran anknüpfen kann. Mein großes Ziel ist, bei einem Großereignis mit meiner besten Form am Start zu stehen. Danach möchte ich sagen können: Ich habe alles gegeben, das waren meine besten Rennen der Saison. Wenn am Ende ein Top-Ten-Platz rausspringt, wäre ich natürlich mega glücklich. Aber selbst ein Top-15-Platz kann, je nach Rennen, richtig stark sein. Entscheidend ist für mich, dass ich alles raushaue.

Ich starte in zwei Distanzrennen, im Skiathlon und im Einzel Skating. Da hoffe ich natürlich, dass es gut läuft und dass ich mich für die Staffel empfehlen kann. Die Staffel ist für uns schon einer der wichtigsten Wettkämpfe, vielleicht zusammen mit dem Teamsprint, wo wir die größten Chancen haben. Da wünsche ich mir einfach, dass für uns alles zusammenpasst, jede ihr Bestes abrufen kann und wir am Ende zufrieden sind.

Die Vorbereitung haben wir dieses Mal daheim im Allgäu gemacht. Wir haben uns bewusst entschieden, nicht nochmal irgendwo ins Trainingslager zu fahren, sondern das Ganze entspannt, ohne großen Reisestress und Druck von außen, zuhause durchzuziehen. Darüber bin ich wirklich froh. Die Bedingungen waren gut, das Wetter hat gepasst, und es war einfach schön, ein paar Tage im eigenen Bett zu schlafen und das zu essen, worauf man Lust hat. Olympia ist für uns Langläufer ja lang genug, man ist viel gemeinsam unterwegs. Deshalb war es gut, davor nochmal bewusst Ruhe reinzubringen. Im Training haben wir nichts Besonderes gemacht, sondern versucht, alles ganz normal weiterzuführen. Jetzt hoffe ich, dass die Form pünktlich passt.

Die Strecken in Val di Fiemme kenne ich noch nicht komplett in der neuen Version. Bei der Tour de Ski in den letzten beiden Jahren waren Teile schon neu, andere noch nicht ganz fertig. Deshalb bin ich gespannt, wenn wir nächste Woche hinfahren und ich mir alles nochmal anschaue. Der Abschnitt, den ich dieses Jahr schon gesehen habe, ist auf jeden Fall sehr anspruchsvoll. Das liegt mir eigentlich ganz gut, ich bin eher der Typ für die Berge. Von daher hoffe ich, dass das alles zusammenpasst.

Ich freue mich total, dass Olympia in Italien stattfindet und meine Familie diesmal die ganze Zeit mit dabei sein kann. In Peking war das ja ganz anders. Dass sie mich jetzt vor Ort unterstützen und das alles miterleben können, finde ich richtig schön. Ich weiß auch, dass eine Gruppe aus meinem Heimatverein anreisen wird. Das bedeutet mir schon viel, gerade weil ich aus einem eher kleinen Verein komme. Ich finde es einfach cool, dass sie alle so hinter mir stehen und mich dort unterstützen.“

Laura Gimmler

Laura Gimmler (GER) © picture alliance

„Wenn ich auf meine Saison zurückblicke, kann ich echt sagen: Das war bisher meine beste. Ich war viermal in Folge im Sprintfinale, wir haben mit Coletta einen Teamsprint gewonnen und dann kam auch noch mein erstes Einzelpodium mit dem zweiten Platz dazu. Damit bin ich wirklich super zufrieden. Distanzrennen bin ich dieses Jahr nicht so viele gelaufen, weil es gesundheitlich zwischendurch ein bisschen schwierig war. Aber die paar Distanzrennen, die ich gemacht habe, waren total in Ordnung, damit war ich auch echt happy.

Die Tour de Ski habe ich dieses Jahr leider auslassen müssen, weil ich kurz davor leicht erkältet war. Dann haben wir gesagt, wir gehen kein Risiko ein und machen stattdessen nochmal einen Trainingsblock. Und im Nachhinein muss ich sagen: Das ist richtig gut aufgegangen. Ich konnte gut trainieren, die Form war danach voll da. Dafür bin ich echt dankbar, wie sich das alles entwickelt hat.

In der letzten Phase vor Olympia hatte ich jetzt im Prinzip zwei Wettkampfwochenenden, weil der große Trainingsblock ja schon erledigt war. Und ich finde, Wettkämpfe sind am Ende sowieso das beste Training. Jetzt geht’s eigentlich nur noch darum, ruhig zu bleiben, normal weiterzumachen und frisch zu bleiben. Wir haben alle genug trainiert in unserem Leben. Jetzt geht es eher darum, dass man sich gut fühlt und nicht mehr müde wird.

Zum Thema Höhentraining: Für mich persönlich spielt das ehrlich gesagt keine große Rolle. Ich bin total zufrieden, wenn ich meine Trainingsziele auf normaler Höhe gut umsetzen kann. Ich glaube, das ist extrem individuell und man muss das echt gut abwägen. Höhentraining ist nicht automatisch für jeden ein Vorteil.

Die olympische Strecke kenne ich zum Teil schon. Dadurch, dass ich die Tour de Ski verpasst habe, bin ich die neu angepasste Sprintrunde dieses Jahr noch nicht selbst gelaufen. Ich kenne sie nur aus dem Fernsehen. Aber im Klassiksprint mag ich eigentlich fast jede Runde und die sah echt gut aus. Darauf freue ich mich. Die Distanzrunden kenne ich, die sind schon anspruchsvoll. Ich mag diese kurvigen Abfahrten und das Gelände, das so intervallartig ist. Das liegt mir eigentlich ganz gut.

