Nach der Saison erfahrt ihr wieder alles Wissenswerte kurz zusammengefasst. Heute geht es um Rücktritte in Russland und Schweden, aber Gabriel Gledhill kann seine Karriere fortsetzen. In der Schweiz fanden die Zollski-Meisterschaften statt, Ebba Andersson und Johannes Høsflot Klæbo haben ihr vermutliches Karriereende hinausgeschoben und Einar Hedegart hat eine Entscheidung getroffen.
Rücktritt als Präsidentin im Skiverband
Elena Välbe ist nicht mehr Präsidentin des Russischen Skiverbandes. Das berichteten russische Medien in den letzten Tagen. Die 57-Jährige hatte diesen Posten 2020 von Elena Anikina übernommen zusätzlich zur ihrer Position als Präsidentin des russischen Langlauf-Verbandes FLGR. Diese Position behält Välbe vorübergehend weiterhin inne, bereits seit 2010 steht sie den russischen Langläufern vor. Der Russische Skiverband ist die Dachorganisation, zu der alle FIS-Sportarten gehören. Dort wurde nun Välbe als Präsidentin abgelöst, um das Verhältnis zur FIS zu verbessern und die Rückkehr der russischen Sportler in den internationalen Sport voranzubringen. Der russische Sport steht unter extremem Druck durch die internationalen Sperren für die Olympischen Spiele 2026. In Russland werden Führungspositionen in den Dachverbänden derzeit oft neu besetzt, um politisch besser auf die Isolation zu reagieren. Välbes Nachfolger als Präsident des Skiverbandes ist Dmitry Svishchev, der bisher dem russischen Curlingverband vorsteht. Er ist eine zentrale Figur im russischen Wintersport und zudem Abgeordneter in der Staatsduma und dort Vorsitzender des Ausschusses für Sport. Der 56-Jährige hat den Posten vorübergehend übernommen, Neuwahlen sind für Mai angekündigt, wo er dann auch zur Wahl stehen wird. Välbes Amtszeit als Langlauf-Präsidentin soll dann auch enden. Sie wurde zuletzt 2022 für vier Jahre im Amt bestätigt. In der Zukunft will sie sich aber mehr um sportliche Belange kümmern. „Heute wurde auf einer Generalversammlung der Mitglieder des Russischen Skiverbandes ein wichtiger Schritt gemacht: Der Verband hat einen neuen Präsidenten, Dmitry Svishchev. Ich danke Elena Välbe für ihre Arbeit. Dmitry Svishchev wird nun Präsident des Russischen Ski und Snowboard Verbandes, der bald die Basis für den Russischen Langlaufverband bilden wird“, sagte Sportminister Mikhail Degtyarev auf seinem Telegram Kanal.
Byström nicht mehr Team-Manager der Schweden
Nach den Kontroversen bei den Olympischen Spielen, wo Athletinnen zu früh nach Hause geschickt wurden, so dass nach Krankheitsfällen nur noch zwei der vier Startplätze bei den 50 Kilometern genutzt werden konnten und generell desaströsen Leistungen der schwedischen Herren in diesem Winter, musste Anders Byström seinen Posten als Team-Manager räumen. Eine Überraschung ist das definitiv nicht. „Ich bin stolz auf meine sechs Jahre als Team-Manager, wo wir unglaubliche Erfolge erreicht haben. Wir haben einen Rekord nach dem anderen bei Weltmeisterschaften gebrochen, haben den Weltcup dominiert und haben enormes Interesse am Langlauf Team geweckt. Andererseits ist es ein herausfordernder Job, über den viele Leute eine unterschiedliche Meinung haben. Das hat eine Menge Arbeit, Einsatz und Zeit ohne die Familie gekostet. Darum bin ich zu der Entscheidung gelangt, dass es an der Zeit ist, dass jemand anders die Chance bekommt, sein Team für die Olympischen Spiele 2030 aufzubauen.“ Neben Byström haben sich auch Herren- und Damen-Trainer Anders Högberg und Stefan Thomsen ihren Rücktritt bekannt gegeben. Lars Öberg, seit 2021 operativer Leiter der Langlauf-Sparte im schwedischen Skiverband, sagte dazu: „Anders und Stefan waren beide Schlüsselfiguren bei den Erfolgen der letzten Jahre und wir sind sehr dankbar für die Zeit, Energie und das Fachwissen, das sie dem Team gegeben haben. Wir machen uns sofort auf die Suche nach einem neuen Team-Manager und Trainern.“ Die Frage ist, welches Team sie dann noch trainieren, denn mehrere Athleten haben angekündigt, eigene Wege im Training gehen zu wollen. Zumindest sind viele Herren der Ansicht, dass andere Athleten einen Platz im Team mehr verdient haben als sie selbst nach einer katastrophalen Saison. Bis zur Bekanntgabe der Nationalteams ist in Schweden also noch einiges zu tun.
