Nathalie Armbruster (GER) hat beim deutschen Heimweltcup der Nordischen Kombination in Oberhof den zweiten Platz belegt. Der Tagessieg ging an Ida Marie Hagen (NOR), Dritte wurde Minja Korhonen (FIN). Bei den Männern setzte sich Jens Luraas Oftebro (NOR) gegen Johannes Lamparter (AUT) durch, Einar Luraas Oftebro (NOR) wurde Dritter.
Brabec mit Schanzenrekord
Der Sprungsieg auf der Rennsteigschanze (HS 100) ging bei den Damen erstmals an Alexa Brabec (USA), und dies in eindrucksvoller Manier. Als einzige an diesem Tag bei Frauen und Männern sprang sie über die 100-Meter-Marke. Ihre 103,5 Meter (132,9 Punkte) bedeuteten sogar einen neuen Schanzenrekord der Frauen. Damit setzte sie sich noch vor die Überfliegerin der Saison. Ingrid Laate (NOR), die derzeit die Schanzen dominiert, musste sich mit Platz zwei zufrieden geben. Allerdings hatte sie ihre 95,5 Meter auch mit vier Luken weniger Anlauf erzielt als der Rest des Feldes. Dritte des Springens wurde Korhonen mit ebenfalls starken 99 Metern vor der besten Deutschen, Nathalie Armbruster. Sie erzielte 97,5 Meter (126,9 Punkte). „Ich bin sehr sehr sehr zufrieden mit dem Sprung. Das Ende des letzten Wochenendes hat mich sehr viel Energie gekostet“, sagte Armbruster im ZDF den Tränen nahe. „Darum bin ich sehr froh, dass ich so einen Sprung zeigen konnte.“ Doch auch Hagen sprang ebenso weit wie Armbruster bei minimal besseren Windverhältnissen. Sechste wurde die Klingenthalerin Ronja Loh (93,5 Meter). Lena Brocard (FRA), Katharina Gruber (AUT), Silva Verbic (SLO) und Lisa Hirner (AUT) komplettierten die Top Ten. Jenny Nowak (GER) erwischte dagegen keinen guten Sprung, sie lag mit 87 Metern nur auf Zwischenrang 16.
Hagen mit Rekordsieg
Die schnellste Läuferin des Feldes, Ida Marie Hagen, ging entsprechend der Zeitrückstände des Compact-Formats 22 Sekunden nach Brabec auf die fünf Kilometer lange Strecke. Doch bereits nach einem Kilometer hatte sie diesen Rückstand auf sieben Sekunden reduziert. An Armbruster ging sie am Kulle-U vorbei und lief zu Beginn der zweiten Runde am Birx-Steig auf Brabec auf. Die Amerikanerin hatte nichts entgegen zu setzen und musste sich in der Folge auch noch Armbruster und Korhonen geschlagen geben. Dennoch bestätigte sie ihre starke Form mit der achten Top-Vier-Platzierung in Folge. Hagen demgegenüber feierte mit der schnellsten Laufzeit (13:41,3 min) ihren 24. Weltcup-Sieg. Damit zog sie an der bisherigen Spitzenreiterin Gyda Westvold Hansen vorbei (NOR), die sich in dieser Saison ausschließlich aufs Skispringen konzentriert. Zudem beendete Hagen 36 der letzten 39 Weltcups auf dem Podium. Ihre Serie bekam lediglich im Februar 2025 einen Riss, als sie in Seefeld (AUT) aufgrund eines nicht regelkonformen Anzugs disqualifiziert worden war und damit auch am Finaltag des Seefeld Triple nicht startberechtigt war; sowie eine Woche später in Otepää (EST), wo sie nach einem Sturz nur 15. wurde.
