Masa Likozar Brankovic (SLO), Karina Kozlova (UKR), Tia Malovrh (SLO) (l-r)
Nordische Kombination Weltcup News

Nordische Kombination: Historischer Sieg für die Ukraine

Karina Kozlova (UKR) hat beim Continental Cup der Nordischen Kombination in Schonach (GER) einen historischen ersten Sieg für die Ukraine gefeiert. Benedikt Gräbert (GER), Felix Brieden (GER) und Marie Nähring (GER) konnten Podestplätze feiern.

Ukrainerin schreibt Geschichte

Karina Kozlova (UKR) holt den ersten Sieg für die Ukraine in der Nordischen Kombination.
Karina Kozlova (UKR) holt den ersten Sieg für die Ukraine in der Nordischen Kombination. © Marina Bläsi

Karina Kozlova aus der Ukraine war neben den beiden dominierenden Sloweninnen Masa Likozar Brankovic und Tia Malovrh die große Gewinnerin des vergangenen COC-Wochenendes in Schonach im Schwarzwald. Noch nie zuvor war es einem ukrainischen Athleten oder einer Athletin gelungen, in Weltcup oder COC auf das Podium zu gelangen. Kozlovas bislang bestes Ergebnis war ein fünfter Platz, erzielt beim COC in Eisenerz (AUT) zwei Wochen zuvor. In Schonach gewann sie alle Sprungdurchgänge einschließlich des provisorischen Wertungsdurchgangs und krönte ihr starkes Wochenende am Sonntag mit dem Sieg im Gundersen.

Nähring mit Podestplatz im Compact

Felix Brieden (GER)
Felix Brieden (GER) © Marina Bläsi

Im ersten von drei Wettkämpfen bestritten die Frauen einen Compact-Wettbewerb mit einem Sprung von der Langenwaldschanze (HS 100) und einem Fünf-Kilometer-Lauf im Wittenbachtal oberhalb von Schonach. Kozlova zeigte mit 90,5 Metern den weitesten Sprung vor Ingrid Graesli (NOR) und Masa Likozar Brankovic. Deren Landsfrau Tia Malovrh lag ihr auf Rang vier jedoch dicht auf den Fersen, da im Compact die Zeitabstände fest vorgegeben sind und die ersten Vier innerhalb von 17 Sekunden auf die Strecke gingen. Beste Deutsche auf der Schanze war Sofia Eggensberger auf Rang fünf, gefolgt von Amelie Steiner (GER) als Sechster. Im Lauf ließen die starken Sloweninnen jedoch nichts anbrennen und lieferten sich einen Zielsprint, den Likozar Brankovic um 0,4 Sekunden gegen Malovrh gewann. Dritte wurde die beste Deutsche des Tages. Marie Nähring hatte nach dem Springen lediglich auf Rang 25 gelegen und war 1:10 Minuten nach Kozlova gestartet. Dank der schnellsten Laufzeit von 13:55,8 Minuten gelang ihr der Sprung aufs Podium, nur noch 25,8 Sekunden hinter der Spitze. Vierte und Fünfte wurden Giulia Belz (SUI) und Laura Pletz (AUT), die ebenfalls viele Plätze gutmachen konnten – Belz verbesserte sich von 27 auf vier und Pletz kletterte von Rang 22 auf fünf. Mit Eggensberger (8.), Maja Loh (9.) und Lilly Großmann (10.) kamen drei weitere deutsche Damen in die Top Ten.

Sprung Damen CompactErgebnis Damen Compact

Wieder Express Race in Schonach

Torje Seljeset (NOR), Jens Dahlseide Kvamme (NOR), Even Leinan Lund (NOR) (l-r)
Torje Seljeset (NOR), Jens Dahlseide Kvamme (NOR), Even Leinan Lund (NOR) (l-r) © Marina Bläsi

Am Samstag wurde zum zweiten Mal nach Eisenerz ein Express Race abgehalten. Das neue Format ist eine Mischung aus Springen, Intervallrennen und Sprint. Zunächst wird wie gewohnt gesprungen, im Anschluss daran gelaufen. Allerdings qualifizieren sich nur diejenigen Athleten für den Lauf, welche mindestens 80 Prozent der Kalkulationsweite der Schanze erreicht haben. Im Fall von Schonach (K 90) waren dies also 72 Meter. Das Langlaufrennen besteht dann aus vier Heats. Das erste wird als Intervallrennen durchgeführt, bei dem die Aktiven mit fixen Zeitabständen auf die Strecke gehen, wobei der Sieger des Springens als Erster startet. Für Heat zwei qualifizieren sich die besten 30 des ersten Heats. Heat zwei bis vier werden jeweils im Gundersen-Format durchgeführt. Das bedeutet, dass die Zeitabstände des vorhergehenden Heats beibehalten werden und die Athleten entsprechend zeitversetzt starten. In Heat drei starten dann die 20 Besten aus Heat zwei. Im finalen Heat vier dürfen dann nur noch die besten zehn Athleten starten. Der Sieger dieses letzten Teils gewinnt den Wettkampf.

