Gabriel Gledhill machte am Samstag beim Langlauf Weltcup am Holmenkollen Schlagzeilen, als er auf den 50 Kilometern ein Bier nach dem anderen trank, dazu einige Schnäpse und anschließend dem Expressen ein Interview gab. Inzwischen ist bekannt, dass dies eines der letzten Rennen in der Karriere von Gabe Gledhill war.
Wer ist Gabriel Gledhill?
Gabriel Gledhill ist ein 23-jähriger Anglo-Kanadier, der in der Nähe von Ipswich in Suffolk nordöstlich von London geboren wurde. Aber er war noch kein Jahr alt, als seine Familie mit ihm und seinen zwei älteren Brüdern nach Kanada auswanderte. Seine Mutter stammt aus Suffolk, der Vater ist aber Kanadier, der zurück in seine Heimat wollte. Gabe wuchs in Cumberland, Vancouver Island, auf, nur 30 Minuten von den „magischen“ Langlaufstrecken am Mount Washington, wie er sagt. In „sehr jungen Jahren“ wurde er Mitglied des Strathcona Nordic Ski Slub, wo er von Trainerin Andrea Stapff gefördert wurde. 2018 lief er als 15-Jähriger bei den Thunder Bay Nationals aufs Podium und wurde anschließend in Regionalteam von British Columbia berufen. Nach drei Jahren entschied er sich aber, ein Angebot vom britischen Verband anzunehmen, die zu dieser Zeit zahlreiche britischstämmige Langläufer über den großen Teich lockten. Zunächst wechselte er zum britischen Junior-Team ins schottische Edinburgh unter Trainer Alex Standen, bevor er nach Norwegen ins Nationalteam mit Förderung von Aker Dæhlie nach Lillehammer wechselte. 2023 debütierte er in Trondheim im Weltcup als 73. im Sprint und 59. im Distanzrennen, wo er den Finger an die Lippen legte (die sog. „Pssst“-Geste). Er wollte damit die Kritiker zum Schweigen bringen, die meinten, ein Brite habe im Weltcup nichts zu suchen. Die norwegischen Medien und Fans liebten die Ironie – ein Außenseiter, der sich wie ein Sieger feiern lässt – und krönten ihn daraufhin zum „King of Trondheim“. Gledhill nutzt den Titel seither aktiv, um seine unkonventionelle Art zu betonen: Erfolg definiert sich nicht nur über Platzierungen, sondern über den Unterhaltungswert für die Fans. Er nutzt seinen Status als „Kultfigur“ und Model gezielt für die Vermarktung, ist bei renommierten Agenturen unter Vertrag und erschien bereits auf dem Cover des Tatler-Magazins. Es gibt Merchandise-Artikel vom King of Trondheim, die auch schon im „Skirious Problems“ Podcast erwähnt wurden. Unter den Hashtag #KingofTrondheim inszeniert er sich auf Instagram. Für die Zukunft plant er, seine Marke weiter in Richtung Fashion und Lifestyle auszubauen.
Was war bei den 50 Kilometern los?
Wie nach dem Rennen bekannt wurde, läuteten die 50 Kilometer das Karriereende des 23-Jährigen ein. Da ist es sicher verständlich, dass er im Rennen über die Strenge schlug und angebotenem Bier und Schnaps nicht abgeneigt war. „Ich habe bestimmt zehn oder zwölf Bier getrunken und fünf oder sechs Shots. Man muss jede Chance nutzen. Wenn sie einem Bier anbieten, muss man es nehmen“, sagte Gabe Gledhill lallend, nachdem er sich ins Ziel gekämpft hatte. „Am Ende konnte ich kaum noch auf meinen Füßen stehen, aber ich habe es geschafft“, meinte er im Interview mit dem Expressen. Bei der norwegischen Presse und einigen Athleten kam das Verhalten nicht so gut an, während Mika Vermeulen begeistert war von diesem Abschied. Im Rückblick auf die Fünfziger am Holmenkollen sagte der Österreicher im Podcast: „Mein Highlight des Damenrennen war, Frida Karlsson zum Frognerseteren hinauf laufen zu sehen und dann hinter ihr Gabriel Gledhill, der King of Trondheim, lief nach rechts, kippte ein Bier, hängt sich wieder hinter Frida Karlsson, hält wieder rechts an und ext ein weiteres Bier. Das war wirklich unterhaltsam.“ Podcast-Kollege James Clugnet war da etwas anderer Meinung: „Ich weiß nicht, ob ich das zu 100% so beurteilen würde. Es ist ein Spaß, solche Dinge zu tun, aber vielleicht hat er es etwas zu weit getrieben.“ „Definitiv“, so Vermeulen. „Manche Leute haben dann nach seinem Interview mit dem Expressen gesagt, er ist eine „f**king legend“. Es ist so gut, solche Leute im Langlauf zu haben“, zitiert der Engländer mit französischem Vater. Mika Vermeulen ergänzt, dass Gledhill seine Karriere beenden wird: „Ich fand es lustig, aber andererseits ist es genug, wenn man es einmal macht. Aber ich konnte drüber lachen, er beendet seine Karriere. Die norwegischen Augen waren noch einmal auf ihn gerichtet und er hatte eine gute Zeit.“
Und warum muss er seine Karriere beenden?
Dieses angekündigte Karriereende ist nicht freiwillig, Gabriel Gledhill wird quasi dazu gezwungen, weil Norwegen ihm seinen Aufenthaltstitel entzieht. Dazu sagte Jimmy Clugnet im Podcast: „Er wird aus Norwegen ausgewiesen, weil er die letzten fünf Jahre nicht in Norwegen gearbeitet hat und er es nicht geschafft hat, für seinen Lebensunterhalt sorgen zu können. Wenn du ein Arbeitsvisum beantragst, musst du auch genug Geld verdienen.“ Das ist bei dem 23-Jährigen offenbar nicht der Fall, der zwar vom Team Aker Dæhlie unterstützt wird, aber selbst nie Preisgeld oder ähnliches gewann. Über Platz 50 im Weltcup kam er nie hinaus. Mögliche Nebeneinnahmen durch Merchandise-Artikel fallen sicherlich nicht ins Gewicht, zumindest für die norwegischen Behörden nicht. Nach fünf Jahren entzog ihm jetzt Norwegen die permanente Aufenthaltsgenehmigung. Bis zum 28. März muss er nun das Land verlassen. Er kann damit nicht mehr mit dem britischen Weltcup-Team trainieren und erhält keine Unterstützung mehr von Aker Dæhlie. Aktuell befindet er sich laut seiner Instagram-Story im Flugzeug nach Lake Placid zu seinem letzten Weltcup. „Wake up New York, the king has arrived“, schreibt er auf seiner „Kind of Trondheim“ Instagram-Seite. Zu seiner Ausweisung sagte Gledhill selbst dem NRK: „Für einen Athleten meines Kalibers bedeutet die Ausweisung aus Norwegen das Ende meiner Karriere. Meine gesamte Trainingsumgebung befindet sich in Lillehammer. Ich muss Norwegen nun verlassen und das heißt, dass der Langlaufsport für mich Vergangenheit ist und ich zurücktreten muss.“ Die FIS verabschiedet ihn mit einem Video und dem Kommentar: „Goodbye KOT, Long live the King“: