Stimmen zum Massenstart: „Dieses Podium ist für den deutschen Langlauf enorm wichtig“

Katharina Hennig (GER) © Modica/NordicFocus

Auch Siegerin Astrid Jacobsen erkennt die Wichtigkeit des Erfolgs von Katharina Hennig. Die Sächsin äußert sich selbst ausführlich zu ihrem Triumph und auch Peter Schlickenrieder analysiert die Situation im DSV-Team…

 


Stimmen vor der heutigen Etappe:

Katharina Hennig (GER)

Noch drei Etappen. Jetzt gilt es die letzten Kräfte zu mobilisieren, jetzt kommt meine Schokoladendisziplin, der Klassik Massenstart. Da freue ich mich besonders drauf. Ich denke nicht, dass jetzt vordergründig das Ziel ist, Therese Johaug zu schlagen. Die ist natürlich ein absolutes Ausnahmetalent. Das ist vielleicht ein bisschen weit weg im Moment. Wir versuchen immer weiter, die Lücke zu schließen und die Abstände werden auch immer geringer. Mit Geduld und Spucke kriegt man das hin.

Victoria Carl (GER)

Wir müssen jetzt einfach weiter kämpfen, dass wir da rankommen an Therese. Die Katha ist auf jeden Fall eine absolute Teamplayerin, von der wir uns alle davon noch eine Scheibe abschneiden können.

Peter Schlickenrieder (GER)

…über den Leistungsstand der Damen:Ob das eine Victoria Carl ist, eine Antonia Fräbel ist, die sind alle in einem guten jungen Langlaufalter. Die sind im Moment alle auf dem Sprung, den nächsten Step zu tun. Das ist bloß eine Frage der Zeit. Katharina Hennig ist ein Paradebeispiel für die ganze Damenmannschaft.

…über die Wichtigkeit des Teamgeistes und die Feedbackkultur:Man muss im Endeffekt vom Team zehren, zusammenstehen und immer sich auch gegenseitig hochziehen. Man sieht auch bei den Trainings, auch bei vielen anderen Mannschaften, dass man gerade die intensiven schnellen Trainings zusammen bestreiten muss, weil dort ist man gefordert und lernt Taktik. Das zieht sich sozusagen vom Training bis zur Gestaltung des Miteinanders durch, vom Betreuer zum Athlet bis hin zum letzten Wachsler, bis zu den Eltern. Jeder trägt seinen Teil dazu bei und was wir versuchen, ist eine Feedbackkultur, dass wir uns darauf hinweisen, wenn etwas nicht so optimal läuft. Die Offenheit haben wir geschafft, dass man nicht beleidigt ist, wenn einem jemand einen Tipp gibt: Du, feuer mich ein bisschen anders an, wenn ich auf Platz 35 rumrenne, dann ist das nicht ‚einwandfrei‘. Sondern ich will schon, dass du mir das Gefühl, gibst, du weißt schon, was bei mir gerade los ist. Das sind Feinheiten, Kleinigkeiten, aber die machen es letztlich aus, dass man vielleicht ein paar Sekündchen vor der Konkurrenz ist.

…über die Vorteile der Herren gegenüber den Damen:Gerade in der Herausgehensweise, was uns als Betreuer wichtig ist, sind die Männer wie Lucas Bögl oder ein Sebi Eisenlauer, sehr konsequent an den Dingen, die sie als ‚To Do’s‘ entdeckt haben, daran zu arbeiten. Sebi Eisenlauer ist teilweise schon einen Schritt weiter, noch konsequenter und gradliniger. Die Mädels sind unbefangener durch ihr jugendliches Alter, sie machen einfach, probieren aus, sie sind risikofreudiger. Das haben sie vielleicht den Männern ein bisschen voraus. Aber das ist auch dem Alter geschuldet. Die Männer sind etwas älter, erfahrener, die überlegen sich dreimal, ob sie da nochmal so risikofreudig reingehen. Aber das versuchen wir ihnen näher zu bringen, dass sie es ausprobieren sollen. Wenn es in die Hose geht, egal, entscheidend ist es, dass man bei der WM oder bei Olympia auf den Punkt fit sind und die richtigen taktischen Entscheidungen treffen. Hier müssen wir lernen, ausprobieren und Risiko eingehen.

…über die Erwartungen gegenüber Katha Hennig im heutigen Massenstart:Es wäre schön, wenn Katharina Hennig sich weiter steigern könnte. Letztes Jahr hat sie ihre beste Platzierung erst spät in der Saison gemacht, wäre schön, wenn das diese Saison schon früher ginge und sie in die Top8 laufen würde.

 

Lucas Bögl (GER)

Skilanglauf schauen, Jungs und Mädels! Da kommt noch was – wir sind noch nicht tot!

