Stimmen zum 50er: „Der Sturz ist mir sauber in die Glieder gefahren“

Jonas Dobler (GER) © Modica/NordicFocus

Jonas Dobler hat in seinem letzten WM-Rennen zweimal Pech gehabt und auch Albert Kuchler hat sich gut durch sein erst drittes Rennen über 50 Kilometer gekämpft. Die kompletten Statements der Athleten und des Teamchefs zum letzten Wettkampftag findet ihr hier…

Albert Kuchler (GER)

Die ersten drei Runden habe ich mich sehr, sehr gut gefühlt und habe mir gedacht: ‚Cool, da kannst du jetzt einfach so mitlaufen. Alles nach Plan‘. Und dann wurde es ziemlich schnell sehr feucht und dann haben meine Ski ziemlich abgebaut und mir ist dann nichts anderes übrig geblieben wie nach der vierten Runde die Ski zu wechseln. Der neue Ski war leider auch nicht so viel besser und dann naja… Dann bin ich einfach geplatzt und dann wurde es hart.
Es hat sich toll angefühlt, in der Spitzengruppe mitzulaufen. Ich war wirklich noch nicht so am Limit, das kam dann sehr schlagartig. Mit der Bronzemedaille im Hinterkopf ging es irgendwie leichter die erste Hälfte.
Ich bereue den Skiwechsel nicht und es war die richtige Entscheidung, weil ich haargenau gewusst habe, wenn ich jetzt nicht wechsle, falle ich sowieso hinten raus. Es geht im ersten Teil der Runde viel bergab und da hatte ich in der vierten Runde schon extrem zu kämpfen und ich wäre dann sowieso rausgefallen. Auch wenn ich da mitgelaufen wäre, es wäre nicht besser geworden.
Die Medaille macht mich so extrem glücklich, weil wir es extrem wollten und dem Jones da ein Abschiedsgeschenk bereiten. Das wird er auch sein Leben lang nicht mehr vergessen. (Quelle: DSV)

Jonas Dobler (GER)

Ein 50er ist immer hart. Am Ende ist es dann auch warm geworden und weich. Da haben wir uns durchgequält. Ich habe mich sehr gut gefühlt eigentlich. Dann stürzte ich schon in der zweiten Runde das erste Mal. Das ist mir natürlich sauber in die Glieder gefahren. Danach war die Leichtigkeit weg. Ich bin zwar wieder mitgelaufen, aber die Leichtigkeit war mit dem Sturz weg. Man versucht es dann natürlich abzuhaken, aber natürlich ärgert man sich und es fährt auch sauber in die Haxen, der Schreckmoment, da war die Leichtigkeit weg. Aber das kann mal passieren. Ich habe mich maximal konzentriert in den Abfahrten und da fährt mir jemand ganz leicht an den Ski. Ich wüsste jetzt nicht, was ich anders machen sollte. Man muss da schauen, dass man möglichst heil bleibt, sich möglichst konzentriert und das war dann mein Pech halt.
Es war eine Wahnsinns WM. Die Bronzemedaille kann uns keiner mehr nehmen. Das war das Beste, was wir vier in unserer Karriere erlebt haben und das nimmt uns keiner mehr. (Quelle: DSV)

Peter Schlickenrieder (GER)

