Biathlon

Biathlon JWM am Arber: Italienische Jugendstaffel gewinnt Gold vor Österreich – Frankreich triumphiert bei den Junioren

Am vorletzten Wettkampftag der Biathlon Jugend- und Junioren Weltmeisterschaften am Arber im Bayer. Wald (GER) standen die Staffel der Junioren und der männlichen Jugend auf dem Programm. Das Jugend-Trio aus Italien erkämpfte sich die Goldmedaille vor den Österreichern und bei den Junioren siegte das überragende französische Team. Der Medaillentraum der DSV-Staffeln erfüllte sich nicht.

Die Staffel der männlichen Jugend

Österreich und Deutschland kreiseln, Italien geht in Führung 

26 Staffeln starteten in den Kampf um Medaillen und bei der Jugend besteht eine Staffel lediglich aus drei Athleten. Kilian Simon war der Startläufer der DSV-Jugend-Staffel und nach einer fehlerfreien Serie im Stehendanschlag hatte er sich sein Rennen so gut eingeteilt, dass er auf der Schlussrunde mit kräftigem Antritt seinen Rückstand von 25,6 Sekunden aufholte, die Ukraine, Kasachstan und auch den Österreicher Simon Hechenberger hinter sich ließ und schließlich zeitgleich mit der Slowakei in Führung liegend auf Björn Hederich wechselte. Simon lief nicht nur schnellste Schlussrunde, er war auch Schnellster in seinem Leg. Hederich hielt durch die Null im Liegen die zweite Position nur 3,9 Sekunden hinter Italien. Zum Stehendanschlag ließ Hederich am letzten Anstieg den Italiener förmlich stehen und hatte sich bis zur Schießmatte einen kleinen Vorsprung erarbeitet. Aber der Italiener hatte klüger agiert und am Schießstand ruhig die fünf Scheiben abgeräumt, während Hederich dem hohen Tempo Tribut zollen musste, zu viel wollte und drei Strafrunden kassierte. Nun hatte sich das Feld komplett neu sortiert, Italien führte mit komfortablen Vorsprung von 45,2 Sekunden vor der Ukraine. Österreich lag nach zwei Strafrunden auf dem vierten Rang und Hederich kam als Siebter mit 1:33 Minuten Rückstand aus der Strafrunde zurück in die Spur. Der Italiener Julian Huber wechselte in Führung liegend vor der Ukraine, Tschechien, Frankreich, Estland, Österreich und Deutschland auf der siebten Position mit einem Rückstand von 1:23 Minuten.

Die Entscheidung

Andreas Braunhofer (ITA), Julian Huber (ITA), Jonas Tscholl (ITA), (l-r) © Deubert/IBU

Hannes Lipfert war Schlussläufer der deutschen Jugend-Staffel. Er hatte sich ja im Sprint die Bronzemedaille gesichert, aber seine Ausgangssituation war wenig erfolgversprechend und er musste auch auf Fehler an der Spitze hoffen. Für Österreich war Matti Pinter Schlussläufer, der bereits Gold mit der Mixed-Staffel gewann. Auf Schießbahn eins begann Tscholl mit einem Fehler und ließ auch die letzte Scheibe stehen. Als er mit dem dritten Nachlader abräumte kamen bereits die Verfolger zum Schießen. Tschechien hielt sich schadlos und nahm die Verfolgung 32,3 Sekunden dahinter auf, nur zehn Sekunden später hatte sich Norwegen durch eine saubere Fünferserie auf den dritten Platz vorgearbeitet. In engen Abständen dahinter sortierte sich Frankreich, Estland und Österreich (1 Nachlader) ein und Hannes Lipfert hielt nach einem Nachlader die siebte Position. Der Vorsprung, mit dem der Italiener zum entscheidenden Schießen kam, war komfortabel, die Verfolger investierten viel auf der vorletzten Runde, lieferten sich Positionskämpfe, um näher an die Spitze heranzukommen. Tscholl startete mit einem Fehler, kam mit einem Nachlader aus und angefeuert von seinen Teamkameraden eingangs der Schlussrunde lief er in die nächste Runde. Nun wurde von den Verfolgern im Stehendanschlag viel investiert, viele Scheiben blieben stehen und der Franzose bog mit einem Rückstand von 42,4 Sekunden in die Schlussrunde, dicht gefolgt von Tschechien, Estland und Österreich. Lipfert kassierte noch eine Strafrunde und konnte nicht mehr in den Medaillenkampf eingreifen. Gold war vergeben, aber um Silber und Bronze entbrannte ein heißer Kampf auf der Schlussrunde. Frankreich, Tschechien, Estland und Österreich hatten alle Chancen, es ging in einen Dreikampf über, nachdem der Tscheche abreissen lassen musste. Matti Pinter für Österreich setzte sich an die Spitze der Verfolger, setzte sich ab und nun ging es noch um den Kampf um Bronze zwischen Frankreich und Estland. Eingangs der Abfahrt zur Ziellinie nahm sich Tscholl noch die italienische Fahne, wurde im Ziel von seinen Teamkameraden als Sieger empfangen, Pinter sicherte Silber für Österreich und im Kampf um Bronze verausgabte sich der Este komplett, lag minutenlang total ausgepowert im Ziel und sicherte seinem Team die Bronzemedaille vor Frankreich. Tschechien wurde Fünfter vor Norwegen und die deutsche Staffel musste auf dem siebten Platz den Medaillentraum begraben.      