Natürlich ist es auch mega cool, dass Olympia jetzt in Europa ist und dass meine Familie die Chance hat, dabei zu sein. Das ist schon was ganz Besonderes, das gemeinsam zu erleben. Und es werden, glaube ich, immer mehr, die kommen wollen. Mal schauen, wer am Ende wirklich alles da ist.

Zu diesem Satz ‚Dabei sein ist alles‘ kann ich nur sagen: Dabei sein ist viel, aber es ist nicht alles. Klar träumt man von einer Medaille, und ich finde, das darf man auch. Wenn man sich unsere Teamleistungen anschaut und auch meine eigenen Ergebnisse in letzter Zeit, dann ist es total okay, zu hoffen und zu träumen. Am Ende bekommen aber nur ganz wenige eine Medaille. Für mich ist wichtig, dass ich alles gebe. Dann kann ich mir nichts vorwerfen und damit kann ich auch zufrieden sein. Mir ist aber genauso wichtig, dass ich Olympia auch genieße. Ich habe mein ganzes Leben dafür trainiert, darauf hingearbeitet, davon geträumt. Und ich bin einfach unglaublich dankbar, dass ich mein Land dort vertreten darf, noch dazu in Europa. Ich habe mir das erarbeitet und das will ich mir auch immer wieder bewusst machen. Ich will Spaß haben, ich will das erleben und nicht nur unter Druck stehen.

Abseits vom Sport: Italienisch kann ich leider gar nicht, auch wenn ich die Sprache echt wunderschön finde. Aber das Essen feiere ich sehr. Ich finde, die italienische Küche ist international echt schwer zu toppen. Allein deswegen sind Wettkämpfe in Italien immer ganz cool. Einen Glücksbringer habe ich nicht, da glaube ich nicht so richtig dran. Ich habe meistens ein paar Gummibärchen dabei, aber die wird man in Italien ja wohl auch noch finden. Ansonsten habe ich einfach das Übliche dabei, wie eigentlich jeder auch.“

Katharina Hennig Dotzler

Katharina Hennig Dotzler (GER) © picture alliance

„Nächste Woche geht es für mich zu meinen dritten Olympischen Spielen nach Val di Fiemme. Wenn mich jemand fragen würde, welcher Ort für mich am schönsten für Olympia wäre, dann hätte ich genau das gesagt. Das ist mein absoluter Lieblings-Weltcup-Ort, mit ganz vielen schönen Erinnerungen, und deshalb freue ich mich riesig auf die Rennen in Italien. Generell finde ich es total schön, dass Olympia diesmal in Europa stattfindet, mehr oder weniger vor unserer Haustür, und in einem Land, in dem Wintersport einfach auch dazugehört. Ich rechne damit, dass viele aus meiner Familie, aus dem Freundeskreis und auch aus meinem Fanclub vor Ort sein werden und mich anfeuern. So geht es natürlich auch meinen Teamkolleginnen und Teamkollegen. Jeder kennt viele Leute, die dort sein werden, und wir freuen uns total, endlich wieder vor vielen Zuschauern laufen zu dürfen.

Meine Saison war bisher ziemlich durchwachsen, vor allem wegen größerer gesundheitlicher Ausfälle im Herbst. Der Start war deshalb recht holprig. Zum Glück konnte ich schon beim ersten Rennen in Ruka eine halbe Teilquali holen, das hat ein bisschen Druck rausgenommen. Die zweite Teilquali habe ich mir dann bei der Tour de Ski im Klassisch-Einzel geholt und musste danach leider wieder krankheitsbedingt abreisen. Deshalb bin ich jetzt einfach sehr dankbar, dass ich das Ticket für die Olympischen Spiele lösen konnte und nochmal bei Olympia dabei sein darf. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich meine Zielsetzung durch die vielen krankheitsbedingten Ausfälle in den letzten zwei Jahren etwas anpassen musste. Hätte man mich vor zwei oder drei Jahren gefragt, hätte ich ganz klar gesagt: Ich will um eine Einzelmedaille kämpfen und mit dem Team um eine Staffelmedaille. Manchmal läuft es im Leben aber nicht immer nur geradeaus oder bergauf, und deshalb habe ich meine Ziele etwas angepasst. Gleichzeitig habe ich beim letzten Weltcup in Goms gemerkt, dass ich langsam in Form komme. Das war ein Rennen, da habe ich mich so gut gefühlt wie schon lange nicht mehr, und das gibt mir jetzt viel Mut und Zuversicht, in den olympischen Einzelrennen um Top-Platzierungen mitkämpfen zu können. Die Einzelmedaille würde ich jetzt ein bisschen außen vor lassen, aber ich habe auf jeden Fall die Hoffnung, in meiner besten Form diesen Winter am Start zu stehen. Und ich wünsche mir natürlich auch sehr, Teil der deutschen Staffel zu sein und mit den Mädels um Edelmetall kämpfen zu können. Das ist ganz klar unser großes Teamziel.

Die Strecken in Val di Fiemme kenne ich in der aktuellen Version noch nicht, weil sie im Hinblick auf die Olympischen Spiele etwas angepasst wurden. Da ich letztes Jahr die Tour de Ski wegen einer Erkältung komplett verpasst habe und dieses Jahr nach Tag zwei abbrechen musste, bin ich die Strecken in den letzten zwei Jahren leider nicht gelaufen. Für mich ist deshalb vieles neu, aber das ist kein Problem. Die grundsätzliche Charakteristik der Strecken ist ja trotzdem noch da, und darauf freue ich mich einfach.

