Jonna Sundling war im Freistilsprint in Oberhof eine Klasse für sich, aber Coletta Rydzek und Laura Gimmler konnten sich über Platz zwei und vier freuen. Bei den Herren feierte Lars Heggen seinen Premierensieg.
Keck vergibt Quali-Chance am Start
In einem stark dezimierten Starterfeld wegen Krankheiten, norwegischer Meisterschaft und Olympiavorbereitung mit nur 51 Starterinnen scheiterten die Veit-Schwestern Verena und Katja wie auch Anna-Maria Dietze recht deutlich im Prolog mit fünf bis neun Sekunden Abstand auf Platz 30 wie auch zwei Schweizerinnen Fabienne Alder und Nadja Kälin, die zwei Sekunden zu langsam waren. Bei den Herren waren immerhin 73 Athleten am Start, aber Elias Keck hatte nach einem Fehlstart und 15 Sekunden Zeitstrafe keine Chance mehr auf ein Weiterkommen. Er lief vier Sekunden vor seiner Startzeit los und damit eine Sekunde vor der erlaubten Toleranz. Ohne Zeitstrafe hätte es vermutlich knapp nicht gereicht. Auch die anderen DSV-Starter, die aber mit Ausnahme von Anian Sossau-Daubermann wenig bis keine Weltcuperfahrung haben, überstanden den Prolog nicht. Das gelbe Trikot wurde im Prolog zwar von Jessie Diggins getragen, bei der Startnummernauslosung wurde ihr jedoch nur die Nummer sieben überreicht, was die Weltcupführende verwunderte. Das Trikot wurde schließlich 20 Minuten vor dem Beginn der Heats vom Red Bull Skydive-Team aus der Luft gebracht und von einem Teammitglied übernommen.
Sundling überlegene Siegerin
Der Sprint der Damen hatte schon nominell eine klare Favoritin: Jonna Sundling. Schon im Prolog machte die amtierende Weltmeisterin und Olympiasiegerin ihre Favoritenrolle klar mit einem Vorsprung von 3,3 Sekunden Vorsprung vor Platz zwei. Die Schwedin war von Anfang an in der Führungsrolle und gab diese Position nie her. Dabei spielte ihr noch ein Sturz von Iris De Martin Pinter nach dem Anstieg in die Karten, durch den alle anderen aufgehalten wurden. Nur Maja Dahlqvist war beim Sturz noch neben der Italienerin, hatte aber offensichtlich nichts mit dem Sturz zu tun. Das stand dann auch für die Jury nach halbstündiger Beratung fest. „Ich war vorne und sie ist mir von hinten auf den Stock gefahren. Sie wollten überprüfen, ob ich wirklich vorne war. Aber ich war es, so war dann alles klar. Man ist richtig froh, wieder aus dem Juryraum herauszukommen. Das war das schwerste am heutigen Rennen“, sagte Dahlqvist dem schwedischen Viaplay. Eine ganz starke Leistung zeigten Coletta Rydzek und Laura Gimmler, die beide den Sprung ins Finale geschafft hatten. Wie im Training besprochen machten sie nach der Abfahrt in der FIS-Schneise ordentlich Druck und schlossen die Lücke. Vor allem Rydzek griff dann hinauf ins Stadion noch einmal an und ging an Dahlqvist vorbei. An Jonna Sundling kam sie auch mit einem tollen Zielsprint nicht mehr ganz heran. „Das fühlt sich großartig an. Skating mag ich am liebsten. Das war ein Highspeed-Rennen auf einer sehr schnellen Strecke. Die Strecke wurde schwieriger, als es dann kälter wurde, aber ich habe mich gut gefühlt. Man denkt viel über die Olympischen Spiele nach und ich denke, das war eine gute Vorbereitung darauf“, sagte Jonna Sundling am FIS-Mikrofon. Das Oberhofer Publikum feierte die DSV-Sprinterinnen mit „Oh, wie ist das schööööön“-Chören und auch Coletta Rydzek zeigte sich in Feierlaune. Als Dritte schaffte Maja Dahlqvist den Sprung aufs Podium, was Laura Gimmler knapp nicht gelang. Moa Ilar sammelte als Fünfte vor der gestürzten Italienerin viele wichtige Punkte für den Gesamtweltcup, weil Jessie Diggins nach taktischen Fehlern im Viertelfinale ausschied. Moa Ilar ist auch morgen im Einzelstart in der klassischen Technik die Topfavoritin. „Ich bin sehr zufrieden, wie das Rennen verlaufen ist. Ich habe versucht, nicht zu weit hinter Sundling zurückzufallen und dachte bis zum Schluss, dass ich es schaffe. Leider hatte ich aber diesen Sturz. Maja hat mich überholt und leider habe ich dann diese Bewegung gemacht. Ich habe ihren Stock berührt und fiel nach vorne. Rennunfall, das war einfach Pech. Man lernt daraus und nächstes Mal passiert mir das nicht mehr“, sagte Iris De Martin Pinter zu Fondo Italia nach dem Erreichen ihres ersten Final und dem ersten Finale einer Italienerin seit Lucia Scardoni in Dresden 2020.
