Biathlon Weltcup News

Lisa Vittozzi trotzt dem Wind und gewinnt Verfolgung beim Biathlon Weltcup in Otepää

Die Olympiasiegerin Lisa Vittozzi gewinnt bei windigen Bedingungen die Verfolgung der Damen beim Biathlon Weltcup in Otepää. Suvi Minkkinen sichert sich im Zielsprint den zweiten Platz vor Lou Jeanmonnot und Vanessa Voigt wird nach einem starken Auftritt in der Loipe auf Rang zehn beste Deutsche.    

Die Ausgangssituation

Die Französin Julia Simon war die Gejagte in der Verfolgung über 10 km der ausnahmsweise nur 58 weltbesten Biathletinnen beim Biathlon Weltcup in Otepää. Zwei Athletinnen mussten ihren Start kurzfristig absagen. Mit nur 2,9 Sekunden Vorsprung vor der Italienerin Lisa Vittozzi startete sie ins Rennen und bis zur achten Starterin lagen die Abstände auf Simon innerhalb einer Minute. Aus dem DSV-Team waren alle sechs Starterinnen für die vorletzte Verfolgung in dieser Saison qualifiziert und die beste Ausgangsposition hatte Janina Hettich-Walz. Sie nahm als Vierte mit einem Rückstand von 24,6 Sekunden die Verfolgung auf. Die Finnin Suvi Minkkinen als derzeit Führende in der Verfolgungswertung war im roten Trikot im Rennen. Ihr Vorsprung auf Lou Jeanmonnot im gelben Trikot betrug allerdings nur 10 Punkte und Hanna Oeberg hatte auf der dritten Position einen Rückstand von 42 Punkten. 

Julia Simon und Lisa Vittozzi bilden das Spitzenduo

An der Spitze lief das Duo mit Simon und Vittozzi, dahinter das weitere Duo mit Jeanmonnot und Hettich-Walz. Mit mehr als 25 Sekunden Vorsprung kam das erste Duo zum Schießen. Beide können schnell und treffsicher schießen, aber die Bedingungen waren schwierig. Beide verfehlten eine Scheibe und waren in die Strafrunde eingebogen, als das zweite Duo am Schießstand eintraf. Hettich-Walz begann mit einem Fehler, Jeanmonnot schoss sehr langsam und traf ihre fünf Scheiben. Simon und Vittozzi waren bereits zurück in der Spur als Jeanmonnot mit 12,6 Sekunden Rückstand als Dritte in die nächste Runde lief. Danach folgten Oceane Michelon und Elvira Oeberg und Janina Hettich-Walz hatte auf der sechsten Position 32,4 Sekunden Rückstand. 

Die Strafrunde füllt sich

Richtung zweites Schießen hat sich an den vorderen Platzierungen nichts verändert, das Spitzenduo mit Simon und Vittozzi kam gemeinsam an den Schießstand, Jeanmonnot war etwas näher herangerückt. Vittozzi und Simon schossen und trafen synchron und bevor Jeanmonnot begonnen hatte, waren sie schon in der nächsten Runde. Die Französin schoss bedächtig, aber fehlerfrei und nahm mit 25,1 Sekunden Rückstand als Dritte die Verfolgung auf. Wie zuvor bei den Herren, blieben bereits im zweiten Anschlag bei den Damen viele Scheiben schwarz und die Strafrunde füllte sich. Oceane Michelon und Elvira Oeberg hatten mehr als 57 Sekunden Rückstand auf die Spitze und kamen als Vierte bzw. Fünfte zurück ins Rennen. Suvi Minkkinen kam als Sechste aus der Strafrunde, ihr Rückstand betrug 1:17 Minuten und aus dem deutschen Team lag nunmehr Vanessa Voigt nach der Null im ersten und einer Strafrunde aus dem zweiten Schießen auf dem elften Rang. Janina Hettich-Walz kassierte im zweiten Anschlag zwei Strafrunden und war auf den vierzehnten Platz zurückgefallen. 