‚Dabei sein ist alles‘ kann ich für mich nicht zu hundert Prozent unterschreiben. Wir sind nicht umsonst im Leistungssport unterwegs. Jeder hat seine eigenen Ziele, die er erreichen möchte, und das gilt für mich genauso. Ich will dort meine beste Leistung zeigen und performen, das gehört einfach dazu. Gleichzeitig ist es mir aber sehr wichtig, das Ganze bewusst zu genießen, weil es definitiv meine letzten Olympischen Spiele sein werden. Mit diesem Wissen dorthin zu fahren, ist etwas Besonderes, weil man genau weiß: Das ist jetzt das letzte Mal, und man sollte das alles wirklich in sich aufsaugen.

Einen Glücksbringer habe ich auch dabei. Meine Eltern haben mir ein kleines Herz aus Stein geschenkt, auf dem ‚Viel Glück‘ steht. Und ich habe meinen Fotowürfel mit, mit Bildern von meiner Familie und von meinem Mann. Den habe ich eigentlich bei jedem Weltcup dabei, und der kommt natürlich auch mit nach Olympia, damit ich meine Liebsten direkt neben dem Bett stehen habe.“

Helen Hoffmann

Helen Hoffmann (GER) © picture alliance

„Die bisherige Saison war insgesamt in Ordnung. Ich habe die volle Qualifikation geschafft, was auf jeden Fall ein gutes Zeichen ist, und es dreimal in die Top Ten geschafft. Am meisten freue ich mich auf den 10-Kilometer-Skating-Einzel, der liegt mir wahrscheinlich am besten. Auch der Skiathlon ist ein Rennen, mit dem ich bislang gute Erfahrungen gemacht habe.

In der Vorbereitung mache ich im Grunde nichts grundlegend anders als sonst. Nur weil es Olympia ist, heißt das nicht, dass man plötzlich alles umstellt. Ich finde, man sollte das Training genauso durchziehen wie bisher. Wenn man anfängt, kurz vorher noch unzählige Dinge auszuprobieren, weiß man am Ende gar nicht mehr, was wirklich funktioniert. Deshalb bleibe ich lieber bei dem, was sich bewährt hat, und versuche, das Ganze trotz der Bedeutung des Events mit einer gewissen Ruhe anzugehen.

Wir sind früh genug vor Ort, um uns an die Bedingungen zu gewöhnen. Die Strecken kenne ich bereits ein wenig, da ich schon zweimal dort war. Sie sind insgesamt ziemlich anspruchsvoll, was mir grundsätzlich liegt. Die Abfahrten sind etwas speziell – da hoffe ich, dass vielleicht noch kleine Anpassungen vorgenommen werden, damit es nicht ganz so heikel wird, wenn man eine Kurve nicht perfekt trifft. Aber das gehört natürlich auch dazu.

Dass die Spiele in Europa stattfinden, macht es besonders. Viele Freunde und Bekannte haben sich Tickets gesichert und werden vor Ort sein. Wenn die Wettkämpfe weiter weg sind, verfolgt man das eher im Fernsehen – so ist es natürlich schöner und persönlicher. Der Gedanke ‚Dabei sein ist alles‘ trifft es für mich nicht ganz. Olympia ist ein riesiges Highlight, aber man möchte dort auch Leistung zeigen. Nur dabei zu sein, um sagen zu können, man war da, wäre mir zu wenig. Natürlich weiß man nie, wie ein Rennen läuft, aber ich will meine beste Leistung abrufen und alles herausholen, was möglich ist.

Italienisch spreche ich gar nicht – wahrscheinlich reicht es nicht einmal zum Pizza-Bestellen. Aber das bekomme ich schon irgendwie hin. Einen klassischen Glücksbringer oder ein festes Ritual habe ich nicht.

Sofie Krehl

Sofie Krehl (GER) © picture alliance

„Meine Saison war bisher sehr konstant. Ich würde sagen, eine klassische Sofie-Saison – wenige Ausreißer nach unten, aber auch nach oben. Konstant in den Punkten. Deshalb war es auch diesmal wieder ein kleiner Kampf um die Quali, und ich habe mich riesig gefreut, als die Nominierung dann feststand. Überrascht war ich ein bisschen, wie gut ich die Tour de Ski körperlich weggesteckt habe. Ich war danach relativ schnell wieder frisch. Vor vier Jahren habe ich die Tour zum ersten Mal gefinisht, dieses Jahr zum zweiten Mal, und damals kam meine Form danach richtig gut. Mal schauen, ob das diesmal wieder so ist – ich würde mich auf jeden Fall freuen.

Die Vorbereitung haben wir zuhause in Oberstdorf gemacht. Wir wollten kein gesundheitliches Risiko eingehen und bewusst in unserem gewohnten Umfeld bleiben. Ich glaube, mir hat das sehr gutgetan. Ich bin noch relativ entspannt und spüre dieses große Olympia-Thema noch nicht jeden Tag. Wenn man zwei Wochen irgendwo im Lehrgang ist, denkt man permanent daran. So bringt es uns ein bisschen Lockerheit, und das tut gut.