Erneuter slowenischer Doppelsieg im Express Race

Die beiden Sloweninnen konnten im Express-Wettkampf ihren Doppelsieg des Vortages wiederholen. Erneut hatte Kozlova das Springen gewonnen, doch Likozar Brankovic als Dritte und Malovrh als Neunte waren nicht weit hinter ihr. Steiner sprang auf Zwischenrang zwei. Belz (23.) und Pletz (26.) fanden sich nach dem Springen erneut im hinteren Bereich des Feldes. Dies änderte sich jedoch in den Läufen. Zwar dominierten die Sloweninnen erneut. Likozar Brankovic führte nach allen vier Heats, während Malovrh ebenso zuverlässig den zweiten Platz belegte. Dritte wurde die Französin Marion Droz Vincent, die nach dem Springen auf Rang acht gelegen hatte. Dann folgten jedoch wieder Pletz und Belz auf den Rängen vier und fünf, während Maja Loh als Achte beste Deutsche wurde. Mit Nora Helene Evans (NOR, 6.), Ludovica Del Bianco (ITA, 8.), Eva-Maria Holzer (AUT, 9.) und Aino Kanervala (FIN, 10.) landeten somit acht verschiedene Nationen auf den ersten zehn Plätzen.

Sprung Damen ExpressErgebnis Damen Express

Kozlova kommt durch

Kasper Moen Flatla (NOR), Even Leinan Lund (NOR), Jens Dahlseide Kvamme (NOR) (l-r)
Kasper Moen Flatla (NOR), Even Leinan Lund (NOR), Jens Dahlseide Kvamme (NOR) (l-r) © Marina Bläsi

Im Gundersen am Sonntag, wo der volle Vorsprung aus dem Springen mit ins Fünf-Kilometer-Rennen genommen wird, schlug endlich Kozlovas Stunde. Mit einem Sprung auf 95 Meter lieferte sie klar die größte Weite und nahm Likozar Brankovic, die mit 89 Metern Zweite wurde, volle sechs Meter ab. Die 1:28 Minuten Vorsprung, die ihr dies einbrachte, brauchte sie allerdings auch, um sich gegen die starke Läuferin durchsetzen zu können. Obwohl Likozar Brankovic bis auf 14 Sekunden an Kozlova herankam, konnte sie die Ukrainerin nicht von der Spitze verdrängen. Dritte im Gundersen wurde Malovrh, die Sofia Eggensberger als beste Deutsche des Tages hinter sich ließ. Mit Amelie Steiner (6.), Lilly Großmann (8.) und Maja Loh (10.) kamen zudem drei weitere deutsche Damen in die Top Ten.

Sprung Damen GundersenErgebnis Damen GundersenGesamtstand Damen

Benedikt Gräbert Zweiter im Compact

Aljaz Janhar (SLO), Lovro Percl Serucnik (SLO), Oleksandr Shumbarets (UKR), Eemeli Kurttila (FIN), Matic Garbajs (SLO) (l-r)
Aljaz Janhar (SLO), Lovro Percl Serucnik (SLO), Oleksandr Shumbarets (UKR), Eemeli Kurttila (FIN), Matic Garbajs (SLO) (l-r) © Marina Bläsi

Das Wettkampfprogramm der Herren war dasselbe wie bei den Damen, nur dass die Distanz der Langlaufrennen größer war. Den ersten Sprungsieg des Wochenendes im Compact-Wettbewerb holte sich Iacopo Bortolas (ITA) mit der Tagesbestweite von 100 Metern. Zweiter wurde Milosz Krzempek (POL) mit 98,3 Metern, punktgleich mit dem Slowenier Lovro Percl Serucnik. Felix Brieden lag als bester Deutscher auf dem vierten Zwischenrang (89 m/ + 17 s). Dieser konnte jedoch im Lauf nicht ganz mithalten, er fiel auf den elften Rang zurück. Den Sieg holte sich der Norweger Joergen Berget Storsveen mit der schnellsten Laufzeit von 18:16,2 Minuten. Nach dem Springen war er noch auf dem 14. Platz gelegen. Gräbert, nach dem Springen Zehnter (+ 38 s), machte in der Loipe viel Boden gut und musste sich dem Sieger nur um 0,2 Sekunden geschlagen geben. Bortolas behauptete als Dritter immerhin einen Podestplatz.

