Ida Marie Hagen (NOR), Minja Korhonen (FIN), (l-r)
Nordische Kombination Weltcup News

Nordische Kombination: Premierensieg für Korhonen, Gesamtsieg für Lamparter

Minja Korhonen (FIN) hat in Lahti (FIN) eine doppelte Premiere gefeiert: Beim ersten Weltcup der Nordischen Kombination der Frauen in Finnland feierte die Finnin ihren ersten Weltcupsieg. Bei den Männern siegte Jens Luraas Oftebro (NOR). Johannes Lamparter (AUT) sicherte sich die Gesamtwertung. Hiobsbotschaft für das deutsche Team: Wendelin Thannheimer verletzte sich wohl am Knie.

Erster Weltcup der Frauen in Finnland

Heta Hirvonen (FIN)
Heta Hirvonen (FIN) © Sandra Volk

Die Nordische Kombination der Frauen hat am Freitag einen weiteren Schritt nach vorn gemacht. Erstmals traten die Damen in Lahti an. Da die Frauen mit Ausnahme von Oslo (NOR) in der vergangenen Saison bislang nur auf Normalschanzen starteten, blieb ihnen dieser Weltcup in der Vergangenheit verwehrt. Die Premiere hätte aus finnischer Sicht kaum besser laufen können. Bereits nach dem Springen standen die Chancen auf einen Podiumsplatz für Korhonen gut, auch wenn sich die 18-Jährige zunächst noch Alexa Brabec (USA) geschlagen geben musste. Diese lieferte mit 125,5 Metern den weitesten Sprung der Frauen, dreieinhalb Meter weiter als Korhonen, was in Zeit umgerechnet allerdings nur sechs Sekunden Vorsprung für die Amerikanerin bedeutete. Ingrid Laate (NOR) sprang ebenfalls starke 121 Meter und wurde Dritte, verzichtete aber auf den Lauf. Weltcup-Gesamtsiegerin Ida Marie Hagen (NOR) lag nach dem Springen nur auf Rang vier und fast eine Minute (56 sec) hinter Brabec. Lokalmatadorin Heta Hirvonen wurde mit 117 Meter Fünfte vor Ema Volavsek (SLO). Lisa Hirner lag als beste Österreicherin zwischenzeitlich auf Rang sieben. Ronja Loh war die beste Deutsche auf der Schanze als Neunte. Nathalie Armbruster (GER) und Jenny Nowak (GER) kamen dagegen über die Plätze elf und dreizehn zunächst nicht hinaus.

Korhonen ringt Hagen nieder

Ida Marie Hagen (NOR), Minja Korhonen (FIN), (l-r)
Ida Marie Hagen (NOR), Minja Korhonen (FIN), (l-r) © Sandra Volk

Im Rennen sah zunächst alles nach der üblichen Hagen-Show aus. Während Korhonen zur Halbzeit an der Spitze lag, holte Hagen Stück für Stück auf, schloss auf zu den vor ihr liegenden, und ging bei Kilometer drei sogar in Führung. Brabec musste in der Folge abreißen lassen, aber Korhonen hielt dagegen und ging bei der Einfahrt ins Stadion sogar wieder an die Spitze. Auf der Zielgeraden lieferten sich die beiden einen engen Kampf um den Sieg, den Korhonen erst auf der Ziellinie mit 0,5 Sekunden Vorsprung vor Hagen für sich entscheiden konnte. Brabec musste sich mit Platz drei zufrieden geben. Korhonen ist die erste Finnin, die einen Weltcup in der Nordischen Kombination gewinnen konnte. „Ich glaube, ich werde erst später erkennen, was ich getan habe. Ich habe nach einem Rennen noch nie so viel gelächelt. Ich fühle mich nicht erschöpft, weil ich so überwältigt bin. Es ist so unglaublich,“ strahlte die Siegerin und ergänzte: „Ich habe mich ziemlich gut gefühlt, aber ich wusste, dass Ida so eine gute Skifahrerin ist, und ich war wirklich überrascht, dass ich als Erste die Ziellinie erreicht habe.“ Hagen ihrerseits musste sich erst zum dritten Mal in dieser Saison geschlagen geben: „Zunächst einmal bin ich wirklich beeindruckt von Minjas Leistung – zu Hause ist der Druck groß“, sagte Hagen. „Aber ich möchte immer gewinnen, und ich war wütend auf mich selbst, weil ich nicht ein wenig taktisch klüger war. Ich denke, ich hätte auf der zweiten Runde mehr pushen und zuerst oben am Anstieg sein können, aber das ist das Leben.“