 


Reaktionen nach der Etappe:

Astrid Uhrenholdt Jacobsen (NOR)

Das ist ein sehr ungewöhnliches Podium, das fand ich überraschend. Ich denke, wir sind eine gute Mischung mit mir als Veteran und Ebba und Katharina die Läuferinnen der Zukunft. Auch ist das Podium für Katharina selbst, ihr Team und den internationalen Langlauf unglaublich wichtig. Es ist auch wichtig, weil ich nicht mehr so oft gewinne, dass es eine Inspiration für andere Athleten ist, zu sehen, dass es möglich ist.

Die Bedingungen und die Strecke da draußen war sehr eng und man hat gemerkt, dass die Nerven im Feld blank liegen. Darum habe ich mich in den Kurven etwas zurückgehalten, um nicht in Stürze verwickelt zu werden, aber ich bin auch ruhig geblieben und das war wichtig.

Ebba Andersson (SWE)

Ich habe mich stark gefühlt und hatte gute Ski. Ich danke unseren Wachsern, die heute gute Arbeit geleistet haben. Astrid hat völlig Recht, wenn sie sagt, dass das ein Nerven-Rennen war. So habe ich versucht, mich gut zu konzentrieren und Stürze zu vermeiden.

Katharina Hennig (GER)

Es ist ein unglaubliches Gefühl und ein sehr besonderer Moment für mich, meine Familie, mein Team und den gesamten deutschen Langlauf. Nun hoffe ich, dass dieser Moment viele Jungen und Mädchen zu Hause in Deutschland motiviert.

Wir hatten sehr gute Ski und ich habe mich schon die ganze Tour sehr gut gefühlt, jede Etappe ein bisschen besser. Heute habe ich mich sehr kraftvoll gefühlt bis zur letzten Runde, so dass ich es einfach versucht habe.

 

 

Johannes Høsflot Klæbo (NOR)

Natürlich ist das ein schöner Tag für mich. Mein Plan war es, vorne zu laufen und am Ende viel Gas zu geben. Ich denke, es war gut dass das Tempo immer hoch geblieben ist, ich hatte gute Ski und bin sehr glücklich.

Sergey Ustiugov (RUS)

Alles lief perfekt und die Ski waren auch sehr gut. Ich fühle mich heute nach dem Rennen viel frischer als letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt. Das heutige Rennen war annähernd perfekt, besonders weil ich es geschafft habe, Zweiter zu werden.

Alexander Bolshunov (RUS)

Ich fühle mich heute nicht besonders aufgeregt und es fühlt sich nicht an wie die harte Tour. Nun bin ich froh, dass es keine weiteren Ruhetage in der Tour gibt.

 

Peter Schlickenrieder (GER)

….während des Rennens zum Sturz von Vici Carl: Vici ist in dieser Kurve mit höchster Geschwindigkeit gestürzt, da verliert man viel Geschwindigkeit. Das ist da wahrscheinlich eisig. Sie hat jetzt fast eine halbe Runde gebraucht, um den Rhythmus zu finden.

…nach dem Erfolg von Katha Henning: Sensationell kann man nicht sagen, das hat sich ja angedeutet. Sie hatte zwei Top10 Ergebnisse und vor allem hatte sie eine sehr aktive Renngestaltung. Jetzt ihr es aufgegangen. Sie hat heute wieder das Renngeschehen bestimmt, sie ist aktiv gelaufen. Da freuen wir uns riesig, den dritten Platz hat sie sich erarbeitet. Das ist ihr nicht in den Schoß gefallen. Das ist jetzt eine Momentaufnahme, wir haben sehr sehr gutes Material gehabt. Das sieht in einem Monat unter Umständen schon wieder anders aus. Dass man die Konstanz wie eine Johaug hinbekommt und dass man als Erste über die Ziellinie geht, das dauert noch 1-2 Jahre. Bis wir die Stabilität haben, dass wir sagen, dass hat man nicht nur einmal erreicht, sondern das kann man die ganze Saison durchziehen. Das war ein schönes Ausrufezeichen, aber wir müssen einfach weiter hart arbeiten.

Katharina Hennig (GER)

…über ihre Eindrücke aus dem Rennen: Ich kann es noch nicht fassen, ich bin sprachlos. Ich habe die ganze Zeit nicht dran geglaubt, dass ich das schaffen kann, bis zur letzten Runde als ich gemerkt habe, dass ich noch dran bin. Dann habe ich einfach alles aus mir rausgeholt. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich weiß nur, dass ich mich bedanken will, bei allen, die mich auf meinem Weg unterstützt haben: unserem Team, unseren Technikern, meinen Eltern, meinem Freund, meinen Trainern, alle – ohne die wäre das nicht möglich. Ich habe meine Familie immer gehört, ich war heute total wach im Rennen . Ich wusste genau, wer wo steht und habe mich von Person zu Person gehangelt und habe die Anfeuerrufe aufgenommen und versucht, sie in Energie umzuwandeln.

