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Langlauf Weltcup: Johannes Klæbo gewinnt fünfte Tour de Ski, Stenshagen den Final Climb

Johannes Høsflot Klæbo ist der neue Rekordhalter der Tour de Ski. In 20 Jahren Tour de Ski ist er nun zum fünften Mal der Sieger. Im Massenstart auf die Alpe Cermis war Mattis Stenshagen der Schnellste.

Stenshagen und Lapierre setzen sich ab

Mattis Stenshagen (NOR) © Vanzetta/NordicFocus

Los ging es in die finale Etappe der Tour de Ski mit einer neu konzipierten Runde um das Stadion von Tesero mit einer Länge von 3,3 Kilometer Länge, auf der die Athleten aber bekannte Anstiege wie den Brink, Pojer oder Zorzi passierten. Auf der Runde bestimmte meist Klæbo das Tempo gefolgt von Amundsen und im Stadion zeigte sich auch Edvin Anger ganz vorne. Als bester Deutscher ging Florian Notz an Position 18 auf die Marcialonga-Strecke zum Final Climb. Nach 17 Minuten war der Fuß der Alpe Cermis erreicht und es ging mit 12% Steigung in den Berg. Dort übernahmen Klæbo und Amundsen die Führung vor Stenshagen, Iversen und Schumacher. Dahinter zeigten sich Korostelev, Pellegrino und Joe Davies. Kurz darauf setzte sich Savelii Korostelev sogar an die Spitze des Feldes und führte eine 14-köpfige Gruppe an, die sich kurz vor der ersten steilen Rampe namens Pallua von den anderen absetzte. In den Serpentinen ging Mattis Stenshagen nach vorne gefolgt von Jules Lapierre. Korostelev versuchte als Dritter mitzugehen, aber der unerfahrene Russe musste abreißen lassen. Zu ihm kann etwas später Iversen aufschließen. Stenshagen dreht sich vorne immer wieder um und sieht dabei die Lücke immer größer werden. Wo ist Klæbo? Der scheint heute mehr Probleme zu haben als sonst und sein Vorsprung in der Gesamtwertung auf Stenshagen schmilzt immer weiter. Aber Stenshagen gehen die Meter aus und Jules Lapierre übernimmt wenige hundert Meter vor dem Ziel die Führung, auf den letzten Metern ist dann wieder Stenshagen vorn und holt sich seinen ersten Sieg an der Alpe Cermis vor dem Franzosen. „Es ist unglaublich, ein richtig großer Tag“, jubelte Mattis Stenshagen. „Es war ein perfektes Rennen. Ich habe mich am Berg sehr stark gefühlt und als Athlet meiner Größe als Sieger den Final Climb beenden zu können, ist unglaublich.“ Auch Lapierre, der Sieger von 2024, war mit dem Rennen sehr zufrieden und sagte: „Es war ein sehr spannendes Rennen. Ich mag diesen Berg, ich habe gute Erinnerungen an ihn. Ich habe alles gegeben. Es war ein harter Kampf mit Mattis. Mir hat das sehr viel Freude gemacht. Ich war schon Erster hier und Dritter und nun bin ich Zweiter. Dieser zweite Platz ist sehr gut für das Team, das sorgt für eine gute Dynamik für die Zukunft.“ Emil Iversen hatte auf den letzten Metern mehr Kräfte zur Verfügung und zog auf dem Weg zu Platz drei noch vorbei an dem 22-jährigen Russen Savelii Korostelev, der letzte Saison in Russland bereits in einem ähnlichen Rennen einen solchen Anstieg absolviert hatte. Mit 25 Sekunden Rückstand legte er dennoch ein beachtliches Debüt hin. „Ich habe die ganze Zeit gemerkt, dass meine Form sehr gut ist. Es gab nicht so viele Distanzrennen bei dieser Tour de Ski, so dass für mich heute der beste Tag war. Das Podium hier ist meine Bestleistung, ich freue mich jetzt, nach Hause zu kommen und meine Freundin und meine Familie zu sehen“, freute sich Iversen. Als Fünfter schaffte es Harald Østberg Amundsen ins Ziel mit 30 Sekunden Rückstand gefolgt von dem in Kanada geborenen Waliser Joe Davies, der bei der Tour de Ski von seiner neuen schwedischen Freundin Erica Lavén unterstützt wird. Federico Pellegrino wurde Siebter bei seinem letzten Final Climb vor Andrew Musgrave und den Franzosen Hugo Lapalus und Clement Parisse. Hinter Elia Barp überquerte Johannes Høsflot Klæbo als Zwölfter noch mit unter einer Minute Rückstand die Ziellinie.

