Heimsieg für Justus Strelow beim City Biathlon in Dresden. Vor begeisterter Kulisse setzt sich der Lokalmatador in einem packenden Finale gegen Eric Perrot durch. Bei den Damen überrascht Tereza Vobornikova mit einer makellosen Schießleistung und sichert sich mit 20 Treffern den Sieg. Janina Hettich-Walz und Philipp Horn verpassen das Podest jeweils knapp.
Lisa Vittozzi und Martin Ponsiluoma siegen in der Qualifikation
Die Italienerin Lisa Vittozzi setzte sich mit einer fehlerfreien Schießeinlage im Liegen an die Spitze und gewann trotz zwei Fehler im Stehen nach einer starken Schlussrunde die Qualifikation. Die Schwedin Anna Magnusson sicherte sich knapp hinter ihr den zweiten Startplatz vor der Österreicherin Anna Gandler auf Rang drei. Einen Schreckmoment erlebte die Französin Justine Braisaz-Bouchet. Sie stürzte, konnte aber das Finalrennen laufen. Janina Hettich-Walz wurde Vierte vor Vanessa Voigt und die Vorjahressiegerin Lotte Lie aus Belgien (1:2) kam als Achte ins Ziel. Bei den Herren wurde der Schwede Martin Ponsiluoma Qualifikationssieger vor Lukas Hofer und dem als einzigen Starter fehlerfrei gebliebenen Norweger Sturla Holm Laegreid. Im Gegensatz zu den Jahren zuvor wurde die 2,3 km-Runde im Uhrzeigersinn gelaufen, mit dem Vorteil, dass den Athleten zum Schluss eine breitere Passage und damit mehr Überholmöglichkeiten geboten wurde. In diesem Jahr musste für jeden Fehlschuss eine Strafrunde gelaufen werden und nicht die jeweilige Zeitstrafe in der Penaltybox abgewartet werden. Die knappen Ergebnisse der beiden Qualifikationswettkämpfe ließen auf spannende Finals hoffen.
Ständige Wechsel an der Spitze
Im Finalrennen mussten die Damen fünf Runden durch die Dresdener Innenstadt laufen und dazwischen vier Schießeinlagen (liegend, liegend, stehend, stehend) absolvieren. Die erste Runde lief Lisa Vittozzi vorneweg und mit ihr Justine Braisaz-Bouchet. Nach der Null im ersten Anschlag übernahm Anna Gandler die Spitzenposition, nachdem die Italienerin in der Strafrunde kreiselte. Nach dem zweiten Anschlag setzte sich Vittozzi wieder an die Spitze, dicht gefolgt von Gandler, die auch im zweiten Anschlag fehlerfrei blieb. Vittozzi und Gandler machten sich als Erste zum dritten Schießen, dem ersten Stehendanschlag bereit, und brachten beide den ersten Schuss nicht ins Ziel. Janina Hettich-Walz lieferte die dritte Null in Folge und verließ den Schießstand als Erste, aber auch die Tschechin Tereza Vobornikova kam zum dritten Mal fehlerfrei durch und lag dicht an den Rollerenden von der Deutschen. Vittozzi folgte 5,3 Sekunden dahinter, hat sich auf der Runde schnell an Vobornikova vorbeigeschoben und schließlich auch Hettich-Walz attackiert.
Tereza Vobornikova gewinnt Damen-Finale
Lisa Vittozzi, Janina Hettich-Walz und Tereza Vobornikova kamen in dieser Reihenfolge zum entscheidenden Schießen. Bei tänzelnden Windfahnen traf Vittozzi die ersten beiden Scheiben, verfehlte aber die letzten drei. Janina Hettich-Walz konnte die Chance nicht nutzen, auch sie kassierte zwei Strafrunden. Nur Tereza Vobornikova blieb auch im letzten Anschlag ohne Fehlschuss und übernahm die Führung. Ihr Vorsprung betrug eingangs der Schlussrunde 22,9 Sekunden vor Hettich-Walz. Nur 0,8 Sekunden hinter der Deutschen machte sich Lisa Vittozzi auf die Schlussrunde. Aber Auch Anna Magnusson mit nur 1,4 Sekunden Rückstand auf Vittozzi lag noch gut im Rennen, ebenso Anna Gandler (+ 3,7 Sekunden auf Vittozzi). Vobornikovas Vorsprung war groß genug um den Sieg sicher ins Ziel zu bringen, aber dahinter wurde um die verbleibenden Podestplätze gekämpft. Schnell hat sich zwar die Italienerin an Hettich-Walz vorbeigeschoben aber vor allem Anna Gandler trumpfte in der letzten Runde auf. Sie holte Lisa Vittozzi ein, zog vorbei und sicherte sich beeindruckend den zweiten Platz vor Lisa Vittozzi. Der Sieg ging überraschenderweise an die Tschechin Tereza Vobornikova, die als einzige Dame im Finale alle Schüsse ins Ziel brachte. Vobornikova, die mit einer neuen Waffe unterwegs war, gab in der PK an, dass ihr Ziel sei, sich mit ihrer Waffe anzufreunden. Mit zwanzig Treffern scheint dieses Unterfangen aber bereits weit fortgeschritten zu sein.
