
Erfolgreicher Tag für die deutschen Nordischen Kombinierer beim Sommer Grand Prix in Chaux-Neuve (Frankreich). Nathalie Armbruster siegte vor Minja Korhonen (FIN) und Ema Volavsek (SLO). Bei den Herren feierten Johannes Rydzek und Richard Stenzel einen deutschen Doppelsieg; der Österreicher Florian Kolb landete als Dritter ebenfalls auf dem Podium.
PCR-Sieg für Stenzel
Während der provisorische Wertungs-durchgang der Damen wie geplant bereits am Freitag über die Bühne gehen konnte, musste der der Herren wetterbedingt auf Samstagvormittag verschoben werden. Starker, böiger Wind hatte für einen Abbruch des Trainings der Herren gesorgt. Der Sieg ging bei den Herren dann überraschend an Richard Stenzel. Mit einem Sprung auf 114,5 Meter konnte er erstmals einen PCR für sich entscheiden. Johannes Rydzek zeigte hier ebenfalls bereits seine starke Form; mit 107 Metern auf der 118 Meter-Schanze wurde er Zweiter. Bei den Damen hatte sich am Vortag Minja Korhonen durchgesetzt.
Kolb am weitesten
Im Wettkampf-Sprung war es dann Kolb, der mit 117,5 Metern den weitesten Sprung des Tages setzte. Damit blieb er nur einen halben Meter unterhalb der Juryweite. Aber auch Rydzek hielt mit. Ein Meter weniger als Kolb brachte ihn auf Zwischenrang zwei, lediglich zwei Sekunden hinter dem Österreicher. Und auch Stenzel steigerte seine Leistung aus dem PCR noch um einen halben Meter, er ging vier Sekunden hinter Kolb ins Rennen. Ebenfalls stark präsentierten sich die beiden Tschechen Jiri Konvalinka (4.) und Jan Vytrval (7.), die nach größeren Schwierigkeiten in der vergangenen Saison offenbar wieder zu einer guten Sprungform finden konnten. Zur Begeisterung des einheimischen Publikums trugen insbesondere die Sprünge von Marco Heinis (5.) und Laurent Mühlethaler (6.) bei, die sich ebenfalls aussichtsreich platzieren konnten. Der Finne Eemeli Kurttila, Simon Mach (GER) und Christian Deuschl (AUT) komplettierten die Top Ten, während der Schweizer Pascal Müller nach dem Springen auf dem elften Rang lag.
Rydzek mit Routine
Routinier Rydzek, mit seinen 33 Jahren einer der erfahrensten Kombinierer des Feldes, ließ sich den Sieg auf dem Stadtkurs in Chaux-Neuve nicht nehmen. Vom Start weg schloss er zu Kolb auf. Auch Stenzel ging mit in die Führungsgruppe. Zu dritt bestritten sie das Rennen von vorne, bis Rydzek in der Schlussrunde angriff und sich von den beiden Youngstern absetzte. Bis ins Ziel hatte er so viel Vorsprung herausgelaufen, dass er sich in aller Ruhe feiern lassen und mit den Zuschauern abklatschen konnte, bevor er die Ziellinie überquerte. Stenzel und Kolb hielten das Tempo ebenfalls durch und kamen als Zweiter (+12,9 sec) und Dritter (+20,2 sec) ins Ziel. Für beide war es jeweils das erste Podium bei einem Grand Prix. Die beiden Franzosen Mühlethaler und Heinis verpassten das Podest als Vierter und Fünfter, wurden jedoch von den Fans dennoch frenetisch gefeiert. Konvalinka wurde Sechster vor Samuel Costa (ITA), der zehn Plätze gutmachen konnte. Simon Mach kam als Achter ebenso in die Top Ten wie Tristan Sommerfeldt (GER) und Gael Blondeau (FRA), während mit Matteo Baud und Mael Tyrode zwei weitere Franzosen auf den Rängen elf und zwölf folgten. Vid Vrhovnik (SLO) wurde mit der schnellsten Laufzeit (21:59.6 min) 13. und machte 19 Plätze gut. Die Positionen der übrigen deutschsprachigen Athleten: 18. Jan Andersen (GER), 19. Benedikt Gräbert (GER), 20. Pascal Müller (SUI), 21. Christian Deuschl (AUT), 28. Andreas Gfrerer (AUT), 30. Jonas Fischbacher (AUT), 31. Jonathan Gräbert (GER), 33. Felix Brieden (GER), 35. David Liegl (AUT), 36. Finn Kempf (SUI).
Zwischenstand Sprung HerrenEndergebnis Herren
Armbruster in Schlagdistanz
Bei den Frauen war es die Finnin Minja Korhonen, die mit 104 Metern die Spitzenposition übernahm. Der weiteste Sprung des Tages der Damen kam jedoch von der Französin Romane Baud mit 109,5 Metern. Sie bekam jedoch aufgrund besserer Windverhältnisse deutlich mehr Punktabzug als Korhonen und Armbruster, die mit 102 Metern Dritte wurde. Ähnlich wie bei den Herren, gingen auch die drei führenden Damen innerhalb von fünf Sekunden ins Rennen. Mit Teja Pavec (SLO), Jenny Nowak (GER) und Maria Gerboth (GER) lagen die nächsten Verfolgerinnen bereits 34 beziehungsweise 36 Sekunden hinter der Führenden zurück. Die US-Amerikanerin Tara Geraghty-Moats landete ebenfalls einen Sprung im dreistelligen Bereich und wurde Siebte, 54 Sekunden hinter Korhonen zurück. Die Ukrainerin Karina Kozlova, die in Oberstdorf noch im Youth Cup gestartet war, sprang auf Rang acht vor Ema Volavsek (+ 1:00 min) und Trine Göpfert (GER).
