Johannes Lamparter (AUT), Jens Luraas Oftebro (NOR), Ilkka Herola (FIN), (l-r)
News

Nordische Kombination: Oftebro ist Doppel-Olympiasieger

Jens Luraas Oftebro (NOR) hat seinen Triumph von der Normalschanze wiederholt und sich auch von der Großschanze den Olympiasieg geholt. Johannes Lamparter (AUT) gewann seine zweite Silbermedaille. Bronze ging an den Finnen Ilkka Herola.

Deutsche Athleten verlieren auf der Schanze

Vinzenz Geiger (GER)
Vinzenz Geiger (GER) © Barbieri/NordicFocus

Die Medaillenvergabe in Tesero ging erneut ohne die deutschen Athleten über die Bühne. Das Springen auf der Großschanze hatte ihre Chancen bereits zu sehr minimiert, als lediglich die Plätze 15 (Johannes Rydzek), 16 (Julian Schmid) und 18 (Vinzenz Geiger) zu Buche standen. 1:23 Minuten bis 1:43 Minuten betrugen ihre Abstände auf die Spitze. Mit zahlreichen starken Läufern vor ihnen wussten die drei Oberstdorfer, dass die Medaillen wohl an andere gehen würden. „Leider lief es heute nicht gut für mich. Ich habe es in den Sprüngen nicht geschafft, mich optimal auf die Schanze einzustellen – das ist mir diesmal einfach nicht gelungen. Dadurch ist der Abstand nach vorne nun etwas zu groß geworden,“ bilanzierte Schmid nach dem Springen. „Die Ausgangslage ist natürlich alles andere als gut. Wir haben einige Meter liegen gelassen. Woran es genau lag, kann ich noch nicht sagen. Die Phase war schwierig, aber andere haben es unter denselben Bedingungen auch hinbekommen. Ich glaube, es hat nicht viel gefehlt, um in Richtung 130 Meter zu springen und zumindest halbwegs im Rennen zu bleiben,“ zog Rydzek ein Zwischenfazit.

Yamamoto gewinnt Springen

Ryota Yamamoto (JPN) gewann das Springen.
Ryota Yamamoto (JPN) gewann das Springen. © Barbieri/NordicFocus

Derjenige, der es am besten hinbekommen hatte, hieß Ryota Yamamoto. Der Japaner sprang, noch mit einer Luke mehr Anlauf als die Spitzengruppe, 136,5 Meter weit und setzte sich damit an die Spitze des Feldes. Sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten Lamparter betrug jedoch nur acht Sekunden, denn Lamparter war mit 136 Metern ebenfalls ein starker Sprung gelungen. Doch auch die Norweger scheinen die Schanze von Predazzo bestens im Griff zu haben. Andreas Skoglund, seines Zeichens bislang als sehr starker Läufer, aber weniger starker Springer bekannt, kommt mit der Anlage offenbar bestens zurecht. 132 Meter brachten ihn auf den dritten Zwischenrang, 16 Sekunden hinter Yamamoto. Sein Landsmann Jens Oftebro bescherte sich selbst eine perfekte Ausgangslage. Er sprang mit 132 Metern auf Zwischenrang fünf, 22 Sekunden hinter Yamamoto. „Es war vor allem ein wirklich guter Sprung für mich, das war der Schlüssel für meinen heutigen Sieg, es war mein bester Sprung hier auf der Großschanze und ich hatte dann vor dem Rennen eine wirklich gute Chance,“ lautete Oftebros Zwischenfazit.

Thomas Rettenegger am weitesten

Jens Luraas Oftebro (NOR)
Jens Luraas Oftebro (NOR) © Barbieri/NordicFocus

Den weitesten Sprung zeigte jedoch Thomas Rettenegger mit 137 Metern. Allerdings verlor der Österreicher bei der Landung leicht die Balance und büßte dadurch viele Haltungspunkte ein. Zwar lag er mit 18 Sekunden Rückstand auf Zwischenrang vier, doch ist der ältere Rettenegger nicht der stärkste Läufer des Feldes. Dennoch gab er sich seiner Familie gegenüber kämpferisch: „Ich werde es versuchen. Entweder es klappt, oder ich platze eben.“ Neben Oftebro und Lamparter sah er auch die beiden Finnen Ilkka Herola und Eero Hirvonen als Favoriten für die Medaillen. Letztere lagen hinter Kristjan Ilves (EST) auf den Rängen sieben (Herola) und acht (Hirvonen). Herolas Rückstand betrug 32 Sekunden, der von Hirvonen 43 Sekunden auf Yamamoto. Einar Luraas Oftebro (NOR), ebenfalls ein starker Läufer, startete als Neunter seinerseits nur eine Sekunde hinter Hirvonen. Der Franzose Marco Heinis komplettierte die Top Ten nach dem Springen.

