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Olympia 2026: Gold vor heimischem Publikum – Lisa Vittozzi triumphiert in der Verfolgung

Lisa Vittozzi gewinnt Gold bei der olympischen Verfolgung vor heimischem Publikum in Antholz. Mit zwanzig Treffern setzt sie sich durch und verweist die Norwegerin Maren Kirkeeide auf den Silberrang. Die Finnin Suvi Minkkinen sichert sich Bronze und Franziska Preuß vergibt in aussichtsreicher Position die ersehnte Medaille im letzten Anschlag.    

Wer holt sich den Olympiasieg?

Maren Kirkeeide (NOR), Oceane Michelon (FRA), (l-r) © Thibaut/NordicFocus

Die Norwegerin Maren Kirkeeide wurde Olympiasiegerin im Sprint mit nur 3,8 Sekunden Vorsprung. Sie war die Gejagte in der olympischen Verfolgung von Antholz. Gleich hinter ihr startete die Französin Oceane Michelon. Die Bronzemedaillengewinnerin Lou Jeanmonnot hatte bereit 23 Sekunden Abstand, ein Rückstand den die aktuelle Weltcupgesamtführende imstande war schnell aufzuholen. Bisher gab es in der laufenden Weltcupsaison fünf Verfolgungen. In Östersund siegte Lisa Theresa Hauser, in Hochfilzen Lisa Vittozzi. Später in Annecy Le Grand Bornand stand Lou Jeanmonnot ganz oben auf dem Treppchen. In Oberhof ging der Sieg an Elvira Oeberg und zuletzt in Ruhpolding siegte wiederum Lou Jeanmonnot. Die Weltcupwertung in dieser Disziplin führt derzeit die Finnin Suvi Minkkinen. Obwohl sie keinen Weltcupsieg holte, wurde sie in drei Verfolgungen Zweite und hat damit einen Vorsprung von zehn Punkten vor Lou Jeanmonnot. Bei der WM 2025 in der Lenzerheide wurde Franziska Preuß Weltmeisterin. Sie startet in Antholz von der siebten Position aus mit einem Abstand von einer Minute auf die Norwegerin Kirkeeide. Olympiasiegerin bei den Spielen 2022 in Peking war Marte Olsbu Roeiseland. Fünf Runden zu jeweils zwei Kilometer und dazwischen vier Schießeinlagen waren von den 60 Besten aus dem Sprint zu absolvieren und für jeden Fehlschuss gab es eine Strafrunde. Mit Franziska Preuß (7.), Vanessa Voigt (12.), Julia Tannheimer (20.) und Selina Grotian (52.) waren alle vier Deutschen für die Verfolgung qualifiziert. Die Französin Julia Simon war qualifiziert, fiel aber krankheitsbedingt aus.  

Kirkeeide bleibt vorne, Jeanmonnot holt auf

Lou Jeanmonnot (FRA) © Thibaut/NordicFocus

Zum ersten Schießen kamen Maren Kirkeeide und Oceane Michelon gemeinsam. Jeanmonnot hatte gut aufgeholt und während Michelon mit zwei Strafrunden ins Hintertreffen geriet, sortierte Jeanmonnot sich nur 9,5 Sekunden hinter der fehlerfrei gebliebenen Kirkeeide an zweiter Position ein. Lisa Vittozzi folgte auf der dritten Position, dann Milena Todorova und Suvi Minkkinen. Franziska Preuß kam nach der Null als Siebte zurück, 6,5 Sekunden hinter der aus der Strafrunde einbiegenden Oceane Michelon. Julia Tannheimer lief nach einer flotten ersten Runde und der Null als Elfte, Vanessa Voigt fiel nach einer Strafrunde leicht zurück und Selina Grotian machte mit fünf Treffern einen Großen Sprung nach vorne auf Position 35. 

Vittozzi geht in Führung

Lisa Vittozzi (ITA) © Thibaut/NordicFocus

In der zweiten Runde kam Lou Jeanmonnot immer näher an die führende Norwegerin heran, während sie den Abstand zu Lisa Vittozzi und auch den weiteren Verfolgerinnen vergrößerte. Bei tänzelnden Windfahnen lag Kirkeeide auf der ersten Matte und war schneller bereit als die Französin. Kirkeeide schoss langsam, verfehlte aber die dritte Scheibe. Jeanmonnot nutzte die „sich öffnende Türe“ nicht und ließ die letzte Scheibe schwarz. Das war die Chance von Lisa Vittozzi. Sie nutzte den gegebenen Vorteil mit fünf Treffern und verließ den Schießstand als Führende. Nur 4,1 Sekunden hinter ihr bog Kirkeeide aus der Strafrunde kommend ein, 3,1 Sekunden später folgte Lou Jeanmonnot und dann klaffte eine größere Lücke. Franziska Preuß ließ ihren Rückstand durch fünf saubere Treffer auf 32,6 Sekunden schmelzen, lag aber eingangs der Schlussrunde immer noch an siebter Position, vor ihr Oceane Michelon, Milena Todorova und Suvi Minkkinen. Vanessa Voigt verfehlte eine, Tannheimer zwei Scheiben und für beide ging es zurück im Feld.

