Nach der olympischen Saison werden im Trainerbereich des Biathlon Weltcups die Weichen neu gestellt. Früh hat sich das Karussell zu drehen begonnen. Jonne Kähkönen (FIN) und Armin Auchentaller (ITA) haben einen neuen Trainerjob. Der Deutsche Andreas Birnbacher geht einen anderen Weg und Egil Kristiansen (NOR) ist nach dem überraschenden Aus in Norwegen noch auf der Suche, während der Slowene Jakov Fak eine Entscheidung traf.
Armin Auchentaller übernimmt Slowenien
Anfang der Woche teilte der slowenische Biathlonverband mit, dass der Südtiroler Armin Auchentaller (56) als neuer Cheftrainer des slowenischen Biathlon-Nationalteams verpflichtet wurde. Ihm als Co-Trainer zur Seite steht mit Rok Trsan ein ehemaliger slowenischer Biathlet, der zuletzt erfolgreich im Nachwuchsbereich tätig war. „Der slowenische Biathlon startet mit einem verstärkten Profiteam in die neue olympische Ära,“ schreibt der Verband auf seiner Webseite. „Nach all den Gesprächen und Treffen mit ihm und einigen anderen Trainern sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Armin die richtige Wahl für unser Nationalteam ist. Wir haben uns nach seiner bisherigen Trainerlaufbahn, seinen Erfolgen und vor allem seiner Erfahrung erkundigt. Unser Ziel ist es, das gesamte System des Nationalteams, auch in Verbindung mit den Vereinen, zu vernetzen und einen klaren gemeinsamen Arbeitsablauf zu schaffen. Genau in diesem Bereich verfügt Armin über wertvolle Erfahrungen aus den USA. Die ersten Gespräche und Eindrücke sind sehr positiv, daher wünschen wir ihm eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den anderen Trainern und insbesondere mit den Athleten,“ wird Tomas Globocnik, Biathlonchef in Slowenien, zitiert, und weiter: „Mit der Ernennung von Armin Auchentaller schlägt der slowenische Biathlon ein neues Kapitel auf, das auf stabile professionelle Arbeit, langfristige Entwicklung und die weitere Stärkung der Nationalmannschaft auf internationaler Ebene ausgerichtet ist. Wir heißen ihn herzlich in der slowenischen Biathlonfamilie willkommen und freuen uns auf die gemeinsame Zukunft.
Dass Armin Auchentaller sich für Slowenien entschieden hatte, begründete er so: „Letztendlich war es einfach ein Bauchgefühl. Slowenien liegt ganz in der Nähe meiner Heimat, und ich habe viel Gutes über das Team gehört. Ich habe ein sehr positives Gefühl bei dieser Entscheidung. Ich weiß, dass ich ein gutes Team verlasse, aber andererseits lerne ich ein neues, sehr starkes Team kennen und freue mich auf die Zusammenarbeit mit allen – mit den Trainern, Vereinen und den anderen Teams. Ich fühle mich hier im Moment sehr willkommen. Es scheint mir, als ob alle hier sehr eng verbunden sind, wie eine große Familie.“ Der Südtiroler Armin Auchentaller (56) war zuletzt Trainer des US-amerikanischen Biathlon-Teams und hat dort maßgeblich dazu beigetragen, dass Campbell Wright innerhalb kürzester Zeit in die Biathlon-Weltspitze vorgestoßen ist. Wright konnte zwar bisher noch keinen Weltcupsieg erringen, schloss letzte Saison allerdings auf dem 13. Rang der Gesamtweltcupwertung und holte bei der letzten Biathlon Weltmeisterschaft in der Lenzerheide jeweils Silber in Sprint und Verfolgung. Armin Auchentaller hat das Team der USA nach insgesamt 13 Jahren dortiger Trainertätigkeit auf eigenen Wunsch verlassen.
Kehrtwende von Jakov Fak
Beim Biathlon Weltcup im März 2025 hat sich der Slowene Jakov Fak (38) vorsichtshalber schon einmal verabschiedet. Er ging davon aus, dass er kein weiteres Mal bei einem Biathlon Weltcup in seinem Heimstadion starten wird und sein Karriereende für nach der olympischen Saison angekündigt. Bei der Siegerehrung, als Fak sensationell im Super-Einzel nach 20 Treffern auf seinen Heimstrecken am 13. März 2025 siegte, verabschiedete er sich umrahmt von seiner Familie sehr emotional. Nun hat er nach einer eher verkorksten Saison 2025/2026 beschlossen noch mindestens ein Jahr weiterzumachen. Ob die Entscheidung mit dem neuen Trainergespann in Verbindung zu bringen ist, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass Jakov Fak über mögliche Verbesserungen nachdenkt, wie er im slowenischen Fernsehen angab und in der Tageszeitung delo.si nachzulesen ist. „Der zweifache Olympiamedaillengewinner bestätigte gegenüber dem slowenischen Fernsehen, dass seine Karriere noch nicht beendet ist und er sich auf die Vorbereitung für die nächste Saison konzentriert.“ „Ich suche nach Dingen, die ich an meinem Körper verbessern kann, um im nächsten Winter noch besser vorbereitet und konkurrenzfähiger zu sein. So ist es immer: Wenn man mit den Ergebnissen nicht zufrieden ist, muss man seine Reserven ausschöpfen.“ Eine Meniskusverletzung setzte den Slowenen zu Beginn der letzten Saison außer Gefecht und nach einer Arthroskopie im Dezember kehrte er zwar rechtzeitig zu den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand/Cortina zurück. Die Ergebnisse blieben hinter den eigenen Erwartungen, da seine Verletzung noch nicht vollständig ausgeheilt war. „Wenn man nicht so gut laufen kann wie beispielsweise in der Vorsaison, ist es auch schwieriger, die Ziele zu treffen. Man ist nicht so entspannt, wie man sein könnte. Es gab nur wenige Lichtblicke im letzten Winter. Ich habe versucht, nach der Arthroskopie so schnell wie möglich für die Olympischen Spiele zurückzukommen, wo ich aber wieder keine Top-Ergebnisse erzielen konnte. Angesichts des geringen Trainingsumfangs im Vorfeld der Olympischen Spiele waren die Ergebnisse aber relativ zufriedenstellend“, so Fak. (Quelle: delo.si)