Führungswechsel

Während sich auf der nächsten Runde zum ersten Stehendanschlag Julia Simon etwas von Lisa Vittozzi löste, nahm insbesondere Lou Jeanmonnot deutlich an Tempo raus, hinter ihr hielten sich nach wie vor Elvira Oeberg gemeinsam mit Oceane Michelon. Aber ihr Rückstand betrug bereits mehr als eine Minute. Simon kam mit zehn Sekunden Vorsprung zum dritten Schießen an den Stand, ließ sich zwar Zeit, aber zwei Scheiben blieben schwarz. Vittozzi machte es besser, ließ ihre fünf Scheiben weiß werden und übernahm die Führung. Jeanmonnot stand im Wind, die Bewegungen waren deutlich an der Athletin erkennbar, mit viel Erfahrung gab sie ihre Schüsse äußerst kontrolliert ab und hielt sich schadlos. Simon hatte die Strafrunde an der zweiten Position verlassen mit einem Rückstand von 38,9 Sekunden auf Vittozzi, aber nur 8,7 Sekunden hinter ihr sortierte sich Lou Jeanmonnot auf der dritten Position ein. Anna-Karin Heijdenberg, Suvi Minkkinen und Linn Gestblom nahmen die Verfolgung als nächste auf, mit einem Rückstand von zwanzig Sekunden auf Jeanmonnot. Vanessa Voigt kam nach einer weiteren fehlerfreien Schießeinlage als Achte in die Loipe. 

Vittozzi führt – Simon riskiert

Lisa Vittozzi, Olympiasiegerin in der Verfolgung, liegt diese Disziplin offensichtlich. In der Runde zum entscheidenden Schießen konnte die Italienerin ihre Führung auf Simon leicht auf 41 Sekunden ausbauen. Der Wind blies stark und war böig und mit einer Strafrunde kam die Italienerin durch, die bisher eine 90 %ige Trefferquote im Stehen hatte. Simon hinter ihr riskierte, allerdings zu viel, denn drei Scheiben blieben stehen. Nun wurde es spannend. Lou Jeanmonnot ließ sich zwar Zeit, aber eine Scheibe blieb dennoch stehen und als Suvi Minkkinen die Null brachte, bogen die beiden nur wenige Sekunden voneinander getrennt in die Schlussrunde. Als Nächste kam Justine Braisaz-Bouchet zurück in die Loipe, hatte aber 16 Sekunden Rückstand auf die beiden. Julia Simon wurde für ihr risikoreiches Schießen bei heftigen Böen nicht belohnt und fiel auf den achten Rang zurück. Während Vittozzi dem dritten Weltcupsieg in dieser Saison entgegenlief entbrannte dahinter ein spannender Kampf zwischen Jeanmonnot und Minkkinen, die hohes Tempo liefen.  

Italienerin Lisa Vittozzi gewinnt

Lou Jeanmonnot (FRA), Lisa Vittozzi (ITA), (l-r) © Thibaut/NordicFocus

Mit nur zwei Schießfehlern gewinnt Lisa Vittozzi die Verfolgung beim Biathlon Weltcup in Otepää. „Der Schießstand war wirklich hart zu managen, aber ich habe es gut hingekriegt,“ so eine strahlende Siegerin nach dem Rennen. „Ich habe versucht um jedes Ziel zu kämpfen, denn es war heute sehr windig.“ Lisa Vittozzi, die eigentlich für ihre schnellen Schießeinlagen bekannt ist, ließ heute bei schwierigen Bedingungen all ihre Erfahrung spielen. „Ich habe mir heute mal Zeit genommen. Normalerweise schieße ich schnell, aber heute, bei diesen Bedingungen, da war es klar, man muss versuchen gut zu arbeiten, auch nicht zu gut. Ich glaube, ich habe es gut hingekriegt.“ Dahinter war es bis zur Ziellinie spannend, als Lou Jeanmonnot alles versuchte, um an der Finnin vorbeizukommen. Es reichte nicht. Suvi Minkkinen wurde mit der schnellsten Verfolgungszeit und einem Rückstand von 26,2 Sekunden nach einer Strafrunde Zweite nur 0,7 Sekunden vor Lou Jeanmonnot auf dem dritten Platz. Justine Braisaz-Bouchet (3 Fehler) belegte den vierten Platz vor Oceane Michelon (3 Fehler) und Linn Gestblom (2 Fehler).