…darüber, dass sie nun in der Weltpitze angekommen ist. Das klingt komisch, ganz ungewohnt. Mir ist klar, dass das jetzt nicht ständig passiert – aber ich werde das jetzt ganz besonders genießen.

…ob das Podium nun Belohnung für die Qualen ist: Es macht nicht immer Spaß, aber größtenteils schon, sonst würde ich es nicht machen. Langlauf ist meine Leidenschaft und ohne mein Team wäre das nicht möglich.

 

Peter Schlickenrieder (GER)

…zur Einstufung der Herren-Resultate:Sie haben um jeden Meter gekämpft. Aber was unsere Schwächen sind, die behebt man nicht innerhalb einer Woche. Von daher freuen wir uns erstmal, dass innerhalb dieser Tour Bestresultate erfolgt sind und da verkraftet man sowas, wenn man nicht ganz so weit vorne ist.

..zu den Erwartungen für die nächsten Rennen: Bei der Katharina darf man nicht jede Woche erwarten, dass Platz 3 passiert. Es war der positive Ausreißer nach oben, wenn wir uns da konstant in den Top10 reinreihen, dann habe wir einen großen Schritt gemacht. Bei den Männern ist konstant 15-20 das Ziel.

…darüber, was den Herren fehlt:Das Probleme ist das Kraft-Technik Thema. Hier bei diesem steilen Anstieg, da schieben die Athleten rauf. Das gab es einfach vor 5 oder 10 Jahren nicht, dass man hier auf die Idee kam, an so einem Anstieg nur mit den Armen zu arbeiten und mit dem Oberkörper. Das heißt, das ganze Kraft-Thema hat extrem Einzug genommen im Skilanglauf. Das haben wir ein bisschen verschlafen in der Vergangenheit. Da haben wir viel zu viel diskutiert, das ist das Motto der Zukunft: Kraft, Technik. Wir haben letztes Jahr angefangen, daran zu arbeiten, aber das sind keine Themen, die man innerhalb von einem Jahr abstellt. 2 Jahre braucht man, bis man das Gesamtkonstrukt danach ausgerichtet hat. Es müssen auch alle Trainer mitziehen, das ist schon mal das Erste und Wichtigste, dass wir alle ins gleiche Horn blasen und nicht Athleten verwirren. Dann glaube ich, schafft man es auch, ein neues Niveau zu erreichen und den Anschluss zu schaffen.

Sebastian Eisenlauer (GER)

Mit dem Rennen in Toblach war ich sehr zufrieden, da hatte ich ein richtig gutes Gefühl mit dem Klassik Verfolger, was sich aber nicht im Ergebnis wiedergespiegelt hat, wie es sich angefühlt hat. Da wäre vielleicht sogar ein bisschen mehr drin gewesen, wenn ich die Gruppe hätte halten können. Heute war ich zuversichtlich und es hat sich am Anfang richtig gut angefühlt, wenn man von Anfang an in der Gruppe dabei ist, wie es im Massenstart der Fall ist. Aber ab Kilometer 10 bis 11 wurde es kurz richtig richtig, richtig hart. Dann habe ich leider den Anschluss verloren. Aber trotzdem denke ich, dass es Schritt für Schritt aufwärts geht, auch wenn ich unterm Strich bisher nicht mit der Saison zufrieden bin. Das merkt man relativ schnell, dass es dann zäh wird. Ich habe gar nicht selbst versucht, die Lücke wieder zu schließen. Ich habe gehofft, dass jemand anders die Arbeit macht. Das war auch der Fall, aber wir sind nicht mehr ganz rangekommen.

 

Teresa Stadlober (AUT)

Ich bin voll motiviert in dieses Rennen gegangen und war bis zum Sturz gut dabei. Dann ging alles so schnell und ich verlor wieder wertvolle Plätze. Danach versuchte ich mich wieder in das Rennen zu bringen und das Beste daraus zu machen. Heute hatte ich mir durchaus einiges zugetraut, beim Massenstart kann halt immer was passieren und das Glück war leider nicht auf meiner Seite. Jetzt gilt es bis Sonntag alle Kräfte bündeln um am Ende noch einen Top Ten Platz zu erreichen.

 

Lisa Unterweger (AUT)

Vom Start bin ich sehr gut wegkommen und lag kurzfristig auf Platz 22, danach merkte ich die vielen Rennen in den Beinen. Jetzt freue ich mich auf den morgigen Sprint.

 

 

 

 

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