Das Rennen hat all das gezeigt, was den Langlauf ausmacht. Richtig hart und spannend bis zur Ziellinie. Unsere zwei haben sich trotz der Feierlichkeiten um die Bronzemedaille richtig reingehaut und wenn Jonas Dobler bei einem seiner letzten Auftritte noch einmal richtig unzufrieden ist, weil er zwei Stürze gehabt hat, obwohl er eigentlich richtig gut drauf war, dann zeigt das die Haltung, mit der unsere Jungs heute den 50er angegangen sind und deswegen wieder Lob, Chapeau! Sie haben probiert bis zum Schluss und nicht aufgegeben und das ist genau das, was wir brauchen. Immer weiter kämpfen, dranbleiben, immer ehrgeizig bleiben. Wir wollen mehr und deshalb verdienter 21. und 25 Platz. Zwei Starter, zwei unter Top25, das passt und irgendwann machen wir auch über die langen Strecken noch einen Schritt nach vorne.
Wir haben intensive zwei Wochen hinter uns. Wir sind keine große Mannschaft, deswegen muss jeder jeden Tag ran und diese langen Tage durchziehen. Ich denk, das wir das wirklich gut gemeistert haben im Gesamtteam, aber auch das Feiern nicht vergessen haben und das gehört für mich dazu, wenn man hart arbeitet und Erfolge feiert, dann gehören die auch gefeiert. Das ist uns wieder gut gelungen und den Spirit müssen wir einfach beibehalten.
Gesamtorganisation, das hat geklappt. Schöne Strecken, schwere Strecke, tolles Wetter, tolles Ambiente hier in Planica. Was ich mir gewünscht hätte, dass man etwas lockerer wird und die Zuschauer auf die Piste lässt, das macht unseren Sport aus. Wenn man an Norwegen denkt, an die Fans, die da draußen auch zelten, die den Langlaufsport dann leben, das ist ja eigentlich unsere Fanbase und das gehört dazu. Da muss man etwas lockerer sein und nicht alles so durchgetaktet organisieren. Da gibt es vielleicht mal das eine oder andere schlechtere Fernsehbild, aber das ist aus meiner Sicht zu vernachlässigen, wenn man die Stimmung hat, die Leute, die einen gefühlt das ganze Jahr begleiten, dass die dann auch vor Ort das Feeling erleben können.
Ich glaube, es gelingt gut, sich auf die nächsten Weltcups zu fokussieren. Man hat es an der Haltung von Jonas Dobler gesehen. Er könnte auch sagen: Es sind meine letzten Weltmeisterschaften, das genieße ich. Aber er ist ehrgeizig, er will sich was beweisen und was zeigen und genauso heiß ist auch Lucas Bögl, der beim 50er Skating in Oslo zeigen will, was er kann. Er hat eine gute WM gehabt, er war knapp nicht in der Mannschaft, er war der Ersatzmann, hat mitgekämpft, Ski getestet, mitgeholfen. Also wieder die Haltung, die mir so wichtig ist und darum glaube ich, dass keiner darüber nachdenken wird, jetzt müde zu sein. Die greifen noch einmal voll an. Wir haben uns ein paar rote Gruppe Plätze vorgenommen, damit wir nächstes Jahr mehr an den Start bringen können. Die brauchen wir, wir haben ein paar Junge, die müssen wir einfach zum Einsatz bringen im Weltcup, damit die Erfahrung sammeln und irgendwann in die Fußstapfen von einem Jonas Dobler oder einem Lucas Bögl treten können oder von der Erfahrung profitieren können, die unsere älteren Athleten haben und dafür braucht es einfach zwei bis drei Jahre. (Quelle: DSV)

https://www.xc-ski.de/events/wm-und-olympia/nordische-ski-wm-planica-2023/news-nordische-ski-wm-planica-2023/la

Peter Schlickenrieder (GER)

Es ist Nervenkitzel pur, vor allem weil man sich zwei Stunden damit beschäftigen kann, wie man den letzten Berg läuft, wann man die Attacke reitet, dann kommt die Müdigkeit dazu, wo man zwischendurch sagt: ‚Scheißegal, Hauptsache wir kommen irgendwie auf die Zielgerade!‘ Es war ein extrem schneller 50er in etwa zwei Stunden, ein Wechselbad der Gefühle. Es ist unendlich lang und man kann sich viel Gedanken machen, was hier alles passieren könnte. Man hat Phasen, wo es richtig gut geht, ‚Heute reiß ich es und heute werde ich Weltmeister‘, dann gibt es Phasen, wo man denkt, einfach nur durchkommen: ‚Wo ist die nächste Verpflegung? Bitte gebt mir was zu Trinken!‘. Dann hat man Sehnsüchte, man wünscht sich Cola. Eine kalte Cola, gerade wenn es so warm ist. Die natürlich keinen Sinn macht. Man denkt sehr, sehr viel. Bis dahin, dass man Stoßgebete gen Himmel schickt, dass dieses Ding endlich zu Ende geht.
Auch wenn der Jones heute noch Weltmeister werden wollte, kann er mehr als zufrieden sein, seine Karriere hier mit einer Medaille im Team zu krönen. (Quelle: ARD)

Jonas Dobler (GER)

Ich habe versucht, mich auf mich zu konzentrieren und nicht irgendwie abzuschweifen. Aber leider habe ich mich zweimal hingelegt. Das ist mir auch noch nie passiert. Beim ersten Mal hatte ich keine Chance, da fährt mir einer gegen den Ski. Das zweite Mal war 100% selbstverschuldet, das war noch unnötiger. Dann tut es natürlich sehr weh, da hinzulaufen. Das fährt sauber in die Glieder. Das ist natürlich dann ärgerlich, da kann man nichts machen. Aber das hat natürlich mein Rennen überschattet.
Ich habe mir auch gedacht, Gott sei Dank, dass mir vorgestern nichts passiert ist und ich es sturzfrei rübergebracht habe, das war auf jeden Fall wichtiger. Natürlich haben wir so gute Vibes gehabt wie noch nie die letzten zwei Tage, weil wir etwas erreicht haben, was wir noch nie erreicht haben. Natürlich hat es das die letzten zwei Tage leichter gemacht. (Quelle: ARD)

Albert Kuchler (GER)

Die ersten vier Runden habe ich mich sehr sehr gut gefühlt. Ich musste dann einfach Ski wechseln, weil der ziemlich abgebaut hat und dann wurde es irgendwann zum Kampf.
Meine Einzelwettkämpfe waren in Ordnung. Sie waren solide. Die Medaille war natürlich die absolute Krönung und ich bin motiviert und freue mich auf die nächsten Monate und Jahre. (Quelle: ARD)