Langlauf Weltcup: Jessie Diggins gewinnt ihre dritte Tour de Ski vor Teresa Stadlober - xc-ski.de Langlauf

Langlauf Weltcup: Jessie Diggins gewinnt ihre dritte Tour de Ski vor Teresa Stadlober

Der Sieg im Massenstart, dem Final Climb auf die Alpe Cermis am Ende der Tour de Ski, ging in beeindruckender Manier an Karoline Simpson-Larsen. Der Gesamtsieg war Jessie Diggins nicht mehr zu nehmen und Teresa Stadlober stürmte noch auf Platz zwei.

Diggins und Schwedinnen sorgen für hohes Tempo

Jessie Diggins (USA) © Vanzetta/NordicFocus

Bei den Damen ging Jessie Diggins mit einem fast identischen Vorsprung wie Johannes Høsflot Klæbo auf die Schlussetappe, so dass ihr im Massenstart des Final Climbs kaum noch jemand den Sieg streitig machen konnten. Wie Klæbo kontrollierte auch die Amerikanerin das Tempo auf den ersten Kilometern auf der neuen Stadionrunde, wo Nadine Fähndrich nach drei Rennminuten im Gedränge einen Sturz verkraften musste. Diggins hielt das Tempo ordentlich hoch und Maja Dahlqvist im silbernen Trikot hielt mit, als sich zwischenzeitlich eine Lücke auftat. Auf dem Transfer zur Alpe Cermis reihte sich die Amerikanerin dann aber im Windschatten ein und überließ Dahlqvist und Andersson die Führungsarbeit. Nachdem Nadine Fähndrich nach dem Sturz noch als 13. das Stadion verlassen hatte, arbeitete sie sich auf der Marcialongastrecke nach und nach vor, weil die Damen auf der schmalen Strecke in Reih und Glied hintereinander liefen, während die Herren in Zweierreihen unterwegs gewesen waren.

Sprint um die Sprintwertung

Maja Dahlqvist (SWE) © Vanzetta/NordicFocus

Kurz vor Erreichen des Anstiegs attackierte Maja Dahlqvist, um sich am Fuße des Anstiegs die letzten Sprintpunkte und damit auch endgültig das silberne Trikot zu sichern. Nadine Fähndrich versuchte, hinterher zu gehen, hatte aber einen zu großen Abstand, um die Schwedin noch einzuholen. Die Punkte gingen als Dahlqvist vor Fähndrich und Hagström, die beim Erreichen der roten Linie sofort links ausscherte und offenbar wieder mit gesundheitlichen Problemen für einige Sekunden auf die Stöcke gestützt stehen blieb. „Das war mein größtes Ziel heute. Ich bin am Berg nicht die Stärkste, aber der Sprint gab mir dann die Motivation, als ich es geschafft habe. Es gab ein Auf und Ab während der Tour de Ski, aber insgesamt bin ich zufrieden und das ist meine beste Tour de Ski gewesen“, freute sich Maja Dahlqvist. 

Simpson-Larsen die Stärkste am Berg

Karoline Simpson Larsen (NOR) © Modica/NordicFocus

Kurz darauf nach den ersten 500 Metern im Anstieg bei einer Steigung von etwa 15% setzte sich bereits fünf Athletinnen aus dem Feld ab angeführt von Leichtgewicht Karoline Simpson-Larsen, die vor fünf Jahren einmal vor dem Problem stand, kein Gesundheitszertifikat zu bekommen und somit keine Starterlaubnis bekam. Mit zur Gruppe gehörten Ebba Andersson, Heidi Weng, Nora Sanness und Jessie Diggins. Simpson-Larsen aus dem kleinen Team Anlegg Øst, die seit damals keine Gewichtsprobleme mehr hat, weil sie auch mal bei Fast Food zuschlägt, erwies sich als klar die Stärkste am Berg und bald darauf konnte ihr nur noch Heidi Weng folgen. Nachdem Sanness zurückgefallen war, musste vor allem Jessie Diggins sichtlich leiden und Teresa Stadlober kam von hinten immer näher heran an die zwei Duos vor ihr. Am ‚The Deer`s Den‘ (dt. Hirschbau) mit 28% Steigung hatte die Salzburgerin den Anschluss geschafft und überholte Diggins und Andersson. Mit Erreichen der flacheren Direttissima löste sich Simpson-Larsen auch von Weng und sicherte sich mit acht Sekunden Vorsprung den Sieg am Final Climb und ihren zweiten Weltcupsieg. „Es war ein schweres Rennen, aber meine Form ist gut und ich bin sehr glücklich“, freute sich Karoline Simpson-Larsen. „Ich hatte keine Ahnung, dass ich so gut sein kann und vor Heidi und Jessie ins Ziel kommen kann. Ich bin so glücklich. Das ist so ein unglaubliches und spezielles Gefühl, dieses legendäre Rennen zu gewinnen. Ich zeige es nicht so, aber in mir drin bin ich überglücklich. Ich kann das noch gar nicht begreifen, ich war so müde und alles, was ich versucht habe, war es ins Ziel zu schaffen“, sagte sie und schloss mit den Worten: „Sivert, dieser Sieg ist für dich!“ und widmete den Erfolg damit dem verstorben Freund Sivert Bakken. Zweite wurde sogar noch Jessie Diggins, die sich auf der nur noch 4% steilen Direttissima wieder fing, von Stadlober und Andersson absetzte und auch noch Heidi Weng einholte. Die Norwegerin überquerte als Dritte die Linie vor Stadlober und Andersson. Mit größerer Lücke aber insgesamt nur etwa einer Minute Rückstand wurde Dariya Nepryaeva erstklassige Sechste vor Nora Sanness und der erst 20-jährigen Alison Mackie aus Kanada. Julie Bjervig Drivenes kam als Neunte ins Ziel vor Helen Hoffmann und Patricija Eiduka.

Dritter Toursieg für Diggins zum bevorstehenden Karriereende

Jessie Diggins (USA) © Vanzetta/NordicFocus

Jessie Diggins krönt ihre erfolgreiche Karriere mit einer weiteren erfolgreichen Saison und dem dritten Gesamtsieg der Tour de Ski, die sie mit 2:17 Minuten Vorsprung gewinnt. „Die größte Herausforderung ist, immer konzentriert zu bleiben und jeden Tag den An/Aus-Schalter zu finden. Es sind zehn Tage, in denen du immer wachsam sein musst. Das war vielleicht keine A+ Performance, sondern eine B+ Performance Tag für Tag und das ist sehr schwer. Dafür braucht es ein Team und ich bin so dankbar für mein Team, die mir geholfen haben, das möglich zu machen. Ohne sie hätte ich das nicht geschafft“, sagte Jessie Diggins nach ihrem Erfolg. Dass Teresa Stadlober sich in einer Tour de Ski mit der diesjährigen Charakteristik ein Gesamt-Podium holt, überraschte offenbar auch Jessie Diggins, wie ihre Mimik zeigte. Die zweimalige Gesamtsiegerin Heidi Weng wurde diesmal Dritte mit 14 Sekunden Rückstand auf die Österreicherin. „Ich kann es kaum glaube, dass ich heute den dritten Platz geholt habe. Das ist großartig, weil ich viel Auf und Ab in der Tour hatte. Ich bin sehr erschöpft, mehr als ich erwartet hatte. Aber nun ist es vorbei und es ist Zeit, nach Hause zu fahren und zu trainieren, um dann zurückzukehren und hoffentlich in guter Form zu sein“, sagte die Norwegerin.  Unglückliche Vierte ohne Tour de Ski-Trophäe wurde schon zum vierten Mal Ebba Andersson, der nur zehn Sekunden auf Platz drei fehlten. Julie Drivenes wurde Fünfte vor Johanna Matintalo und Final Climb-Siegerin Simpson-Larsen. Moa Ilar, vor der Schlussetappe noch Dritte hinter Diggins und Joensuu, fiel auf dieser Etappe noch auf den achten Gesamtrang zurück, weil sie nur als 26. mit fast drei Minuten Rückstand das Ziel erreichte. Hinter Sprinterin Jasmi Joensuu belegten die Tour de Ski-Neulinge Dariya Nepryaeva und Alison Mackie die Plätze zehn und zwölf.

Starke Tour de Ski für Hoffmann

Helen Hoffmann (GER) © Modica/NordicFocus

Beste Deutsche bei dieser Tour de Ski, bei der nur drei DSV-Damen das Ziel erreichten, wurde Helen Hoffmann als exzellente Zehnte im Final Climb und 13. in der Gesamtwertung. Zu Beginn des Rennens war sie wegen der hohen Geschwindigkeit deutlich weiter hinten als ihre Startnummer 23, arbeitete sich aber bis zum Anstieg wieder auf diese Position vor. Als 24. ging sie in den Berg und tat sich zunächst etwas schwer, überholte aber dann nach und nach viele andere Athletinnen, bis sie als Zehnte das Ziel erreichte. „Am Anfang dachte ich, es klappt nicht so gut mit meinem eigenen Tempo, weil ich am Anfang so weit hinten war und ich wusste nicht mal wieso. Aber hier hochzu konnte ich mich dann noch gut motivieren und Stück für Stück nach vorne laufen. Das Ziel ist auf jeden Fall erstmal oben ankommen, aber es ist sehr hilfreich, wenn man mit jemandem zusammen laufen kann und ein bisschen den Takt aufnimmt und sich auch mal abwechselt – aber sonst einfach laufen“, sagte Helen Hoffmann, die ab der Mitte des Anstieg in der Lettin Patricija Eiduka, die seit dem Frühjahr unter Markus Cramer trainiert, eine geeignete Weggefährtin gefunden hatte, nachdem Eiduka zunächst schneller angegangen war. Mit der Verbesserung von 25 auf 13 innerhalb eines Jahres im Endklassement der Tour de Ski war die Thüringerin überaus zufrieden, auch wenn sie sich wie gewohnt sehr selbstkritisch äußerte: „Das Fazit ist ganz positiv. Natürlich war das eine oder andere Ergebnis nicht so gut, aber da muss man nch dran arbeiten.“ Peter Schlickenrieder war nicht so kritisch wie die 23-Jährige selbst und lobte ordentlich: „So ein Finale wünscht man sich, wenn die jüngste Athletin im Team am letzten Tag so ein Rennen hinlegt. Dann zeigt es die deutsche Mentalität : Kämpfen bis zum Schluss, nicht aufgeben und immer hart an sich arbeiten.“

Sauerbrey zufrieden mit „sehr harter“ zweiter Tour de Ski

Katherine Sauerbrey (GER) © Vanzetta/NordicFocus

Als zweite Deutsche kam Katherine Sauerbrey als sehr gute 19. in die Wertung, nachdem sie als 17. die Alpe Cermis erklommen hatte. Für sie war es die zweite Teilnahme an einer gesamten Tour de Ski, nachdem sie 2021/22 in ihrem Durchbruchjahr als damals beste Deutsche Gesamt-17. geworden war. „Das war sehr hart. Ich hatte es nicht so hart in Erinnerung, das letzte Mal vor vier Jahren. Ich habe mir sagen lassen, das zweite Mal ist immer das Schlimmste und so war es auch leider“, lachte sie und bekräftigte: „Es war sehr schlimm. Aber ich kann sehr happy sein. Am meisten ärgere ich mich über den Sprint gestern, wo ich leider gestürzt bin und mit viel Schwung habe ich sehr viel verloren. Ich war gut unterwegs und hatte mir viel vorgenommen und es hatte sich auch gut angefühlt, aber trotzdem hatte ich echt gute Momente bei der Tour und bin sehr glücklich, dass ich jetzt im Ziel bin.“ Sofie Krehl kam als 28. ins Ziel und wurde damit Gesamt-31. Insgesamt sieht es nun auch Schlickenrieder so, dass das deutsche Team keinen klaren Medaillenkandidaten stellt, aber dadurch auch mit weniger Druck auflaufen kann. „Es ist ein deutlicher Aufwärtstrend zu sehen, aber wir erkämpfen uns uns jeden Erfolg sehr sehr hart. Wir müssen an jedem Schräubchen drehen in den paar Tagen, die wir bis Olympia haben. Hier haben wir die Zeit gut genutzt auf den Olympiastrecken und um an jeden Schräubchen zu drehen. Dann sind wir gut gerüstet für die Olympischen Spiele, aber es ist einmal mehr ein hartes Jahr und viel Arbeit“, so Peter Schlickenrieder, der die Medaillenchancen geringer als ursprünglich gedacht einschätzt: „Man muss ehrlich sagen, nach dieser Saison sind die Hoffnungen gedämpft, nachdem man sieht, wie viel Krankheiten und Unwägbarkeiten wir während der Tour erlebt haben, zählen wir nicht unbedingt zu den Medaillenkandidaten. Wir können hier befreit hergehen, wir haben eine neue Seite im Buch aufgeschlagen, wir haben gut trainiert. Wir haben acht Qualifizierte, wir werden sicher den oder die eine oder andere noch mit einer Norm oder Teilnorm erleben. Aber wie gesagt, zu den großen Medaillenkandidaten zählen wir nicht. Wir können ohne Last hier laufen und schauen, dass wir jeden Tag wieder alles geben, was wir haben und damit schauen, wozu es reicht.“

Stadlober Gesamt-Zweite und Gewinnerin des Bergtrikots

Teresa Stadlober (AUT) © Vanzetta/NordicFocus

Auch Teresa Stadlober war von der hohen Geschwindigkeit auf den ersten Kilometern überrascht und musste sich erst nach vorne arbeiten. Nach der Stadionrunde war sie nur 23., aber im Berg ging es schnell nach vorne. Zunächst gehörte sie dann aber zur Verfolgergruppe, die sich aber schnell neu ordnete. Als es steil wurde, machte sich die 32-Jährige allein auf die Jagd nach den Ausreißer, die sie einen Kilometer vor dem Ziel erreichte. Mit Erreichen der flachen Direttissima wurden die letzten Bergpunkt verteilt und Stadlober räumte genug ab, um im Ziel das lila Trikot zu übernehmen. Eine schöne Zugabe zum zweiten Platz in der Gesamtwertung, den Stadlober nie erwartet hätte in einer Tour, die eher auf die Sprinter ausgerichtet schien. „Es ist einfach unglaublich, es war die perfekte Woche für mich. Schon die beiden Klassikrennen waren richtig gut und ich war sehr glücklich darüber. Heute war ich sehr müde von dem Rennen gestern und der Start war heute so schnell und ich war so weit hinten. Im Anstieg habe ich dann um jede Sekunde gekämpft. Ich hatte sehr gute Ski und mein Team hinter mir hat so gute Arbeit gemacht. Das ist so verrückt. Die ganze Tour de Ski war für Team Austria unglaublich gut mit heute zwei Athleten am Start, die beide in die Top10 kommen“, sagte sie.

Fähndrich verpasst durch Sturz Sprinttrikot

Nadine Faehndrich (SUI) © Vanzetta/NordicFocus

Durch ihren Sturz nach etwa einem Kilometer geriet Nadine Fähndrich so weit ins Hintertreffen, dass sie den Angriff von Maja Dahlqvist am Fuße der Alpe Cermis nichts entgegenzusetzen hatte und die Schwedin die Wertung gewann. Beste Schweizerin am heutigen Tag war Anja Weber auf der 19. Position, die 13 Sekunden schneller oben ankam als Nadja Kälin als 23. In ähnlichen Bereichen landeten beide auch in der Gesamtwertung mit den Plätzen 18 und 22. Nadine Fähndrich kam später als 40. ins Ziel und wurde insgesamt 26. Nach dem Rennen sagte sie im Schweizer Fernsehen: „Die Alpe Cermis? Die laufe ich nie wieder!“ 

=> Ergebnis Massenstart Final Climb
=> Endstand Tour de Ski

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