Biathlon Weltcup News

Danke Franzi! Eine große Biathlon-Karriere geht zu Ende

Franziska Preuß hat ihre aktive Biathlon-Karriere beendet. Nach dem olympischen Massenstart in Antholz zog sie einen Schlussstrich und verabschiedete sich mit sich im Reinen von Fans, Familie, Teamkameraden und engen Freunden. 

Abschied einer herausragenden Biathletin

Franziska Preuss (GER) © NordicFocus

Franziska Preuß hat nach dem olympischen Massenstart in Antholz im Alter von 31 Jahren heute ihre beeindruckende Biathlonkarriere beendet. Mit ihrem Rücktritt verabschiedet sich nicht nur eine herausragende Athletin, sondern auch die letzte noch aktive deutsche Biathlon-Weltmeisterin von der großen Bühne des Wintersports. Über viele Jahre hinweg prägte sie den deutschen Biathlon mit ihrer Leidenschaft, ihrem Kampfgeist und ihrer außergewöhnlichen Klasse. An ihre überaus starke letzte Saison mit dem Gewinn des Gesamtweltcups konnte sie in diesem Winter nicht mehr anknüpfen. Wie oft in den Jahren zuvor wurde sie ausgebremst von Verletzungen und Krankheiten. Dennoch kämpfte sie sich zurück um sich ihren großen Traum, den Gewinn einer olympischen Einzelmedaille, zu erfüllen. Es sollte nicht sein. Das Ergebnis des letzten Wettkampfs war für Preuß nebensächlich, Erlebnis stand vor Ergebnis. Nach dem Rennen sagte sie in der ARD: „Mir geht es gut. Es fühlt sich gut an. Ich freute mich auf das Ende vom Rennen. Ich versuchte nicht darüber nachzudenken während des Rennens, was danach ist, denn so einen Moment wird es nicht mehr geben.“ Franziska Preuß fiel der Abschied leicht und schwer zugleich. Sie musste schon beim Anschießen immer wieder mit den Tränen kämpfen, wurde immer wieder von Athleten und Betreuer anderer Nationen mit wohlwollenden Worten schon auf dem Weg zum Rennen darauf angesprochen. Simon Schempp resümierte: „Dass sie am Ende ihrer Karriere noch einmal so eine Achterbahnfahrt erlebt,“ und meinte damit, dass sie Richtung Vorbereitung und auch während der Olympischen Wettkämpfe 2026 ihre Leistungsfähigkeit nicht abrufen und unter Beweis stellen und sich damit den Traum einer olympischen Einzelmedaille nicht erfüllen konnte.  

„Der richtige Zeitpunkt“

23.03.2025, Oslo, Norway (NOR): Franziska Preuss (GER), Lou Jeanmonnot (FRA), Paula Botet (FRA), (l-r) © Nordnes/NordicFocus

Ihre Laufbahn war von großen sportlichen Erfolgen gekrönt. Gesamtweltcupsieg, Weltmeistertitel, Podestplätze, Deutsche-Meister-Titel und unvergessliche Rennen machten sie zu einer der prägendsten Figuren des deutschen Biathlons. Dabei überzeugte sie stets mit ihrer Mischung aus läuferischer Stärke, mentaler Härte und einem feinen Gespür für den entscheidenden Moment am Schießstand. Für viele Fans wurde sie zu einer verlässlichen Größe im Weltcup und bei internationalen Großereignissen. Doch ihr Weg war nicht immer leicht. Immer wieder musste Franziska Preuß gesundheitliche Rückschläge verkraften, die sie zu Pausen zwangen und ihre Karriere mehrfach auf die Probe stellten. Mit bemerkenswerter Willensstärke kämpfte sie sich jedes Mal zurück in die Weltspitze und bewies, dass wahre Größe nicht nur in Siegen, sondern auch im Umgang mit Herausforderungen sichtbar wird. Beispiellos war das letzte Rennen vergangene Saison, mit dem sie im Ziel als Siegerin des Gesamtweltcups feststand. Ihre Freude hielt sich in Grenzen, wichtiger war ihr, ihre größte Herausforderin, die Französin Lou Jeanmonnot, im Ziel minutenlang über die so unglücklich verpasste Gelegenheit zu trösten. „Die vergangene Saison, mit dem Gewinn des Gesamtweltcups, hat mir noch einmal gezeigt, was möglich ist, wenn ich gesund bleibe. Das war etwas ganz Besonderes für mich. Gleichzeitig spüre ich nach so vielen Jahren im Leistungssport, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, ein neues Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen.“ 