Janina Hettich-Walz hatte auf der Schlussrunde nichts mehr entgegenzusetzen und musste sich 17,8 Sekunden hinter Vittozzi mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. „Läuferisch konnte ich auf der letzten Runde nichts mehr entgegensetzen. Da merkte ich, dass ich drei harte Trainingswochen in den Beinen habe“, so die Deutsche nach dem Rennen, die in der Pressekonferenz auch angab, dass Luft nach oben sei. „Es war eine super Stimmung hier, ich war noch nie hier und es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.“ Die zweite deutsche Starterin Vanessa Voigt kam in der Quali mit einem Fehlschuss durch; im Finalrennen hatte sie mit 1:1:2:2 insgesamt sechs Strafrunden im Gepäck und überquerte die Ziellinie als Neunte. Die Vorjahressiegerin Lotte Lie aus Belgien begann mit drei Fehlern und konnte nach insgesamt fünf Strafrunden ihren Vorjahressieg nicht wiederholen.
Das Finalergebnis der Damen:
- Tereza Vobornikova, CZE (0 Fehler) 31:50,6 Min.
- Anna Gandler, AUT (0:0:2:2) + 12,2 Sek.
- Lisa Vittozzi, ITA (1:0:1:3) + 17 Sek.
- Janina Hettich-Walz, GER (0:0:0:2) + 27,8 Sek.
- Anna Magnusson, SWE (0:0:1:1) + 37,2 Sek.
- Justine Braisaz-Bouchet, FRA (0:0:4:1) + 1:08,3 Min.
- Lora Hristova, BUL (1:1:1:0), + 1:20,5 Min.
- Lotte Lie, BEL (2:0:1:0), + 1:42 Min.
- Vanessa Voigt, GER (1:1:2:2), + 2:25,7 Min.
- Regina Ermits, EST (3:1:0:1), + 2:41,4 Min.
Harter Fight bei den Herren
Die Herren hatten fünf Schießeinlagen zu absolvieren, zwei Mal liegend und drei Mal stehend und mussten die Runde insgesamt sechs Mal laufen. Zum ersten Anschlag kam das Feld noch relativ geschlossen und der Franzose Eric Perrot bog als Führender in die nächste Runde, dicht hinter ihm Lukas Hofer und der Ukrainer Vitalii Mandzyn. Nur diese drei hielten sich beim ersten Anschlag fehlerfrei. Mandzyn und Hofer setzten auch im zweiten Anschlag fünf Treffer und übernahmen die Spitzenposition. Jakov Fak und Justus Strelow kamen noch vor Eric Perrot zurück in die Spur. Nach dem dritten Anschlag, der Erste im Stehen, blieb Vitalii Mandzyn vor Lukas Hofer, Jakov Fak, Justus Strelow und Eric Perrot, aber das Feld schob sich auf der Runde wieder zusammen. Beim vierten Schießen gelang Strelow erneut die Null, aber auch Perrot blieb fehlerfrei und gemeinsam bogen sie in Führung liegend in die nächste Runde, gefolgt vom Tschechen Vitzeslav Hornig mit 7,2 Sek. Rückstand. Lukas Hofer lief drei Sekunden dahinter in die nächste Runde und nach ihm die beiden Deutschen Philipp Horn und Philipp Nawrath.
