Mit der Mixed Staffel am Sonntag fällt für die Biathleten der erste Startschuss in die olympischen Winterspiele 2026. Alle Wettkämpfe werden in der Anterselva Biathlon Arena in Antholz ausgetragen. An zehn Wettkampftagen geht es um elf Medaillensätze.
Der Austragungsort
Antholz ist eine kleine Gemeinde im Osten Südtirols mit knapp 3.000 Einwohnern östlich von Bruneck. Im Talschluss befindet sich der Antholzer See bevor das Gelände zum Staller Sattel aufsteigt, einem befahrbaren Pass über die italienisch-österreichische Staatsgrenze. Das beschauliche Tal steht unter normalen Umständen während des dort jährlich stattfindenden Biathlon-Weltcups im Ausnahmezustand und erfreut sich bei den Biathlon-Fans im europäischen Raum höchster Beliebtheit. Direkt an der Strecke liegt die bekannte Huber-Alm, wenige Geh-Minuten von der Anterselva Biathlona Arena, zuvor Südtirol-Arena Alto Adige, entfernt, dem höchstgelegenen Biathlon-Stadion im Weltcupzirkus. Die anspruchsvollen Strecken befinden sich auf 1.600 Metern über dem Meeresspiegel und sind umgeben von der imposanten Bergkette der Rieserfernergruppe. Die Spur bietet kaum Möglichkeiten sich zu erholen, lediglich in der Abfahrt zum Stadion kann man kurz verschnaufen und danach folgt nochmals ein kleiner Anstieg zum Schießstand. Seit 1978 führt man in Antholz internationale Biathlonbewerbe durch und mittlerweile sechs Biathlon-Weltmeisterschaften, zuletzt im Februar 2020. Und nun werden dort erstmals in der Geschichte olympische Medaillen auf Südtiroler Boden verliehen. Das Biathlon-Stadion einschließlich der Strecken in Antholz bietet Platz für ca. 19.100 Zuschauer und zehntausende Biathlonfans werden die weltbesten Biathleten vor atemberaubender Kulisse anfeuern. Während der gesamten Spiele werden in Antholz ca. 200.000 Zuschauer erwartet, ein olympischer Rekord, so der Weltverband. Autos und Reisebusse parken in Antholz-Mittertal und von dort geht es mit kostenlosen Shuttle-Bussen ins Stadion. Schnee hat man dort genügend und die ersten Trainingseinheiten wurden unter blauem Himmel auf bestens präparierten Loipen absolviert. Viel Wissenswertes und Informatives zur Unterbringung der Athleten, zu den Strecken, zur Eröffnungs- und zur Schlussfeier oder Hintergründe zu den Maskottchen und zu den Medaillen findet man in unserem Bericht „Olympische Spiele 2026: Kampf um Gold im Langlauf, Biathlon und Nordischer Kombination beginnt am Wochenende“.
Quotenregelung im Biathlon
Nach den Wettkämpfen in Ruhpolding schloss die Internationale Biathlon Union die Wertung für die NOK-Quotenliste. Den drei besten Teams wurden jeweils sechs Quotenplätze zugeteilt. Bei den Damen sind dies Frankreich, Deutschland und Schweden, bei den Herren Frankreich, Norwegen und Schweden. Fünf der Quotenplätze gehen bei den Damen nach Finnland, Italien, Norwegen, Österreich, Schweiz, Tschechien und Ukraine, bei den Herren nach Deutschland, Italien, Finnland, Schweiz, Slowenien, Tschechien und Ukraine. Zu den Nationen mit jeweils vier Quotenplätzen gehören bei den Damen Belgien, Bulgarien, Estland, Kanada, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien und die USA. Bei den Herren erreichten Belgien, Bulgarien, Estland, Kanada, Lettland, Litauen, Össterreich, Polen, Rumänien und die USA jeweils vier Quotenplätze. So wurden bei den Damen und bei den Herren jeweils 93 Quotenplätze vergeben. Nationen ab dem 21. Platz der IBU-Qualifikationspunkteliste (Stand: 18.01.2026) haben Anspruch auf bis zu zwei Quotenplätze für die bestplatzierten Athleten von zwölf verfügbaren auf der IBU-Punkteliste. Insgesamt stehen 105 Qualifikationsplätze bei den Herren und bei den Damen in Antholz zur Verfügung. Demgemäß starten 210 Athleten aus 29 Ländern. In den jeweiligen Einzelbewerben kann jede Nation höchstens vier Athleten an den Start schicken.
