Der Weltcup der Nordischen Kombination macht am kommenden Wochenende in Seefeld in Tirol (AUT) statt. Das Nordic Combined Triple ist wie jedes Jahr eines der Saison-Highlights.
Rückkehr an geschichtsträchtigen Ort
Seefeld hat für die Nordischen Kombinierer schon lange eine ganz besondere Stellung inne. Nicht nur fühlen sich viele Athleten dort so wohl, dass sie regelmäßig ihre Familien zu den Wettkämpfen nach Tirol mitbringen. Auch historisch betrachtet ragt Seefeld heraus. Schließlich fand dort, am 17. Dezember 1983, der erste Weltcup der Nordischen Kombination überhaupt statt. Auch wurde dort bislang die höchste Zahl aller Weltcups an einem Ort ausgetragen: insgesamt 64, darunter sieben der Frauen, fanden auf der Anlage bereits statt. 2014 wurde dann das Seefeld Triple ins Leben gerufen – eine Minitour bestehend aus drei Wettkämpfen in drei verschiedenen Formaten an drei Tagen, mit einigen Besonderheiten im Regelwerk und der begehrten Triple Trophy als Belohnung für den Sieger. Seit der Einführung 2014 für die Männer wurde das Triple stets Mal in Seefeld ausgetragen. Lediglich 2019 wurden die Wettkämpfe aufgrund der anstehenden Weltmeisterschaft nach Chaux-Neuve (FRA) verlegt. Im vergangenen Jahr gab es das Triple dann erstmals auch für die Frauen.
Rekordsieger Frenzel, Premierensiegerin Armbruster
Eric Frenzel (GER) ist nach wie vor Rekordsieger des Seefeld Triples. Die ersten vier Ausgaben, von 2014 bis 2017, konnte der heutige Bundestrainer der deutschen Männer für sich entscheiden. Zu der Zeit galt Seefeld als Frenzels „Wohnzimmer“, konnte er dort doch neben den vier Gesamtwertungen insgesamt elf Einzelsiege beim Triple feiern. Die ersten drei Triple-Ausgaben dominierte er komplett mit jeweils drei Siegen in drei Tagen. Bereits zuvor hatte Frenzel in Seefeld zwei Weltcups gewinnen können, bevor er seine Erfolge dort 2019 mit dem Gewinn der Einzel-Goldmedaille bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften krönte. Premierensiegerin im 2025 neu eingeführten Triple der Damen wurde Nathalie Armbruster (GER). Die Schwarzwälderin konnte im vergangenen Jahr an Tag zwei ihren ersten Weltcupsieg feiern, den sie tags darauf wiederholte. Sie profitierte dabei auch von der Disqualifikation Ida Marie Hagens (NOR), die nach ihrem Auftaktsieg am zweiten Tag aus der Wertung genommen wurde und folglich auch am dritten Tag nicht starten durfte.
Triple-Regeln: Nur die Besten kommen durch
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Etwas, das den besonderen Reiz des Triple ausmacht, ist die Vielfalt der Wettkämpfe. Männer und Frauen bestreiten an den drei Tagen drei unterschiedliche Wettkampfformate, die sich zwischen Männern und Frauen lediglich in der zu laufenden Distanz unterscheiden. Den Auftakt macht der Massenstart, bei dem zuerst gelaufen wird. Die Frauen laufen zwei Runden à 2,5 Kilometer, die Männer laufen vier Runden bzw. zehn Kilometer. Im Compact am Samstag laufen die Frauen wiederum fünf Kilometer, die Herren dagegen nur 7,5 Kilometer. Im abschließenden Gundersen am Sonntag wird die Distanz verlängert: Die Frauen laufen dann 7,5 Kilometer, die Männer 12,5 Kilometer. Eine weitere Besonderheit des Triples ist, dass die Ergebnisse des Vortages jeweils in den Folgetag „mitgenommen“ werden. das heißt, die Abstände zählen. Außerdem wird die Teilnehmerzahl reduziert. Während am ersten Tag alle Athleten starten dürfen, gehen nur noch die besten 50 aus der offiziellen Wertung weiter zu Tag zwei. An Tag drei dürfen ebenfalls dieselben 50 starten; vorausgesetzt, sie haben ein gültiges Ergebnis. Denn wer nicht in der offiziellen Ergebnisliste gerankt ist, sei es durch Nichtantreten (DNS), Disqualifikation (DSQ/NPS), darf an den folgenden Wettkämpfen des Wochenendes nicht mehr teilnehmen. Dies wurde im vergangenen Jahr Hagen zum Verhängnis: Durch ihre Disqualifikation und Armbrusters zwei Siegen verlor sie nicht nur die Triple-Gesamtwertung, sondern in der Folge auch die Gesamtwertung im Weltcup. Denn auch die Punktevergabe ist anders als bei anderen Weltcups. An den ersten beiden Tagen erhalten die Athleten nur die Hälfte der sonst üblichen Punkte, für einen Sieg also lediglich 50 statt der üblichen 100 Punkte. Dafür gibt es an Tag drei dann die doppelte Punktzahl des üblichen Wertes (für einen Sieg also 200 Punkte).
