Jonna Sundling hat sich im Endspurt des Klassiksprints von Drammen gegen die Topfavoritin Kristine Stavås Skistad durchgesetzt. Bei den Herren stürzte Topfavorit Johannes Høsflot Klæbo im Halbfinale, der Sieg ging an Ansgar Evensen.
Freud und Leid in Drammen durch heimische Athleten
Johannes Høsflot Klæbo konnte seine Siegesserie in Drammen, wo er seit 2018 schon fünfmal gewann, nicht fortsetzen. Er wurde im Halbfinale zu Fall gebracht und schlug hart mit dem Kopf auf. Er konnte das Rennen wie auch Ben Ogden nicht beenden. Im Finale erwies sich dann Ansgar Evensen als der Stärkste und holte sich den Sieg vor dem Tschechen Jiri Tuz. Dritter wurde der überraschend starke Lokalmatador Kristian Kollerud bei seinem Weltcupdebüt. Zuvor hatte sich bei den Damen Jonna Sundling gegen Lokalmatadorin Kristine Stavås Skistad durchgesetzt. Nadine Fähndrich wurde Dritte und Laura Gimmler als beste Deutsche sehr gute Fünfte. Coletta Rydzek war durch einen Massensturz im Viertelfinale ausgeschieden.
Heggen, Pellegrino, Grond und Riebli scheitern im Prolog
Doch werfen wir zunächst einen Blick zurück: Der Klassiksprint in Drammen endete für viele Athleten wieder mit dem Prolog. Als Nicht-Qualifikanten ist international bei den Damen höchstens Tiril Udnes Weng zu nennen, die als 32. knapp scheiterte. Aber auch drei DSV-Athletinnen mussten schon früh die Segel streichen, was aber nicht überraschend war. Katharina Hennig Dotzler, die immer noch die 50 Kilometer von den Olympischen Spielen spürt, belegte Platz 51, Helen Hoffmann wurde 55. vor der Halb-Norwegerin Theresa Fürstenberg bei nur 60 Starterinnen. Ebenfalls schieden mit Junioren-Weltmeisterin Heidi Bucher, Lea Fischer, Magdalena Scherz, Fabienne Alder und Alina Meier zwei Österreicherinnen und drei Schweizerinnen aus. Bei den Herren erwischte es überraschend Lars Heggen, der zum ersten Mal seit seinem Weltcupdebüt zu Saisonbeginn nicht mindestens ins Halbfinale kam, U23-Weltmeister Filip Skari, und Federico Pellegrino in seinem vorletzten Weltcupsprint. Auch für die Schweizer Weltklasse-Sprinter Valerio Grond und Janik Riebli reichte es auf diesem speziellen Sprintkurs klar nicht zum Weiterkommen wie auch für Benjamin Moser. Denkbar knapp schieden Michael Föttinger sowie Roman Alder und Isai Näff als 31., 33. und 34. aus, außerdem war vorzeitig Schluss für die drei Deutschen Jannis Grimmecke, Anian Sossau-Daubermann und Jakob Walther wie auch für die Österreicher Erik Engel und Lukas Mrkonjic.
Stürze, gelbe Karten und Disqualifikationen
In den Heats ging es dann richtig zur Sache, auch wenn der angekündigte Regen sich lange zurückhielt und auch die Windböen ausblieben, die für ein richtig schnelles Rennen gesorgt hätten. Coletta Rydzek wurde im Viertelfinale Opfer eines Massensturzes, bei dem nur Iris De Martin Pinter ungeschoren davon kam. Die Italienerin, die in dieser Saison schon mehrfach die gelbe Karte gesehen hatte, löste den Sturz durch eine Berührung des Skis von Linn Svahn aus, nachdem sie vor der gefährlichen Kurve am Brunnen eine kleine Lücke innen genutzt hatte. Bestraft wurde sie dafür nicht und lief allein dem Halbfinale entgegen. Obwohl Linn Svahn mit Coletta Rydzek verknäuelt da lag, rappelte sie sich enorm schnell wieder auf. Dabei machte sie zum Schwung holen zu viele Skatingschritte und wurde mit einer gelben Karte belegt. Mit hohem Tempo stürmte sie bergauf, überholte Sofie Krehl, die nur ins Taumeln gekommen war, und holte fast noch die Italienerin ein. Krehl schied als Dritte aus wie auch Coletta Rydzek als Sechste. Kurz darauf sah im nächsten Lauf Nicole Monsorno eine Gelbe wegen einer Behinderung und da es ihre zweite Karte war, wurde sie disqualifiziert. Ebenso erging es später Even Northug bei den Herren wegen eines Technikverstoßes. Ebenso die gelbe Karte sahen Noe Näff und Kilian Kollerud – für sie blieb die unsaubere Technik aber heute ohne Folgen. Simone Mocellini konnte nach einem selbstverschuldeten Sturz seine Hoffnungen auf das Halbfinale im Schnee begraben.
