Nordische Kombination Weltcup News

Nordische Kombination: Rydzek auf dem Podium bei Premierensieg von Oftebro

Johannes Rydzek (GER), Einar Oftebro (NOR), Andreas Skoglund (NOR), (l-r)
Johannes Rydzek (GER), Einar Oftebro (NOR), Andreas Skoglund (NOR), (l-r) © Sandra Volk

Johannes Rydzek hat es mal wieder geschafft: Beim Sieg von Einar Luraas Oftebro (NOR) in Otepää (EST) belegte der Oberstdorfer den zweiten Platz. Dritter wurde Andreas Skoglund (NOR). Bei den Frauen siegte Ida Marie Hagen (NOR) vor Yuna Kasai (JPN) und Minja Korhonen (FIN). Das Springen fiel erneut dem Wind zum Opfer.

Wieder kein Springen in Otepää

Maja Loh (GER) durfte als Einzige springen und kurz auf dem Stuhl der Führenden Platz nehmen.
Maja Loh (GER) durfte als Einzige springen und kurz auf dem Stuhl der Führenden Platz nehmen. © Sandra Volk

Die Verantwortlichen beim Internationalen Skiverband hatten die Wettervorhersage offenbar korrekt interpretiert und am Donnerstag vorsichtshalber nicht nur einen, sondern gleich zwei provisorische Wertungsdurchgänge jeweils für Männer und Frauen abgehalten. Nachdem bereits am Freitag im Massenstart nicht gesprungen werden konnte, musste am Samstag auch für den Gundersen-Wettkampf der PCR herhalten. Zwar windete es am Morgen beim geplanten Männerstart schon deutlich weniger als am Vortag, dennoch war der Wind nach wie vor zu böig und stark, als dass auch nur ein Vorspringer von der Schanze geschickt worden wäre. Eine Stunde später zum Frauenstart sah es etwas besser aus. Einige Vorspringer gingen vom Bakken, dann auch Maja Loh (GER) mit der Startnummer eins. Das war es dann jedoch, denn der Wind nahm direkt wieder zu. Für Sonntag früh ist die Vorhersage besser; man geht davon aus, dass ein Springen dann endlich möglich sein wird.

Schmid und Rydzek vorne

Julian Schmid (GER), Johannes Rydzek (GER)
Julian Schmid (GER), Johannes Rydzek (GER) © Sandra Volk

Wer vermutlich nicht ganz so traurig über den Einsatz des PCR gewesen sein dürfte, waren die beiden Oberstdorfer Julian Schmid und Johannes Rydzek. Mit identischen Haltungsnoten und nur einem halben Meter Unterschied in der Weite lagen die beiden Vereinskameraden an der Spitze des Feldes, Rydzek umgerechnet acht Sekunden hinter Schmid. Auf Rang drei folgte Thomas Rettenegger (AUT, +0:10 min), der mit 101 Metern volle sechs Meter weiter gesprungen war als der Führende, jedoch auch doppelt so viele Windpunkte abgezogen bekam. Weltcup-Spitzenreiter Johannes Lamparter (AUT) war Vierter, 17 Sekunden hinter Schmid. Auf den weiteren Plätzen folgten Marco Heinis (FRA), Franz-Josef Rehrl (AUT), Paul Walcher (AUT) und Ryota Yamamoto (JPN), von welchen im Lauf aber keine größere Gefahr für die Spitzengruppe zu erwarten war, zumal Rehrl aus gesundheitlichen Gründen auf einen Start verzichtete. Lokalmatador Kristjan Ilves (EST) auf Rang neun und Stefan Rettenegger (AUT) auf Rang zehn lagen bereits 28 bzw. 30 Sekunden hinter der Spitze zurück. Auch der beste Läufer des Feldes, Jens Luraas Oftebro (NOR), lag als 29. des PCR mit 1:18 Minuten Rückstand zu weit zurück, um ernsthaft angreifen zu können. Anders sah es da schon bei seinem Bruder Einar aus, der als Zwölfter 36 Sekunden hinter Schmid starten würde.