Ich habe mich speziell auf den Sprint vorbereitet. Bei der Tour de Ski gab es ja schon einen Sprint auf den Olympiastrecken, da konnte ich die Strecke kennenlernen und habe schnell gemerkt, wo die Knackpunkte sind. Deshalb haben wir viel klassisch am Burgsteig trainiert, also lange Berge, damit der Körper diese lange Belastungszeit nochmal spürt. Und natürlich auch die schnelle Zielgerade, die sicher ein entscheidender Punkt wird.

Das Thema Höhe ist für mich nicht so präsent. Es ist eine mittlere Höhe, damit habe ich normalerweise keine Probleme. Nach ein paar Tagen Eingewöhnung passt sich der Körper da gut an. Olympia so nah an zuhause wird, glaube ich, richtig cool. Als die Nominierung rauskam, kamen unglaublich viele Nachrichten – von Familie und Freunden, aber auch von Bekannten, die man sonst gar nicht so oft sieht. Viele haben gesagt, sie kommen auf jeden Fall vorbei, wenn es schon mal so nah ist. Das macht einen ein bisschen nervös, aber vor allem stolz. Ich glaube, das wird etwas ganz Besonderes, und man muss es einfach genießen.

Ich gehe mit relativ wenig Erwartungen rein. Vor vier Jahren habe ich das ähnlich gemacht, bin dann in so einen Flow gekommen und habe es einfach genossen – und es lief richtig gut. Dafür muss natürlich alles zusammenpassen. Deshalb mache ich mir im Vorfeld keinen großen Druck wegen bestimmter Ergebnisse, sondern schaue, dass ich an Tag X mein Bestes abrufe. Ein Ziel ist für mich auf jeden Fall wieder das Halbfinale im Sprint. Dafür kämpfe ich im Weltcup schon länger, und das würde ich mir sehr gern erfüllen. Und bei den Teamwettbewerben darf man natürlich träumen. Ich glaube, es ist auch ein realistischer Traum, dass wir Mädels da erfolgreich sein können. Aber das wird sich zeigen. Wir sind alle mit relativ wenig Druck unterwegs und wollen es genießen.

Ich freue mich auch auf die Eröffnungsfeier in Predazzo, die ja relativ nah bei unserem Teamhotel stattfindet. Sie wird sicher etwas anders und kleiner sein, weil alles dezentral organisiert ist. Aber gerade deshalb finde ich es spannend, das mal so zu erleben – in Peking war das ja nicht möglich. Und ansonsten freue ich mich einfach auf ein bisschen italienischen Flair. Vielleicht mal einen guten Cappuccino auf der Sonnenterrasse mit einem Cornetto. Auch wenn man mal keinen Wettkampf hat, kann man die Zeit dort bestimmt genießen. Ich glaube, das wird richtig cool.“

Coletta Rydzek

Coletta Rydzek (GER) © picture alliance

„Mit meiner bisherigen Saison bin ich auf jeden Fall mehr als zufrieden. Ruka war vielleicht noch ein etwas holpriger Einstieg, aber danach ging es Schritt für Schritt in die richtige Richtung. Dass ich so früh in der Saison schon auf dem Podium stehen und solche Erfolge feiern konnte, war richtig cool. Der kleine krankheitsbedingte Ausfall nach der Tour war natürlich nicht ideal. Man weiß nie genau, wie sehr so etwas der Form schadet. Aber die Wochenenden danach haben gezeigt, dass wir trotzdem auf einem guten Weg sind. Der letzte klassische Wettkampf vor Olympia war vielleicht nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte, aber dem will ich jetzt nicht zu viel Bedeutung geben. Insgesamt stimmt die Richtung.

Jetzt geht es darum, sich zuhause gut vorzubereiten, aber nichts komplett Neues mehr zu machen. Wir bleiben bei unserem Plan. Ich habe ein super Vertrauensverhältnis zu meinem Trainer, und bisher haben wir meistens die richtigen Entscheidungen getroffen. Klar hört man auch aufs Körpergefühl und schaut, was man noch braucht. Aber ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, vor dem Höhepunkt plötzlich noch irgendwas Besonderes ausprobieren zu wollen. Die Intensität wird nochmal angezogen, der große Umfang ist jetzt aber durch. Dann hoffe ich, dass alles gut aufgeht und ich sagen kann, dass ich sehr gut vorbereitet bin.

Auf Val di Fiemme freue ich mich total. Ich war noch nie dort und kenne die Strecken nur aus dem Fernsehen. Das wirkt ja oft nochmal anders, wenn man dann wirklich dort ist. Ich bin gespannt, wie es sich anfühlt. Von der Höhe her ist es auf jeden Fall angenehmer als Antholz, eher vergleichbar mit Oberstdorf. Und ich denke, wenn man in Form ist, kommen einem die meisten Strecken entgegen.

Um vorne mitzumischen, muss man bei Olympia sowieso in Topform sein. Ich gehe mit einer Mischung aus Respekt und Vorfreude rein. Klar denkt man manchmal, andere Strecken würden einem vielleicht noch besser liegen, aber am Ende macht man das Beste draus. Ich hoffe auf gutes Material und freue mich vor allem auf die Zielgerade – die sieht im Fernsehen zumindest so aus, als könnte sie mir liegen.

Es wird auf jeden Fall etwas ganz Besonderes, Olympia in Europa zu erleben, mit vielen Fans vor Ort. Wenn man von zuhause mitbekommt, wer alles kommt – Familie, Freunde – dann merkt man schon, wie besonders das ist. Diese Aufmerksamkeit hat man im Weltcup sonst nicht immer in dem Rahmen. Ich weiß, dass ich Unterstützung habe, egal wie es läuft, und das ist wahrscheinlich der größte Unterschied zu Peking.

