Jens Luraas Oftebro (NOR) ist der König der Nordischen Kombinierer bei den Olympischen Spielen von Milano Cortina 2026. Im Team Sprint gewann er gemeinsam mit Andreas Skoglund seine dritte Goldmedaille. Silber ging an Finnland, Bronze an Österreich. Deutschland lag lange auf Medaillenkurs, hatte dann aber Sturzpech.
Deutschland führt nach Springen
Nachdem es für das deutsche Team trotz an sich guter Form in den beiden Einzelwettkämpfen so gar nicht laufen wollte, betrieben Johannes Rydzek und Vinzenz Geiger im historischen ersten Team Sprint Wiedergutmachung. Rydzek gewann die erste Startgruppe sogar. 123 Meter bei schwierigen Bedingungen war zwar nicht die größte Weite, aber doch die meisten Punkte. Geiger belegte in seiner Gruppe Rang zwei mit 122,5 Metern. In der Addition landeten sie damit vor den favorisierten Norwegern, die als Zweite aber ebenfalls einen starken Job machten. Ihr Rückstand auf die Deutschen betrug lediglich 13 Sekunden. Ebenfalls gut dabei waren die Japaner mit Akito Watabe und Ryota Yamamoto, die 21 Sekunden zurücklagen. Allerdings sind sie läuferisch meist nicht (mehr) in der Lage, mit den laufstarken Deutschen, Norwegern, Österreichern und auch Finnen mitzuhalten. Letztere brachten sich auf Rang vier liegend, 27 Sekunden hinter Deutschland, ebenfalls in eine aussichtsreiche Position. Österreich dagegen haderte etwas mit dem Springen. Nachdem die Alpenrepublik während großer Teile des Winters die Springen dominiert hatte, mussten sich Stefan Rettenegger und Johannes Lamparter zunächst mit Rang fünf begnügen. Sie sollten zwei Sekunden hinter den Finnen ins Rennen gehen.
Geiger stürzt und verliert alle Chancen
Aus der einsamen Führung von Deutschland wurde spätestens in Runde drei ein Fünfkampf, nachdem Norwegen im Alleingang und dahinter Finnland, Österreich und Japan zur Spitze aufschließen konnten. Einige Runden lang liefen die fünf Nationen gemeinsam, wobei in erster Linie Norwegen und Österreich sich an der Spitze abwechselten. Dann jedoch kam Geiger, kurz nachdem er erneut von Rydzek übernommen hatte, zu Fall. Ryota Yamamoto, der sich hinter ihm befand, konnte nicht ausweichen und fiel ebenfalls über Geiger. Nachdem dieser sich hochgerappelt hatte, stürzte er nach wenigen Metern ein zweites Mal. Dadurch verlor er den Anschluss und jegliche Chancen auf eine Medaille, da Hirvonen, Lamparter und Oftebro sich als Führungstrio abgesetzt hatten.
Zielsprint um Gold
Aus dem Dreikampf wurde zwei Runden vor Schluss ein Zweikampf, als auch Stefan Rettenegger zu Fall kam. Nun waren es nur noch Finnland und Norwegen, die um die ersten beiden Plätze kämpften. Beide kamen gemeinsam zum Wechsel. Hirvonen hängte sich an Oftebros Skispitzen und ließ keine Attacke des Norwegers zu. In der letzten Abfahrt strauchelte Oftebro leicht, während Hirvonen ebenfalls durch den Tiefschnee musste. Beide blieben aber auf den Skiern und sprinteten gemeinsam um Gold. Am Ende behauptete sich Oftebro mit dem hauchdünnen Vorsprung von 0,5 Sekunden gegen dem Finnen.
Oftebro stellt Graabaks Rekord ein
Mit seiner insgesamt vierten Goldmedaille – drei davon aus dem Val di Fiemme – stellt Oftebro den Rekord seines Landsmanns Joergen Graabak ein, der bislang der Kombinierer mit den meisten Goldmedaillen war. Oftebro konnte damit alle drei Kombinationswettkämpfe von Milano Cortina 2026 für sich entscheiden. Für seinen Landsmann Andreas Skoglund war es die erste olympische Medaille. Ebenso für Stefan Rettenegger, der gemeinsam mit Lamparter 22,3 Sekunden hinter den Siegern die Bronzemedaille gewann. Italien, nur Elfte nach dem Springen, lieferte vor heimischem Publikum ein sehr starkes Rennen, bei dem Samuel Costa in 20:16,4 Minuten die schnellste Laufzeit erzielte. Sie wurden, auch dank der Stürze vor ihnen, am Ende gefeierte Vierte. Deutschland kam auf dem fünften Rang ins Ziel, gefolgt von Japan, den USA, Tschechien, Frankreich, Slowenien, Estland, der Ukraine, Polen und China.