Klæbo gewinnt seine fünfte Tour de Ski

Johannes Hoesflot Klaebo (NOR) © Modica/NordicFocus

Mit 1:23 Minuten Vorsprung auf den jungen Lars Heggen, der für die drei noch freien Olympiastartplätze offenbar nicht zur Debatte steht, startete Johannes Klæbo mit einem beruhigenden Vorsprung in die Tour de Ski, in der er sich zum alleinigen Rekordhalter machen wollte. Obwohl er sich sichtlich schwer tat und knapp einen Kilometer vor dem Ziel am ‚The Deer`s Den‘ (auf Deutsch Hirschbau oder Hirschsprung genannt) mit 28% Steigung bis auf Platz 16 zurückfiel, konnte sich der 29-Jährige wieder fangen und als Zwölfter die Ziellinie überqueren. Das war genug, um die 20. Tour de Ski mit 30 Sekunden Vorsprung vor Mattis Stenshagen zu gewinnen, der nun gute Argumente für ein Olympiaticket haben sollte. „Es macht immer Spaß, die Tour zu laufen und es ist natürlich auch toll zu gewinnen. Ich liebe das Konzept, das ist toll. Die größte Herausforderung der Tour war der 5 Kilometer Heat Mass Start, weil das neu war. Aber der Rest lief sehr gut und meine Form ist sehr gut. Ich werde mich nun erholen, in die Höhe gehen und mich auf die Olympischen Spiele vorbereiten“, sagte Klæbo, der schon gestern angekündigt hatte, die Weltcups in Oberhof und Goms auszulassen. Amundsen komplettierte das Podium als dritter Norweger und verwehrte Federico Pellegrino ein erhofftes letztes Podium bei der Tour de Ski. Zu diesem Erfolg fehlten dem Aostataler aber 20 Sekunden. Amundsen zeigte sich geschckt von der Starke Stenshagens: „Ich war schockiert, was er da geleistet hat in diesem Anstieg, das war enorm. Mattis ist ein großer und schwerer Läufer mit vielen Muskeln. Dass er so schnell da rauslaufen konnte, ist unglaublich.“ Emil Iversen wurde knapp dahinter Fünfter vor dem jungen Sprintspezialisten Lars Heggen, der sich mit seinen 20 Jahren wacker schlug. Gus Schumacher und Savelii Korostelev belegten die Gesamtränge sieben und acht vor Elia Barp und Benjamin Moser. Alpe Cermis Spezialist Simen Hegstad Krüger lag lange auf Top5-Kurs, brach aber am letzten Steilstück völlig ein und kam nur als 25. ins Ziel, nachdem er in den letzten drei Rennminuten mehr als eine Minute eingebüßt hatte.

Moch weiter in der Krise

Friedrich Moch (GER) © Vanzetta/NordicFocus

Florian Notz war diesmal als 18. am Final Climb bester Deutscher. Dass Friedrich Moch nicht aus dem Nichts plötzlich vorne mitläuft, war zu befürchten, aber der Isnyer wollte unbedingt starten, um vielleicht doch an der Alpe Cermis mit mehr als 400 zu überwindenden Höhenmetern die nötige Form zu finden. „Ich freue mich drauf. Ich habe hier immer gute Rennen gemacht, aber diesmal ist die Ausgangsposition anders. Aber eigentlich fühlte ich mich gut und es ging die letzten Tage bergauf“, sagte Moch vor dem Start. Mit seiner hinteren Startposition tat sich der 25-Jährige aber schwer und hatte dann noch unterwegs Probleme, wie der Teamkollege zu berichten wusste: „Es ist jedes Mal aufs Neue härter als man denkt. Das Flachstück hin war sehr langsam heute, der Frie hat sich da auch einen Ski angebrochen und überall um mich herum sind Stöcke abgebrochen. Ich bin zum Glück gut durchgekommen“, erzählte Florian Notz. Dennoch war Friedrich Moch zusammen mit seinem 19-jährigen Bruder Jakob nach dem Flachstück unter den besten 30. Dann ging es aber für beide schnell mehr als zehn Positionen nach hinten und sie endeten auf den Positionen 42 und 46, wobei der Jüngere elf Sekunden schneller war. „Die Krise geht weiter“, urteilte Peter Schlickenrieder: „Er hat bewusst die Entscheidung gefällt, im Wettkampfmodus drin zu bleiben. Stand heute scheint es die falsche Entscheidung gewesen zu sein. Am Ende des Tages muss man es nach Olympia beurteilen. Wenn wir vielleicht doch noch Olympiasieger werden, dann sagen alle, wir haben es doch richtig gemacht. Aber ich glaube, wir gewinnen definitiv an Erfahrung und das ist unser wichtigstes Thema, selbstverantwortlich Entscheidungen zu treffen und aus Fehlern zu lernen und gewisse Fehler ganz bewusst in Kauf zu nehmen.“