‚Dabei sein ist alles‘ – ich glaube, mit den Leistungen der letzten Jahre wachsen natürlich auch die eigenen Ansprüche. Das ist ganz normal. Trotzdem will ich das Drumherum bewusst genießen, weil es ein riesiges Privileg ist, bei Olympischen Spielen starten zu dürfen. Davon träumen so viele Athletinnen und Athleten. Gleichzeitig habe ich natürlich Erwartungen an mich selbst. Bei Olympia zählen am Ende meist die Medaillen, aber für mich geht es erstmal darum, an dem Tag meine beste sportliche Leistung abzurufen. Wenn das gelingt, hoffe ich, dass ich damit auch weit vorne mitkämpfen kann. Am Ende spielen immer viele Faktoren mit rein: Material, Wetter, Tagesform, manchmal auch das Quäntchen Glück. Ich will mit Selbstbewusstsein am Start stehen und wissen, dass ich alles dafür getan habe – und dann schauen, was rauskommt.

Meine Italienischkenntnisse sind eher begrenzt. Ich hatte Latein in der Schule, also lesen verstehe ich vielleicht ein bisschen was. Pizza bestellen und Danke sagen klappt. Aber Smalltalk wird schwierig. Kulinarisch sind wir in Italien auf jeden Fall gut versorgt, das passt schon sehr gut. Im Vergleich zu den letzten Spielen freue ich mich sehr auf die Küche.
Ich hoffe, dass ich auch etwas vom olympischen Flair mitnehmen kann, vielleicht sogar die Eröffnungsfeier. In Predazzo ist ja einiges aufgeteilt, da bin ich gespannt, wie sich das anfühlt. Wenn man am nächsten Tag keinen Wettkampf hat, ist es manchmal gar nicht so leicht, sowas mitzunehmen. Aber ich hoffe, dass ich auch ein bisschen was von den anderen Sportarten mitbekomme – Skisprung, Nordische Kombination – und dieses verbindende Gefühl von Olympia spüre. Darauf freue ich mich sehr.

Einen klassischen Glücksbringer habe ich nicht. Ich bin nicht besonders abergläubisch. Man hat als Sportlerin sowieso immer seine festen Sachen dabei – eigenes Kissen, Schlafshirt, solche Dinge. Aber ich würde sagen, mein Glücksbringer ist vielleicht meine Zimmerkollegin Laura. Wenn wir zusammen eine gute Zeit in Italien haben, dann passt das schon.“

Katherine Sauerbrey

Katherine Sauerbrey (GER) © picture alliance

„Die bisherige Saison verlief gut. Ich konnte gleich zu Beginn in Ruka die Quali holen und habe die nächsten Rennen oft aus dem Training heraus mitgenommen. Da ging es vor allem darum, Erfahrung zu sammeln und an Details zu arbeiten, weniger um das reine Ergebnis. Die Tour de Ski war auf jeden Fall ein Highlight. Ich bin sie zum zweiten Mal komplett durchgelaufen und konnte viele positive Dinge mitnehmen. Danach hatte ich nochmal Zeit für einen längeren Trainingsblock, den ich gut nutzen konnte. Wir hatten zuhause in Oberhof richtig gute Bedingungen, deshalb hat das alles gut gepasst. Höhentraining war dieses Jahr kein großes Thema. Wir haben kein spezielles Trainingslager in der Höhe gemacht. Ich trainiere zwar gern mal in der Höhe, zum Beispiel in Livigno in den letzten Jahren, aber für mich ist das eher eine Option als ein Muss. Wir konnten auch zuhause sehr gut arbeiten und waren die ganze Zeit auf einem guten Weg.

Die Strecken in Val di Fiemme kenne ich noch von meiner ersten JWM 2014, da konnte ich schon gute Ergebnisse erzielen. Auch bei der Tour de Ski war ich dort öfter am Start und habe gute Rennen gemacht. Ich mag die Strecke und denke, dass sie mir liegt. Und Italien ist sowieso immer schön. Umso mehr freue ich mich, dass die Olympischen Spiele quasi vor der Haustür stattfinden. Viele Freunde und meine Familie werden vor Ort sein, meine Eltern kommen auch. Das ist etwas Besonderes, gerade weil es vor vier Jahren mit Corona ganz anders war. Ich glaube, die Stimmung wird richtig gut, und darauf freue ich mich sehr.

Olympia ist natürlich das Saisonhighlight, und da möchte ich meine beste Leistung zeigen. Ich habe mir schon einiges vorgenommen, aber zunächst steht der Skiathlon im Fokus. Alles Weitere entscheidet sich dann vor Ort, je nachdem, wie die Leistung ist. Deshalb konzentriere ich mich erstmal voll auf dieses Rennen und schaue dann weiter.

Dass meine Eltern vor Ort sind, bedeutet mir viel. Ich hoffe, dass wir uns zwischendurch sehen können, um auch mental mal kurz abzuschalten und eine kleine Auszeit zu haben. Das ist auf jeden Fall etwas, worauf ich mich sehr freue.“

Janosch Brugger

Janosch Brugger (GER) © Modica/NordicFocus

„Mit der jetzigen Situation kurz vor Olympia bin ich eigentlich recht entspannt. Die Saison ist bislang eine meiner solidesten im Weltcup, von daher gehe ich ziemlich ruhig in die Spiele. Absolute Highlights wie vor ein paar Jahren mit mehreren Top-Ten-Platzierungen gab es zwar noch nicht, aber die Rückstände auf die Top drei sind so klein wie noch nie. Das stimmt mich auf jeden Fall zuversichtlich.

