Im Teamsprint in der freien Technik setzte sich wie erwartet jeweils die Topfavoriten aus Schweden und Norwegen durch. Silber holten sich Nadja Kälin und Nadine Fähndrich, über Bronze jubelten Laura Gimmler und Coletta Rydzek.
Topfavoriten setzen sich durch
Die Schwedinnen Maja Dahlqvist und Jonna Sundling waren als klare Favoritinnen in den Teamsprint gestartet und wurden dieser Rolle auch voll gerecht. Diesmal ging aber Sundling als Startläuferin ins Rennen und Dahlqvist vollendete, nachdem Linn Svahn leicht erkältet ausgefallen war. Silber ging an die Schweizerinnen Nadja Kälin und Nadine Fähndrich, dank einer bockstarken Schlussrunde von Fähndrich. Dahinter lieferten sich Norwegen (Astrid Oeyre Slind und Julie Bjervig Drivenes) und das deutsche Duo mit Laura Gimmler und Coletta Rydzek ein Duell um die Bronzemedaille, die sich schließlich Rydzek mit dem besseren Zielsprint gegen Drivenes sicherte. Die Österreicherinnen Heidi Bucher und Magdalena Scherz wurden Zehnte. Bei den Herren war klar, dass natürlich alles über Johannes Høsflot Klæbo gehen würde. Er bekam Einar Hedegart an die Seite gestellt, der damit nach starken Leistungen den Vorzug vor Amundsen und Valnes erhielt. Der Vorsprung fiel diesmal aber nicht so groß aus, dennoch holte Klaebo seine fünfte Goldene bei diesen Spielen und für Einar Hedegart ist es der zweite Olympiasieg zusätzlich zu seiner Bronzenen im Einzel. Silber holten sich wie im Einzelsprint die Amerikaner Ben Ogden und Gus Schumacher vor den ebenso laut jubelnden Italienern Elia Barp und Federico Pellegrino, die sich ihre zweite Medaille nach der Staffel sicherten. Janik Riebli und Valerio Grond verpassten das erhoffte Edelmetall als Vierte. Ganz stark präsentierten sich die Österreicher Michael Föttinger und Benjamin Moser als Siebte, das deutsche Duo mit Jakob Moch und Jan Stölben sprintete auf Platz neun.
Hund läuft Qualifikation mit
Für Belustigung und etwas Chaos sorgte ein entlaufener Hund, der gegen Ende der ersten Qualifying-Runde der Damen die Zielgerade entlangrannte und die Zeit auslöste. Das Zielfoto zeigte einen perfekten Ausfallschritt. Überraschend wurde die Brasilianerin Eduarda Ribera nach den ersten Läuferinnen als Zwölfte mit knapp 20 Sekunden Rückstand gelistet, aber schnell war klar, dass das der Hund gewesen ist, weil die Brasilianerin noch gar nicht im Ziel war. Ihre Zeit wurde auf +45 Sekunden korrigiert. Später stellte sich heraus, dass der Hund nicht zu Zuschauern gehört, sondern aus seinem Zwinger an einem nahegelegenen Haus in Lago ausgebrochen war. Blicken wir noch einmal genauer auf den Prolog zurück: Bei den Damen gab es bis auf den zwischenzeitlichen zwölften Platz der Brasilianerin keine Überraschungen. 14 Teams waren als Finalisten zu erwarten, Platz 15 war relativ offen und den hätte sich möglicherweise Australien geholt, wenn Phoebe Cridland nicht auf der Zielgeraden gestürzt wäre. So fehlten dann fünf Sekunden zum Weiterkommen und China bekam die letzten Finalplatz mit 43 Sekunden Rückstand – aber die Prologsiegerinnen aus Schweden lagen schon allein 15 Sekunden vor allen anderen. Bei den Herren ging es enger zu und es gab einige Überraschungen wie die Prologbestzeit von Jaume Pueyo bei den ersten Läufern und Platz vier für den Halb-Australier Lars Young Vik, dem Neffen von Bjarte Engen Vik, einem Olympiasieger in der Nordischen Kombination. Klaebo sorgte dann später bei den Schlussläufern für geordnete Verhältnisse und holte sich die Bestzeit. Insgesamt reichte es aber nur zur zweiten Qualifikationszeit hinter den USA – hoffentlich ohne unerlaubte Flüssigwachse. Finnlands OC denkt noch über weitere rechtliche Schritte wegen des Ergebnisses des Einzelsprints nach. Australien konnte sich erstmals für ein Finale qualifizieren, was das große Ziel für die Spiele gewesen war, nachdem die Saison bisher enttäuschend verlief, wie Schlussläufer Hugo Hinckfuß sagte. Schweden, die auf den isolierten Johan Häggström als Startläufer zusammen mit Edvin Anger setzten, belegten nur den zwölften Platz. Häggström ist der Freund und Zimmerpartner von Linn Svahn, die den Teamsprint wegen eines Erkältungsinfekts absagen musste. Polen sicherte sich den wichtigen 15. Platz mit fast vier Sekunden Vorsprung auf das erste ausgeschiedene Team aus Slowenien.
