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Olympische Spiele Langlauf: Frida Karlsson holt im Skiathlon erstes Olympia-Gold – Kälin Vierte!

Frida Karlsson zeigte eine bockstarke Leistung und feierte im Skiathlon nach 20 Kilometern ihren ersten Olympiasieg, dem in dieser Form sicher noch weitere folgen werden. Nadja Kälin wurde sensationell Vierte.

Quartett setzt sich in Runde zwei ab

Ebba Andersson (SWE), Jonna Sundling (SWE), Astrid Oeyre Slind (NOR), Frida Karlsson (SWE), (l-r) © Barbieri/NordicFocus

Bei Temperaturen knapp über Null begannen die Olympischen Spiele für die Langläuferinnen. Der Skiathlon wurde auf zwei unterschiedlichen 3,3 Kilometer langen Runden gelaufen und die rote Runde in der klassischen Technik mit dem höchsten Punkt bei 959 Metern war für die Athletinnen Neuland, weil sie viele Jahre nicht gelaufen wurde. In der Anfangsphase kam es zu einige Stürzen, unter anderem waren in einer der gefürchteten Abfahrten, wo die meisten Athletinnen den Schneepflug nutzten, auch Karoline Simpson-Larsen, die in der Vorbereitung von einem Magen-Darm-Infekt ausgebremst wurde, und Jessie Diggins verwickelt – wie die Norwegerin später sagte, war Diggins die Auslöserin des Sturzes, der ihr Rennen ruinierte. In der zweiten Runde erhöhten die Schwedinnen das Tempo und Andersson, Karlsson und Sundling setzten sich zusammen mit Astrid Øyre Slind ab. In der Gruppe dahinter versuchten Kristin Austgulen Fosnæs, Kerttu Niskanen und Heidi Weng zusammen mit Nadja Kälin und Moa Ilar, den Kontakt nach vorne wieder herzustellen, während vier weitere Athletinnen wie Katharina Hennig Dotzler und Jessie Diggins in die zweite Gruppe zurückfielen, die von der leicht erkälteten Teresa Stadlober angeführt wurde.

Vorentscheidung nach dem Skiwechsel

Ebba Andersson (SWE), Frida Karlsson (SWE), (l-r) © Vanzetta/NordicFocus

Auf dem Weg zum Skiwechsel wurde das Tempo für zwei Schwedinnen zu schnell: Vorne für Jonna Sundling und in der Gruppe dahinter bekam Moa Ilar Probleme. Eine andere hielt das Tempo hoch und zwar Frida Karlsson, die damit auch Slind und Andersson vor Probleme stellte. Gemeinsam kam das Trio zum Skiwechsel, der problemlos über die Bühne ging. Jonna Sundling wies schon einen Rückstand von 33 Sekunden auf und lag damit nur noch knapp vor den Verfolgern, bei denen Heidi Weng den schlechtesten Skiwechsel hinlegte. Auf der Skatingstrecke musste sich Astrid Øyre Slind schnell von den Schwedinnen verabschieden, die das Tempo nicht mitgehen konnte. Die beiden Schwedinnen arbeiteten gut zusammen, um Gold und Silber abzusichern, in der Gruppe dahinter lösten sich auch Weng, Niskanen und eine bärenstarke Nadja Kälin von Fosnæs und Sundling. Das Trio holte bald darauf die zurückfallende Slind ein und kämpfte nun um Bronze – aber ohne Kerttu Niskanen, die in der freien Technik zurückfiel.

Soloritt ab Kilometer 14

Ebba Andersson (SWE), Frida Karlsson (SWE), Heidi Weng (NOR), (l-r) © Barbieri/NordicFocus

