„Ich hab´s geschafft, ganz ohne Grätschen. So richtig mit Zug!“ Wir stehen am Ende des „Cologna-Stutz“ auf der Davoser Weltcup-Loipe und meine 13-jährige Tochter hat ein breites Grinsen im Gesicht. Um uns herum wirbeln die Schneeflocken und wir nehmen gerade zum zweiten Mal an diesem Tag den Anstieg des bekanntesten Davoser Langläufers unter die Klassikski. Mitten durchs Winterwunderland langlaufen – ein Traum für die ganze Familie!
Noch am Vortag trommelte der Regen gegen die Windschutzscheibe des Familienwagens. Wintersturmwarnung, vom tiefen Schnee in den (Eis-)Regen und wieder zurück in den Schnee. Eine Reise, die so gar nicht entspannt war und gerade die Motivation der kleineren Familienmitglieder auf die Probe stellte. Doch wer kennt sie nicht, die beiden Graubündener Steinböcke aus der Werbung? Ihre Videos sorgten für die ersten Lacher im Auto und so einige Fragen über das Leben der majestätischen Tiere wollten beantwortet werden. Dabei tauchte die App „Alle laufen Lang“ auf, Steinböcke sammeln für Langläufer in den Graubündener Urlaubsregionen. Bei verschiedenen Challenges lassen sich allein oder als Team „Steinböcke“ verdienen und am Ende der Saison Preise gewinnen. Einen Download später wurden die ersten Ziele gesetzt. Während die Große unbedingt den Halbmarathon-Bock für 21 Kilometer an einem Tag sammeln und die Mittlere sogleich nach der Anreise den Nacht-Bock einheimsen wollte, war die Jüngste damit zufrieden alle Steinböcke in Davos und Umgebung zu zählen. Doch auch sie wurde später noch Fan der „Bock-Challenge“.
So motiviert steht der ersten Langlaufeinheit im winterlich-verschneiten Davos nichts mehr im Weg. Dank unserer perfekt gelegenen Unterkunft, dem Hotel Waldhuus, ist der Weg zur Loipe nicht mehr als ein Katzensprung. Wir nehmen die ersten flachen Kilometer unter die Ski, vorbei an noch weihnachtlich beleuchteten Bäumen und Häusern, eingerahmt von beeindruckend hohen Alpengipfeln, auf denen die Lichter der Spurgeräte blinken. Zu unserer großen Freude ist die Loipe vorm Hotel zugleich die Nachtloipe, was uns deutlich mehr Zeit verschafft. Obendrein ist damit der Nacht-Bock gesichert und die Jüngste nimmt voller Begeisterung unsere ersten gesammelten Steinböcke in die gemeinsame Sammlung auf.
Aber wo ein „Nacht-Bock“ ist, da ist auch ein „Frühaufsteher-Bock“. Welch eine Gelegenheit für die Eltern für eine Runde in Zweisamkeit. Also ab auf die Loipe, während der Rest der Familie noch tief und fest schlummert. Lediglich das Spurgerät ist unser Begleiter, als wir die ersten Runden in der Stille drehen – traumhaft! Aber dann stehen auch schon die Kinder in den Startlöchern, während draußen die Flocken immer dichter und größer werden. Ein schnelles, aber ausführliches Frühstück später geht es ab in Richtung Weltcuploipe. Noch vor wenigen Wochen verfolgten die Mädels die Weltcuprennen in Davos und schon da war für sie klar, wir müssen uns diese Strecke im Urlaub ansehen! Gesagt, getan, aber die erste Überraschung erwartet die jungen Langläufer gleich am Beginn der Loipe. Vom Weltcupstart ist gar nichts zu sehen! „Wo sind denn die Lampen vom Sprint am Abend?“ Eine kurze Pause (Juhu, der Pausen-Bock gehört uns!) und ein paar Erklärungen später geht’s los, vorbei an einem beeindruckenden Kletterpark („kommen wir mal im Sommer her?“) hinein in die Anstiege! Während Paula begeistert an ihrer Klassik-Technik feilt und Heidi sich skatend unter die Einheimischen mischt, lässt es die Jüngste ruhiger angehen. Aber auch sie steht schließlich voller Stolz am höchsten Punkt der Strecke!
Was folgt, ist ein schneller Downhill zurück ins Stadion und dann die Wiederholung. Echt jetzt? Nun ja, der Halbmarathon-Bock steht noch aus und die Begeisterung kennt gerade keine Grenzen. Angefeuert von einem der lokalen Skilehrer, „Das sieht technisch aber gut aus! Nua weida so Madl“, dreht Paula also noch eine Runde. Das Grinsen haben wir bis dato nicht aus ihrem Gesicht gebracht! Erst recht nicht, als uns ein paar Stunden später derselbe Skilehrer noch einmal begegnete und sie völlig erstaunt mit einem breiten Lächeln grüßt.
Der Nachmittag, also die Pause zwischen den beiden Langlaufeinheiten, füllt eine Sightseeing-Tour durch Davos, Käse-Shopping inklusive! Während sich die jüngsten Familienmitglieder dann eine Lesepause im Hotel gönnen, verdienen wir uns beim Skaten die nächsten Böcke, „schließlich sind wir zum Langlaufen hier“, wie uns unsere Große erklärt. Immer noch im dichten Schneetreiben gleiten wir mit den letzten Skikursen über die Loipen, vorbei am Dario Cologna Langlaufzentrum. Und wer jetzt glaubt, das war’s, der irrt! Während der Papa den großen, schönen Saunabereich des Hotels ausgiebig erkundet, zieht der Rest der Familie noch einmal los, mit dem Hund durch das winterliche Davos! Ein Familienmitglied ist der absolute Nacht-Fan und so laufen wir auf herrlichen Winterwanderwegen durch den romantisch beleuchteten Ort und freuen uns mit dem Hund über den tiefen Schnee. Zurück im Waldhuus gibt es die Stärkung für den nächsten Tag. Während ein Teil sich der traditionellen Küche widmet, entdeckt der Rest die thailändische Küche für sich – so ein Hotelaufenthalt will schon genossen werden!
Der letzte Morgen dieses wunderschönen Wochenendes bricht wieder mit Schneeflocken an, sie begleiten uns auf die frisch gespurte Hundeloipe in Davos. Also Langlaufgurt rum und auf geht’s. Die letzten Kilometer nehmen wir Full-Speed unter die Ski, denn wenn unser Hund ziehen darf, ist er in seinem Element. Und da wir dies im Sommer schon auf Skiroller geübt haben und auf heimischen Hundeloipen waren, ist klar, er hört, er weiß, wo er laufen soll und er bleibt an der Leine! So ist es für uns problemlos möglich, uns auf den Loipen mit anderen Langläufern und auch Hunden zu bewegen. Dann haben die Kids mindestens so viel Spaß wie er und alle sind happy. Unsere Töchter haben gleich noch ein extra Lob für Davos: „So schön, so geniale Loipen, das macht so viel Spaß hier!“ Der Weltcuport in den Schweizer Bergen hat definitiv ein paar neue Fans gewonnen!













