Hagen könnte Gesamtsieg perfekt machen
Kommt Hagen, die große Dominatorin des laufenden Winters, dieses Mal in Seefeld durch, könnte sie bereits an diesem Wochenende den Gesamtweltcupsieg perfekt machen. Da für die Frauen nach Seefeld nur noch zwei Einzelweltcups in Lahti und Oslo anstehen, reicht Hagen am Ende des Wochenendes ein Vorsprung von 200 Punkten auf ihre Verfolgerinnen. Vor dem Wochenende beträgt ihr Vorsprung auf die Zweite Alexa Brabec (USA) exakt 200 Punkte. Brabec ihrerseits beendete in der laufenden Saison alle Wettkämpfe in den Top Vier der Welt und stand bereits viermal auf dem Podium. Auf ihren ersten Sieg wartet die Amerikanerin bereits noch. Ebenso wie die Drittplatzierte, Minja Korhonen aus Finnland. Die 18-Jährige konnte in den fünf letzten Weltcups in Folge jeweils an der Siegerehrung teilnehmen. Die stärkste deutsche Athletin ist Nathalie Armbruster, sie liegt derzeit an vierter Stelle, 300 Punkte hinter Hagen. Hinter ihr steht momentan allerdings noch ein kleines Fragezeichen. Unmittelbar nach Oberhof wurde die 20-Jährige von einem grippalen Infekt erwischt. Ein abschließender Fitness-Test am Donnerstag soll die Entscheidung bringen, ob Armbruster am Freitag an den Start gehen kann.
Lamparter vor österreichischem Rekord
Bei den Herren könnte Johannes Lamparter (AUT), Weltcup-Gesamtführender und 21-facher Weltcupsieger, für einen neuen österreichischen Rekord sorgen. Nur zwei Siege fehlen ihm noch, um mit dem großen Felix Gottwald (AUT) gleichzuziehen. Allerdings hat Lamparter starke Konkurrenz: Aus dem eigenen Lager dürften es vor allem die Rettenegger-Brüder Stefan und Thomas sein, die ihrerseits versuchen werden, sich vor heimischem Publikum den Sieg zu erkämpfen. Die Konkurrenz ist allerdings stark, und kommt in letzter Zeit hauptsächlich von einem weiteren Brüderpaar, den Oftebros aus Norwegen. Während der jüngere Jens im vergangenen Jahr bereits zwei dritte Plätze und einen Tagessieg in Seefeld feiern konnte, bekam die Karriere von Einar erst kürzlich neuen Schwung. Seinem ersten Podium in Otepää (EST) (als Dritter stand er erstmals gemeinsam mit Sieger Jens auf dem Podium) folgte einen Tag später sein erster Weltcup-Sieg überhaupt. In Oberhof (GER) am vergangenen Wochenende setzten sie dem Ganzen mit dem ersten Doppelsieg (Jens gewann vor Einar) noch die bisherige Krone auf. Aber auch Vinzenz Geiger (GER) stand im vergangenen Jahr in Seefeld zweimal auf dem Podium und konnte sich am Ende über die Triple-Trophäe freuen.