So fing alles an

Laura Dahlmeier (GER), Franziska Hildebrand (GER), Andrea Henkel (GER), Franziska Preuss (GER) © Manzoni/NordicFocus

Der Stern von Franziska Preuß ging bei den ersten Olympischen Jugendspielen (YOG) 2012 in Innsbruck auf. Dort erreichte sie Gold im Sprint, mit der Mixed-Staffel mit der Biathlon/Langlauf Mixed-Staffel sowie Silber in der Verfolgung. Bereits in der nächsten Saison startete sie mit den Damen bei der Europameisterschaft in Bansko, gewann Silber in der Verfolgung und Gold mit der Damenstaffel. 2013 debütierte sie im zarten Alter von 19 Jahren im Weltcup und gewann als Startläuferin der Damen-Staffel, zusammen mit Andrea Henkel, Franziska Hildebrand und der viel zu früh verstorbenen Laura Dahlmeier Silber. In der Folge war sie immer wieder Starläuferin des damals so erfolgreichen und immer wieder siegreichen Damen-Quartetts. Ihr erstes Weltcuppodest erreichte sie im Januar 2015 vor heimischer Kulisse in Ruhpolding als sie hinter Darya Domracheva Zweite im Massenstart wurde. In der nächsten Saison kam ein weiterer großer Erfolg mit der Staffel, als sie zusammen mit Franziska Hildebrand, Vanessa Hinz und Laura Dahlmeier Staffel-Weltmeisterin 2015 in Kontiolahti wurde. Ab 2013 wurde sie zwölf Mal Deutsche Meisterin  im Biathlon in den Disziplinen Verfolgung, Einzel, Massenstart, Sprint und auch mit der Staffel. Der erste Weltcupsieg 2019 und zahlreiche Weltcup-Podestplätze und -erfolge schlossen sich an, nur mit Olympia stand Franzi Preuß irgendwie auf Kriegsfuss. Ob bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi, oder 2018 in Pyeongchang, wo sie nach zwanzig Treffern im Einzel hinter der Bronzemedaillengewinnerin Laura Dahlmeier Vierte wurde. 2022 in Peking gewann sie zusammen mit Vanessa Voigt, Vanessa Hinz und Denise Herrmann-Wick die Bronzemedaille, ihre bis dahin einzige olympische Medaille. 

Sportlerin mit Herz

14.02.2025, Lenzerheide, Switzerland (SUI): Franziska Preuss (GER) © Thibaut/NordicFocus

Mit ihrem Karriereende endet eine bedeutende Ära im deutschen Biathlon. Franziska Preuß hinterlässt nicht nur eine beeindruckende sportliche Bilanz, sondern auch das Bild einer Athletin, die sich trotz aller Widrigkeiten stets mit Herz und Hingabe ihrem Sport verschrieben hat. Ihr Abschied markiert das Ende eines Kapitels – und den Beginn eines neuen Lebensabschnitts, dem sie mit der gleichen Entschlossenheit begegnen wird, die ihre Karriere geprägt hat. Am 11. März 2026 wird sie ihren 32. Geburtstag feiern und endlich nicht mehr darauf achten müssen, sich wegen eventueller Infektionsquellen nur draußen, im kleinen Kreis oder mit Maske zu treffen. Im Übrigen lässt Franziska Preuß offen, was nach ihrem Karriereende kommt. „Ich muss ehrlich sagen, wenn ich heute auf meine Karriere zurückblicke, dann fühlt sich das einfach nur unglaublich an. Als ich damals mit Biathlon angefangen habe, hätte ich mir vieles von dem, was ich erleben und erreichen durfte, wirklich nicht erträumt“, erklärt Preuß. „Es war eine wahnsinnig spannende Zeit mit ganz vielen besonderen Momenten. Und vor allem mit ganz vielen tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte. Natürlich gab es auch Rückschläge. Gerade gesundheitlich musste ich immer wieder kämpfen. Das waren keine leichten Phasen. In diesen Momenten war meine Familie extrem wichtig für mich. Und auch all die Menschen in meinem Umfeld, denen ich vertrauen konnte, die mich über all die Jahre begleitet und unterstützt haben.“

