Mit Linn Svahn und Johannes Høsflot Klæbo haben sich die Schnellsten aus dem Prolog durchgesetzt und sich den Titel im Klassiksprint geholt. Für Svahn ist es nach allen gesundheitlichen Problemen der erste große Erfolg, während der Norweger zum dritten Mal in Serie Sprint-Olympiasieger wurde.
Frühes Aus für Fähndrich, Joensuu, Hagström und Diggins
Im olympischen Sprint ist es wie beim Pokalspiel im Fußball – da gelten andere Regeln. Alles fokussiert sich auf diesen einzigen Tag und dann kann es für Mitfavoriten schnell vorbei sein, während andere über sich hinaus wachsen. Zu den Enttäuschten zählen definitiv Medaillenkandidaten wie Nadine Fähndrich und Jasmi Joensuu, die bei der Tour de Ski auf dieser Strecke ihren ersten Weltcupsieg feierte. „Das war nicht mein Tag. Es war einfach nicht genug. Glücklicherweise gibt es viel wichtigere Dinge im Leben“, sagte Joensuu zu IS. Auch Skatingspezialistin Jessie Diggins und die vierte Schwedin Johanna Hagström, die wochenlang über ihre Nominierung schweigen musste, weil die Öffentlichkeit noch nicht erfahren sollte, dass sie Ribom vorgezogen wurde, mussten ihre Hoffnungen im Viertelfinale begraben. Hagström brach im Eurosport-Interview in Tränen aus: „Es war hart. Ich habe mich gut gefühlt und ich habe alles nach Plan gemacht. Es war nicht genug und das ist enttäuschend. Ich habe mich sehr darauf gefreut. Bei den letzten Olympischen Spielen wurde ich nicht nominiert und ich wollte es heute allen zeigen. Nun muss ich wieder vier Jahre warten bis zur nächsten Chance. Ich habe diese Saison gezeigt, dass ich um die Medaille kämpfen kann, so ist es hart, wen man heute zu weit weg ist.“ Jessie Diggins erzählte, dass es eine körperliche Ursache für ihr Ausscheiden gibt: „Bei meinem Sturz im Skiathlon habe ich mir eine Rippe gebrochen und das ist sehr schmerzhaft. Da tut Doppelstockschieben besonders weh. Ich habe getan, was ich konnte, aber das war nicht meine Betsleistung im Zielsprint. Das ist nicht das was ich kann“, sagte die 34-Jährige, die zu den weiteren Rennen befragt sagte: „Keine Ahnung, ich werde alles geben, was ich kann.“
Dominante Schwedinnen im Finale
Die anderen drei Schwedinnen, die amtierende Weltmeisterin und Olympiasiegerin Jonna Sundling, Linn Svahn und Maja Dahlqvist, qualifizierten sich erwartungsgemäß für das Finale wie auch Kristine Stavås Skistad trotz eines Sturzes im Training. Dazu kamen mit Julies Bjervig Drivenes und Julia Kern zwei eher überraschende Finalistinnen. Das Rennen wurde wie erwartet von Jonna Sundling und Linn Svahn bestimmt, die schon auf dem Weg zum ersten offiziellen Anstieg eine erste Lücke zu Skistad und den anderen riss. Die schloss sich zwar im inzwischen sehr tiefen Schnee in der Kurve vor dem Macor-Anstieg wieder, öffnete sich aber bald wieder. Im ersten Anstieg hatte sich Maja Dahlqvist den beiden Teamkolleginnen angeschlossen und im Zorzi-Anstieg war der Abstand zu Platz vier schon groß. Linn Svahn, die durch ihre Gehirnerschütterung von Trondheim immer noch unter Konzentrationsstörungen und starker Reizüberflutung leidet, ging als Erste in die Abfahrt und war im Endspurt so stark, dass Jonna Sundling nicht vom Windschatten profitieren konnte. Linn Svahn feierte