Drama und Freude bei den Männern

Johannes Lamparter (AUT), Andreas Skoglund (NOR), Johannes Rydzek (GER), Julian Schmid (GER), Einar Oftebro (NOR), (l-r)
Johannes Lamparter (AUT), Andreas Skoglund (NOR), Johannes Rydzek (GER), Julian Schmid (GER), Einar Oftebro (NOR), (l-r) © Sandra Volk

Im tiefen Schnee schloss Lamparter am Ende der ersten Runde zum Oberstdorfer Spitzenduo auf, und auch dahinter schob sich das Feld zusammen. Zunächst lief Stefan Rettenegger zu seinem Bruder Thomas nach vorn; auch Ilves, Einar Oftebro und Andreas Skoglund, der als 17. ins Rennen gegangen war, hatten da bereits die Verfolgergruppe erreicht. Mit Lamparter in der Führungsposition zur Halbzeit vergrößerte sich die Spitzengruppe auf sieben Athleten, als die Verfolger zum Führungstrio aufschlossen, lediglich Thomas Rettenegger begann zurückzufallen. Dafür stürmte von hinten bereits Jens Oftebro heran, der nach fünf Kilometern bereits rund eine Minute Zeit gutgemacht hatte. Auf der vierten von fünf Runden taktierte Lamparter und nahm das Tempo heraus, wodurch Jens Oftebro endgültig der Anschluss an die Führungsgruppe gelang. Einen Kilometer vor Schluss lagen damit acht Athleten nahezu gleichauf, jeder von ihnen mit Siegchancen. Dann jedoch nahm das Drama seinen Lauf, als Skoglund, der vor Schmid lief, in einer Kehre mit seinem Skistock zwischen Schmids Ski geriet. Dadurch wurde dessen rechter Ski nach außen abgedrängt, wo ihm der außen neben ihm laufende über die Skispitze fuhr. Dadurch wurde Schmid gedreht und kam zu Fall; die hinter ihm liegenden Ilves und Lamparter wurden ebenso in den Sturz verwickelt. Alle drei waren schnell wieder auf den Beinen, verloren jedoch entscheidende Zeit. Schmid kämpfte sich zwar wieder an die Führenden heran, konnte aber nicht mehr entscheidend eingreifen.

Premierensieg und Premierenpodium

Zwei Premieren: Einar Oftebro (NOR), Andreas Skoglund (NOR), (l-r)
Zwei Premieren: Einar Oftebro (NOR), Andreas Skoglund (NOR), (l-r) © Sandra Volk

Einar Oftebro, der am Vortag seinen ersten Podestplatz auf Weltcupebene feiern konnte, war fest entschlossen, sich die Führung nicht mehr aus der Hand nehmen zu lassen. Auch nicht von seinem Landsmann Skoglund, der ihm auf den Fersen war. Doch auch Rydzek packte seine ganze Erfahrung aus und startete auf der Zielgeraden einen Angriff. Um den Wimpernschlag von 0,5 Sekunden musste er sich dem Norweger geschlagen geben, der damit nach fast zehnjähriger Karriere seinen ersten Weltcupsieg feiern konnte. Rydzek jubelte jedoch auch über Platz zwei und seinen 45. Podestplatz. Demgegenüber sicherte sich Andreas Skoglund als Dritter ebenfalls sein erstes Podium im Weltcup. Vierter wurde Jens Oftebro, der wieder einmal als schnellster Läufer (25:33,8 min für 10 km) von Platz 29 aus unglaubliche 25 Plätze gutgemacht hatte und seinerseits das Podium um weniger als drei Sekunden verpasste. Dafür hielt er Schmid hinter sich, der Fünfter wurde vor Stefan Rettenegger und Johannes Lamparter, Lokalmatador Ilves wurde Achter vor Thomas Rettenegger und Vinzenz Geiger (GER).