Sundling sorgt für frühe Vorentscheidung
Schon vor dem Prolog war klar, was Schweden mit der offensiven Aufstellung bezweckt. Jonna Sundling wollte das Feld schon vor der Schlussrunde auseinander reißen und tat genau das in der dritten von sechs Runden, nachdem vorher Jessie Diggins dieselbe Taktik angeschlagen hatte. In der dritten Runde konnte die Amerikanerin Sundlings Attacke nicht folgen, so dass Schweden ab diesem Zeitpunkt allein vor dem Feld unterwegs war. „Wir wussten, dass wir auf dem Papier die Favoriten sind. Aber es muss alles perfekt laufen, um eine olympische Goldmedaille zu gewinnen. Ich bin super glücklich, dass alles so gut gelaufen ist. Jonna war ein Biest auf ihren Runden, so dass ich nie wirklich besorgt war“, sagte Maja Dahlqvist im Eurosport-Interview und Jonna Sundling erzählte: „Die Taktik für mich war, Maja möglichst viel Vorsprung mitzugeben. Das war mein Hauptziel: gut laufen und es Maja leichter machen.“ Maja Dahlqvist sah den Sieg nie in Gefahr: „Als ich Jonna im Prolog im ersten Anstieg sah, war mir klar: Jonna ist stark heute. Es ist sehr sicher, mit Jonna anzutreten, wenn sie in so einer Form ist.“ Aber auch Sundling war beim Zuschauen siegessicher: „Ich habe mir im Zielsprint keine Sorgen gemacht. Ich weiß, dass Maja eine sehr gute Sprinterin ist. Der letzte Anstieg ist sehr lang und hart, aber danach musst du einfach nur laufen und ich war sicher, dass Maja das nach Hause bringt. Wir sind beide sehr sehr glücklich mit dem Ergebnis.“ Dahlqvist sagte über die letzte Runde: „Oben am Anstieg waren vier oder fünf Sekunden, dass das kein Problem mehr sein sollte. Ich bin ich froh, dass ich Teil dieses Teams sein durfte. Wir haben vier oder fünf Mädels, die heute den Teamsprint hätten laufen können. Wir haben ein sehr starkes Team, so dass ich froh bin, heute die Goldene mit nach Hause zu bringen.“ In der vorletzten Runde konnte Jasmi Joensuu im Kampf um Silber eine kleine Lücke am Zorzi-Anstieg reißen und Schlussläuferin Jasmin Kähärä drei Sekunden Vorsprung mitgeben. Aber auf der Schlussrunde änderte sich noch einmal alles – zumindest hinter Schweden. Grund dafür war eine bockstarke Nadine Fähndrich, die schon früh in der Runde attackierte in der Gruppe und im Zorzi-Anstieg sogar noch recht nah an Maja Dahlqvist herankam. Auch in der Anfahrt gab die Innerschweizerin alles, kam aber nicht mehr ganz an die Schwedin heran. Dennoch ist Silber ein großer Erfolg für die Schweiz. Als Dritte bezwang Finnlands Jasmin Kähärä den letzten Anstieg. Die Finnen hatten wie Schweden und die USA die eigentlich stärkere Läuferin auf die Startposition gesetzt und mussten dann das Rennen ins Ziel bringen. Das klappte nur bei Schweden nach Wunsch. Kähärä wurden vor der Abfahrt von Drivenes und Rydzek eingeholt und hätte im Sprint vermutlich gegen beide das Nachsehen gehabt. Dazu kam es aber gar nicht, denn die Finnin kam in der Abfahrt ins Stadion zu Fall und vergab ihre kleine Medaillenchance aus dem Windschatten heraus. So wurde es zum Duell zwischen Julie Bjervig Drivenes und Coletta Rydzek, bei dem die Oberstdorferin erwartungsgemäß vorne lag und die erste Langlauf-Medaille für das deutsche Team sicherte. Norwegens Astrid Øyre Slind und Julie Bjervig Drivenes gingen leer aus. Jessie Diggins und Julia Kern mussten sich mit dem fünften Platz begnügen vor den überraschend starken Kanadierinnen Alison Mackie und Liliane Gagnon. Leonie Perry und Melissa Gal belegten für Frankreich den siebten Platz vor den Italienerinnen Caterina Ganz und Iris De Martin Pinter und den gestürzten Finninnen.