mit dem Olympiasieg ihren ersten großen Erfolg nach vielen gesundheitlichen Problemen. „Es nun endlich bei den Olympischen Spielen geschafft zu haben und zwei Freundinnen neben mir auf dem Podium zu haben, macht unseren Sport so großartig. Es mit anderen teilen zu können, macht den Erfolg noch größer. Das ist unglaublich“, sagte Linn Svahn bei SVT im wie angekündigt einzigen Interview, das sie wegen ihrer gesundheitlichen Einschränkungen gab. „Ich war bisher bei Großereignissen nie erfolgreich und nun dieses Gold gewonnen zu haben, für das ich so lange gearbeitet habe, ist eine tolle Geschichte.“ Ihr Geheimrezept war ein frisches Paar Ski für das Finale: „Das war meine Waffe im Finale, die ich weiter schärfen konnte.“ Aber Jonna Sundling war auch mit Silber zufrieden und sagte: „Ich habe alles gegeben und ich hatte das Gefühl, so schnell wie möglich zu laufen. Dafür habe ich Silber bekommen. Darüber bin ich glücklich, auch wenn Gold natürlich auch toll gewesen wäre, aber mein Bestes war nicht genug, um Gold zu bekommen. Das war ein harter Kampf und ein gutes Rennen, vor allem nach dem Skiathlon. Es war ein guter Tag und ich bin zufrieden. Wir sind ein starkes Team und pushen uns gegenseitig und ich denke, das ist der Grund, warum wir heute alle drei auf dem Podium stehen.“ Maja Dahlqvist freute sich ebenso sehr über Bronze: „Es war ein großer Tag für uns. Wir haben eine sehr gute Sprintmannschaft und es ist schon eine Ehre, überhaupt dabei zu sein. Toll, dass wir drei Medaillen gewinnen konnten. Es war ein sehr harter Tag und ich bin froh über Bronze.“ Kurz nach dem Zieleeinlauf postete Frida Karlsson ein Bild von sich mit tränenüberströmten Gesicht und dem Kommentar: „Hat noch jemand das Sprintfinale gesehen?“ Vierte wurde sogar noch Julie Bjervig Drivenes vor ihrer eigentlich stärkeren Teamkollegin Kristine Stavås Skistad, die im Training von Ingrid Bergene Aabrekk zu Fall gebracht wurde und mit dem Kopf aufschlug. Julia Kern wurde Sechste. Skistad verkroch sich nach dem Fiasko direkt. Sie hatte das Rennen aufgegeben und war im Schneckentempo ins Ziel gelaufen, nachdem die Medaillen verloren waren, wie schwedische Medien berichteten. Sogar die norwegische VG schrieb: „Stavås Skistad hatte keine Chance im Sprint-Finale. Sie war gezwungen, den schwedischen Zug fahren zu lassen.“
Deutsches Duo verpasst Finale
Während mit Julia Kern auch ein wenig das Erzgebirge jubelte, wo die Großeltern in Oberwiesenthal leben, verpassten die beiden DSV-Sprinterinnen das Finale. Schon das erste Halbfinale war 15 Sekunden langsamer gewesen als die meisten Viertelfinals, aber das lag an der langen und schweren Strecke, die bei Plustemperaturen immer tiefer wurde. So war das zweite Halbfinale mit Laura Gimmler und Coletta Rydzek noch etwas langsamer, so dass Platz drei und vier hinter Drivenes und Dahlqvist nicht zum Weiterkommen reichte. Sie beendeten den olympischen Sprint als Siebte und Achte, nachdem Gimmler im Prolog schon sagte, sie sei am Zorzi-Anstieg schon richtig blau gewesen und Rydzek im Viertelfinale im Zielsprint noch von fünf auf eins stürmte. „Es ist ein bissel enttäuschend. Wir haben oft genug gezeigt, dass wir ganz vorne mitlaufen können. Das ging heute nicht, aber wir können uns beide nichts vorwerfen und da muss man das akzeptieren und es ist noch nicht vorbei. Es kommen noch mehr Rennen, gell?