Zwischenstand Sprung Herren (PCR)Endergebnis Herren

Hagen in Lauerposition

Ida Marie Hagen (NOR), Ingrid Laate (NOR), (l-r)
Ida Marie Hagen (NOR), Ingrid Laate (NOR), (l-r) © Sandra Volk

Auch bei den Frauen kam der PCR zum Einsatz. Diesen hatten die 18-jährige Ingrid Laate gewonnen. Obwohl sie zwei Luken tiefer gestartet war als der Rest des Feldes, sprang sie ganze acht Meter weiter als die beste Konkurrentin. Diese war Spitzenreiterin Ida Hagen (NOR), die außerdem die beste Läuferin des Feldes ist. 1:12 Minuten betrug ihr Rückstand auf Laate, die jedoch in der Loipe noch Defizite aufweist. Interessanter war da schon Hagens Vorsprung auf ihre Verfolgerinnen. Hier fand sich auf Zwischenrang drei die Vortages-Zweite, Minja Korhonen (FIN), sie lag 21 Sekunden hinter Hagen. Beste Deutsche war Jenny Nowak; als Vierte startete sie nur fünf Sekunden hinter Korhonen. Hinter ihr lauerte jedoch Katharina Gruber (AUT). Die 17-Jährige ist bereits eine starke Läuferin. Die weiteren Plätze in den Top Ten belegten Weltmeisterin Yuna Kasai (JPN), Alexa Brabec (USA), Claudia Purker (AUT), Teja Pavec (SLO) und Lisa Hirner (AUT). Die Kärntnerin ließ aber ebenso wie Rehrl das Rennen aus gesundheitlichen Gründen aus. Nathalie Armbruster (GER) hatte dagegen einen schwächeren PCR erwischt. Mit lediglich 87 Metern wurde sie zwischenzeitliche Elfte, lag aber bereits 2:16 Minuten hinter Laate zurück.

Laate wehrt sich lange

Yuna Kasai (JPN), Ingrid Laate (NOR), Minja Korhonen (FIN), (l-r)
Yuna Kasai (JPN), Ingrid Laate (NOR), Minja Korhonen (FIN), (l-r) © Sandra Volk

In der Loipe zeigte Laate, dass sie im Laufen mehr und mehr Fortschritte macht. Trotz der Überlegenheit von Hagen gelang es der 18-Jährigen bis nach der Halbzeit, ihre Führung zu behaupten. Und auch nachdem Hagen an ihr vorbeigegangen und dem Sieg entgegengeeilt war, lag Laate auf Rang zwei – bis beim Einlauf ins Stadion Yuna Kasai und Minja Korhonen an ihr vorbeiflogen. Auch Alexa Brabec lief noch an der Norwegerin vorbei, die das Rennen aber immerhin als Fünfte beendete. Kasai hielt derweil Korhonen in Schach und freute sich über Platz zwei. Gruber wurde Sechste vor Armbruster, die vier Plätze gutmachen konnte. Nowak wurde Achte hinter Armbruster und vor Marte Leinan Lund (NOR). Mit Ema Volavsek aus Slowenien landeten damit sieben Nationen unter den besten zehn.

Zwischenstand Sprung Damen (PCR)Endergebnis Damen

Watabe mit Allzeit-Rekord

Akito Watabe (JPN) bestritt seinen 296. Einzelweltcup und wurde für diesen Rekord geehrt.
Akito Watabe (JPN) bestritt seinen 296. Einzelweltcup und wurde für diesen Rekord geehrt. © Sandra Volk

Einen besonderen Rekord konnte der Japaner Akito Watabe für sich verbuchen. Mit seinem insgesamt 296. Start in einem Einzelweltcup übertraf er die bisherige Bestmarke von Willi Denifl (AUT, 295), der seine Karriere 2019 beendet hatte. Watabe seinerseits hat bereits angekündigt, seine Karriere nach Saisonende ebenfalls beenden zu wollen. In Otepää wurde er für seinen Rekord geehrt.

Stimmen zum Wettkampf

Ida Marie Hagen (NOR)„Selbst mit diesem Sieg kann ich mich nicht entspannen. Ich hatte die Abstände nicht auf meiner Seite, also hatte ich Glück. Aber ich hatte auch einen starken und guten Tag, also muss ich morgen weiterhin arbeiten und fokussiert bleiben, weil es enge Rennen gibt, und ich weiß, dass die anderen Mädels auch um den ersten Platz kämpfen werden.“

Yuna Kasai (JPN)„Ich bin so glücklich, wieder auf dem Podium zu stehen. Es war ein guter Tag für mich und ich möchte mich für die großartige Unterstützung meines gesamten Teams bedanken. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen.“