Gledhill mit Beschwerde erfolgreich
Happy End für Gabriel Gledhill! Dass der erfolglose Langläufer mit Bestleistung von Platz 50 im Weltcup zur Ausreise aus Norwegen und damit zum Karriereende gezwungen wurde, weil seine permanente Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert wurde, hatte viele unserer Leser bewegt. Mit der Ausweisung aus Norwegen wollte sich der Anglo-Kanadier, der vor fünf Jahren vom kanadischen Team zum britischen Team unter Aker Dæhlie wechselte, aber nicht zufrieden geben. Zwar räumte der 23-Jährige planmäßig zum spätesten Ausreisetermin am 28.März seine Wohnung in Lillehammer, reichte aber gleichzeitig Beschwerde gegen die Entscheidung ein. Dazu gehörten auch etwa 100 Dokumente wie Kontoauszüge und einem Nachweis über seinen dauerhaften Aufenthalt in Norwegen. Danach hat die norwegische Einwanderungsbehörde UDI entschieden, ihm eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen. „Es war ein Traum, diese Nachricht zu erhalten. Es hätte nicht besser laufen können. Ich musste nun mehrere Wochen warten, nachdem ich meine Beschwerde eingereicht hatte, weil meine Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert wurde. Das waren stressige letzte Wochen“, so Gabe Gledhill zum NRK, die ihn telefonisch in seiner kanadischen Heimat befragten. Nun macht er neue Pläne für seine Zukunft in Norwegen: „Diese Entscheidung ändert mein Leben. Nun habe ich die Möglichkeit, in Norwegen zu leben und das war mein Traum.“ Der 23-Jährige plant nun, möglicherweise ein Studium in Oslo zu beginnen. Aber darüber muss er erst in Ruhe nachdenken, nachdem er die letzten Wochen keine Hoffnungen auf einen Verbleib in Norwegen hatte. In den vergangenen Jahren hatte er sich in Norwegen gut integriert und obwohl er in Kanada die High School schon beendet hatte, schloss er sich in Lillehammer dem NTG (Norges Toppidrettsgymnas, privates Gymnasium für Elitesportler) an, um sich weiter zu bilden, Leistungssport zu betreiben und schneller die Sprache zu lernen. 2024/25 rückte er dann ins britische Weltcupteam auf.
Zollski-Meisterschaften in Realp ausgetragen
Die Zollski-Meisterschaften wurden Mitte der Woche in Realp im Schweizer Kanton Uri ausgetragen. Dazu trafen sich zum insgesamt 73. Mal fünf Alpen-Nationen zu ihrem Wettkampf. Am ersten Tag standen Massenstarts auf dem Programm – wie immer in der freien Technik, damit auch Biathleten und Kombinierer teilnehmen können. Die Rennen über fünf Kilometer bei den Damen und zehn Kilometer bei den Herren fanden bei nassem Neuschnee statt und drei Athletinnen konnten sich absetzen, die dann um den Sieg sprinteten. Den besten Endspurt hatte Biathletin Justine Braisaz-Bouchat, die sich knapp gegen die Italienerin Beatrice Laurent durchsetzte. Helen Hoffmann kam als Dritte ins Ziel. Das Trio hatte sich bereits Ende der ersten Runde abgesetzt. Rang vier ging an die Südtirolerin Linda Zingerle gefolgt von der Französin Cloé Pagnier und Italiens Virginia Cena. Als zweitbeste Deutsche wurde Verena Veit Siebte vor der besten Schweizerin Lydia Mettler (geborene Hiernickel) und ihrer Biathlon-Teamkollegin Aita Gasparin. Die beiden Deutschen Charlotte Böhme und Vanessa Voigt konnten mit dieser zweiten Gruppe nicht mithalten und wurden Zehnte und Elfte vor der Schweizerin Alessia Laager sowie Coletty Rydzek und Julia Kink. Einzige Österreicherin im Starterfeld war Tamara Steiner mit gut einer Minute Rückstand als 17. Bei den Herren waren vier Runden zu absolvieren und bis zum Schluss waren noch zwölf Athleten zusammen unterwegs. Den besten Zielsprint zeigte Davide Graz, der Friedrich Moch und Elias Keck auf die weiteren