Eindrucksvoller Sieg von Justus Strelow
Zum letzten Anschlag kamen Strelow und Perrot mit etwas Abstand zu den Verfolgern. Im Duell zwischen Strelow und Perrot setzte sich Justus Strelow mit fünf Treffern durch. Eric Perrot hatte einen Fehlschuss und Philipp Horn, der als Dritter zum letzten Anschlag kam, brachte den letzten Schuss nicht ins Ziel. Justus Strelow hatte eingangs der Schlussrunde 10,9 Sek. Vorsprung vor dem Franzosen und nur 2,5 Sek. dahinter lag Philipp Horn auf Podestkurs. Strelow führte das Feld weiterhin an, gab alles und von hinten schob sich Philipp Nawrath mit kräftigen Schüben heran. Auch Perrot trat auf den letzten Metern stark an und überquerte die Ziellinie drei Sekunden hinter dem siegreichen Justus Strelow. Lukas Hofer und Philipp Horn kämpften um den verbliebenden Podestplatz mit dem besseren Ende für den Italiener. Mit 0,4 Sek. Vorsprung verwies er Philipp Horn auf den vierten Platz. Die Siegerehrung musste allerdings ohne den Italiener stattfinden; er war bereits unterwegs zu seinem Rückflug. Philipp Nawrath kam auf Rang fünf ins Ziel. „Der Sieg im City-Biathlon ist hart umkämpft. Die Runde ist kurz, aber sehr anstrengend. Die Abstände sind nicht groß und man kann immer wieder ranlaufen,“ so Justus Strelow im ZDF-Interview. Aus dem Rennen will Justus Strelow Selbstvertrauen mitnehmen. „Ich habe gerade stehend Dinge umsetzen können, an denen ich im Sommer viel gearbeitet habe und die mir in der letzten Saison nicht so sehr gelungen sind und ich hoffe, dass mir das nicht nur in so einem Show-Rennen gelingt, sondern auch in Rennen, in denen es um die Wurst geht. Deswegen war das ein schöner Tag zum Auftanken von Selbstvertrauen,“ so Justus Strelow nach seinem Sieg. „Ich glaube ich habe an einem Tag noch nie meinen Namen so oft gehört wie heute,“ so Strelow, der zum letzten Anschlag mit Strelow-Gesängen von den Fans im Stadion empfangen wurde. „Gewinnen macht immer Spaß, es ist emotional ein schöner Tag, weil es doch mein Heimrennen ist.“ Dass neben den harten Fights auch die Lockerheit durchaus vorhanden ist, bewies der Norweger Laegreid. Als ein Podestplatz nicht mehr zu erreichen war, lief er eine lockere letzte Runde, klatschte die Zuschauer an der Bande ab und bescherte seinen Fans damit einen unvergesslichen Tag.
Finalplatzierung der Herren:
- Justus Strelow, GER (1:0:1:0:0), 33:36,3 Min.
- Eric Perrot, FRA (0:1:1:0:1), + 3 Sek.
- Lukas Hofer, ITA (0:0:1:1:1), + 3,5 Sek.
- Philipp Horn, GER (2:1:2:1:1), + 3,9 Sek.
- Philipp Nawrath, GER (1:1:2:2:1), + 12,1 Sek.
- Martin Ponsiluoma, SWE (2:2:0:1:0), + 17,1 Sek.
- Vitezslav Hornig, CZE (1:0:0:0:0), + 27,9 Sek.
- Jakov Fak, SLO (2:0:1:2:1), + 46,9 Sek.
- Vitalii Mandzyn, UKR (0:0:0:4:0), + 1:10,1 Min.
- Sturla Holm Laegreid, NOR (1:0:2:0:0), + 4:33,2 Min.
Die bisherigen Sieger des City Biathlons
Wiesbaden
2018: Marte Olsbu Roeiseland / Johannes Thingnes Boe
2019: Lisa Vittozzi / Tarjei Boe
2020: Julia Simon / Quentin Fillon Maillet
2021: Dorothea Wierer / Johannes Thingnes Boe
2022: Pause
2023: Lisa Vittozzi / Sturla Holm Laegreid
Dresden
2024: Lisa Vittozzi / Jakov Fak
2025: Lotte Lie / Eric Perrot
2026: Tereza Vobornikova / Justus Strelow
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