Italiens Jugendstaffel holt Gold – Österreich erkämpft sich Silber

Simon Hechenberger (AUT), Tim Denner (AUT), Matti Pinter (AUT), Andreas Braunhofer (ITA), Julian Huber (ITA), Jonas Tscholl (ITA), Daniel Varikov (EST), Kristen Baumann (EST), Frederik Vaelbe (EST), (l-r) © Deubert/IBU

Die drei siebzehnjährigen Italiener Andreas Braunhofer, Julian Huber und Jonas Tscholl gewinnen Gold mit der Staffel. Nach acht Nachladern hat die Staffel im Ziel einen Vorsprung von 23 Sekunden. Silber sichern sich nach zwei Strafrunden und zehn Nachlader die Österreicher Simon Hechenberger (18), Tim Denner (16) und Matti Pinter (19) durch die starke Schlussrunde von Pinter. Hechenberger und Pinter waren schon Teil der österreichischen Mixed-Staffel der Jugend, die Gold gewann. „Ich bin extrem schnell in das Rennen hineingestartet und wusste, dass ich später ein wenig Tempo herausnehmen muss. Das Liegendschießen konnte ich mit nur einem Nachlader sehr gut absolvieren und ich bin dann als Dritter vom Schießstand weg. Stehend habe ich dann leider zwei Strafrunden geschossen, aber auf der Schlussrunde habe ich trotzdem noch einmal alles gegeben,“ so Tim Denner nach dem Wettkampf und Matti Pinter: „Als es beim letzten Stehendschießen um die Medaillen ging, war ich schon ziemlich nervös und wusste, dass es jetzt um alles geht. Trotzdem war mir klar, dass ich es schaffen kann und auch auf der letzten Runde noch einmal richtig Gas geben werde. Deswegen war ich auch selbstsicher und habe es am Ende dann auch gut ins Ziel gebracht.“ (Quelle: PM SkiAustria) Das estnische Trio mit Daniel Varikov (18), Kristen Baumann (17) und Frederik Vaelbe (18) komplettierte das Podest nach sechs Nachladern und nur 6,7 Sekunden hinter den Österreichern auf dem Bronzerang. Deutschland mit Kilian Simon (19), Björn Hederich (18) und Hannes Lipfert (17) belegte nach vier Strafrunden und neun Nachladern Platz sieben. Von 26 gestarteten Staffeln kamen 18 ins Ziel. Die Schweiz mit Laurin Merz (17), Tanguy Fellay (18) und Yanis Dumaz (18) belegte nach drei Strafrunden und 14 Nachladern den 13. Platz.

Ergebnis Staffel Jugend 

Junioren-Staffel

Slowakei führt

Der Slowake Martin Matko benötigte nach fünf Treffern im Liegen im Stehendanschlag zwei Nachlader, war in der Spur schnell unterwegs und wechselte in Führung liegend 16,7 Sekunden vor Tschechien, Frankreich und Estland. Der Deutsche Karl Schütze musste liegend ein Mal nachladen, traf stehend seine fünf Scheiben, gab auf der Schlussrunde sein Bestes und wechselte mit einem Rückstand von 30,6 Sekunden auf Luc Richter.  

Führungswechsel

Für die Slowakei war Martin Sklenarik als zweiter Läufer im Rennen und behauptete bis zum Liegendschießen die Führung. Nach einer Strafrunde fiel der Slowake auf den dritten Rang zurück und Tschechien übernahm die Spitzenposition, gefolgt von Frankreich. Der Deutsche benötigte einen Nachlader, blieb aber nach dem Liegendanschlag auf der fünften Position mit einem auf 46,9 Sekunden angewachsenen Rückstand. Zum Stehendanschlag kamen der Franzose Delsol und auch der Tscheche Bouska gemeinsam. Der Tscheche schoss eine saubere Fünferserie und bog als Erster vom Schießstand ab, der Franzose lag eingangs der Schlussrunde nach einem Nachlader 10,2 Sekunden dahinter. Luc Richter investierte viel Zeit in den Stehendanschlag, mit zwei Zusatzpatronen wurden die fünf Scheiben schließlich weiß aber der Vorsprung der führenden Tschechen war zwischenzeitlich auf 1:17,8 Minuten angewachsen. An der Spitze kämpfte sich durch die bessere Laufleistung der Franzose am Tschechen vorbei und übergab als Erster. Deutschland lag beim Wechsel auf der fünften Position 1:46,8 Minuten zurück.