Deutsches Team angeschlagen

Nathalie Armbruster (GER)
Nathalie Armbruster (GER) © Sandra Volk

Die deutschen Damen hatten mit dem Podium dieses Mal nichts zu tun. „Leider haben wir heute schon an der Schanze zu viel liegen lassen. Die Bedingungen waren eigentlich sehr gut und hätten gute Sprünge ermöglicht, aber irgendwie war von Beginn an der Wurm drin. Im Training haben wir teilweise wirklich gute Sprünge gezeigt, konnten das im Wettkampf aber leider nicht umsetzen. Vielleicht klappt es morgen besser,“ bilanzierte Frauen-Bundestrainer Florian Aichinger. „Mit dem Lauf können wir dagegen sehr zufrieden sein. Der war wirklich stark. Allerdings war unsere Ausgangsposition nach dem Springen so schwierig, dass wir nur noch nach vorne attackieren konnten. Das Material war gut und läuferisch waren wir ebenfalls stark.“ Und das, obwohl das komplette Team gesundheitlich angeschlagen ins Rennen ging: „Aus Falun haben wir leider einen größeren Infekt mitgebracht, der eigentlich fast das ganze Team erwischt hat. Heute lag Trine [Göpfert] komplett flach und Jenny war schon vor dem Springen mit Kopfschmerzen und weiteren Symptomen ziemlich angeschlagen. Trotzdem haben wir uns durchgekämpft.“ In Anbetracht dessen waren der sechste Platz von Armbruster, Platz zehn von Nowak, 14 von Ronja Loh und der 19. Platz bei ihrem Weltcup-Debüt von Lilly Großmann aller Ehren wert.

Zwischenstand Sprung DamenEndergebnis Damen

Lamparter mit Wiedergutmachung

Persönliche Bestleistung: Otto Niittykoski (FIN)
Persönliche Bestleistung: Otto Niittykoski (FIN) © Sandra Volk

Für Weltcup-Spitzenreiter Johannes Lamparter (AUT) hatte das Wochenende in Lahti mit einem gehörigen Schrecken begonnen. Lamparter bekam bei seinem ersten Trainingssprung Probleme in der Luft und konnte nur mit Mühe einen Sturz verhindern. Im Wettkampf war davon jedoch nichts mehr zu sehen. In einem hochklassigen Springen, in dem vor allem die Finnen überraschten, setzte sich der Österreicher letzten Endes doch noch durch und setzte sich mit der Tageshöchstweite von 129,5 Metern an die Spitze. Durch eine nicht ganz saubere Landung ließ er allerdings einige Punkte liegen, wodurch seine unmittelbaren Verfolger, die norwegischen Brüder Einar (2., 126 m) und Jens Luraas Oftebro (3., 126,5 m) lediglich 18 bzw. 20 Sekunden hinter ihm zurück lagen. Ilkka Herola (FIN), der am vergangenen Wochenende das historische erste Skifliegen der Kombinierer am Kulm (AUT) gewinnen konnte, flog auch in Lahti auf starke 129 Meter, was ihm, punkt- und zeitgleich mit Jens Oftebro, Rang drei einbrachte. Die Überraschung des Tages war jedoch Otto Niittykoski (FIN). Der junge Finne startete bereits mit der Nummer 12, flog auf 128,5 Meter und behauptete seine Führungsposition immer noch, als nur noch fünf Athleten auf der Schanze warteten. Da Julian Schmid (GER) bereits bei 114 Metern landete, behauptete Niittykoski Platz fünf nach dem Springen – 0,1 Punkte hinter, aber zeitgleich mit Herola.