Premierensieg für Heggen
Für den erst 20-jährigen Lars Heggen war es schon eine tolle Woche. Wie seine Freundin Milla Grosberghaugen Andreassen wurde er am Mittwoch norwegischer Meister im Klassiksprint und heute legte er mit seinem ersten Weltcupsieg noch einen drauf. Der amtierende Junioren-Weltmeister im Sprint und über zehn Kilometer Freistil übernahm in der Abfahrt die Führung und behauptete sich dann bis zur Ziellinie gegen den ebenfalls sehr starken Federico Pellegrino, der in seinem 300. Weltcuprennen sicher einen Sieg feiern wollte und sichtlich enttäuscht auf dem Podium wirkte. Lars Heggen strahlte umso mehr und sagte: „Es war eine tolle Woche bisher. Morgen kommt nun noch ein Rennen, aber die Woche ist jetzt schon toll. Der Prolog war schon gut, aber dann hatte ich Glück als Lucky Loser weiterzukommen“, so der 20-Jährige, der damit das Halbfinale meinte, wo er mit nur 0,06 Sekunden Dritter geworden war. „Im Finale war ich dann bereit alles zu geben. Es war ein großartiger Tag.“ Ob das nun ein Olympiaticket bedeutet, dazu wollte er sich nicht äußern: „Keine Ahnung. Es ist erstmal schön, dass ich einen Weltcup gewonnen habe“, meinte er diplomatisch. Even Northug wurde Dritter, was ihm im Kampf um ein Olympiaticket aber nicht mehr hilft. Lauri Vuorinen und Emil Liekari belegten die Plätze vier und fünf vor Valerio Grond.
Rydzek und Gimmler bärenstark
Nach der achtschnellsten Zeit im Prolog musste Coletta Rydzek im Viertelfinale eine Schrecksekunde überstehen, nachdem sie sich nach dem Anstieg mit einer Norwegerin verhakt hatte und stürzte. Aber die Oberstdorferin gab nicht auf und kämpfte sich mit exzellentem Material und Kämpfergeist in der Fis-Schneise wieder nach vorn und zog noch souverän als Zweite in die nächste Runde ein. Vor dem Start hatte sie die neue Oberhofer Strecke, auf der erstmals ein Freistilsprint im Weltcup ausgetragen wurde, als nicht ideal für sich eingeschätzt: „Wichtig ist es, genug Energie für ersten Anstieg zu haben und auch für die Zielgerade, die man mit hoher Geschwindigkeit erreicht. Das kann die Entscheidung bringen. Ich hoffe, es wird nicht zu weich, aber ich fühle mich gut“, sagte die 28-Jährige nach dem Prolog zur FIS. Nach ihrem zweiten Platz meinte sie: „Wahnsinn. Heute war das Publikum der Hammer. Nach meinem kleinen Fauxpas im Viertelfinale war das Publikum so laut, das mich angefeuert hat, das habe ich noch nie erlebt. Großer Dank an alle Zuschauer heute“, sagte Coletta Rydzek, die zu ihrer Taktik erklärt: „Bei dem ersten Berg habe ich immer versucht, dass ich noch Kraft für den zweiten habe. Der war nicht mein Lieblingsberg, aber am zweiten Berg habe ich gemerkt, dass ich da mit am Stärksten bin und da gut mit Kraft hochpushen kann. Die Kurve und das alles, das kam mir sehr zu gute. Bei Olympia ist es leider ein Klassiksprint, Skating liegt mir dann doch etwas mehr. Klassisch war ich noch nicht auf dem Podium. Aber die Form stimmt und bei Olympia kann alles passieren. Wir hatten heute super super Material, da auch ein großes Lob. Das braucht es dann bei so einem Tag bei Olympia auch. Wir werden unser Bestes geben.“ Laura Gimmler hatte die Tour de Ski aus gesundheitlichen Gründen abgesagt und stattdessen einen Trainingsblock in Frankreich angeschoben, wo sie Zeit mit ihrem Freund Cyprien Sarrazin verbrachte. Mit diesem starken vierten Platz in ihrer schwächeren Technik hatte die 32-Jährige überhaupt nicht gerechnet, wie sie später im ZDF sagte: „Ich bin mehr als glücklich. Ich bin im Skating ein bisschen schwächer als im Klassischen. Klassisch ist meine Paradedisziplin. Überhaupt ins Finale zu kommen im Skating war schon mega cool. Ich habe einen starken vierten Platz geholt und Coletta steht auf dem Podium. Wir sind ein gutes Team, gute Freundinnen, das ist alles ein Traum“, meinte die Oberstdorferin. „Wir haben jetzt hart trainiert, ich war sehr müde die letzten Tage und sehr skeptisch mit dem Oberhof Weltcup, aber vierter Platz… Auch hinsichtlich Teamsprint könnten wir zwei bei Olympia viel Spaß haben. Ich hoffe es.