Notz 18. und 26. insgesamt

Florian Notz (GER) © Vanzetta/NordicFocus

Besser lief es wie gesagt bei Florian Notz, auch wenn er mit dem Verlauf der Tour de Ski nicht ganz zufrieden war. Ab Kilometer 8,5 verlor er den Anschluss an die Athleten vor ihm, fand aber sein eigenes Tempo und konnte am Schluss noch zwei Norweger hinter sich lassen. Nach Platz 18 im Final Climb mit etwa 1:27 Minuten Rückstand sagte er am ZDF-Mikrofon: „Im ersten Steilstück hatte ich mal eine kurze Krise, aber ich bin gut durchgekommen. Ich habe mir vielleicht ein bisschen mehr ausgerechnet, aber bin jetzt doch zufrieden“, sagte er. Mit Gesamtrang 26. ist er aber nicht zufrieden: „Es war von den Ergebnissen nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe mich körperlich sehr gut gefühlt und jetzt lasse ich etwas Luft ran, dann wird nochmal gut trainiert und dann bin ich sehr optimistisch, dass das bei Olympia sehr gut wird.“ Janosch Brugger quälte sich als 33. ins Ziel, was dann Gesamtrang 28 bedeutete. Jan Stölben als größter und schwerster Athlet des DSV-Quintetts nahm die Alpe Cermis das erste Mal in Angriff und machte sich von Anfang an wenig Hoffnung, dass das sein Rennen sein könnte. „Ich bin jemand, dem das auch trotzdem Spaß machen kann, auch wenn ich weiß, dass ich als Schwerster im Team da definitiv keine Bestzeit hochlaufen werde, aber es ist definitiv eine Erfahrung und gehört zur Tour de Ski dazu. Man muss gucken, wie man sich körperlich fühlt und dass drumherum auch alles passt, dass man da hochläuft, aber grundsätzlich möchte ich das gern mal machen“, sagte er vor dem Start. Letztlich schlug er sich wacker und beendete seinen ersten Final Climb als 51. mit drei Minuten Rückstand, was ihn in der Gesamtwertung noch fünf Positionen auf Platz 45 zurückwarf.

Moser stark, Schweizer nicht Top50

Benjamin Moser (AUT) © Modica/NordicFocus

Nach dem gestrigen Sprint setzte nur Benjamin Moser als einziger Österreicher die Tour de Ski fort. Der Tiroler beendete das erste Mal eine Tour de Ski und hatte somit keine eigenen Erfahrungswerte zur Alpe Cermis und wurde im Laufe der drei Kilometer bergauf nach und nach durchgereicht. Am Ende erreichte er als sehr guter 20. knapp hinter Florian Notz das Ziel und beendete seine erste vollständige Tour de Ski als exzellenter Zehnter. Ein Ergebnis, das in Österreich nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Mika Vermeulen niemand erwarten konnte. „Das ist für mich ein Wahnsinns-Ergebnis und in der Gesamtwertung in den Top-Ten zu sein, ist einfach nur richtig cool. Ich bin wirklich stolz auf mich, dass ich das heute geschafft habe und habe ehrlicherweise nicht damit gerechnet. Ich konnte mich für heute sehr gut erholen, obwohl ich gestern körperlich keinen guten Tag hatte. Ich war wirklich skeptisch, ob ich überhaupt antreten soll, aber Gott sei Dank habe ich es versucht und es ist wirklich super gelaufen. Wenn mir das jemand letzte Woche gesagt hätte, hätte ich gesagt: ‚Du hast einen Vogel‘. Ich bin im Moment einfach nur überglücklich“, sagte er. Bei den Eidgenossen waren es noch zwei Athleten, die die heutige Strapaze in Angriff nahmen. Sowohl für Noe Näff als auch für Roman Alder endete der Final Climb nicht großem Rückstand auf den Plätzen 52 und 64, was den Gesamträngen 52 und 57 entspricht.

=> Ergebnis Massenstart Final Climb
=> Endstand Tour de Ski

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