Thannheimer springt weit und stürzt

Das sieht nicht gut aus: Wendelin Thannheimer (GER)
Das sieht nicht gut aus: Wendelin Thannheimer (GER) © Sandra Volk

Marco Heinis, der am Kulm den (gestandenen) Weltrekord eines Kombinierers und zugleich französischen Rekord geflogen war, sprang in Lahti auf Rang sechs, gefolgt von den beiden „Richis“. Johannes Rydzek (GER) und Richard Stenzel (GER) belegten die Plätze sieben und acht nach Sprüngen auf 120 Meter bei verkürztem Anlauf für Rydzek, und 125 Meter für Stenzel. Pech hatte Wendelin Thannheimer. Der Oberstdorfer hielt weitenmäßig voll mit und landete bei 128,5 Metern, konnte die Landung aber nicht kontrollieren und verdrehte sich beide Knie. Er wurde zur Untersuchung in Krankenhaus gebracht, die Diagnose ist noch nicht bekannt. Die weiteren Deutschen und auch Österreicher sprangen samt und sonders ins Mittelfeld.

 

Vierkampf um den Tagessieg

Einar Luraas Oftebro (NOR), Jens Luraas Oftebro (NOR), Ilkka Herola (FIN), Johannes Lamparter (AUT), (l-r)
Einar Luraas Oftebro (NOR), Jens Luraas Oftebro (NOR), Ilkka Herola (FIN), Johannes Lamparter (AUT), (l-r) © Sandra Volk

Lamparters Führung in der Loipe hielt nur bis zur Drei-Kilometer-Marke, dann hatte das Verfolger-Quartett, bestehend aus den Oftebros, Herola und Niittykoski, ihn eingeholt. Niittykoski musste in der Folge dann aber doch leicht abreißen lassen und wurde zudem vom starken Rydzek überholt. Die Führung in der Spitzengruppe wechselte regelmäßig bei etwas niedrigerem Tempo als zuvor, bevor Jens Oftebro rund zwei Kilometer vor Schluss seine gefürchtete Attacke ritt. Er brachte rund drei Sekunden zwischen sich, seinen Bruder und Herola, während Lamparter nun ebenfalls abreißen lassen musste. Auf der Zielgeraden hatte Jens Oftebro noch die Zeit, sich umzudrehen und seinen Bruder hinter sich zu sehen, der sich seinerseits leicht von Herola hatte absetzen können. Der Finne wurde unter dem Jubel des Heimpublikums Dritter (+10,3 sec). Lamparter kam 25,2 Sekunden nach dem Sieger als Vierter ins Ziel. Fünfter wurde Rydzek (+38,6 sec) vor Otto Niittykoski, der mit Platz sechs eine neue persönliche Bestleistung aufstellte. Andreas Skoglund (NOR) wurde Siebter vor Vinzenz Geiger (GER), der sich um zehn Plätze verbesserte. Neunter wurde Kristjan Ilves (EST) vor Niklas Malacinski (USA), der ebenfalls eine neue persönliche Bestleistung erzielte und Eero Hirvonen (FIN), den schnellsten Läufer des Tages (22:20,7 min für zehn Kilometer) im Foto-Finish schlug.