Minja Korhonen (FIN)„Ich weiß nicht, was mich so stark macht. Auf jeden Fall ist mein Springen besser geworden, und ich denke, dass auch die Teilnahme am Skisprung-Weltcup meine Fähigkeiten verbessert und mir vielleicht ein wenig mehr Vertrauen auf der Schanze gegeben hat. Natürlich war es ein weiterer großartiger Tag, obwohl ich im letzten Kilometer ziemlich steif war, also war ich mir nicht sicher, wie ich an der Ziellinie abschneiden würde, aber ich war trotzdem auf dem Podium und nahe am zweiten Platz, daher bin ich mit der heutigen Leistung zufrieden.“

Katharina Gruber (AUT)„Ich bin mit dem Langlaufrennen heute sehr zufrieden. Ich konnte mit den starken Läuferinnen streckenweise gut mitgehen und bin dann erst in der letzten Runde abgerissen. Ich habe noch alles gegeben und bin sehr glücklich über den sechsten Platz. Das Springen ist ausbaufähig, da bin ich noch nicht happy. Ich habe in der Hocke noch nicht meine Position gefunden.“

Einar Luraas Oftebro (NOR)„Es ist einfach unglaublich. Ich habe das Gefühl, dass ich viele Jahre lang hart dafür gearbeitet habe und trotzdem nicht das Ergebnis bekommen habe, das ich fühlte, mir verdient zu haben, aber jetzt bin ich endlich da und endlich an der Spitze. Ich hoffe, dass alle anderen Athleten, die kämpfen, daraus lernen und niemals aufgeben. Vertraue einfach deinem Prozess und du wirst es schaffen, wenn du nur hart genug arbeitest und an dich glaubst.“

Johannes Rydzek (GER)„Natürlich war es ein hartes Rennen, wie ich vorher schon gesagt habe, mit all dem Schneefall und einer großen Gruppe, die zusammenkam. Aber ich war ziemlich zuversichtlich, dass ich nicht so viel Energie verbrauchen musste wie die anderen, die von hinten kamen. Ich kenne diese Strecke ziemlich gut, seit 2011 war ich hier schon oft. Trotzdem gab es auch heute wieder viele Positionskämpfe, also habe ich meinen Plan verfolgt und bin super, super glücklich, wieder auf dem Podium zu stehen. Ich habe diesen Moment sehr genossen.“

Andreas Skoglund (NOR)„Der dritte Platz bedeutet mir sehr viel. Es hat wirklich Spaß gemacht, heute auf diesem Podium zu stehen. Es fühlt sich so an, als gäbe es jetzt gute Möglichkeiten für die Zukunft, also bin ich sehr glücklich. Es gibt mir auch Selbstvertrauen und es ist immer noch möglich, noch besser zu springen. Ein Compact sollte sehr gut zu mir passen, daher freue ich mich auf morgen.“

Stefan Rettenegger (AUT)„Leider konnte ich im provisorischen Sprung nicht das zeigen, was ich eigentlich drauf hätte. Deshalb wäre ich gern heute gesprungen. So war es ein extrem enges Rennen mit einem richtig schnellen Start. Ich habe gemerkt, dass ich es schaffen kann, ganz nach vorne zu kommen. Ich war dann echt froh, als ich in der Spitzengruppe war. Die letzte Runde war dann sehr chaotisch mit wenig Tempo und sehr viel Positionskämpfen. Zum Schluss hab ich alles gegeben, ich kann mir nichts vorwerfen. Das Ergebnis ist für uns sicher nicht das Beste. Morgen haben wir bereits die nächste Möglichkeit, es wieder gut zu machen.“

Johannes Lamparter (AUT)„Heute war ein recht unglückliches Rennen. Ich konnte das Loch nach vorne schnell zumachen, dann ist lange Zeit in unserer Führungsgruppe nichts passiert. In der letzten Runde habe ich mich leider verhaspelt und bin gestürzt, ich war nicht gut positioniert. Es tut schon weh, weil ich es eigentlich drauf gehabt hätte. So ist der Sport, abhaken und morgen gibt es eine neue Chance.“

Zeitplan für Sonntag

11:30 Probedurchgang HS 97 (Damen)
12:30 Sprungdurchgang HS 97 Compact (Damen)
13:20 Sprungdurchgang HS 97 Compact (Herren)
16:00 5 km Langlauf Compact (Damen)

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