Klæbo kommt schwer zu Fall
Im Halbfinale kam es dann zu dem schmerzhaften Sturz, in den Klæbo verwickelt wurde. Wer der eigentliche Auslöser war, war auf den TV-Bildern nicht klar zu erkennen. Möglicherweise war Aron Åkre Rysstad Ben Ogden von hinten auf den Ski gefahren. Der kam aus dem Gleichgewicht und kollidierte mit Klæbo, so dass beide stürzten wie auch Alvar Myhlback und Rysstad. Klæbo schlug dabei mit dem Hinterkopf hart auf dem Boden auf und blieb benommen liegen. Der Amerikaner blieb bei ihm und beendete das Rennen ebenfalls nicht. Jiri Tuz und Anton Grahn liefen einsam und allein vorne weg und zogen ins Finale ein. Myhlback hatte im Viertelfinale auf Skiern ohne Steigwachs einen starken Eindruck hinterlassen und wäre mindestens ein Podestkandidat gewesen. So schied er als Dritter aus. Zum Gesundheitszustand von Klæbo gibt es noch keine genauen Informationen. Er wurde direkt ins Krankenhaus gebracht. „Er ist ist ein bisschen groggy, aber abgesehen davon kann ich dazu nicht mehr sagen. Sie werden ihn jetzt genau untersuchen“, sagte Cheftrainer Arild Monsen. Ben Ogden weiß selbst nicht genau, wie der Unfall passierte. Zu NRK sagte er: „Ich bin nicht sicher, alles was ich wollte, war eine gute Position in der Abfahrt. Es ist dort eisig, ich habe die Balance verloren und keine Ahnung – ich bin einfach gefallen. Er war nicht in der Stimmung, mit mir zu reden. Aber ich habe gewartet und ihn angesprochen. Ich hoffe, er ist nicht schlecht auf mich zu sprechen und hoffe, es geht ihm gut“, sagte Ogden weiter. „Ich finde nicht, dass es mein Fehler war, ich weiß es wirklich nicht. Ich habe es auf jeden Fall nicht absichtlich gemacht und so fühle ich mich auch nicht schuldig. Ich hoffe, er glaubt auch nicht, dass es mein Fehler war.“ Am Abend teilte der Skiverband dem NRK mit, dass sich der 29-Jährige zur Beobachtung im Drammener Krankenhaus befindet und es erst im Laufe des Freitags weitere Informationen zu seinem Zustand gibt.
Sundling bezwingt Topfavoritin – Gimmler Fünfte
Das Finale der Damen bestand dann aus zwei Schwedinnen, nämlich Jonna Sundling und Johanna Hagström, den Norwegerinnen Kristine Stavås Skistad und Ane Appelkvist Stenseth sowie Nadine Fähndrich und Laura Gimmler. Die Oberstdorferin ging nach dem Start wieder direkt nach vorne, wo sie dann zusammen mit Skistad das Finale anführte. Vor der Abfahrt bremste die Lokalmatadorin wieder deutlich ab, um den anderen vor der Abfahrt den Vortritt zu lassen. Aber auch Gimmler wollte den anderen keinen Windschatten bieten – niemand wollte diese ungünstige Position einnehmen. Schließlich erbarmte sich die Deutsche, gab Vollgas und ging mit zwei Metern Vorsprung in die Abfahrt. Aber das half nichts und bergab schossen sowohl die großgewachsene Skistad wie auch beide Schwedinnen an ihr vorbei. Als Vierte hinter Nadine Fähndrich ging die 32-Jährige in den Schlussanstieg, aber vorne kämpften Sundling und Skistad um den Sieg. Sie lieferten sich ein wahres Kopf-an-Kopf-Rennen, aber auf den letzten 20 Metern war die Schwedin klar stärker und legte einen Meter zwischen sich und die Konneruderin, die dann aufgab. Während Sundling jubelte, verzog Skistad nach dem verpassten dritten Heimsieg vor Enttäuschung kaum eine Miene. „Es war eng bis zum letzten Meter. Ich wusste, ich muss weiter Gas geben bis zur Ziellinie. Es war hart, aber ich bin froh, dass ich als Erste die Linie überquert habe“, sagte Jonna Sundling, die explizit auf das Duell mit der Lokalmatadorin angesprochen nur sagte: „Positiv ist, dass hier eine richtig gute Atmosphäre herrscht. Die Zuschauer sind toll, eine tolle Veranstaltung.“ Nadine Fähndrich freute sich in ihrem vorletzten Weltcupsprint über ein erneutes Podium. Rang vier ging an Johanna Hagström vor Gimmler und Stenseth. Für Gimmler war es damit das zweitbeste Ergebnis in Drammen, nachdem sie 2023 Vierte geworden war.