Frankreich uneinholbar

Guillaume Poirot (FRA), Leo Carlier (FRA), (l-r) © Deubert/IBU

Der Franzose Guillaume Poirot baute den Vorsprung für sein Team mit nur einem Nachlader im Liegendanschlag und durch die schnellste Laufzeit aus. Insbesondere durch die Null im Stehen, wo durch schwierige Windverhältnisse viele Athleten kreiselten, betrug sein Vorsprung eingangs seiner letzten Runde bereits beträchtliche 1:21,6 Minuten. Auch Poirot lief Bestzeit in seinem Leg und mit über zwei Minuten Vorsprung vor Norwegen wechselte er auf den französischen Schlussläufer und Tschechien lag fünf Sekunden dahinter auf Rang drei. Für Deutschland war Clemens Böhme im Rennen. Mit drei Nachladern konnte er liegend die Strafrunde vermeiden aber stehend gelang ihm dies nicht. Nach zwei Strafrunden lag er beim Wechsel bereits uneinholbare 4:16 Minuten zurück. „Das Laufen ist das Eine, das habe ich aus meiner Sicht ordentlich gemacht. Enttäuscht bin ich über das Stehendschießen, da brauchen wir nicht drum rum reden,“ so Böhme nach dem Rennen im ARD-Stream. „Ich bin mit extrem hohen Puls angefahren, weil es die Streckenbedingungen sehr schwer machten. Ich hab keine Ruhe gefunden. Ich kann nicht genau sagen, wo die Fehler lagen. Es war ein einziger Kampf. Lukas (Tannheimer) ist jetzt noch ordentlich rangelaufen. Es ärgert mich jetzt umso mehr, weil ich es vergeben habe.“

Frankreich siegt souverän

Camille Grataloup-Manissolle (FRA), Antonin Delsol (FRA), Guillaume Poirot (FRA), Leo Carlier (FRA), (l-r) © Deubert/IBU

Als Schlussläufer waren für Frankreich Leo Carlier und für Norwegen Kasper Kalkenberg im Rennen. Dass Carlier insgesamt drei Nachlader benötigte fiel nicht mehr ins Gewicht, Kalkenberg benötigte zwei und mit Vorsprung von 1:59 Minuten wurde die französische Juniorenstaffel Weltmeister (6 Nachlader). Silber sicherte Kasper Kalkenberg dem norwegischen Team nach drei Strafrunden und sieben Nachladern. Um Bronze ging es allerdings noch einmal richtig zur Sache. Als der Italiener Simone Motta mit dem Slowaken Sebastian Belicaj beim Stehendanschlag war, räumte der Slowake ab, während der Italiener eine Patrone rausrepetiert und manuell nachladen musste und dadurch wertvolle Zeit verlor. 15,3 Sekunden nach dem Slowaken bog er in die letzte Runde und bis zur letzten Zwischenzeit hatte er bis auf 6,2 Sekunden aufgeholt. Läuferisch war Motta deutlich stärker, hängte den Slowaken auf dem letzten Kilometer ab und sicherte Italien die Bronzemedaille. Der Abstand nach vorne war für das DSV-Junioren-Team stets groß, aber bis zur Bronzemedaille durchaus machbar. Das französische Team mit Camille Grataloup-Manissolle, Antonin Delsol, Guillaume Poirot und Leo Carlier musste im Ziel lange warten, bis sie den Norwegern Andreas Haug, Leo Gundersen, Oliver Alm und Kasper Kalkenberg zu Silber gratulieren durften. Karl Schütze, Luc Richter, Clemens Böhme und Lukas Tannheimer beendeten das Rennen auf dem fünften Platz, nachdem Tannheimer als Schlussläufer noch zwei Plätze gut machte. 

Team Österreich disqualifiziert

Magnus Steiner (AUT) © Deubert/IBU

Dass ausgerechnet das Team aus Österreich mit dem IBU Junior Cup Gesamtsieger Thomas Marchl disqualifiziert wurde, erscheint bitter. Thomas Marchl hatte an Georgii Ermolov übergeben und der hatte sich einen Verstoß am Schießstand geleistet, der in der Ergebnisliste mit ECR 11.3.4.q angegeben ist. Nach unseren Informationen soll widerrechtlich ein Magazin getauscht worden sein.

Ergebnis Staffel Junioren

Das weitere Wettkamfprogramm