Podestplätze verwies. Victor Lovera wurde Vierter vor Elia Barp und Giandomenico Salvadori. Florian Notz kam als Siebter ins Ziel vor Clement Parisse, Alessandro Chiocchetti und Gabriele Matli. Quentin Fillon Maillet war der einzige Biathlet, der mit den Langläufern mithalten konnte und wurde Elfter vor Mika Vermeulen, der nicht mehr mitsprintete. Niclas Steiger wurde als bester Schweizer 13. vor seinem Landsmann Sebastian Stalder und Johannes Kühn. Tags darauf wurde eine Militär-Patrouille ausgetragen über zehn Kilometer, bei denen ein Biathlet/in von einem Langläufer/in begleitet wurde und die Biathleten zweimal schießen mussten. Bei Fehlschüssen gab es eine Zeitstrafe. Bei den Damen setzten sich Beatrice Laurent und Linda Zingerle für Italien knapp dank besserer Schießleistung (zwei Fehler) gegen Cloé Pagnier und Justine Braisaz-Bouchet (drei Fehler) durch mit vier Sekunden Vorsprung. Nur zehn Sekunden langsamer waren die Schweizerinnen Lydia Mettler und Aita Gasparin mit zwei Fehlschüssen und das deutsch-österreichische Duo Charlotte Böhme und Tamara Steiner, die nur einmal daneben schossen. Bei den Herren waren zwei Langläufer zusammen mit einem Biathleten über insgesamt sechs Runden unterwegs und Platz eins und zwei entschied sich nach perfekter Schießleistung über das Laufen. Frankreichs Victor Lovera, Clement Parisse und Quuentin Fillon Maillet erreichten das Ziel 18 Sekunden schneller als die Österreicher Mika Vermeulen, Fabio Obermeyr und Dominik Unterweger, so dass sie sich den Sieg holten. Die anderen Teams hatten deutlich mehr Probleme am Schießstand und hatten somit fast eine Minute Rückstand wie das deutsche Trio mit Florian Notz, Elias Keck und Johannes Kühn oder die Schweizer Niclas Steiger, Silvano Demarmels und Sebastian Stalder eine halbe Minuten hinter ihnen.
Ebba Andersson 2030 bei den Olympischen Spielen?
Ebba Andersson hat zur Zeit gesundheitliche Sorgen. Nach ihren Stürzen bei den Olympischen Spielen und in Oslo schmerzt das Knie, bei dem eine Knochenprellung diagnostiziert wurde, was zu einem längerfristigen Problem werden könnte. Davon abgesehen denkt sie an die Zukunft und anders als ursprünglich geplant, wird ihre Karriere wohl nicht mit der Heim-WM 2027 enden. Die 28-Jährige kann sich vorstellen, noch vier weitere Jahre aktiv zu sein. „Ich denke, ich werde auch noch an den nächsten Olympischen Spielen teilnehmen. Vor Olympia 2022 habe ich mich sehr auf die Spiele dieses Jahr gefreut und auf die WM nächstes Jahr. Weiter habe ich nicht gedacht. Aber in diesen vier Jahren hat sich das Gefühl entwickelt, dass ich auch nach 2027 noch weitermachen könnte. Wenn man weitermacht, ist es klar, es noch ein weiterer olympischen Zyklus wird. Und nach Falun sind es dann nur noch drei Jahre“, sagte sie dem Expressen. Ihre Teamkollegin Frida Karlsson ist auch unschlüssig, ob es nach 2027 vielleicht doch noch weitergeht. Wenn sie weitermacht, dann aber auch nur, weil sie selbst es aus vollem Herzen will. Ein Zünglein an der Waage könnte da auch ihre Dauerverletzung spielen, ihre sogenannte Haglund-Ferse. Dabei handelt es sich um eine knöcherne Ausziehung am Fersenbein (Fersenhöcker), die oft zu schmerzhaften Entzündungen der Weichteile oder der Achillessehne führt. Begünstigt wird diese Verletzung durch ihre sehr schmalen Füße mit hohem Fußgewölbe (Hohlfuß). Wie sie neulich im Skirious Problems Podcast sagte, würde sie gerne mehr Rennen bestreiten und auch auf Distanz- oder Gesamtweltcup gehen, aber ihre Verletzung verhindert das seit Jahren. Aber auch so mit der Fokussierung auf die Highlights ist die 26-Jährige über aus erfolgreich…
Klæbo noch bis 2034?