Armbruster mit Wiedergutmachung
Die Freude und Erleichterung über Platz zwei stand Armbruster ins Gesicht geschrieben. „Das war so, so wichtig, besonders nach dem letzten Sonntag“, sagte sie und bezog sich dabei auf ihre Disqualifikation beim Otepää Compact wegen eines Anzugsverstoßes im Springen. „Ich habe so viel zu sagen, aber ich denke, ich muss noch ein bisschen warten, bevor ich die Wahrheit sagen kann. Der zweite Platz bedeutet mir so viel. Es war eine unglaubliche Atmosphäre mit meiner Familie und meinen Freunden hier – die Menge war einfach fantastisch, sogar besser als ich erwartet hatte. Es war so cool… und wir hatten sogar Sonnenschein in Oberhof!“ Auch Frauen-Bundestrainer Florian Aichinger lobte: „Das ist sehr hoch einzuschätzen, sie hat sich viele Gedanken gemacht am letzten Wochenende und viel Energie darauf verwendet. Darum Hut ab, dass Nathalie so zurückgeschlagen hat.“
Sieben Nationen in den Top Ten
Korhonen, die lange gemeinsam mit Armbruster gelaufen war, konnte das Tempo der Deutschen am Ende nicht mehr mitgehen, überholte jedoch ihrerseits Brabec, um bereits ihr fünftes Podium der Saison zu feiern. Und dies trotz der Doppelbelastung, da sie während des ersten Saisondrittels wiederholt zusätzlich bei den Spezialspringerinnen angetreten war. Während Landsfrau Heta Hirvonen Oberhof ausließ und mit den Springerinnen auf der Asien-Tour antritt, will sich Korhonen künftig wieder auf die Nordische Kombination konzentrieren. Dank ihrer guten Platzierungen im Skispringen dürfte sie auch so gute Chancen haben, bei den Spezialspringerinnen für das Olympiateam nominiert zu werden. Als Fünfte hinter Brabec kam Ema Volavsek (SLO) ins Ziel, gefolgt von Lisa Hirner. Die Österreicherin hatte damit im Lauf ebenso mehrere Plätze gutgemacht wie die folgenden Yuna Kasai (JPN), Tara Geraghty-Moats (USA) – die 32-Jährige lief von Rang 26 auf acht nach vorn, Marte Leinan Lund (NOR) und Teja Pavec (SLO). Jenny Nowak beendete das Rennen als Elfte, auch sie holte fünf Plätze auf. Die meisten Plätze machte jedoch Hanna Midsundtstad gut. Die Norwegerin hat seit einer schweren Knieverletzung Probleme auf der Schanze, gehört jedoch zu den besten Läuferinnen. Sie machte 19 Plätze gut und wurde Zwölfte.
Zwischenstand Sprung DamenEndergebnis Damen
Drei Österreicher vorn
Im Springen der Männer zeigten die Österreicher einmal mehr, dass der Sprungsieg derzeit nur über sie geht. Die weitesten Sprünge lieferten Franz-Josef Rehrl und Thomas Rettenegger mit jeweils 98,5 Metern. Rehrl bekam jedoch 6,8 Windpunkte gutgeschrieben und Rettenegger deren nur 2,8, so dass der Steirer Rehrl die Zwischenführung für sich verbuchen konnte. „Es tut der Seele gut“, sagte Rehrl. „Ich bin mit meiner Leistung sehr zufrieden nach einigen harten Wochenenden bei den letzten beiden Wettbewerben.“ Stefan Rettenegger, Thomas‘ jüngerer Bruder, zeigte sich verbessert auf der Schanze: „Im Springen ist was weitergegangen, das haben wir uns wirklich Schritt für Schritt hart erarbeitet. Die Leichtigkeit fehlt noch etwas, aber mit den Sprüngen bin ich schon mal sehr zufrieden. Das nehme ich von heute mit“, bilanzierte er. In die Favoritenposition für das Compact-Rennen sprang sich Jens Luraas Oftebro (NOR). Der beste Läufer des Feldes, der zuletzt in Otepää dreimal Platz vier belegt hatte, sprang ebenfalls 97 Meter weit und hatte damit 17 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Hinter Ryota Yamamoto (JPN) kamen mit Johannes Lamparter und Paul Walcher zwei weitere Österreicher, gefolgt von Einar Luraas Oftebro (NOR) und Kristjan Ilves (EST). Bester Deutscher wurde unter dem Jubel der 2000 Zuschauer Lokalmatador Richard Stenzel als Zehnter (95,5 m/ +0:38 min).