Die IBU ist und bleibt gemäß ihren Regeln für die Durchführung der Biathlon-Qualifikationswettkämpfe für die Spiele zuständig. Die IBU-Veranstaltungs- und Wettkampfregeln sehen keine Teilnahme neutraler Athleten vor. Das bedeutet, dass nur Athleten, die einen IBU-Mitgliedsverband vertreten, zur Teilnahme an IBU-Wettbewerben berechtigt sind. Der russische Biathlonverband und der belarussische Biathlonverband sind gemäß Beschluss des IBU-Kongresses vom September 2022 von der IBU suspendiert. (Quelle: IBU)
Eric Perrot und Lou Jeanmonnot treten als Favoriten an
In der Gesamtweltcupwertung führen derzeit Eric Perrot und Lou Jeanmonnot, beide aus Frankreich. Sie gelten als große Favoriten im Kampf um eine Einzelmedaille. Bei den Herren wird allerdings Tommaso Giacomel auf seiner Heimstrecke in Antholz ein Wörtchen im Medaillenkampf mitreden wollen. Im schießlastigen Einzelwettkampf hat Perrot sicherlich die besseren Chancen, er siegte zuletzt im Einzel beim Biathlon Weltcup in Nove Mesto, den allerdings manche Top-Athleten ausließen. Giacomel hat bisher in den Einzelwettkämpfen das Podest verpasst. Anders im Sprint, da hat der Italiener in dieser Saison bereits zwei Siege eingefahren, Perrot in fünf Rennen einen einzigen zweiten Rang. In den Verfolgungen hat jeder bisher einen Sieg auf der Habenseite, ebenso in den Massenstarts. Zwei davon wurden bisher ausgetragen, einmal siegte Perrot, das andere Mal Giacomel.
Bei den Damen ist aus deutscher Sicht das große Ziel von Franziska Preuß eine Einzelmedaille zu holen. Sie beendet ja ihre Leistungssportkarriere nach der Saison, möglicherweise sogar schon nach den olympischen Wettkämpfen. Sie hat als amtierende Gesamtweltcupsiegerin in der laufenden das Podest mit Rang drei im kurzen Einzel von Nove Mesto erst einmal erreicht und liegt damit in der aktuellen Gesamtweltcupwertung auf dem 13. Platz. Lou Jeanmonnot erreichte diese Saison bereits drei Weltcupsiege und stand vier weitere Male auf dem Podest. In der Gesamtwertung liegt sie deutlich vor ihrer ärgsten Konkurrentin, der Finnin Suvi Minkkinen.
Und da bei olympischen Wettkämpfen ohnehin „andere Gesetze gelten“, wird es spannend wer letztlich die Medaillen in den Einzelbewerben in Antholz abräumt.
Olympische Spiele auf heimischem Boden
Ursprünglich wurden vom italienischen Wintersportverband fünf Damen und fünf Herren nominiert. Nach dem positiven Dopingtest von Rebecca Passler (wir berichteten), ihrer Suspendierung und dem Ausschluss von allen Wettkämpfen werden die olympischen Spiele ohne Passler stattfinden. Der Verband verzichtet vorerst auf eine Nachbesetzung und demgemäß stehen nur vier Italienerinnen im Aufgebot, nämlich:Damen: Dorothea Wierer, Lisa Vittozzi, Hannah Auchentaller und Michela Carrara. Herren: Tommaso Giacomel, Patrick Braunhofer, Lukas Hofer, Elia Zeni, Nicola Romanin.
Bei den Herren dürfte Tommaso Giacomel große Ambitionen auf eine Einzelmedaille haben. Er ist in der Gesamtweltcupwertung am Besten platziert. Hofer und Wierer sind die beiden Lokalmatodoren. Für Wierer, die ihre Karriere nach den olympischen Wettkämpfen beendet, sind es die vierten Spiele, für Hofer sogar die fünften. Wierer hat im Sprint von Peking 2022 Bronze geholt, Hofer fehlt eine olympische Einzelmedaille in seiner Sammlung. Sowohl in Peyonchang 2018 (Wierer, Vittozzi, Hofer, Windisch) als auch in Socchi 2014 (Wierer, Oberhofer, Windisch, Hofer) waren beide Teil des Quartetts, das Bronze für Italien gewann.