“, meinte Laura Gimmler und die neben ihr stehende Coletta Rydzek erklärte, warum es nicht für das Finale reichte: „Es ist brutal warm, die Strecke ist sehr weich und lang. Dass sind alles Faktoren, die total viel ziehen. Klar versucht man immer nachzufülllen, und in den Pausen essen und trinken, aber das hat viele Körner gekostet. Der Antritt der Norwegerin war brutal stark. Ich habe gehofft, wir rutschen wieder hin und dass es eine von uns beiden auf der Zielgeraden zeigen kann. Das war heute leider nicht so, dass eine von uns zeigen konnte, dass wir ein bisschen mehr drauf haben.“ Laura Gimmler ergänzte: „Wir wollen seit Jahren zusammen beim Großereignis den Teamsprint zusammen laufen und so sollten wir es angehen, dass wir es verdient haben als die beiden besten Sprinterinnen und Spaß haben hier bei Olympia und nicht aufs Ergebnis fokussieren.“
Klæbo einfach unschlagbar am Zorzi
Auch bei den Herren hatten viele schon frühzeitig die Segel streichen müssen, denen man Medaillenchancen eingeräumt hatte. Zu nennen sind da definitiv die Franzosen und die Schweden, aber auch die Gastgeber, die auf ihren Heimstrecken drei ins Halbfinale brachten, aber dann niemanden ins Finale. Stattdessen überraschten der 21-jährige Tscheche Jiri Tuz und der Amerikaner Ben Ogden, die immer ähnlich dominant wie Klæbo den Zorzi-Anstieg hinauf stürmten und ins Finale einzogen. Dort fanden sie aber im Klæbo ihren Meister, der oben am Amstieg 100 Meter Vorsprung vor der Valena-Abfahrt ins Stadion hatte. Völlig ungefährdet feierte er seinen dritten Olympiasieg im Sprint in Serie. „Das war großartig. Wir hatten perfekte Ski und ich habe schon im Prolog gemerkt, dass meine Form gut ist. Ich war etwas entspannter vor diesem Rennen als vor dem Skiathlon Sonntag. Es war gut, den ersten Schritt getan zu haben und nun kann ich mehr entspannen und genauso war es auch. Den Druck genieße ich nicht, aber ich mache mir selbst auch viel Druck, das gehört dazu“, sagte er. Ben Ogden ging vor Oskar Opstad Vike in die Abfahrt und ließ dem Norweger keine Chance, so dass er laut über Platz zwei jubeln konnte. „Ich habe natürlich um Gold gekämpft, aber dieses Rennen tritt man eigentlich nur an, um Zweiter zu werden. Ich bin stolz über Silber und zumindest dieses Rennen gewonne zu haben“, lachte er. Die Medaille von Vike ist dennoch als Überraschung zu werten, weil der Norweger seit Mitte Dezember unter schweren Rückenproblemen leidet, dennoch einige Tour-Etappen bestritt, aber danach wegen eines Infekts keinen Leistungsnachweis mehr vor der Nominierung erbringen konnte. Das Trio hatte sich schon im Macor-Anstieg so deutlich von den anderen dreien abgesetzt, dass es nur noch um die Farben der Medaillen ging. Lauri Vuorinen holte sich den vierten Platz vor dem bockstarken Jiri Tuz, den niemand im Finale erwartet hätte und einem völlig erschöpften Erik Valnes. Der Norweger stand in den letzten Tagen in Frage, weil er an einem schweren Infekt litt. Als er am Sonntag wieder trainieren konnte, sah man von einer Nachnominierung ab und setzte auf ihn.