In den letzten Wochen haben wir seit meinem letzten Weltcup in Oberhof noch einmal gut daheim trainiert und hatten richtig gute Bedingungen. Es ging fast jeden Tag auf die Loipe, daher war es überhaupt kein Nachteil, nicht noch irgendwohin ins Trainingslager zu fahren. Wir konnten in Ruhe eine starke Trainingsphase durchziehen. Jetzt kann es langsam Richtung Val di Fiemme gehen.

Ich bin gespannt, wie alles abläuft und wie die Atmosphäre sein wird. Es ist eine Olympiade, die relativ nah bei uns zu Hause stattfindet. Wenn dann Freunde und Familie an der Strecke stehen und viele bekannte Gesichter da sind, trägt das hoffentlich auch zu Höchstleistungen bei. Darauf freue ich mich riesig. Die Strecken sind sehr anspruchsvoll und absolut olympiawürdig. Das hat man bei der Tour de Ski gesehen, gerade im Sprint – extrem lang und hart. Das kommt uns mit einer guten Form eher entgegen. Mein persönliches Highlight wird wahrscheinlich der 10-Kilometer-Einzellauf. Die Abstände sind in diesem Jahr so eng, dass von Platz acht bis 30 alles möglich ist. Mit einer Top-15-Platzierung wäre ich sehr zufrieden. Am Ende schaue ich einfach, was rauskommt.

Ich mache mir keinen großen Stress. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass zu viel Druck bei mir eher nach hinten losgeht. Als Mannschaft ist natürlich die Staffel unser großes Highlight. Bei der vorletzten WM haben wir dort unsere Medaille geholt – unser bislang größter Erfolg. In der Staffel ist immer alles möglich, aber realistisch betrachtet muss auch alles zusammenpassen: perfekte Ski, ein Sahnetag von jedem Einzelnen, damit wir wieder in Podiumsnähe kommen können. Die Vorfreude ist riesig, und natürlich schielen wir mit beiden Augen auf dieses Rennen. Ich freue mich sehr auf Olympia in Italien. Hoffentlich kommen die Urlaubsgefühle nicht zu sehr durch – der Gardasee ist ja nicht weit weg. Aber Spaß beiseite: voller Fokus auf die Rennen. Und dann schauen wir, was am Ende dabei herauskommt.“

Friedrich Moch

Friedrich Moch (GER) © Modica/NordicFocus

„Die Saison lief bisher leider überhaupt nicht gut. Ich hatte im Sommer richtig gut trainiert und mich auch gut vorbereitet gefühlt, aber im Winter hat einfach nichts zusammengepasst. Es war schon hart, der Form hinterherzulaufen, vor allem weil ich nicht genau wusste, woran es liegt. Deshalb habe ich die letzten beiden Rennen weggelassen, um nochmal für mich zu trainieren und ein bisschen Ruhe reinzubringen.

Die Zeit hat mir auf jeden Fall gutgetan. Jetzt hoffe ich einfach, dass ich Richtung Olympia den Kahn noch mal aus dem Dreck ziehen konnte und wieder konkurrenzfähiger bin als zuletzt. So wie es bisher lief, hat es natürlich nicht besonders viel Spaß gemacht. Trotzdem freue ich mich riesig, dass es bald losgeht und dass ich dabei sein darf. Ich werde versuchen, das Ganze bestmöglich zu genießen.

Auf den Strecken sind wir schon oft gelaufen und die taugen mir eigentlich ziemlich. Viele Anstiege, schnelle Abfahrten mit vielen Kurven – man muss auch bergab richtig arbeiten. Die Abfahrten sind nicht besonders erholsam, dadurch wird es nochmal härter. Das kommt mir meistens entgegen. Insgesamt ist es eine ziemlich coole Anlage. Ein paar Abschnitte sind neu, die sind wir noch nicht gelaufen. Aber wir haben nächste Woche genug Zeit, uns alles in Ruhe anzuschauen. Ich bin einfach gespannt, wie es wird. Es ist schon ziemlich cool, dass Olympia so nah bei uns zuhause stattfindet. Eigentlich fast wie eine Heimolympiade. Ich bin schneller in Val di Fiemme als in Oberhof. Es werden viele Freunde und Familie kommen, das macht es natürlich besonders.

Ich glaube auch, dass diesmal wieder viele Zuschauer an der Strecke stehen werden und richtig Stimmung sein wird. Das hat bei den letzten Olympischen Spielen komplett gefehlt. In Italien mit hoffentlich gutem Wetter wird das für uns Sportler und auch für die Fans eine richtig schöne Kulisse. Meine Erwartungshaltung habe ich deutlich runtergeschraubt. Ich bin erstmal einfach froh, dabei zu sein. Große Ziele setze ich mir nicht. Ich schaue von Wettkampf zu Wettkampf, wie sich der Körper anfühlt und was möglich ist. Ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben. Wenn ich das nach dem Rennen sagen kann, bin ich zufrieden. Wenn es gut wird, umso besser. Und wenn nicht, dann habe ich zumindest alles probiert.