Lamparter bis zur Halbzeit vorn

Johannes Lamparter (AUT)
Johannes Lamparter (AUT) © Barbieri/NordicFocus

Lamparter, der bereits beim Normalschanzen-Wettbewerb Silber gewonnen hatte, hielt sich nicht lange hinter dem Japaner auf. Er baute sich rasch einen Vorsprung auf und lag allein an der Spitze, während Oftebro dahinter die Jagd eröffnete. Bei Kilometer fünf lag Oftebro unmittelbar hinter Lamparter und versuchte im anschließenden Anstieg, eine Lücke aufzureißen. Dies gelang ihm jedoch nicht, denn Lamparter und auch Herola konnten ihm folgen. Damit nicht genug. Auch Einar Oftebro und Hirvonen konnten kurzzeitig zum Spitzentrio aufschließen, fielen anschließend jedoch ebenso aus der Spitzengruppe wieder zurück wie Skoglund, Rettenegger, Ilves und Yamamoto. Die drei Deutschen hatten sich zwischenzeitlich um Platz zehn herum ebenfalls zusammengeschlossen, bis Schmid in der letzten Runde leicht zurückfiel.

 

 

Oftebro taktiert und siegt

Jens Luraas Oftebro (NOR)
Jens Luraas Oftebro (NOR) © Barbieri/NordicFocus

In der Schlussrunde versuchte Oftebro erneut, seine Verfolger abzuschütteln. Die erste Attacke konnten Lamparter und Herola noch abwehren. Doch beim finalen Anstieg kannte der Norweger keine Gnade mehr, und nun wurden die Medaillen verteilt. Oftebro flog förmlich den Berg hinauf und hatte anschließend genügend Zeit, auf der Zielgeraden seine zweite Goldmedaille zu feiern. „Ich gewinne gerne ein taktisches Finale wie dieses. Ich bin sehr stolz auf mich, das sind perfekte Olympische Spiele,“ sagte der strahlende Sieger. Oftebro tritt damit in die Fußstapfen seines Landsmannes Joergen Graabak, der diesen Wettbewerb in Peking hatte gewinnen können und der das Team in Tesero bei den Skitests unterstützte. Lamparter beendete das Rennen als Zweiter, 5,9 Sekunden hinter dem Sieger: „Jens war einfach etwas zu stark. Ich wusste, dass ich eine kleine Chance habe, und habe es versucht, aber er ist wahrscheinlich der Schnellste von uns allen in der Loipe. Ich bin happy, der Beste des Rests zu sein,“ freute sich Lamparter über seine zweite Silbermedaille.

Herola erfüllt sich seinen Traum

Eero Hirvonen (FIN), Ilkka Herola (FIN), Wille Karhumaa (FIN), (l-r)
Eero Hirvonen (FIN), Ilkka Herola (FIN), Wille Karhumaa (FIN), (l-r) © Barbieri/NordicFocus

Herola brachte als Dritter, 14,8 Sekunden hinter Oftebro und rund 40 Sekunden vor Skoglund, Bronze nach Hause. Für den Finnen, der bereits seine vierten olympischen Spiele bestreitet, erfüllt sich damit ein lange gehegter Traum. „Es war eine lange Zeit ohne eine Medaille. Es fühlt sich anders an als zuvor. Ich war so müde, dass mein einziges Ziel war, bis zur Ziellinie durchzuhalten. Ich wusste, dass ich nichts mehr [übrig] hatte, um gegen Jens und Johannes anzukämpfen, aber sie hatten ihr eigenes Spiel am Laufen. Ich war schon völlig erschöpft, weil ich auch so schnell starten musste,“ schilderte der 30-Jährige sein Rennen. „Ich denke, das war der letzte individuelle olympische Wettkampf, den ich bestritten habe, und ich habe endlich das Ergebnis erzielt, das ich seit fast 15 Jahren verfolgt habe. Natürlich ist das ein unglaubliches Gefühl. Ich denke, ich muss eine Weile darüber nachdenken, bevor ich es wirklich begreife.“ Für das finnische Team ist es bereits die zweite Bronzemedaille. Im Wettkampf von der Normalschanze war es sein Landsmann Eero Hirvonen gewesen, der seine erste olympische Medaille gewinnen konnte. Im Wettkampf von der Großschanze wurde Hirvonen Fünfter.

Deutsche machen Plätze gut

Johannes Rydzek (GER)
Johannes Rydzek (GER) © Barbieri/NordicFocus

Auch wenn es für ganz vorne nicht mehr reichte, liefen die drei deutschen Kombinierer ein starkes Rennen. Hinter Einar Luraas Oftebro, Ilves und Stefan Rettenegger belegten Geiger und Rydzek die Plätze neun und zehn. Läuferisch waren sie mit der dritt- bzw. fünftbesten Zeit stark dabei, allerdings sollte sich ihre Prognose bezüglich des Rückstandes bewahrheiten. Die schnellste Laufzeit kam wieder einmal von Jens Oftebro (24:23.0 Minuten), Herola war Zweitschnellster. Julian Schmid musste Thomas Rettenegger noch passieren lassen, dessen Angriff ihn nicht in die Nähe des Podiums geführt hatte. Niklas Malacinski belegte als bester Amerikaner den 13 . Platz vor Marco Heinis (FRA), Yamamoto fiel auf Rang 15 zurück.

Zwischenstand Sprung Herren
Endergebnis Herren

Die Nordischen Kombinierer bestreiten nun am kommenden Donnerstag, 19.02.26, ihren letzten Wettkampf der olympischen Spiele von Milano Cortina. Um 10:00 Uhr startet das Springen des Teamsprints. Der Lauf startet um 14:00 Uhr. ARD und Eurosport übertragen live und/oder im Stream.

Stimmen zum Wettkampf

Jens Luraas Oftebro (NOR)

„Es war vor allem ein wirklich guter Sprung für mich, das war der Schlüssel für meinen heutigen Sieg, es war mein bester Sprung hier auf der Großschanze und ich hatte dann vor dem Rennen eine wirklich gute Gelegenheit. Aber es war hart. Ich habe versucht, eine Lücke zu bekommen, aber das hat nicht funktioniert, und dann wollte ich es in den letzten beiden Anstiegen versuchen. Es war wirklich gut, als ich es versucht habe, und mit einem Vorsprung zu gewinnen, das fühlt sich unglaublich an, und zwei Goldmedaillen, das ist einfach unglaublich.“

Johannes Lamparter (AUT)

„Ich bin jetzt wieder wirklich, wirklich glücklich. Ich denke, die erste Medaille war etwas emotionaler, aber man gewinnt nicht jeden Tag eine Medaille, also ist es ein besonderer Tag. Ich habe den ganzen Sommer wirklich, wirklich hart gearbeitet, um in dieser Form zu sein, und jetzt hat sich die ganze harte Arbeit ausgezahlt und ich konnte eine weitere Medaille gewinnen, also bin ich wirklich glücklich. Jens war heute einfach ein bisschen zu stark, aber Hut ab vor ihm und Glückwunsch. Ich werde weiter hart arbeiten und hoffe auf die richtige Entscheidung des IOC, dass ich in vier Jahren wieder um Gold kämpfen kann.“

Ilkka Herola (FIN)

„Du hast ‚endlich‘ gesagt und vielleicht liegt darin etwas, denn ich denke, das war der letzte individuelle olympische Wettkampf, den ich bestritten habe, und ich habe endlich das Ergebnis erzielt, das ich seit fast 15 Jahren verfolgt habe. Natürlich ist das ein unglaubliches Gefühl. Ich denke, ich muss eine Weile darüber nachdenken, bevor ich es wirklich begreife.“

Julian Schmid (GER) nach dem Springen:

„Leider lief es heute nicht gut für mich. Ich habe es in den Sprüngen nicht geschafft, mich optimal auf die Schanze einzustellen – das ist mir diesmal einfach nicht gelungen. Dadurch ist der Abstand nach vorne nun etwas zu groß geworden. Trotzdem gilt es jetzt, einen ordentlichen Lauf zu zeigen. Dann ist der Wettkampftag auch schon wieder vorbei.“

Vinzenz Geiger (GER) nach dem Springen:

„Die größte Herausforderung war es, die Schanze zu knacken. Im Probedurchgang hatte ich eigentlich ein ganz gutes Gefühl. Aber wir konnten das im Wettkampf leider nicht umsetzen. Vor allem in Kombination mit den schwierigen Bedingungen war es am Ende einfach nicht gut genug. Wir sind insgesamt einfach zu weit von der Spitze entfernt. Klar, wir liegen dicht zusammen – das ist das Positive. Aber nach vorne geht nicht mehr viel. Ich möchte jetzt einfach noch ein gutes Rennen machen. Natürlich wird es cool, es sind viele Fans da, und das wollen wir genießen. Aber ich glaube, die Entscheidung ist heute leider schon gefallen.“

Johannes Rydzek (GER) nach dem Springen:

„Die Ausgangslage ist natürlich alles andere als gut. Wir haben einige Meter liegen gelassen. Woran es genau lag, kann ich noch nicht sagen. Die Phase war schwierig, aber andere haben es unter denselben Bedingungen auch hinbekommen. Ich glaube, es hat nicht viel gefehlt, um in Richtung 130 Meter zu springen und zumindest halbwegs im Rennen zu bleiben. So ist es natürlich deutlich schwerer. Trotzdem gilt es in einem olympischen Wettbewerb, noch einmal alles reinzulegen und zu versuchen, im weiteren Verlauf ein paar Plätze gutzumachen.“

Bildergalerie