Auszeichnungen

Magdalena Neuner, Franziska Preuss, Bayerischer Sportminister Joachim Herrmann © BayStMI

Franziska Preuß wurde im Oktober 2025 mit dem Bayerischen Sportpreis 2025 ausgezeichnet. In der Kategorie herausragende bayerische Sportkarriere wurde ihr der Preis in der BMW-Welt in München von Magdalena Holzer (vormals Neuner) nach einer berührenden Laudatio übergeben. Mit Deutschlands größtem Publikumspreis, der Goldenen Henne 2025, wurde sie in der Kategorie Sport geehrt. Im Dezember in Baden-Baden wurde sie zur Sportlerin des Jahres 2025 ausgezeichnet. Die Abstimmung trafen Sportjournalistinnen und Sportjournalisten. Franzi bedanke sich mit den Worten: „Das ist eine große Ehre und auch Lohn für die viele Arbeit, die man in den Sport investiert.

DSV-Sportdirektor Felix Bitterling sagt:

Franziska Preuss (GER), Felix Bitterling (GER) © Manzoni/NordicFocus

„Jetzt ist also der Zeitpunkt gekommen: Franzi Preuß beendet ihre Biathlon-Karriere. Ich glaube, dieser Satz allein spricht für sich und wird im Biathlon-Lager sehr viel Eindruck und Emotionen hinterlassen, für uns als deutsche Mannschaft natürlich noch einmal mehr. Franzi war in den letzten Jahren die Leaderin dieser Mannschaft. Nicht durch große Worte, sondern durch Leistung. Man kann ihr nur gratulieren zu einer großartigen Karriere, gespickt mit Erfolgen und das trotz gesundheitlichen Rückschlägen. Ich glaube, viel mehr Pech kann man da kaum haben. Trotzdem hat sie sich immer wieder zurückgekämpft, hat nicht nur Anschluss gefunden, sondern auch Maßstäbe gesetzt.Der absolute Höhepunkt war die letzte Saison mit dem WM-Titel und vor allem dem Gesamtweltcupsieg. Der Gesamtweltcup ist für mich das absolute Qualitätsmerkmal in unserer Sportart, weil er zeigt, wer über eine komplette Saison die beste Athletin ist. Ich denke, Franzi hat den Zeitpunkt gut gewählt. Ich kann das persönlich absolut nachvollziehen. Jetzt ist es wichtig, dass Ruhe einkehrt, dass sie Familie und Freunde treffen kann, wenn es ihr Spaß macht, und diese Zeit nach der Karriere genießen kann. Wir wünschen ihr alles erdenklich Gute und bedanken uns für die vielen Jahre, die Erfolge, die wir gemeinsam feiern durften, aber auch für die Tage, an denen es nicht so gelaufen ist und die uns trotzdem zusammengeschweißt haben.“ (Quelle: PM DSV)

Abschied in Oslo?

Ob Franzi Preuß nach Antholz noch einmal beim Weltcupfinale in Oslo dabei sein wird, lässt Preuß aktuell offen: „Vielleicht fahre ich noch zum Finale nach Oslo, um mich von allen zu verabschieden und ein bisschen gemeinsam zu feiern. Das werde ich in den nächsten Tagen entscheiden. Aber sicher nicht mehr, um mir die Ski anzuschnallen und eine Startnummer zu tragen. Und zum Schluss möchte ich einfach Danke sagen. An alle Fans, die mich über all die Jahre unterstützt haben. Gerade auch in den Zeiten, in denen es nicht so gut lief. Das hat mir unglaublich viel Kraft gegeben.

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