Vittozzi oder Kirkeeide?

Auf der Runde zum ersten Stehendschießen zog Maren Kirkeeide an Lisa Vittozzi vorbei und nahezu zusammen kamen sie zum Schießstand. Kirkeeide setzte den ersten Schuss, schoss schneller als ihre Verfolgerinnen und blieb fehlerfrei. Kirkeeide holte sich die Spitzenposition zurück aber auch Lisa Vittozzi räumte ab und folgte als Zweite mit einem Rückstand von nur 6,2 Sekunden. Jeanmonnot musste wieder in die Extrarunde und auch Michelon bog ab. Franziska Preuß schoss schnell, hielt sich dennoch schadlos und bog hinter Suvi Minkkinen als Fünfte mit einem Rückstand von 37,7 Sekunden in die nächste Runde. Preuß hatte mit Minkkinen nun endlich auch eine Läuferin vor sich, an der sie sich orientieren konnte und schob sich auch schnell an der Finnin vorbei auf die vierte Position. Schon in der Runde zuvor lief Kirkeeide schnellste Zeit und in der Runde zum entscheidenden Schießen ließ sie Vittozzi förmlich stehen. Eingangs des Schießstands hatte sie bereits einen Vorsprung von 13,4 Sekunden herausgelaufen und Franziska Preuß sah bereits Lou Jeanmonnot vor sich. 

Rächt sich das hohe Tempo in der Loipe?

Maren Kirkeeide hat in der Runde viel investiert um als Erste zum entscheidenden Schießen zu kommen. Sie verfehlte die zweite Scheibe und schoss einen weiteren Fehler, während Vittozzi neben ihr erst zu schießen begann. Die Italienerin traf ihre fünf Scheiben und ging als Erste in die Schlussrunde. Franziska Preuß und Lou Jeanmonnot schossen zeitgleich, erst verfehlte die Französin eine Scheibe, dann Preuß eine und während Jeanmonnot sich in die Strafrunde aufmachte, verfehlte bei der Deutschen eine weitere Patrone das Ziel. Währenddessen sortierte sich Suvi Minkkinen als Zweite in der Schlussrunde hinter Vittozzi ein. Nur 4,6 Sekunden dahinter folgte Maren Kirkeeide und die Norwegerin weiß wie Schlussrunden gehen. Kirkeeide hatte Jeanmonnot hinter sich und nur einen knappen Vorsprung von 6,6 Sekunden. Während Lisa Vittozzi ihrem größten Erfolg entgegen lief, war der Kampf um die verbliebenen Medaillen voll entbrannt. Kirkeeide hatte ihren Rückstand zu Minkkinen aufgelaufen und in der letzten Abfahrt sogar eine Lücke zur Finnin gerissen.

„Ein Traum ist wahr geworden“

Lisa Vittozzi (ITA) © Thibaut/NordicFocus

Mit breitem Lächeln hat Lisa Vittozzi den Zieleinlauf vor dem jubelndem Publikum in ihrer Heimat genossen. Mit zwanzig Treffern hatte sie im Ziel einen Vorsprung von 28,8 Sekunden auf die Norwegerin Maren Kirkeeide, die trotz drei Strafrunden auf dem Silberrang landete. Suvi Minkkinen brachte ebenfalls ihre zwanzig Schüsse ins Ziel und sicherte sich die Bronzemedaille. Lou Jeanmonnot wurde nach drei Strafrunden Vierte vor ihrer Teamkollegin Oceane Michelon (4 Fehler) auf Platz fünf. „Es ist unglaublich,“ so Lisa Vittozzi nach dem Rennen, „ein Traum ist wahr geworden, hier zu gewinnen, vor der Familie, meinen Freunden, vor dem Publikum.“ Vittozzi hatte in der Saison 2023/24 den Gesamtweltcup gewonnen und in der Folge die nächste Saison wegen anhaltender Rückenprobleme komplett ausgelassen. Ihr großes Ziel waren die olympischen Wettkämpfe zu Hause in Antholz und nun hatte sie ihr Ziel Gold zu gewinnen erreicht. „Die letzten zwei Kilometer waren so emotional. Ich habe diesen Moment unglaublich genossen. Ich habe mir selbst gesagt, ich kann es nicht glauben: ich habe ein perfektes Rennen gemacht, ich habe es geschafft.“ Beim letzten Schießen dachte die 31jährige: „Ich muss jetzt alles zeigen, was geht.“ Sie sagte aber auch, dass in ihrem Kopf Gedanken waren an die Situation, als sie wegen ihrer Verletzung am Sofa saß und Biathlon am TV gucken musste. Schon vor der Siegerehrung konnte sich Lisa Vittozzi ihrer Emotionen nicht erwehren und gab ihren Tränen freien Lauf.  