Sprung Herren CompactErgebnis Herren Compact

Brieden im Express Race auf dem Podium

Felix Brieden (GER)
Felix Brieden (GER) © Marina Bläsi

Felix Brieden legte den Grundstein für seine spätere gute Platzierung im Express Race auf der Schanze. Mit 97 Metern konnte er den Sprungteil für sich entscheiden. Zweiter wurde Bortolas vor Kasper Moen Flatla (NOR), der sechs Sekunden nach Brieden in die Loipe starten sollte. In den Heats setzte sich am Ende Flatla durch. Er gewann gegen Bortolas (+ 2,9 s), Brieden kam 5,4 Sekunden nach dem Sieger als Dritter ins Ziel. Der Schweizer Finn Kempf belegte in diesem Wettkampf den neunten Platz, nachdem er im Springen Siebter gewesen war. Der Norweger Andreas Ottesen, der Sechster wurde, machte sich eine bessere Platzierung dagegen auf der Schanze zunichte, da er mit 87 Metern nur auf dem 28. Rang, 45 Sekunden hinter dem Führenden gelegen hatte. In den Heats war Ottesen dagegen immer unter den schnellsten Drei.

Sprung Herren ExpressErgebnis Herren Express

Norweger dominieren Gundersen, Brieden Vierter

Torje Seljeset (NOR), Jens Dahlseide Kvamme (NOR), Even Leinan Lund (NOR) (l-r)
Torje Seljeset (NOR), Jens Dahlseide Kvamme (NOR), Even Leinan Lund (NOR) (l-r)

Der Sonntag stand bei den Männern dann ganz im Zeichen der Norweger. Zwar konnte Bortolas den Sprungdurchgang mit 99,5 Metern für sich entscheiden. Zweiter wurde der Finne Eemeli Kurttila vor Lovro Percl Serucnik, während Brieden mit 94,5 Metern als bester Deutscher auf Platz acht rangierte. Sein Rückstand auf den Führenden betrug allerdings bereits 55 Sekunden. In der Loipe stürmten jedoch die starken Norweger nach vorn. Die schnellste Zeit lieferte Jens Dahlseide Kvamme (21:54.8 min), womit er sich vom 14. Platz aus noch den Tagessieg holte. Zweiter wurde Landsmann Torje Seljeset, der von Platz 15 kam. Und auch der dritte Podestplatz ging an Norwegen; Even Leinan Lund war nach dem Springen 13. gewesen. Andreas Ottesen verpasste erneut das Podium aufgrund seines Sprungs, der ihn nur auf Platz 20 gebracht hatte. Dank der zweitschnellsten Laufzeit wurde er am Ende noch Vierter vor Felix Brieden, der als Fünfter ins Ziel kam.

Sprung Herren GundersenErgebnis Herren GundersenGesamtstand Herren

Gfrerer bleibt vorn

In der COC-Gesamtwertung führt bei den Herren nach wie vor Andreas Gfrerer (AUT), obwohl dieser am vergangenen Wochenende beim Heimweltcup in Seefeld (AUT) an den Start gegangen war. Storsveen bleibt Zweiter, liegt jetzt aber nur noch elf Punkte hinter dem Österreicher. Auch auf den folgenden Plätzen geht es eng zu. Kvamme (-16 Punkte) verbesserte sich auf Rang drei vor Lund (-35) und Seljeset (-54). Dahinter folgt ein deutsches Trio mit Tristan Sommerfeldt (-79), der ebenfalls in Seefeld gestartet war, Benedikt Gräbert (-88) und Felix Brieden (-107), der in dieser Saison in Oberhof sein Weltcup-Debüt gegeben hatte. Bei den Frauen führt Tia Malovrh vor Masa Likozar Brankovic, Lilly Großmann ist Dritte. Das nächste COC-Wochenende findet vom 13.-15. Februar 2026 in Lillehammer (NOR) statt.