Klæbo diesmal nur mit kleinem Vorsprung
Im Finale der Herren konnte Einar Hedegart keine Akzente setzen, das war aber vielleicht auch nicht seine Aufgabe. Der Biathlet lief einfach mit dem Feld mit, teilweise auch an erster Position, versuchte aber keine Attacken. Das war später Klæbos Aufgabe, der sich nach einem schnellen Antritt beim letzten Wechsel, aber bis zum Zorzi-Anstieg Zeit ließ. Dort konnte er sich nicht so deutlich wie sonst absetzen und ging mit nur geringem Vorsprung auf Gus Schumacher in die Abfahrt und brachte den Vorsprung ins Ziel. „Es fühlt sich toll an und der Druck war groß. Definitiv hoch für jemanden, der zusammen mit Johannes antreten soll, weil jeder weiß, dass es für uns nur um Gold geht. Jetzt fühle ich mich aber gut und zufrieden“, meinte Einar Hedegart und Klæbo meinte dazu: „Druck gehört dazu, wenn man im norwegischen Team ist. Es spielt keine Rolle, ob ich dabei bin oder nicht. Wenn man für ein norwegisches Team startet, muss man auch um den Sieg kämpfen. Dazu gehören eine Menge Erwartungen. Ich mag diesen großen Druck und die Erwartungen. Einar hatte im Prolog noch Schwierigkeiten, aber danach hat er einen großartigen Job gemacht.“ Hedegart stimmte ihm zu: „Mein Körper hat sich immer besser angefühlt. Johannes und der Rest des Teams haben mich sehr unterstützt und es wurde nie etwas Negatives gesagt und das hat sehr geholfen.“ Der nun zehnfache Goldmedaillen-Gewinner fügte hinzu: „Einar hat alles nach Plan gemacht. Er ist vorne mitgelaufen und hat alle Probleme vermieden, die im Feld passieren können. Er hat einen großartigen Job gemacht und es ist sehr verdient, dass wir nun ganz oben stehen. Er hat tolle Olympische Spiele gemacht, das ist beeindruckend bei seinen ersten Spielen. Ich werde mich nun zwei Tage erholen und Samstag stehe ich dann hoffentlich wieder mit viel Energie am Start, wo ich dann auch um den Sieg kämpfen will.“ Auch die US-Herren hatten anders aufgestellt als erwartet und nicht wie im Einzelsprint Ogden gegen Klæbo laufen lassen sondern Schumacher als Schlussläufer aufgestellt. Der schlug sich beachtlich, was ihm nach dem lauten Silber-Jubel ein lobendes „You’re a beast, baby“ einbrachte. Ebenso groß war die Freude bei Federico Pellegrino, der mit Elia Barp die zweite italienische Bronzemedaille gewann. Der 35-Jährige verlor zwar den Zielsprint gegen Schumacher, ließ aber Valerio Grond hinter sich. Die Schweizer hatten direkt nach dem Start einen Stockbruch von Janik Riebli zu verkraften, der den ersten Ersatzstock auch noch verfehlte. Das wirkte sich aber wohl nicht auf ihr Rennen aus, denn das Tempo war in den ersten fünf Runden so langsam, dass alle 15 Teams beim letzten Wechsel noch zusammen waren. Andrew Musgrave und James Clugnet ersprinteten sich einen starken fünften Platz für die britische Team vor den Kanadiern Antoine Cyr und Xavier McKeever. Dahinter fanden sich schon die überraschend starken Österreicher Michael Föttinger und Benjamin Moser wieder, für die der siebte Platz wirklich beachtlich ist. Hinter den Tschechen Jiri Tuz und Michal Novak belegte das deutsche Sprint-Duo mit Jakob Moch und Jan Stölben den neunten Rang noch vor Schweden, Finnland und Frankreich, die erneut als Medaillenkandidaten gestartet waren, aber nach zwei Stockbrüchen von Mathis Desloges in Runde drei und fünf trotz des geringen Tempos nicht mehr nach vorne kamen, um im Finale für den Sprint in einer guten Position zu sein.
Weitere Infos folgen….
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