Meine Italienischkenntnisse beschränken sich eher auf ein paar Schimpfwörter. Ziel ist aber schon, dass mein Wortschatz nach den Spielen etwas größer ist. Wir sind in den letzten Jahren oft im Weltcup in Italien gewesen, ein paar Wörter kann man natürlich. Essen bestellen wird funktionieren, für Smalltalk reicht es eher nicht. Ein bisschen schade ist, dass wir diesmal nicht im Olympischen Dorf wohnen, sondern in einem eigenen Hotel. Ich bin gespannt, wie sich das anfühlt – ob man den typischen olympischen Flair trotzdem spürt oder ob es eher wie ein Weltcup oder eine WM wirkt. Aber ich freue mich einfach auf das Erlebnis, dass ich dabei sein darf. Und dann schauen wir am Ende, was rauskommt.“

Jakob Moch

Jakob Elias Moch (GER) © Modica/NordicFocus

„Wenn ich auf diese Saison zurückblicke, fällt es mir immer noch schwer, das alles richtig einzuordnen. Olympia war für mich im Sommer eigentlich kein Thema mehr. Mit dem Wechsel in die USA zum Studieren hatte ich das für mich abgehakt und sogar auf die ganzen formalen Schritte verzichtet, die man frühzeitig erledigen muss. Umso dankbarer bin ich, dass ich trotzdem auf der Longlist stand und sich die Tür wieder geöffnet hat. Der Weg seitdem war unglaublich: vom COC direkt in den Weltcup, dann die Tour de Ski – und jetzt Olympia. Diese Entwicklung ging so schnell, dass ich manchmal selbst kaum hinterherkomme. Natürlich gehört in so einer Phase auch ein Stück Glück dazu, aber man muss die Chancen dann eben auch nutzen. Ich versuche, alles mitzunehmen, wie es kommt.

Meine Vorbereitung war sicher keine klassische Vorbereitung auf einen Saisonhöhepunkt, weil die endgültige Entscheidung erst vor Kurzem gefallen ist. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon wieder in den USA und musste erst alles organisieren. Gleichzeitig hatte ich dort zweieinhalb Wochen Höhentraining, was im Nachhinein betrachtet sicher kein Nachteil war. Jetzt komme ich mit einer guten Basis zurück, sodass ich das Gefühl habe, dass die Form zur richtigen Zeit passt.

Auf die Strecken in Italien bin ich sehr gespannt. In Predazzo war ich bisher nur einmal im Rahmen der Tour de Ski, und einige Abschnitte sind neu für uns. Wenn für alle vieles neu ist, hat zumindest niemand einen Erfahrungsbonus – das sehe ich eher als Chance. Mein Anspruch ist es, diese Spiele zu genießen, den besonderen Flair aufzusaugen und die Erfahrung mitzunehmen. Für mich steht in diesem Jahr tatsächlich das Dabeisein im Vordergrund. Ich weiß, dass meine Leistungen gut sind, aber realistisch betrachtet geht es für mich nicht um ganz vorne. Deshalb nehme ich alles so an, wie es kommt. Egal wie es ausgeht – es wird für mich ein großes Erlebnis.

Auch wenn wir etwas außerhalb wohnen, bin ich sicher, dass man die olympische Atmosphäre an den Wettkampfstätten und im Dorf spüren wird. Ich freue mich darauf, dort Zeit zu verbringen, vielleicht auch mal mit anderen Nationen oder dem Team in die Stadt zu gehen. Und ja – ein Aperol gehört in Italien natürlich dazu. Aber der kommt erst nach dem letzten Rennen.“

Florian Notz

Florian Notz (GER) © picture alliance

„Wenn ich auf die Saison zurückblicke, ist dieses Jahr schon ein bisschen speziell, weil das Großereignis früher kommt als sonst. Die Olympischen Spiele sind einfach einen Tick früher als eine Weltmeisterschaft, und dadurch ist die Qualifikationsphase auch etwas kürzer. Ich habe mich im Sommer schon sehr gut gefühlt und hatte meine Quali dann auch relativ schnell fix.

Eigentlich habe ich mich mehr auf die 20-Kilometer-Rennen konzentriert, weil mir auf den 10 Kilometern in den letzten Jahren oft ein paar Sekunden gefehlt haben. Im Sommer habe ich aber schon gemerkt, dass ich auf den kürzeren Distanzen besser unterwegs bin, und das hat diese Saison dann überraschend gut funktioniert. Deshalb habe ich meine Quali am Ende über die 10 Kilometer Skating im Einzelstart geholt. Das ist ja auch das Format, das bei Olympia ansteht. Das war für mich nochmal wichtig, weil ich weiß: Wenn ich fit bin, kann ich über 20 Kilometer ein gutes Ergebnis laufen. Aber der 10-Kilometer-Einzelstart ist ein sehr ehrliches Rennen, da läuft man komplett für sich. Und das ist jetzt ein zusätzliches Rennen, in dem ich mir wirklich gute Chancen ausrechne.

Die Vorbereitung an sich ist sehr ähnlich wie vor einer WM, weil man einfach auf einen Punkt fit sein will. Nach der Tour de Ski habe ich erstmal eine kurze Erholungsphase gemacht, um frisch in die Olympia-Vorbereitung zu starten. Danach habe ich nochmal gut und viel trainiert und aus dem Trainingsblock heraus in Goms den 20-Kilometer-Massenstart klassisch mitgenommen. Da habe ich mich auch sehr gut gefühlt und gut performt. Durch einen Sturz und einen Stockbruch war das Ergebnis am Ende nicht das, was es hätte sein können, aber das ist jetzt nicht so entscheidend. Ich fahre mit einem sehr guten Gefühl zu den Olympischen Spielen und bin optimistisch, dass ich zum Höhepunkt auch wirklich in Topform bin.