“ Peter Schlickenrieder war wieder überaus zufrieden mit seinen Athletinnen: „Super war es. Wenn man gesehen hat, was alles passiert ist, wie die zwei Mädels es im Viertel-, Halb- und jetzt hier im Finale gelöst haben, das ist ein tolles nächstes Level, wie die Mädels sich hier taktisch entwickelt haben und das auch kompensieren können, wenn es einen Sturz gibt. Die waren hier schon weg, mussten um die Gestürzte rumfahren und noch aufholen, um einen Podiumsplatz einzufahren – Hut ab! Wirklich toll gemacht“, lobte der Teamchef im ZDF und sagte weiter: „Coletta hat das richtig stark gemacht, freut mich riesig, aber auch Laura hat gekämpft bis zum Schluss und darf deswegen verdient heute zur Siegerzeremonie. Es wird hier eng am höchsten Punkt, wo alle rechts abbiegen wollen. Das ist ganz normal, dass man der einen oder anderen auf den Ski fährt und der fällt. Coletta ist sofort wieder hoch, hat schnell reagiert und den Anschluss hergestellt. So muss es sein und im Finale fand ich es noch viel besser, wie sie ausgewichen ist, fast 20 Meter verloren hat und das dann noch aufgeholt hat. Das ist schon echt eine Stärke.“ Neben Platz zwei und vier wurde auch Sofie Krehl noch gute 15. und sicherte sich immerhin noch die halbe Olympianorm. Lena Keck wurde 20. und war damit sehr zufrieden. „Sich für einen Heimweltcup zu qualifizieren, war das erste Ziel. Dann vor heimischem Publikum weiterzukommen und dann hier laufen zu dürfen und dann auch noch gut zu laufen, ist richtig cool. Das macht richtig Spaß, wenn man winkt und die Leute sich freuen und zurückbrüllen und man hat richtig Bock, richtig schnell zu laufen.“
Schweizer kämpfen nach Materialproblemen
Für das Schweizer Team verlief der Oberhofer Sprint enttäuschend. Janik Riebli war im Prolog zwei Sekunden zu langsam und schied die Isai Näff aus. Valerio Grond schaffte es nur um Haaresbreite als 30. in die Heats und zeigte nach der Heatauswahl demonstrativ mit dem Daumen nach unten. Danach kämpfte er sich dann aber bis ins Finale durch. Im Viertelfinale profitierte er aber auch von einem Sturz von Simen Myhre und Michael Hellweger, durch den zwei Konkurrenten wegfielen. Im Finale ging er mit Vollgas in die Abfahrt und konnte Platz zwei ins Ziel retten. Mit dieser Taktik versuchte er es auch im Finale wieder, was aber nicht aufging. Vor dem Anstieg war der Davoser noch Letzter, dann tat sich aber in der Mitte eine riesengroße Lücke auf, durch die er mit Vollgas hindurch attackierte. Dieser Sturm auf Platz eins kostete aber viel Kraft und brachte das Laktat in seine kräftigen Beine, so dass er in der FIS-Schneise schnell durchgereicht wurde. So weit waren die Damen gar nicht gekommen, denn Nadine Fähndrich fiel im Viertelfinale mit eklatanten Materialproblemen auf, die sie später auch zugab. Wie sie selbst sagte war sie in schnellen Passagen nicht konkurrenzfähig, so dass sie sang- und klanglos ausschied. Sie kam als 16. in die Wertung, Alina Meier wurde 19. und Lea Fischer, die am Start hängengeblieben war, wurde 23. Bei den Herren verpassten Roman Alder und Noe Näff nur um Haaresbreite die Lucky Loser Plätze und belegten die Ränge 13 und 14.
Mrkonjic einziger Österreicher in den Heats
Lukas Mrkonjic ist der einzige ÖSV-Starter, der die Qualifikation überstand, während sein Landsmann Christian Steiner frühzeitig die Segel streichen musste. „Die Quali war ganz schön hart, man muss ein gutes Tempo vorlegen“, sagte er am FIS-Mikrofon. „Ich bin froh, dass ich es geschafft habe, ich war zwei Wochen richtig krank. Die Taktik ist, Kraft sparen zu Beginn und dann Geschwindigkeit aufnehmen. Meine Saison war ein Auf und Ab bisher, meine Form ist nicht da, wo sie sein sollte. Aber ich hoffe, dass das nun besser wird.“ Nach seinem Viertelfinale konnte er nur mit den Schultern zucken, nachdem er im Anstieg zum Stadion ins Stolpern gekommen war und er so klar ausschied. In der Endabrechnung bedeutete das Platz 29 vor Johan Häggström, der mit seiner zweiten gelben Karte disqualifiziert wurde.
=> Ergebnis Sprint Freistil Damen
=> Ergebnis Sprint Freistil Herren
Oberhof zum Nachlesen
=> Großes deutsches Langlauf Team beim Heimweltcup in Oberhof
=> Langlauf | Nordische Kombination: Heimweltcup in Oberhof steht bevor


