Vanessa Voigt beste Deutsche

Vanessa Voigt (GER) © Thibaut/NordicFocus

Vanessa Voigt wurde Zehnte und damit beste Deutsche. Mit 0:1:0:2 kam Vanessa Voigt gut durch die Verfolgung und bemerkenswert, dass sie vor allem in der Spur hervorragend mithalten konnte. Mit der sechsten Verfolgungszeit, noch vor Vittozzi und Jeanmonnot und der vierten Gesamtlaufzeit, nur 15,5 Sekunden hinter der Bestzeit und sogar vor der starken Konkurrentin aus dem DSV-Lager, Julia Tannheimer, zeigte sie sich zufrieden nach dem Rennen. Voigt hat sich letztlich um 18 Plätze von Rang 28 aus auf den zehnten Platz gearbeitet. Nach dem Sprint sagte Voigt, dass sie sich komplett ausgelaugt fühlt. „Ich habe es gestern ruhig angehen lassen, die Füße hochgelegt,“ und das war offensichtlich genau die richtige Herangehensweise. Bezüglich ihres Schießens meinte Voigt nach dem Rennen in der ARD: „Ich wollte mich nicht zu sehr auf Trefferquote komzentrieren, sondern auf die Schießzeit, so wie ich es in Oberhof schon gemacht habe.“ Läuferisch fühlte sich Voigt gut. „Ich habe tatsächlich immer ganz gute Laufgruppen erwischt, gerade mit Justine (Braisaz-Bouchet), da weiß man immer, das man gut unterwegs ist.“ Schon in Runde eins merkte Voigt, dass sie gut unterwegs ist und nach vorne Einiges möglich ist. Julia Tannheimer ( 1:2:0:1) war als 29. gestartet und als 14. ins Ziel gekommen. Janina Hettich-Walz mit der besten Ausgangsposition kam heute am Schießstand weniger gut zurecht. Das Schießergebnis 1:2:3:1 ergab insgesamt sieben Strafrunden und am Ende Platz 26. Direkt hinter ihr kam Marlene Fichtner nach fünf Strafrunden ins Ziel. Selina Grotian hatte auch fünf Strafrunden im Gepäck. Sie konnte sich aber von Rang 53 auf den 34. Platz verbessern.

Die Österreicherin Lisa Theresa Hauser war als 20. ins Rennen gestartet und mit vier Strafrunden im Gepäck auf dem 23. Platz ins Ziel gekommen. Anna Gandler verfehlte sechs Scheiben und hat Platz 30 wie im Sprint, auch in der Verfolgung behauptet. Tamara Steiner verfehlte insgesamt nur drei Scheiben und fiel dennoch auf Platz 44 zurück. Anna Andexer überquerte nach sechs Strafrunden die Ziellinie als 50. Aus dem Schweizer Team war Lea Meier nicht gestartet. Beste von ihnen wurde Aita Gasparin (0:0:3:1) auf Platz 37. Lena Häcki-Groß kassierte neun Strafrunden und lief als 51. ins Ziel. Lydia Mettler hatte ebenfalls neun Strafrunden verursacht und belegte Platz 57.
Der jungen Lettin Estere Volfa gelang erneut ein bemerkenswertes Rennen. Nach Platz neun im Sprint erreichte sie mit drei fehlerfreien Schießen und nur einem Fehler im zweiten Anschlag Platz 13 in der Verfolgung.     

Wie steht es in der Disziplinwertung? 

Suvi Minkkinen (FIN) © Manzoni/NordicFocus

Die Finnin Suvi Minkkinen kam vor Lou Jeanmonnot ins Ziel und hat damit ihre Führung in der Verfolgungswertung im Kampf um diese kleine Kristallkugel um weitere zehn Punkte ausgebaut und führt nunmehr mit zwanzig Punkten Vorsprung vor der Französin. Der letzte Verfolgungswettbewerb beim Saisonfinale in Oslo wird also darüber entscheiden, wer sich diese Trophäe holt. 

Ergebnis

Biathlonweltcupstand der Damen

Das weitere Wettkampfprogramm von Otepää

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