Überraschendes Podium mit dreifacher Premiere
Bei den Herren machte der Tscheche Jiri Tuz das Tempo im Finale gefolgt von Grahn und Kollerud. Nach dem ersten Anstieg schob sich Harald Østberg Amundsen, der einzige Finalist, der bereits Weltcupsiege auf dem Konto hat, an die dritte Stelle. Unten am Brunnen nutzte der Norweger eine kleine Lücke innen, brachte dadurch aber Anton Grahn in Bedrängnis, der stürzte. Bergauf kämpfte dann Amundsen an vorderster Front vor Kollerud und Tuz um den Sieg, aber Ansgar Evensen ging an vierter Position liegend auf die freie Außenbahn und gab da Vollgas. Einen Athleten nach dem anderen sammelte er ein, nachdem er unten am Brunnen noch mit Chappaz ganz hinten lag. Auf den letzten Metern war ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen und er feierte seinen ersten Weltcuptriumph. „Das ist super cool und ich liebe es hier in Drammen. Als ich die Chance hatte, den Sieg zu holen, haben ich alles dafür gegeben. Ich dachte, ich hatte eine gute Position im ersten Anstieg, aber später im Rennen hätte ich mir eine bessere Position gewünscht. Anton stürzte in der letzten Kurve und dann bot sich mir die Möglichkeit, von fünf auf eins zu laufen“, sagte der glückliche Ansgar Evensen im Siegerinterview, er weiter erklärte: „Ich musste meine Schuhe wechseln zu den Kombi-Schuhen, weil ich im Viertelfinale so unsicher auf den Ski war. Aber man muss auf den Beinen bleiben, um zu gewinnen und Johannes und Ben haben das heute leider nicht geschafft. Ich hoffe, er ist okay.“ Jiri Tuz holte als Zweiter sein erstes Podium und Kristian Kollerud sicherte sich sogar bei seinem allerersten Weltcup seinen ersten Podestplatz – und das sogar zu Hause in Drammen, nur zehn Kilometer von seinem Heimatort Konnerud entfernt. Harald Østberg Amundsen kam über Rang vier nicht hinaus vor Jules Chappaz und dem gestürzten Anton Grahn.
Fähndrich macht Kugel-Kampf spannend
Mit dem erneuten Podestplatz kann Nadine Fähndrich den Kampf um die Kristallkugel weiter spannend gestalten, da Maja Dahlqvist heute als Elfte nicht ganz so viele Punkte sammeln konnte. Die Schwedin die 2023 durch taktische Spielchen ihrer Teamkolleginnen Fähndrich um Haaresbreite noch den Sprintweltcup entriss, liegt nach wie vor in Führung – aber nur noch zwölf Punkte vor Johanna Hagström, Fähndrich liegt 20 Punkte hinter Dahlqvist. Titelverteidigerin Jasmi Joensuu liegt in dieser Wertung schon lange klar zurück und schied auch heute schon chancenlos im Viertelfinale aus – die Form ist seit den Olympischen Spielen verschwunden. Von Fähndrich Teamkollegen schafften es nur noch Anja Weber und Noe Näff unter die besten 30. Die Züricher Oberländerin Anja Weber, die vor einem Jahr in Trondheim erklärt hatte, eventuell nach dieser Saison ihre Langlauf-Karriere zu beenden, verpasste nur ganz knapp das Halbfinale und wurde 14. Der Unterengadiner Noe Näff schaffte den Sprung unter die besten Zwölf sogar zum ersten Mal in seiner Karriere, so dass er das Rennen als sehr guter Neunter abschloss.
Stölben geht am Anstieg ein
Für das deutsche Team ist Laura Gimmler der klare Lichtblick wie schon 2023, wo sie bereits einmal ins Finale von Drammen lief. Diesmal konnte sie sich über Platz fünf freuen, während Coletta Rydzek, Sofie Krehl und Jan Stölben erneut im Viertelfinale in Drammen ausschieden wie in den letzten Jahren auch. Bei Rydzek war jedoch eindeutig der Sturz Schuld, im Prolog hatte sie als Dritte einen sehr starken Eindruck hinterlassen. Dennoch endete sie diesmal als 26., während Sofie Krehl noch auf Platz 16 lief. Jan Stölben zeigte mit der elften zeit ebenfalls einen sehr guten Prolog und ging im Viertelfinale als Erster in den Schlussanstieg, wo ihn dann völlig die Kräfte verließen. Er belegte Rang 23 im Endklassement.
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