Dieses ‚Dabei sein ist alles‘ gilt eigentlich nur, solange man noch nicht qualifiziert ist. In dem Moment, wo man qualifiziert ist, merkt man sofort: Das sind die größten Rennen im Leben. Größer noch als eine Weltmeisterschaft. Und da will man natürlich seine beste Leistung abrufen. Da geht es ganz klar ums Performen. Ich war vor vier Jahren in Peking dabei, und das war schon ein extrem cooles Erlebnis. Es war Olympia, das war einfach etwas ganz Besonderes. Trotzdem hat man gemerkt, dass ein bisschen was gefehlt hat, wegen Corona, ohne Zuschauer und nicht in Europa. Bei der Abschlussfeier wurde das nochmal ganz deutlich, als der Trailer für die Spiele in Italien kam. Da hat bei mir die richtige Vorfreude angefangen auf Olympia in Europa, mit Familie, Freunden und vielen Zuschauern. Ich weiß auch jetzt schon, dass einige kommen werden, hoffentlich bei gutem Wetter. Und ich war vor zwei Jahren bei den Sommerspielen in Paris als Zuschauer, das ist für uns Europäer einfach was ganz anderes, wenn das so nah dran ist.

Unsere Wettkämpfe finden in Val di Fiemme statt, und das ist für uns Langläufer ein sehr traditioneller Wettkampfort. Schon als Nachwuchsathlet ist man dort, und durch die Tour de Ski sind wir eigentlich jedes Jahr in der Gegend. Die Strecken haben sich ein bisschen geändert, also ich kenne sie nicht mehr zu hundert Prozent, aber der Charakter bleibt gleich, mit vielen Höhenmetern. Das hat mir immer ganz gut gelegen, und ich gehe auch davon aus, dass mir die neuen Strecken auch liegen werden. Respekt ist natürlich da, weil viele Höhenmeter heißt immer: Es wird sehr hart. Da muss man sich das Rennen gut einteilen. Nicht ängstlich laufen, aber auch nicht zu früh zu viel Energie raushauen. Jetzt geht’s darum, gut vorbereitet an den Start zu gehen und dann das Beste rauszuholen.“

Jan Stölben

Jan Stoelben (GER) © picture alliance

„Die bisherige Saison hatte definitiv ihre Höhen und Tiefen. Gerade der Anfang war ziemlich hart, weil sich das Gefühl eigentlich gar nicht schlecht angefühlt hat, die Ergebnisse aber überhaupt nicht das waren, was ich mir vorgestellt hatte. Irgendwann merkt man dann, dass die Chancen auf ein richtig gutes Resultat immer weniger werden, und das nagt natürlich.
Der Sprint in Val di Fiemme war dann ein gewaltiger Befreiungsschlag. Vor allem die Art und Weise war wichtig für mich. Ich konnte mir selbst, aber auch allen anderen zeigen, was möglich ist. Ein weiteres Highlight war definitiv das erste Mal die Alpe Cermis hochzulaufen. Das ist einfach etwas Besonderes. Ich glaube, jeder Langläufer will das einmal im Leben gemacht haben. Danach ging es darum, sich gezielt auf die Spiele vorzubereiten. Ich habe erstmal eine Trainingspause eingelegt und dann den letzten Weltcup aus dem Training heraus als Vorbereitung genutzt. Dort bin ich auch bis Olympia geblieben, um in Ruhe trainieren zu können. Das hat mir schon vor der letzten WM sehr gutgetan, mich dem ganzen Trubel zu entziehen und nochmal Kraft zu sammeln. Eine spezielle Höhenvorbereitung haben wir bewusst nicht gemacht, weil uns da einfach die Erfahrung fehlt und das Risiko entsprechend größer gewesen wäre.

Die Vorfreude auf die Spiele ist riesig. Olympia ist nochmal größer als alles andere im Sport. Und wenn man weiß, dass viele Freunde und Verwandte vor Ort sein werden, macht es das noch besonderer. Die Strecken sind definitiv hart. Gerade die Sprintstrecke hat es in sich. Aber ich weiß, dass ich dort schon sehr gut gelaufen bin und sie mir eher liegt. Deshalb freue ich mich auf die Wettkämpfe.

Der Spruch ‚Dabei sein ist alles‘ hat sicher seine Berechtigung. Ich persönlich konnte damit aber nie viel anfangen. Wenn ich an einer Startlinie stehe, will ich gewinnen. Ich kann damit leben, wenn es am Ende nicht reicht. Aber es gar nicht erst zu wollen oder zu versuchen, würde sich für mich falsch anfühlen. Viele träumen von einer Medaille bei den Spielen. Ob dieser Traum in Erfüllung geht, wird sich zeigen. Olympia in Italien wird auf jeden Fall eine unglaubliche Erfahrung. Meine Italienischkenntnisse sind zwar praktisch nicht vorhanden, aber das Essen mag ich umso mehr. Und Skifahren gelernt habe ich tatsächlich in Italien – allerdings alpin. Mit dabei ist ein kleiner Elch, den ich bei meiner ersten Reise nach Norwegen gekauft habe. Seitdem reist er mit mir zu jedem Wettkampf.“