Krehl und Stölben im Viertelfinale
Mit Sofie Krehl und Jan Stölben qualifizierten sich zwei weitere Deutsche für die besten 30, im Viertelfinale endete aber für sie der Sprint. Sofie Krehl sagte dazu: „Mit dem Prolog bin ich ganz gut gestartet, ich bin da gut reingekommen, im Heat war es der Plan, sich hinter den Besten einzuordnen und keine Lücke aufgehen zu lassen am Berg oben. Das hat leider nicht ganz funktioniert. Das ist schon enttäuschend. Ich dachte, ich bin in guter Position. Nadine ist vor mit unruhig geworden, dann habe ich den Rhythmus verloren und habe den Anschluss verloren.“ Jan Stölben hatte gestern noch gesagt: „Wenn ich da morgen an den Start gehe, will ich auch gewinnen. Aber der Klaebo kann auch was.“ Mit großen Zielen gestartet nach seinem sechsten Platz bei der Tour de Ski auf dieser Strecke zeigte er sich schon nach dem Prolog nicht zufrieden. „Es war nicht optimal, jetzt kam grad die Sonne rein. Das hat die Bedingungen verändert und es wurde im Snstieg etwas glatt“, so Stölben im ZDF. Trotzdem reichte es zu Platz elf, aber im Viertelfinale war dann Schluss. Im Zorzi-Anstieg grätschte er ganz außen neben den anderen, aber im oberen Drittel begann sein Kopf zu wackeln, was bei dem Rheinländer immer für große Ermüdung spricht. Nach dem Viertelfinal-Aus sagte er: „Ich bin unfassbar froh und dankbar, dass ich hier bin. Olympia in den Alpen, man sieht es auch an den Zuschauern, ist ein Erlebnis und ich bin froh, dass ich es hierhin geschafft habe. Der Prolog lief nicht optimal. Ich habe sehr sehr viel richtig gemacht, aber es hapert an so viele Kleinigkeiten und wenn jetzt die Sonne reinscheint, wird es auch für mich tricky. Da ist die Gradwanderung mit dem Ski relativ klein und ich hatte große Mühe, Grip am Anstieg zu finden. Das fühlt sich am Ende bitter an, weil so viel mehr drin war, als dann so aus dem Viertelfinale zu fliegen. Ich versuche, das Gute aus dem Tag mitzunehmen.“ Katherine Sauerbrey und Janosch Brugger konnten sich nicht qualifizieren. Die Thüringerin fühlte sich „trotzdem geehrt, den Sprint laufen zu dürfen und es hat trotzdem Spaß gemacht.“ Für Brugger ist der Sprint nicht das Hauptrennen, aber dennoch ist das knappe Ausscheiden ärgerlich: „Das Männerfeld ist so extrem eng, gerade um Platz 30 herum. Von demher fehlen wieder nur zwei Sekunden, darum umso bitterer. Ich habe mich gut gefühlt, die Form passt eigentlich. Da sind Leute um mich herum, bei denen ich mich auch einordnen würde. Wäre nur schon, wenn in dieser Saison auch mal die Belohnung kommen würde. Ich bin für die kommenden Rennen gut gewappnet und dann schauen wir mal, wie es wird.“
Schweizer enttäuschen komplett
Weder bei Nadine Fähndrich noch bei Valerio Grond und Janik Riebli lief es im olympischen Sprint nach Plan. Bei den Männern kommt das nach dem Saisonverlauf nicht überraschend, bei Nadine Fähndrich umso mehr, die in der Abfahrt und auf der Zielgeraden von eins auf fünf durchgereicht wurde. Am xc-ski-Mikrofon sagte sie: „Enttäuschend. Es ist sicher schwierig, mit dieser Niederlage umzugehen, aber ich habe mir gesagt, egal wie es heute ausgeht. Die Arbeit, die wir gemacht haben, ist genau gleich, egal ob mit oder ohne Medaille und wir können stolz sein auf die Arbeit, die wir bis heute geleistet haben, auch wenn die Enttäuschung groß ist.“ Auch Anja Weber, Lea Fischer, Grond, Riebli und der 22-jährige Noe Näff scheiterten im Viertelfinale, während sich die ÖSV-Sprinter Benjamin Moser und Michael Föttinger gar nicht erst dafür qualifizieren konnten wie auch Magdalena Scherz. Einzig Heidi Bucher schaffte den Sprung ins olympische Viertelfinale.
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