Lamparter mit dem zweiten Gesamtsieg

Johannes Lamparter (AUT)
Johannes Lamparter (AUT) © Sandra Volk

Zwar verpasste er das Podium des Tages, doch auch mit dem vierten Platz konnte Lamparter richtig gut leben. Bedeutete dieser doch, dass der Österreicher den zweiten Gesamt-Weltcupsieg seiner Karriere nach 2022/23 unter Dach und Fach brachte: „Ich habe mich noch nie so über einen vierten Platz gefreut wie heute. Ich habe einen soliden Wettkampf gezeigt mit einem guten Sprung. Leider hab ich auf der Loipe nicht ganz das zeigen können, was ich gerne wollte. Ich bin trotzdem sehr sehr happy, eine zweite große Kugel daheim zu haben ist genial. Die Kugel einmal zu holen, das kann passieren. Um das Ganze ein zweites Mal zu wiederholen, dazu braucht es schon wirklich Konstanz. Das ist mir dieses Jahr wieder gelungen, es ist eine tolle Bestätigung. Jede Kugel hat ihre eigene Geschichte und auf diese bin ich sehr sehr stolz,“ strahlte Lamparter. und auch sein Cheftrainer Christoph Bieler war mehr als zufrieden: „Ich bin echt beeindruckt von ihm, was er über die ganze Saison geleistet hat. Nach den drei Olympiamedaillen und dem Gewinn aller Kugeln, die es zu holen gab, ist das die Draufgabe. Es zeigt, dass er ein ganz ganz großer Sportler ist. Es wirkt von außen her vielleicht sogar einfacher, als es schlussendlich war. Auch wenn es in den Trainings oft nicht so gelaufen ist, hat er sich immer wieder rangearbeitet. Er hat eine unglaubliche Wettkampfstärke bewiesen und in seinen jungen Jahren schon so viel erreicht. Wenn wir olympisch bleiben, dann hoffen wir, dass noch viele Erfolge dazukommen.“

Zwischenstand Sprung HerrenEndergebnis Herren

Stimmen zum Wettkampf

Minja Korhonen (FIN)„Als ich in den Langlauf gestartet bin, habe ich natürlich auf den Sieg gehofft. Im Verlauf des Rennens war ich mir aber nicht ganz sicher, wie es ausgehen würde. Bis zum Ende hatte ich jedoch ein ziemlich gutes Gefühl im Körper und konnte noch einmal stark finishen. Deshalb war das Ergebnis am Ende auch für mich selbst ein wenig überraschend.“

Alexa Brabec (USA)„Natürlich bin ich sehr glücklich darüber, wie das Springen heute gelaufen ist. Damit kann ich auf jeden Fall zufrieden sein. Im Rennen habe ich am Ende allerdings den Sieg beziehungsweise die Entscheidung in der Gruppe verloren, das war ein bisschen enttäuschend. Aber ein Podestplatz ist am Ende trotzdem ein Podestplatz.“

Jens Luraas Oftebro (NOR)„Zunächst einmal war es ein wirklich guter Sprung. Von Platz drei ins Rennen zu gehen, ist schon eine Weile nicht mehr passiert, deshalb war das eine perfekte Ausgangsposition. Das Rennen war dann ziemlich taktisch geprägt, aber ich habe mich gut gefühlt. Zu Beginn der letzten Runde konnte ich eine kleine Lücke zu Einar reißen, was sehr wichtig war, er war sehr stark am Ende. Aber ein weiteres Doppel-Oftebro, insgesamt ist das ein perfekter Start ins Wochenende.“

Einar Luraas Oftebro (NOR)„Es war ein wirklich guter Tag. Sowohl Jens als auch ich kommen auf dieser Schanze sehr gut zurecht und haben gute Sprünge gezeigt. Am Ende mit einem Sieg und einem zweiten Platz abzuschließen, ist natürlich ein großartiges Ergebnis und ein richtig guter Tag für das Team. Darüber freue ich mich sehr. Ein bisschen schade ist es natürlich, dass ich heute den Sprint gegen Jens verloren habe, denn wahrscheinlich wird er jetzt morgen im Teamsprint im ersten Team starten und ich im zweiten. Aber ich denke, Norwegen hat zwei sehr starke Teams, die um die vorderen Plätze kämpfen können. Ich freue mich sehr auf den Team-Sprint. Gerade nachdem ich den Teamwettbewerb bei den Olympischen Spielen verpasst habe, bin ich froh, zumindest einmal in dieser Saison einen Teamwettbewerb bestreiten zu können.“

Ilkka Herola (FIN)„Ich hätte heute nicht mehr erhoffen können. Es war einfach ein richtig guter Tag, alles hat gut funktioniert. Die Oftebro-Brüder waren heute natürlich sehr stark – davor kann man nur den Hut ziehen. Ich hatte heute einfach keine Mittel, um dagegenzuhalten. Für mich war es trotzdem ein sehr gutes Rennen, sowohl auf der Schanze als auch in der Loipe, und damit bin ich sehr zufrieden. Heute waren einfach zwei Athleten besser, und das macht mich überhaupt nicht traurig. Ich möchte hier einfach jeden Moment genießen.“

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