Armbruster wiederholt Sieg von Oberstdorf
Armbruster schloss von Beginn an zu Korhonen auf, die zunächst das Tempo der Schwarzwälderin mithalten konnte. Baud fiel dagegen schnell zurück und wurde von den Verfolgerinnen Pavec und Nowak eingeholt. In der letzten Runde zog Armbruster dann noch einmal das Tempo an und schüttelte Korhonen ab. Ins Ziel lief sie rund 15 Sekunden vor der Finnin und verteidigte damit ihre Führung in der Grand Prix-Gesamtwertung. Korhonen freute sich über Rang zwei, während hinter ihr der Kampf um den letzten Podestplatz entbrannte. Volavsek und Geraghty-Mats hatten sich bereits früh im Rennen zusammengeschlossen und sich durchs Feld gearbeitet. Ins Ziel kamen sie eine halbe Minute hinter der Siegerin und sprinteten um Platz drei, mit dem besseren Ende für Volavsek. Geraghty-Moats wurde damit auch in ihrem zweiten Grand Prix nach ihrer zeitweiligen Rückkehr zu den Kombiniererinnen Vierte. Nowak wurde Fünfte vor Pavec und Göpfert, die beide jeweils persönliche Bestleistungen im Grand Prix erzielten. Baud wurde Achte vor ihrer Landsfrau Lena Brocard. Gerboth komplettierte die Top Ten vor Ronja Loh (GER). Die einzige Österreicherin Clara Mentil wurde 15., Laura Pletz (AUT) trat zum Lauf nicht an.
Zwischenstand Sprung DamenEndergebnis Damen
Athleten feiern die Stimmung
Johannes Rydzek (GER): „Ich bin hierher gekommen wegen der Atmosphäre, nicht wegen des Sieges. Ich war vor vielen Jahren bereits hier für den Weltcup und jetzt noch einmal im zweiten Jahr mit dem Sommer-Grand-Prix. Es ist erstaunlich, es ist verrückt – wir hatten Bengalos im Anstieg, Kuhglocken, das macht diesen Stopp so besonders. Deshalb bin ich hierher gekommen! Ich hatte in Oberstdorf mit meinem Springen zu kämpfen und konnte nicht zeigen, was ich im Training konnte. Ich mag diesen Hang im Sommer und meine Sprünge waren besser. Nachdem ich im Springen Zweiter war, hatte ich ein gutes Gefühl für die Langlaufstrecke. Natürlich weiß ich, dass nicht das gesamte hochklassige Feld hier ist und viele ‚Stars‘ diese Veranstaltung ausgelassen haben, weshalb ich so erfolgreich abschneiden konnte. Aber ich finde es schade, denn hier ist eine solche großartige Atmosphäre und wir kämpfen für unseren Sport, und dann sollte man zu jeder Veranstaltung der Weltklasse kommen – das ist meine Meinung.“
Richard Stenzel (GER): „Heute fühlte sich an wie die Tour de France. Wir hatten auch eine schöne Gruppe zum Skifahren und haben gut zusammengearbeitet, worüber ich mich wirklich freue. Jetzt komme ich auch im Skispringen in Form, was Spaß macht und sehr motivierend für den Laufteil ist. Ich bin mit dem Wettkampf zufrieden.“
Florian Kolb (AUT): „Es hat mir heute sehr gefallen. Das Springen war schon großartig mit einem fantastischen Publikum, aber das Rennen war einfach perfekt. Bengalos in den französischen Farben und ein perfektes Rennen für mich, mit dem besten Ergebnis bisher, was mich sehr glücklich macht.“
Nathalie Armbruster (GER): „Es fühlt sich großartig an, diesen zweiten Sieg zu haben. Es war heute hier so cool. Ich fühlte mich dieses Jahr auf der Schanze ziemlich gut, es hat mir wirklich gefallen, und mein Rennen war auch gut. Ich habe es genossen, vor diesem Publikum zu fahren. Ich war wieder sehr überrascht, wie viele Leute gekommen sind und für die Deutschen angefeuert haben. Überall hörte ich ‚Allez Nathalie‘, was einfach sehr cool war.“
Minja Korhonen (FIN): „Es war schön, vorne zu sein, als wir mit dem Rollski-Teil anfingen. Es ist normalerweise nicht der Ort, an dem ich bin, aber es fühlte sich großartig an, und ich hoffe, dass ich es in Zukunft wieder schaffe, vorne zu sein.“
Ema Volavsek (SLO): „Es war ein spaßiges Rennen, obwohl ich leider zu viel auf der Sprungschanze heute Morgen verloren habe. Am Ende bin ich glücklich, weil ich ein gutes Cross-Country-Rennen gemacht habe und das Ziel erreicht habe.“
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