Der Finne Jonne Kähköhnen in Schweden unter Vertrag
Der Finne Jonne Kähköhnen, zuletzt bei den Italienerinnen unter Vertrag, stößt zum schwedischen Team unter Cheftrainer Johannes Lukas. Wie der schwedische Verband heute mitteilte, wird Kähköhnen von Finnland aus agieren, aber während Trainingslager und Wettkämpfen mit dem Nationalteam in Östersund vor Ort sein. „Ich bin fasziniert vom schwedischen System mit seinem starken Ressourcenzentrum in Östersund und dem täglichen Kontakt zwischen Trainern und Spielern, und ich freue mich darauf, nun selbst Teil davon zu sein. Das große Potenzial der schwedischen Nationalmannschaft ist unübersehbar, und ich hoffe, mit meiner Erfahrung dazu beitragen zu können, dass sie weitere Fortschritte erzielt“, wird Jonne Kähkönen vom Verband zitiert. Neben Cheftrainer Lukas gehören weiterhin auch Mattias Nilsson und Johan Hagström zum Trainerstab. „Wir bauen derzeit eine Organisation auf, die von neuen Denkansätzen geprägt ist, indem wir noch enger als ein Team um die Skifahrer herum zusammenarbeiten, anstatt in traditionelle Rollen wie Konditions- und Schießtrainer aufgeteilt zu sein. Dieses Team verfügt über so viel Expertise und Erfahrung, und jetzt geht es vor allem darum, ein Ganzes zu schaffen, in dem jeder die Möglichkeit hat, seine Stärken einzubringen“, so Anna-Maria Uusiatalo, Sportdirektorin des Schwedischen Biathlonverbandes. Der Verband schreibt weiter: „Dies ist eine langfristige Investition mit Blick auf die Olympischen Spiele 2030 und eine mögliche Weltmeisterschaft im eigenen Land in Östersund im Jahr 2031. Nach Auswertung und Analyse der vergangenen Saisons hat die Organisation mehrere wichtige Änderungen in der Ausrichtung und den Arbeitsmethoden vorgenommen.“
Andreas Birnbacher bleibt beim DSV
Der ehemalige Weltklasse-Biathlet war zuletzt beim Deutschen Skiverband als Trainer der Damen beim zweitklassigen IBU Cup verantwortlich. Große Enttäuschung machte sich in Biathlon-Fankreisen breit, als nicht er, sondern mit Sandra Flunger eine Österreicherin als künftige Cheftrainerin der deutschen Biathlon-Damen präsentiert wurde (wir berichteten). Nur wenige Minuten danach meldete sich Birnbacher in den sozialen Medien zu Wort und kündigte an, dass er „sich bewusst gegen eine weitere Trainertätigkeit entschieden“ hatte.
Danach wurde erst einmal viel spekuliert, bis bekannt wurde, dass Birnbacher dem Deutschen Skiverband erhalten bleibt, nur an anderer Stelle. Das Rätselraten hatte ein Ende als er gegenüber der PNP über seine neue Tätigkeit sprach. Er übernimmt einen Posten in der Datenanalyse. „Ich werde sämtliche Daten der Sportler auswerten und Profile zum Beispiel in Sachen Gesundheit et cetera erstellen. Es reizt mich sehr, in diesem Bereich steckt sehr viel Potenzial, auch im Hinblick auf KI“. Offensichtlich war der Wechsel Birnbachers eigener Wunsch, der zwischenzeitlich sein Sportstudium zum Diplomtrainer abgeschlossen hat. „Ich habe dem DSV bereits Ende Dezember mitgeteilt, dass ich diesen neuen Posten gerne haben würde,“ so der Schlechinger in der PNP und weiter: „Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, einen neuen Weg einzuschlagen, um bewusst eine Außenperspektive einzunehmen und Energie für meine Weiterentwicklung zu gewinnen.“ Offen ist bisher noch, welche Position der bisherige Cheftrainer der DSV-Damen, Kristian Mehringer, inne hat.
Egil Kristiansens Zukunft noch unklar
Der norwegische Erfolgstrainer Egil Kristiansen, der an der Seite von Siegfried Mazet für die Norweger zuständig war, denkt mit 60 Jahren noch lange nicht ans Aufhören. Wie er der norwegischen Nachrichtenagentur erklärte, was vg.no bestätigte, erfuhr er erst vor Kurzem, dass er nicht mehr Trainer der Biathlon-Nationalmannschaft ist. Sein Vertrag lief nach der Olympiasaison aus. Kristiansen, ehemals erfolgreicher Langläufer, hat nach seinen Angaben einige Anfragen, aber wo er letztlich eine Trainertätigkeit aufnimmt und in welcher Form vermag er selbst noch nicht zu sagen. „Es ist noch zu früh. Es gab zwar einige Anfragen, aber bis vor Kurzem war nicht klar, dass ich nicht mehr für die Biathlon-Nationalmannschaft arbeiten würde, und viel mehr kann ich dazu im Moment noch nicht sagen. Es ist noch alles etwas ungewiss.“ Das Karussell dreht sich also weiter. Es gibt noch unbesetzte Trainerstellen, z. B. in Italien und in der Schweiz.