Nach 14 Kilometern war dann die Entscheidung um Gold bereits gefallen, als Frida Karlsson auch ihre Landsfrau Ebba Andersson stehen ließ und ihren Vorsprung kontinuierlich vergrößerte. Im Ziel holte sie sich mit 51 Sekunden Vorsprung ihren ersten Olympiasieg. Mit der Flagge erwartete sie Teamkollegin Ebba Andersson, mit der sie dann gemeinsam feierte. „Heute war einer dieser Tage, wo es einfach läuft. Solche Tage gibt es nur wenige Mal in einer Karriere. Ich denke, das Wachsteam hat einen tollen Job gemacht und ich habe gemerkt, dass ich eine gute Technik laufe und mich entspannen kann. Im Rennen ging es mir immer besser. Es ist, als wenn man Holz aufs Feuer wirft und das Feuer immer hungriger wird, je länger es brennt“, sagte die 26-Jährige. „Ich habe das Skilaufen noch nie so geliebt wie heute. Ich bin so stolz über meinen Weg bis zu diesem Tag hin. Es ist vielleicht das erste Mal, dass es sich wie reine Freude angefühlt hat, wenn ich rausgehe und ein Rennen bestreite. Ich war weder schlecht drauf, noch ängstlich oder was auch immer. Ich habe mich einfach drauf gefreut.“ Mia Karlsson und Leif Medin haben das Gold-Rennen ihrer Tochter gar nicht gesehen, wie sie ihr am Social Screen im Ziel erzählten. Die Eltern waren gemeinsam in Ulricehamn, wo Fridas kleine Schwester Hannah ein Rennen hatte. Morgen reisen Mutter und Tochter ins Val di Fiemme, um Frida bei den weiteren Rennen zu unterstützen. Im Laufe der Kilometer festigte Heidi Weng, die sich aus der Gruppe absetzte, immer mehr ihren Bronzeplatz. Am Schluss konnte sie wie im Skiathlon von Sochi 2014 über die Bronzemedaille jubeln. „Ich war sehr nervös in der letzten Runde. Ich dachte, nun holen mich alle ein, so musste ich aufpassen, nicht zu verkrampfen“, sagte Heidi Weng dem NRK. Auch mit dem Skiwechsel hatte sie Probleme, wie sie sagte: „Ich bin in die falsche Box gelaufen. Das war ein bisschen blöd, aber ich habe meine Skatingski angezogen und dachte, dass ich keine Lust habe, jetzt den anderen hinterherzulaufen.“ Sie schloss die kleine Lücke und fühlte sich mit dem neuen Material gleich besser: „Ich konnte Klassisch meinen Rhythmus nicht finden, ich war ganz gestresst am Anstieg. Ich weiß nicht, ob es die Ski waren oder ich. Aber mit den Skatingski war es viel besser, da waren die Berge kein Problem mehr.“ Kerttu Niskanen hatte sich nach dem Zurückfallen wieder gefangen und blieb bis zum Schluss mit Astrid Øyre Slind und Nadja Kälin zusammen, die beide nach 15 Kilometern von der Finnin eingeholt wurden. Im Endspurt hatte aber die Schweizerin noch die meisten Körner und feierte einen bockstarken vierten Platz knapp 30 Sekunden hinter der Medaille. Kerttu Niskanen wurde Fünfte vor Astrid Øyre Slind. Wie erwartet konnte Katerina Janatova ihre sehr gute Form bestätigen und sich einen Top10-Platz sichern. Die in Norwegen lebende Tschechin wurde exzellente Siebte vor der gestürzten Jessie Diggins, die sich in ihrer stärkeren Technik aber noch von 17 auf Rang acht nach vorne schieben konnte. Auch für Teresa Stadlober lief es in der freien Technik besser, was am Schluss noch Rang neun vor Kristin Austgulen Fosnæs und Jonna Sundling bedeutete.

Stadlober zuversichtlich

Teresa Stadlober (AUT) © Barbieri/NordicFocus

Mit ihrem neunten Platz war Teresa Stadlober wegen ihrer Erkältung dann doch recht zufrieden und bleibt zuversichtlich für weitere Starts: „Vor allem mit dem Skating. Da konnte ich mich steigern und Plätze gutmachen. Das macht mich auch zuversichtlich für die nächsten Rennen“, erklärte die Salzburgerin im ORF-Interview. „Klassisch war aber hart für mich, da habe ich gekämpft. Da hatte ich das Rennen eigentlich schon abgeschrieben. Ich hatte aber einen super Ski. Jetzt heißt es gut erholen. Ich war auch nervös und nicht ganz so locker.“ Immerhin war es der achte Top10-Platz bei Olympischen Spielen für die Radstädterin.