Erstmals beide Oftebros auf dem Podium
Nachdem Jens Oftebro anders als in den bisherigen Rennen der Saison endlich einmal nicht einen großen Rückstand aufzuholen hatte, ließ er sich seinen achten Weltcup-Sieg im Einzel und den ersten seit Seefeld 2025 nicht nehmen. Drei Kilometer vor dem Ziel im 7,5-Kilometer-Rennen übernahm er die Führung, auch wenn beide Retteneggers kurzzeitig noch einmal an ihm vorbeigingen. Doch dann bildete sich eine Vierergruppe, bestehend aus Lamparter, beiden Oftebros und Stefan Rettenegger, während Bruder Thomas das Tempo nicht mehr halten konnte. Jens Oftebro dagegen überholte Stefan Rettenegger und sprintete zum Sieg. Sein Bruder Einar, der als Letzter der Vierergruppe auf die Zielgerade einbog, zog an Rettenegger vorbei. Lamparter rettete sich auf Platz zwei ins Ziel, während Einar Oftebro mit der schnellsten Laufzeit (17:20,5 min) bereits sein drittes Podium in Folge feiern konnte.
Rydzek erneut bester Deutscher
Hinter Stefan Rettenegger kam Johannes Rydzek als bester DSV-Athlet auf Rang fünf vor Thomas Rettenegger ins Ziel. Ilves wurde Siebter vor Ilkka Herola (FIN), der von Rang 14 nach vorn gelaufen war. Julian Schmid (GER), der lange um den Anschluss an die Spitzengruppe gekämpft hatte, wurde Neunter, Sprungsieger Rehrl beendete das Rennen als Zehnter vor Aleksander Skoglund (NOR) und Fabio Obermeyr. Der Österreicher hatte von Platz 57 kommend sage und schreibe 45 Plätze aufgeholt. Auch Manuel Faißt, der in Otepää nach langer Verletzungspause in den Weltcup zurückgekehrt war, holte starke 35 Plätze auf. Lokalmatador Richard Stenzel fiel auf Platz 17 zurück, strahlte jedoch ob der lautstarken Unterstützung von 4000 Zuschauern an der Strecke bei seinem ersten „echten“ Heimweltcup mit der Sonne um die Wette. Erfolgreiches Weltcup-Debüt für Felix Brieden: Der 17-Jährige sprang als Erster und legte mit 92 Metern einen tollen Sprung vor, den erst Yoshito Watabe (JPN) mit Startnummer 19 toppen konnte. Im Lauf fiel Brieden von Rang 25 zurück, gewann als 39. jedoch im ersten Weltcup gleich zwei Punkte.
Starke Oftebros auf dem „OfteBrodium“
„Es war ein wirklich schöner Tag. Ich war wirklich zufrieden mit meinem Sprung, und das machte es am Anfang [der Langlaufstrecke] etwas leichter, nicht einfach nur vom Start weg Vollgas zu geben. Ich fühlte mich stark und zuversichtlich, dass ich den Sprint machen könnte, obwohl mein Bruder nah dran war und normalerweise etwas schneller ist, aber ich glaube, der Einstieg war für ihn etwas schwieriger,“ analysierte der jüngere der beiden norwegischen Brüder. „Ich bin wirklich glücklich über den Sieg, aber es ist auch wirklich schön, zusammen mit meinem Bruder auf dem Podium zu stehen. Hoffentlich können wir weiterhin gute Ergebnisse erzielen und auch bei den Olympischen Spielen um Podiumsplätze kämpfen.“ Sein Bruder Einar, der am vergangenen Wochenende in Otepää erstmals auf dem Podium stand und am Folgetag sogar seinen ersten Sieg feiern konnte, ergänzte: „Dafür haben wir unser ganzes Leben lang gearbeitet, seit wir Kinder waren“, sagte der 27-Jährige. „Ich hatte gehofft, Lamparter im Sprint schlagen zu können und dass wir eins und zwei sein könnten, aber eins und drei ist trotzdem unser ‚Gesamt-PB‘, also sind wir wirklich glücklich.“