Die Olympiasieger der Spiele 2022 und die Weltmeister 2025
| Olympia 2022 | WM 2025 | |
| Einzel Damen | Denise Herrmann-Wick (GER) | Julia Simon (FRA) |
| Einzel Herren | Quentin Fillon-Maillet (FRA) | Eric Perrot (FRA) |
| Sprint Damen | Marte Olsbu Roeiseland (NOR) | Justine Braisaz-Bouchet (FRA) |
| Sprint Herren | Johannes Thingnes Boe (NOR) | Johannes Thingnes Boe (NOR) |
| Verfolgung Damen | Marte Olsbu Roeiseland (NOR) | Johannes Thingnes Boe (NOR) |
| Verfolgung Herren | Quentin Fillon-Maillet (FRA) | Johannes Thingnes Boe (NOR) |
| Massenstart Damen | Justine Braisaz-Bouchet (FRA) | Elvira Oeberg (SWE) |
| Massenstart Herren | Johannes Thingnes Boe (NOR) | Endre Stroemsheim (NOR) |
| Mixed Staffel | Norwegen | Frankreich |
| Staffel Herren | Norwegen | Norwegen |
| Staffel Damen | Schweden | Frankreich |
| Single Mixed Staffel | nicht olympisch | Frankreich |
Weltcupgesamtstand Damen nach Nove Mesto
Weltcupgesamtstand Herren nach Nove Mesto
Das DSV-Team
Sechs Damen und fünf Herren kämpfen in Antholz um Medaillen und Ehre. Einvernehmlich sagen alle von ihnen, dass nicht „dabei sein ist alles“ zählt. Sie wollen im Kampf um die Medaillen mitmischen und das vor allen in den Teamwettkämpfen. Vom Deutschen Olympischen Sportbund wurden für die Spiele nominiert:
Damen: Selina Grotian, Janina Hettich-Walz, Franziska Preuß, Julia Tannheimer, Vanessa Voigt, Anna WeidelHerren: Lucas Fratzscher, Philipp Horn, Philipp Nawrath, Justus Strelow, David Zobel.
Wie sich die Athleten aus dem finalen Lehrgang in Obertilliach zur Vorbereitung oder zur Herausforderung der Höhenlage geäußert haben oder welche Ambitionen jeder einzelne hat, findet man in dem verlinkten Bericht „DSV-Biathleten vor Olympia 2026: Vorbereitung, Herausforderungen und Ambitionen“.
Weitere Nominierungen
Schweden
Damen: Elvira Oeberg, Hanna Oeberg, Anna Magnusson, Ella Halvarsson, Linn Gestblom, Anna-Karin Heijdenberg
Herren: Martin Ponsiluoma, Sebastian Samuelsson, Jesper Nelin, Viktor Brandt, Malte Stefansson, Henning Sjoekvist
Norwegen
Damen: Juni Arnekleiv, Marthe Krakstad Johansen, Maren Kirkeeide, Karoline Offigstad Knotten, Ingrid Landmark Tandrevold
Herren: Johan-Olav Botn, Vetle Sjaastad Christiansen, Johannes Dale-Skjevdal, Sturla Holm Laegreid, Isak Frey, Martin Uldal
Frankreich
Damen: Justine Braisaz-Bouchet, Lou Jeanmonnot, Oceane Michelon, Julia Simon, Camille Bened, Jeanne Richard
Herren: Emilien Claude, Fabien Claude, Quentin Fillon Maillet, Emilien Jacquelin, Eric Perrot, Oscar Lombardot
Österreich
Damen: Anna Andexer, Anna Gandler, Lisa Theresa Hauser, Anna Juppe, Tamara Steiner
Herren: Simon Eder, Patrick Jakob, Fabian Müllauer, Dominic Unterweger
Schweiz
Damen: Amy Baserga, Aita Gasparin, Lena Häcki-Groß, Lea Meier, Lydia Mettler
Herren: Joscha Burkhalter, Jeremy Finello, Niklas Hartweg, James Pacal, Sebastian Stalder
Der Biathlon-Wettkampfplan
Sonntag, 08. Februar 2026
14.05 Uhr – Biathlon Mixed Staffel (M+W)
Dienstag, 10. Februar 2026
13.30 Uhr – Biathlon Herren Einzel, 20 km
Mittwoch, 11. Februar 2026
14.15 Uhr – Biathlon Damen Einzel, 15 km
Freitag, 13. Februar 2026
14.00 Uhr – Biathlon Herren Sprint, 10 km
Samstag, 14. Februar 2026
14.45 Uhr – Biathlon Damen Sprint, 7,5 km
Sonntag, 15. Februar 2026
11.15 Uhr – Biathlon Herren Verfolgung, 12,5 km
14.45 Uhr – Biathlon Damen Verfolgung, 10 km
Dienstag, 17. Februar 2026
14.30 Uhr – Biathlon Herren Staffel, 4 x 7,5 km
Mittwoch, 18. Februar 2026
14.45 Uhr – Biathlon Damen Staffel, 4 x 6 km
Freitag, 20. Februar 2026
14.15 Uhr – Biathlon Herren Massenstart, 15 km
Samstag, 21. Februar 2026
14.15 Uhr – Biathlon Damen Massenstart, 12,5 km
Die olympischen Wettkämpfe werden live abwechselnd in der ARD und im ZDF sowie auf EUROSPORT übertragen.