Neben Ebba Andersson hat auch Johannes Høsflot Klæbo angekündigt, seine Karriere weiter fortzusetzen. Bis 2030 war das schon klar – denn bis dahin hatte er letzten Sommer seine Sponsorenverträge verlängert. Nun denkt er daran, auch 2034 noch weiter auf Rekordjagd zu gehen. Das deutete er schon bei Interviews während der Olympischen Spiele an und bekräftigte es am Rande des Weltcup-Finals bei der NBC. Demnach könne er es sich gut vorstellen, mit dann 37 Jahren noch dabei zu sein. Sicher spielt bei dieser Entscheidung auch mit, dass die Olympischen Spiele 2034 nach Salt Lake City vergeben wurden, wo er in der Region Park City seit 2022 jeden Herbst sein Höhentraining absolviert. „Es ist definitiv verlockend. Ich bin seit vier Jahren zum Training in Park City. Meine Physiotherapeutin wohnt nur fünf Minuten von Soldier Hollow entfernt, wo 2034 die Olympischen Spiele stattfinden werden. Ich denke auf jeden Fall darüber nach“, sagte Klæbo und fügte hinzu: „Ich habe mit meiner Physiotherapeutin gesprochen und wenn wir alles richtig machen und meine Motivation noch da ist, dann könnte es möglich sein. Aber es ist noch ein langer Weg.“ Die Physiotherapeutin, von der er spricht, ist die Amerikanerin Megan Stowe. Sie hat sich in den letzten Jahren zu einer Schlüsselfigur im Leben des 29-Jährigen entwickelt.
Hedegart will zum Biathlon – nun entscheidet Verband
Die ganze erfolgreiche Saison mit ersten Weltcupsiegen im Langlauf und drei olympischen Medaillen stand immer ein Fragezeichen hinter Einar Hedegart. Setzt er seine Langlaufkarriere fort oder will er es doch noch einmal im Biathlon versuchen. Nach der Saison traf er sich zu einem ersten Gespräch mit Norwegens Generalsekretärin im Biathlonverband, Emilie Nordskar. „Ich hatte ein Gespräch mit Emilie und es war eine sehr angenehme Unterhaltung. Natürlich sprachen wir darüber, was die Medien berichtet hatten. Seitdem sieht meine Situation etwas klarer aus“, sagte er zu NRK. Seine Entscheidung ist klar, wie er Tage später in einem weiteren Interview sagte: Er will zurück zum Biathlon. Nun wartet der 24-Jährige auf eine Entscheidung des Biathlonverbandes, ob sie ihn ins Nationalteam aufnehmen. „Es liegt nun nicht mehr bei mir. Das ist alles, was ich sagen kann. Ich möchte nächstes Jahr Biathlonrennen gewinnen. Ich würde auch gerne an der Langlauf-WM in Falun teilnehmen, aber wenn ich beides miteinander vergleiche, würde ich es vorziehen, zurück zum Biathlon zu gehen, um zu beweisen, dass es möglich ist – auch wenn ich dann vielleicht nicht an der WM teilnehmen würde.“ Aber ist im starken norwegischen Biathlon-Team ein Platz für einen Athleten, der sich nun mehr als ein Jahr im starken Langlauf-Team Anlegg Øst (Karoline Simpson-Larsen, Karoline Grøtting, Oline Vestad, Kasper Herland, …) auf das Laufen konzentriert hat, die Waffe in dieser Zeit nicht angerührt hat und vorher schon immer Probleme mit dem Schießen hatte? Das erscheint von außen betrachtet bei der starken Konkurrenz kaum möglich, aber Nordskar scheint ihm alle Türen zu öffnen. „Nichts würde mich glücklicher machen als diese Worte zu hören. Was immer dabei herauskommt, die Biathlon-Familie wird ihn mit offenen Armen empfangen. Einar ist ein exzellenter Botschafter für diesen Sport und eine besondere Person in jeder Art und Weise, so dass wir ihn gerne willkommen heißen.“ Nun muss also mit Spannung auf die Kader-Nominierungen im Biathlon und Langlauf gewartet werden…