Zwischenstand Sprung HerrenEndergebnis Herren
Sowohl Männer als auch Frauen bestreiten am Sonntag in Oberhof einen Gundersen-Einzelwettkampf. Der Zeitplan:
Sonntag, 18. Januar 202608:30 Sprungdurchgang HS 100 Damen09:15 Sprungdurchgang HS 100 Herren14:35 5 km Langlauf Damen15:45 10 km Langlauf Herren
Stimmen zum Wettkampf
Ida Marie Hagen (NOR)„Es fühlt sich so gut an und ich denke, dieser Sieg war der beste in der ganzen Saison. Ich glaube, das Niveau im Skispringen war heute wirklich hoch, und deshalb macht es mich sehr glücklich, dass ich auch einen guten Sprung zeigen konnte und ein solides Rennen hatte. Ich bin stolz auf mich, aber auch auf den Rest des Teams. Alle Mädchen sind jetzt einfach wirklich stark, und ich hoffe, jeder sieht, dass wir auch einen Platz bei den Olympischen Spielen verdienen.“
Nathalie Armbruster (GER)„Dieses Podium heute war so wichtig, besonders nach letztem Sonntag. Ich hätte so viel zu sagen, aber ich denke, ich werde ein bisschen warten müssen, bis ich es tue. Dieser zweite Platz bedeutete mir so, so viel. Die Stimmung hier zu Hause mit meiner Familie und meinen Freunden war unglaublich. Die Zuschauer waren einfach fantastisch. Ich hätte nie erwartet, dass es so cool wird, selbst bei Sonnenschein in Oberhof. Ich denke, auch mein Sprung heute war wirklich toll und auch das Rennen. Ich glaube, ich habe nur wenige Rennen, bei denen ich mich so gut gefühlt habe, also war heute einfach super fantastisch.“
Minja Korhonen (FIN)„Es ist hier sehr schön. Ich finde, der Hang ist recht ordentlich, nichts Außergewöhnliches. Es ist ein ziemlich durchschnittlicher Hang, aber ich mag ihn sehr, genauso wie die Anlage. Heute war es gut, aber gestern, als wir hier trainiert haben, war es sehr eisig und es war schon ziemlich dunkel. Ich war ein bisschen nervös vor dem heutigen Wettbewerb, weil ich weiß, dass die Geschwindigkeit ziemlich hoch ist, aber wir haben heute ganz gut überlebt, würde ich sagen.“
Jens Luraas Oftebro (NOR)„Heute bedeutet mir viel. Es war wirklich schön für mich heute mit einem guten Sprung und auch einem starken Rennen, obwohl es etwas taktischer als sonst war. Aber ich bin wirklich glücklich über den Sieg und es ist auch wirklich schön, mit meinem Bruder auf dem Podium zu stehen. Hoffentlich können wir weiterhin gute Ergebnisse erzielen und wir werden auch bei den Olympischen Spielen um die Podestplätze kämpfen.“
Johannes Lamparter (AUT)„Es ist ein wirklich schöner Ort hier, ich kenne ihn aus dem Fernsehen vom Biathlon. Wir hatten auch wirklich tolle Zuschauer und perfektes Wetter heute. Wir sind oft in Oberhof zu Trainingslagern, aber jetzt war endlich Wettkampfzeit und einfach ein herrlicher Tag. Es ist so schön, wieder in Oberhof zu sein.“
Einar Luraas Oftebro (NOR)„Heute fühlt es sich so an, als wäre das das Ganze, wofür wir eigentlich unser ganzes Leben lang gearbeitet haben, seit wir Kinder waren. Ich habe gehofft, Lamparter im Sprint schlagen zu können, um ein 1 und 2 zu machen, aber 1 und 3 ist unser bisheriges persönliches bestes Gesamtergebnis, also sind wir wirklich glücklich.“
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