Erfolgreiche Winterspiele für Team Finnland
Mit zwei Bronzemedaillen, jeweils eine für Eero Hirvonen und Ilkka Herola, und der abschließenden Silbermedaille im Team Sprint verbuchten die beiden Finnen den bislang größten Erfolg ihrer Karrieren. Obwohl beide strahlten, herrschten bei Hirvonen dennoch gemischte Gefühle: „Natürlich war es unser Ziel, diese Medaille zu gewinnen. Es ist etwas Besonderes, sie gemeinsam zu holen. Dennoch bin ich über meinen letzten Sprint ein wenig enttäuscht, weil Gold zum Greifen nah war“, sagte Hirvonen. „Wir wissen, dass Jens einer der Schnellsten – wenn nicht der Schnellste – in unserem Sport in so einem Finish ist. Ich hatte das Gefühl, dass ich sehr gute Energie hatte. Vielleicht wäre ich in einer noch besseren Position gewesen, wenn ich es taktisch etwas anders gelöst hätte“, fügte Hirvonen hinzu. „Es war ein schwieriges Rennen. Wir mussten die ganze Zeit aufmerksam sein und durften uns keinen Fehler erlauben. Mit dem Ergebnis müssen wir am Ende zufrieden sein.“
Große Enttäuschung bei Team D
Als Geiger ins Ziel lief und zu Boden sank, wartete Rydzek bereits auf ihn und nahm den Kollegen in die Arme. Geiger war untröstlich: „Ich bin wütend auf mich selber. Ich bin in ein tiefes Loch geraten, mit der Skispitze hängen geblieben und gestürzt. Ich kann mich an kein Rennen erinnern, bei dem mir so etwas passiert ist. Das tut mir sehr leid – auch für Rydzi.“ Der bemühte sich, den Kollegen wieder aufzubauen: „Wir sind ein Team. Wir gewinnen und wir verlieren zusammen. Heute verlieren wir eben, dann muss man das akzeptieren.“
Schrecksekunde und Karriereende für Ben Loomis
Ausgerechnet bei seinem letzten Sprung der Karriere erlebte der US-Amerikaner eine ordentliche Schrecksekunde. Als er sich oben vom Balken löste und in die Anlaufspur ging, träumte einer der Helfer mit den Laubbläsern offenbar vor sich hin. Anstatt wie seine Kollegen den Laubbläser, mit dem der Neuschnee aus der Anlaufspur entfernt werden sollte, auf die Seite zu nehmen, hielt er das Rohr in voller Länge mitten in den Anlauf. Loomis prallte mit voller Wucht dagegen. Glücklicherweise ließ der 27-Jährige sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Er flog trotz der Störung auf 116 Meter und verzichtete anschließend auch auf sein Recht, den Sprung zu wiederholen. „Es war mein letzter Sprung, und er war ganz gut. Ich weiß nicht, ob ich das mental noch einmal zusammenbekommen hätte,“ meinte er anschließend seiner Familie gegenüber. Für Loomis endet mit dem Team Sprint seine Karriere als aktiver Kombinierer. In seinem letzten Wettkampf belegte er gemeinsam mit Niklas Malacinski Rang sieben.
Zwischenstand SprungEndergebnis
Stimmen zum Wettkampf
Jens Luraas Oftebro (NOR)„Drei Goldmedaillen zu gewinnen, hat meine Erwartungen übertroffen. Die Bedingungen draußen waren sehr hart, aber wir haben beide eine starke Leistung gezeigt. Es war nicht leicht, auf den Skiern zu bleiben und Stürze zu vermeiden, doch insgesamt können wir sehr zufrieden sein.“
Andreas Skoglund (NOR)„Diese Goldmedaille ist fantastisch. Es hat heute unglaublich viel Spaß gemacht, Ski zu fahren. Die Bedingungen waren sehr anspruchsvoll, aber ich hatte einen großartigen Teamkollegen an meiner Seite. Insgesamt war es ein richtig schöner Tag.“
Ilkka Herola (FIN)„Ich hätte mir keinen besseren Abschluss für meine letzten Olympischen Spiele vorstellen können. Zum ersten Mal habe ich gemeinsam mit Eero bei einem Großereignis eine Medaille gewonnen. Im Moment fühlt sich das alles noch ein wenig unwirklich an. Solange man noch in dieser Wettkampfblase steckt, ist es schwer zu realisieren, was gerade passiert ist. Aber ich freue mich auf die nächsten Stunden – hoffentlich mit viel Glück.“
Stefan Rettenegger (AUT)„Es war ein schwieriger Tag, aber ich bin unglaublich glücklich über meine erste olympische Medaille. Auf der Schanze war es hart, doch im Rennen habe ich mich sehr gut gefühlt. Der Sturz hat für einen ordentlichen Adrenalinschub gesorgt. Umso froher bin ich, dass ich ruhig bleiben und mich wieder konzentrieren konnte. Für mich ist es ein wunderschöner Tag – und ich freue mich sehr über die Bronzemedaille.“
Vinzenz Geiger (GER)„Ich weiß selbst nicht genau, was passiert ist. Ich habe kaum etwas gesehen, weil die Brille beschlagen war. Dann bin ich in ein tiefes Loch geraten, mit der Skispitze hängen geblieben und gestürzt. Ich kann mich an kein Rennen erinnern, bei dem mir so etwas passiert ist. Das tut mir sehr leid – auch für Rydzi.“
Johannes Rydzek (GER)„Zunächst habe ich es gar nicht richtig wahrgenommen. Es war direkt nach dem Wechsel. Dann habe ich das Raunen gehört und dachte nur: Bitte nicht. Aber leider doch. Man hat gesehen, dass er lange gebraucht hat, um wieder aufzustehen. Die Bedingungen waren extrem schwierig, aber sie waren für alle gleich. Am Ende gewinnt und verliert man als Team – heute haben wir verloren, und das müssen wir akzeptieren.“
Bildergalerie

