Seidl vor Karriere-Ende
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Ein früherer Triple-Sieger, Mario Seidl (AUT), kündigte dagegen zu Beginn der Woche an, dass er seine langjährige Karriere im Februar beenden werde. Der 33-Jährige, der im Dezember erstmals Vater geworden war, begründete diesen Schritt wie folgt: „Ich habe in den letzten Wochen und Monaten gemerkt, dass mein Körper und Geist nicht mehr in der Lage sind den Trainingsumfang zu bewältigen, den es braucht, um an der Weltspitze mitmischen zu können. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um meine erste große Liebe, die Nordische Kombination loszulassen“, schrieb der Salzburger in den sozialen Medien. Seidls Karriere war in den letzten Jahren immer wieder von schweren Knieverletzungen, aber auch von einer Autoimmunerkrankung und einer langen Dopingsperre überschattet gewesen, die aufgrund seiner unregelmäßigen Blutwerte ausgesprochen worden war und zu einer Aberkennung zahlreicher Ergebnisse und Erfolge geführt hatte. Seidl selbst führt dies auf seine Erkrankung zurück und wehrte sich auch juristisch gegen die Vorwürfe. Seefeld wird nun voraussichtlich sein letzter Weltcup. Ein kleines Hintertürchen für eine Verlängerung ließ er sich aber noch offen: Sollten Form und Leistung in Seefeld stimmen, könnte der begeisterte Flieger Ende Februar noch beim historischen ersten Skifliegen der Kombinierer am Kulm (AUT) an den Start gehen.
Deutsches Damenteam verkleinert
Da am kommenden Wochenende parallel zum Weltcup in Seefeld auch der Continental Cup der Nordischen Kombination in Schonach (GER) stattfindet, tritt das Damenteam in verkleinerter Form an: „Wir gehen in Seefeld mit einem reduzierten Team an den Start. Unsere arrivierten Athletinnen Nathalie Armbruster, Jenny Nowak, Ronja Loh und Trine Göpfert sind mit dabei. Unsere Juniorinnen messen sich zeitgleich beim COC in Schonach. Sie haben dort eine JWM-Ausscheidung zu springen,“ erläutert Frauen-Bundestrainer Florian Aichinger. Bei den Herren rückt Tristan Sommerfeldt wieder ins Team; Manuel Faißt und Terence Weber sind dagegen in Seefeld nicht am Start. Neben den Oberstdorfern Vinzenz Geiger, Johannes Rydzek, Julian Schmid und Wendelin Thannheimer werden auch Richard Stenzel und die beiden Brüder Simon und David Mach nach Seefeld reisen. Geiger spricht seinen Kollegen aus der Seele: „Für mich ist das Seefeld Triple definitiv immer eins der Highlights im Weltcup-Kalender. Ich bin unglaublich gerne in Seefeld und durfte dort schon große Erfolge feiern. Schöner Ort – und nicht weit weg von Oberstdorf. Es werden sicherlich wieder ein paar Fans von daheim mit dabei sein. Deswegen freue ich mich umso mehr darauf.“
Der Zeitplan
Donnerstag, 29.01.2026
09:45 Uhr: HS 109, PCR/Qualifikation, Frauen
11:45 Uhr: HS 109, PCR/Qualifikation, Männer
Freitag, 30.01.2026
11:45 Uhr: Massenstart 5 km, Frauen
12:30 Uhr: Massenstart 10 km, Männer
13:30 Uhr: Probedurchgang HS 109, Frauen
14:10 Uhr: Sprung HS 109, Frauen
15:00 Uhr: Sprung HS 109, Männer
16:10 Uhr: Siegerehrung (Arena 365)
Samstag, 31.01.2026
09:35 Uhr: Probedurchgang HS 109, Frauen
10:15 Uhr: Sprung HS 109, Frauen
11:15 Uhr: Probedurchgang HS 109, Männer
12:30 Uhr: Sprung HS 109, Männer
14:45 Uhr: Individual Compact 5 km, Frauen
15:30 Uhr: Individual Compact 7,5 km, Männer
16:00 Uhr: Flower Ceremony (Arena 365)
19:00 Uhr: Siegerehrung, Seefeld Stadtmitte
Sonntag, 01.02.2026
09:35 Uhr: Probedurchgang HS 109, Frauen
10:15 Uhr: Sprung HS 109, Frauen
11:20 Uhr: Probedurchgang HS 109, Männer
12:30 Uhr: Sprung HS 109, Männer
14:45 Uhr: Gundersen 7,5 km, Frauen
15:30 Uhr: Gundersen 12,5 km, Männer
16:15 Uhr: Siegerehrung (Arena 365)
Nordische Kombination im TV
Die Wettkämpfe aus Seefeld werden auf ZDF (hier) und Eurosport (hier) übertragen.