 

Pia Fink beste Deutsche

Pia Fink (GER) © Vanzetta/NordicFocus

Erwartungsgemäß wurde Pia Fink beste deutsche Starterin. Mit dem hohen Tempo in der klassischen Technik konnte sie aber nicht mithalten, sie fand sich später in einer Gruppe mit Teresa Stadlober wieder und kam als 13. knapp hinter der elftplatzierten Katharina Hennig Dotzler zum Skiwechsel. Helen Hoffmann lag zu diesem Zeitpunkt in ihrer schwächeren Technik auf Position 24, während Klassikspezialistin Katherine Sauerbrey ungewöhnlich weit hinten zu finden war auf Platz 40 mit schon 2:44 Minuten Rückstand. „Die klassische Technik ist nicht ganz so gelaufen wie wir uns das vorgestellt haben. Dass vorne Gas gegeben wird durch Frida Karlsson und Ebba Andersson war klar, aber bei diesem selektiven Kurs war es eine harte Nummer. Für Pia und Helen wird es noch etwas nach vorne gehen, für die Katha nicht und bei der Kate passt irgendwas nicht“, meinte Teamchef Peter Schlickenrieder nach dem Skiwechsel. Pia Fink kam schließlich als Zwölfte ins Ziel und machte somit noch einen Platz gut. „Es war knüppelhart. Das Tempo war ultrahoch von Anfang an. Die Abfahrten waren sehr anspruchsvoll, da gab es ja einige Stürze. Ich bin froh, dass keine von uns darin involviert war. Skating war dann auch nicht weniger anspruchsvoll“, sagte Pia Fink und war mit ihrem Ergebnis nicht unzufrieden: „Ja doch. Skiathlon ist nicht immer unbedingt mein Lieblingsrennen. Ich habe gehofft, dass ich einen guten Start hinlegen kann und mit der Platzierung bin ich eigentlich zufrieden. Das stimmt mich positiv. Dass ich die schlechteren Karten gegen die Sundling habe, wenn ich mit ihr auf die Zielgerade komme, war mir klar. Ich habe es auf der Runde schon probiert, ob ich eine kleine Lücke reißen kann, aber das hat leider nicht geklappt.“ Zusätzlich zum nicht optimalen Material des deutschen Teams war auch die Linienwahl wichtig: „Bergab war es ultratief und je nachdem wie man die Linie gewählt hat, war man halt schneller oder weniger schnell“, so Fink.

Hennig Dotzler fällt weit zurück

Als hätte mir jemand Beton in die Oberschenkel gegossen.