„Ich bin einfach nur enttäuscht“

Franziska Preuss (GER) © Thibaut/NordicFocus

Dagegen kam Franziska Preuß völlig enttäuscht ins Ziel und kauerte wie ein Häuflein Elend an der Bande. Sicherlich floss auch die eine oder andere Träne, denn eine Medaille war in der Verfolgung für Franziska Preuß zum Greifen nahe. Drei Schießen absolvierte sie fehlerfrei und ausgerechnet wieder im vierten blieben nicht nur eine, sondern zwei Scheiben stehen. „Ich bin einfach nur enttäuscht, dass man es nicht durchzieht.“ Ich habe mich gut gefühlt, auch auf der Runde. Dass das letzte Schießen wieder so sch…. läuft, tut jetzt echt weh“, so eine bitter enttäuschte Franziska Preuß. Wie Preuß erklärte, hörte sie, dass Lou Jeanmonnot neben ihr einen Fehler schoss. „Dann ging gar nichts mehr, dann verliere ich den Fokus. Ich stehe da so unter Spannung beim letzten Schießen.“ Der große Traum von Franziska Preuß ist es, zum Abschluss eine olympische Einzelmedaille zu gewinnen. Sie gab im Interview auch an, dass sie versucht hat, die Medaille heute auszublenden, und sich nicht so den Druck zu machen. „Dann liegt man so gut in Position und dann zieht man es wieder nicht durch. Das ist dann sehr, sehr ernüchternd. Jetzt war man zwei Mal so nah dran, und es hat einfach nicht hingehauen.“ Noch bleibt Franziska Preuß die Chance im abschließenden Massenstart. „Man kann es nicht mehr zurückdrehen und nicht mehr besser werden. Heute darf man einfach auch mal traurig sein.“

Dorothea Wierer macht 35 Plätze gut

Den wohl größten Sprung nach vorne machte die Italienerin Dorothea Wierer. Von Rang 44 aus gestartet, zählte sie in jeder Runde zu den schnellsten Läuferinnen, hatte insgesamt die schnellste Netto-Laufzeit und auch insgesamt die schnellste Gesamtschießzeit. Am Ende erreichte sie in ihrem vorletzten Einzelrennen den neunten Rang und wird im abschließenden Massenstart am 21. Februar 2026 ihren letzten Wettkampf bestreiten.

Zu viele Fehler von Voigt, Tannheimer und Grotian

Julia Tannheimer (GER) © Thibaut/NordicFocus

Neben Franziska Preuß gelang es auch der starken Schützin Vanessa Voigt nicht, nach vorne aufzuholen. Voigt begann mit einer Strafrunde im ersten Anschlag und auch nach dem zweiten Schießen musste sie abbiegen. Nachdem sie mit der Null im ersten Stehendanschlag wieder etwas nach vorne aufgeholt hatte, blieb im entscheidenden Schießen nochmals eine Scheibe stehen. Am Ende kam sie auf Rang 19 ins Ziel und hat beim abschließenden Massenstart noch einmal die Chance bei vier Schießeinlagen ein Wörtchen um die Medaillen mitzureden. Julia Tannheimer begann zwar mit der Null und holte damit auch gut nach vorne auf, aber in der Folge kassierte sie fünf Extrarunden und fiel schließlich von Platz 20 auf den 34. zurück. Die vierte deutsche Starterin, Selina Grotian, hatte ohnehin nichts mehr zu verlieren. Von Rang 52 aus gestartet begann sie mit einer fehlerfreien Serie, aber bereits beim zweiten Liegendanschlag traf eine Patrone nicht ins Ziel. Stehend musste sie insgesamt drei Strafrunden laufen und hat sich dennoch auf Platz 41 verbessert. Sowohl Grotian als auch Tannheimer schafften es nicht in den Massenstart und können nur noch in der Staffel auf einen Einsatz hoffen.

Andexer und Meier fallen zurück

Anna Andexer (AUT) © Thibaut/NordicFocus

Anna Andexer lieferte das beste Sprintergebnis bei den Österreicherinnen und Lea Meier für die Schweiz. Beide konnten ihre gute Ausgangsposition nicht nutzen. Andexer fiel nach drei Strafrunden auf den 21. Platz zurück. Lisa Hauser (4 Fehler) kam als 29. ins Ziel, direkt vor Anna Gandler (3 Fehler) auf Rang 30. Lea Meier musste fünf Extrarunden drehen und fiel in der Verfolgung auf den 24. Platz zurück. Amy Baserga (3 Fehler) kam als 27. ins Ziel, Aita Gasparin (3 Fehler) als 44. und Lena Häcki-Groß leistete sich sechs Schießfehler und wurde 65.  

Ergebnis

Medaillenspiegel

Der Wettkampfplan der olympischen Biathlonbewerbe

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