Katharina Hennig Dotzler (GER) © Vanzetta/NordicFocus

Helen Hoffmann arbeitete sich mit insgesamt vier Minuten Rückstand auf Platz 18 nach vorne und Katharina Hennig Dotzler verlor als 30. noch fast vier weitere Minuten. „Es ging los wie die Feuerwehr. Ich habe mich schon ein bisschen drauf eingestellt, denn im olympischen Rennen sind alle nervös und so ging es auch los. Ich habe dann relativ zeitig gemerkt, dass ich nicht meinen Sahnetag erwischt habe und dann musste ich einfach durchkämpfen. Wir waren auch materialtechnisch im Klassischen nicht 100%ig dabei, so ehrlich müssen wir sein. Aber wir machen da unseren Technikern überhaupt keinen Vorwurf, die geben alles. Wir haben ja auch oft super Material, das gehört auch dazu und im Skating hatten wir super Material, aber da hat die Frau auf dem Ski versagt“, nahm Katharina Hennig Dotzler ihr Rennergebnis mit Humor und sagte weiter: „Ich bin froh, dass ich gefasst bin. Ich habe natürlich gehofft, dass es heute mehr aufgeht im Skating, dass ich endlich wieder weiß, wie es geht. Ich habe ja dieses Jahr meine Probleme gehabt. Die erste Runde ging noch, da habe ich gehofft, das wird vielleicht irgendwie werden, aber irgendwie verpacke ich es muskulär leider nicht. Dann wird es natürlich hart, aber ich habe gekämpft bis zum Schluss, da kann ich mir nichts vorwerfen, aber Platz 30 ist natürlich nicht das, was ich wollte. Das Problem sind die Anstiege, wenn die länger werden, dann ist das, wie wenn jemand Beton in den Oberschenkel gegossen hat. Ich konnte dann ja keine Gruppe halten und bin immer alleine gelaufen und das ist natürlich auch nicht motivierend, wenn man immer überholt wird. Ich bin das schon gewohnt dieses Jahr, aber schön ist das natürlich trotzdem nicht“, sagte die Sächsin, die damit nicht mehr so weit vor Kate Sauerbrey lag, die noch bis auf Platz 34 nach vorne kam. Für die weiteren Rennen bei ihren letzten Olympischen Spielen gibt Hennig Dotzler aber die Hoffnung nicht auf – das kann auch schnell wieder in die andere Richtung kippen, meinte sie. Peter Schlickenrieder hielt seinen Athletinnen zugute, dass es ein enorm schweres Rennen war: „Das Streckenprofil ist am obersten Limit von den Höhenmetern, kombiniert mit diesen nassen und stumpfen Bedingungen, da gibt es nicht viel härtere Kombinationen. Es war ein hartes Ausscheidungsrennen. Frida Karlsson hat sich akribisch auf diese Spiele vorbereitet, viele Rennen ausgelassen und viel Höhentraining absolviert, hat alles auf eine Karte gesetzt und ist in bestechender Form“, so Schlickenrieder lobend. Für das deutsche Team war das aber keine Überraschung, denn „durch ihren und unseren Trainer Per Nilsson haben wir die Livedaten quasi mitgekriegt. Sie hat das heute bewiesen und auch eine Weltklasse-Athletin wie Ebba Andersson vorgeführt.“ Zu seinen eigenen Athletinnen sagte der Teamchef: „Man hat bei Katha gesehen, die eine der besten Klassikläuferinnen ist, dass sie bei diesem Ausscheidungsrennen dabei sein wollte und bei den Top-Leuten mitlaufen, aber das hat ihr schon richtig weh getan. Ich hatte gehofft, dass sie etwas taktiert und im Windschatten mitläuft, aber dem war definitiv nicht so. Pia hat es richtig gemacht, ihr eigenes Tempo zu finden. Sie hat das gut gemacht. Katha ist natürlich durch den hohe Invest auf der Klassikstrecke im Skating noch richtig nach hinten gepurzelt. Helen hat der Klassikteil auch wehgetan, der Skatingteil ist das, was ihr liegt, aber wenn man schon so viel Müdigkeit mitnimmt, spürt man das auf der schweren Skatingstrecke, wo man auch runter immer aufpassen muss, um nicht zu stürzen.“

Kälin herausragende Vierte

Nadja Kaelin (SUI) © Barbieri/NordicFocus

Wie vor einem Jahr in Trondheim, wo sie als Sechste überzeugte, wuchs die 24-Jährige Engadinerin erneut über sich hinaus. Nach einem herausragenden Rennen wurde Nadja Kälin sensationell Vierte und schnupperte schon fast an der Bronzemedaille, die allerdings 30 Sekunden vorher verteilt wurde. Im Vorfeld des Rennens hatte sie betont, sich kein fixes Resultat vorgenommen zu haben, sondern lediglich ihre beste Leistung abrufen zu wollen. Dass es dann während des Rennens plötzlich eine Phase gab, in der es für sie „fast um die Bronzemedaille“ ging, überraschte sie selbst. „Das ist mega cool, es ist alles so gut aufgegangen. Ich habe so halbwegs probiert, noch um Bronze mitzukämpfen, aber ich habe dann gemerkt, die sind zu stark für mich. Und jetzt habe ich eher Platz vier gewonnen, als eine Medaille verloren. Super Material haben wir gehabt. Das waren Trondheim Verhältnisse und schon dort haben wir super Material gehabt. Da habe ich mich schon vor dem Rennen darauf gefreut, dass ich in den Abfahrten vielleicht etwas länger sitzenbleiben kann, wie andere“, sagte sie zu xc-ski.de. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester Marina Kälin zeigte sich mit Platz 19 sehr zufrieden, während Anja Weber in der zweiten Rennhälfte über Krämpfe klagte und 25. wurde. Den vierten Schweizer Startplatz nahm Fabienne Alder ein, die als 46. das Ziel erreichte. Zudem überquerte noch die für Taiwan startende Halb-Schweizerin Sophia Tsu Velicer als 52. und letzte Läuferin, die der Überrundung entging, die Ziellinie.

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