Emil Iversen, Martin Løwstrøm Nyenget, Einar Hedegart und Johannes Høsflot Klæbo sind Olympiasieger in der Staffel. Sie ließen die Konkurrenz im kleinen Starterfeld klar hinter sich. Silber ging an Frankreich vor Italien.
Quotenärger: Nur zehn Nationen mit einer Staffel
Das Starterfeld der Herren-Staffel präsentierte sich äußerst dezimiert. Während es bei den Damen 19 Staffeln gab, standen heute nur zehn Athleten am Start. So wenig waren es nur in Lake Placid 1980. Mehr Nationen konnten wegen der Quotenregelung, die auch vielen kleinen Nationen einen Startplatz garantiert, keine Staffel stellen, weil sie wie Österreich und Großbritannien nur drei Athleten mit zu den Olympischen Spielen nehmen konnten. Die drei anwesenden Briten Andrew Musgrave, James Clugnet und Joe Davies waren im Einzel sogar die viertbeste Nation, können aber trotzdem keine Staffel ins Rennen schicken. Die Schweizer waren ohnehin gezwungen, mit zwei Sprintern zu starten, weil sich nur zwei Distanzläufer qualifiziert haben und mussten dann kurzfristig noch Schlussläufer Janik Riebli durch Noe Näff ersetzen.
Brugger schon früh abgeschlagen mit Schweden
Obwohl wieder nicht gesalzen wurde und die Temperaturen bei +5°C lagen, waren die Bedingungen für die wenigen Herren-Staffeln besser als bei den Damen. In der zweiten Runde erhöhte Emil Iversen leicht das Tempo und Janosch Brugger und Johan Häggström sahen schnell nicht mehr gut aus am Ende des Feldes und verloren beide am langen Anstieg den Anschluss. Brugger als Schlusslicht des Feldes musste sichtlich beißen, obwohl er eigentlich optimistisch gewesen war: „Ich bin froh, dass ich Klassisch übernehmen darf, weil das Feld dann hoffentlich noch lange zusammen ist.“ Am Anstieg an der Kirche schien sich der Schwarzwälder wieder gefangen zu haben und das deutsche Team kam einige Meter vor Schweden zum Wechsel – aber schon mit 30 Sekunden Rückstand. „Es soll gar kein Vorwurf an die Techniker sein, die machen ihren Job, wir machen unseren Job, aber es war heute extrem zweigeteilt. Hier im Stadion, wo es nass und sauig war, hat der Ski gut funktioniert, aber oben, wo es eisig und kompakt war, da sind mir die Typen um die Ohren gefahren – da denk ich ‚Lecko mio, was mach ich da eigentlich?‘ Da musste ich in der ersten Runden schon zwei, dreimal richtig tief gehen, dass ich da wieder reinkomme und dann war ich endlich wieder drin, aber da habe ich schon gespürt, das hat richtig gekostet. Die Runde und die Bedingungen sind knüppelhart, da fühlt es sich an, als wenn man nichts trainiert hätte, weil du so eine Quittung kriegst, das summiert sich so auf. Wenn es eine Weltcupstaffel wäre – okay, aber bei Olympia ist es doppelt bitter, wenn du da hinterhereierst wie ein Amateur. Die Strecke war heute viel besser als bei den Damen, das waren total faire Bedingungen, schade dass sie im Stadion nicht salzen, weil da wird es schon richtig sauig. Aber okay, an der Strecke oder den Bedingungen lag es nicht“, meinte Janosch Brugger, dem die Enttäuschung anzuhören war. An der Spitze ging in den letzten Minuten vor dem Wechsel die Post ab, so dass auch Emil Iversen nicht mehr ganz mit Davide Graz und Ben Ogden mithalten. Als Quartett zusammen mit Kanadas Xavier McKeever kamen sie zur ersten Übergabe, wenige Sekunden vor Lauri Vuorinen und Theo Schely. Die Schweiz hatte durch Valerio Grond sehr gut mitgehalten und verlor nur 15 Sekunden zusammen mit dem Tschechen.
Sechs Teams zur Halbzeit dicht zusammen
Nach dem Wechsel gab Antoine Cyr Vollgas, aber dann übernahm Nyenget mit besserem Material die Spitze. Dahinter versuchte Iivo Niskanen die Lücke zu schließen, was ihm am langen Anstieg auch gelang und auch Lapalus schloss wenig später auf. Nun waren also sechs Teams vorne. Deutschlands zweiter Läufer Friedrich Moch war vor dem Rennen realistisch gewesen: „Morgen sind wir eher die Underdogs, aber Staffeln haben ihre eigenen Gesetze. Ich laufe klassisch, das ging ja im Skiathlon ganz gut, obwohl ich sonst immer besser Skating gelaufen bin. Ich bin optimistisch, das wir ein solides Ergebnis hinbekommen. Auf Position zwei geht es meistens richtig zur Sache. In der ersten Runde muss man Körner sparen, weil es in der zweiten richtig zur Sache geht. Da muss man noch Körner haben.“ Damit hatte Moch zwar recht, das war für das deutsche Team aber nicht mehr von Belang. Im Sextett vorne bekam Hugo Lapalus in der zweiten Runde wieder Probleme nach seinem Krafteinsatz in Runde eins mit einigen Metern Abstand zu Niskanen. Nyenget und Niskanen setzten sich im langen Anstieg von den anderen ab, Cyr und Schumacher kämpften dahinter um Anschluss und Lapalus und Barp taten sich richtig schwer. An der Kirche hatte der Norweger sich auch vom Finnen gelöst und beim Wechsel trennten die beiden zehn Sekunden. Lapalus und Barp hatten die Nordamerikaner wieder eingeholt und alle vier wechselten mit nur wenigen Metern Rückstand auf Finnland. Friedrich Moch verlor vor allem im der zweiten Runde viel Zeit, zeigte sich mit seiner individuellen Leistung als Alleinläufer aber recht zufrieden: „Es war ganz okay heute von meinem eigenen Gefühl. Ich glaube. wenn man alleine hinterherläuft, dann darf man nicht so auf die Zeiten gucken, weil man alleine gegen die Gruppe einfach keine Chance hat. Es war ein bisschen windig, da waren die Schubpassagen ein bisschen hart alleine. Aber ich hatte es mir eigentlich ganz okay eingeteilt.“ Auf das kleine Starterfeld angesprochen meinte er: „Einerseits finde ich es gut, wenn bei Olympischen Spielen nur die Besten am Start sind, damit die anderen nicht im Weg stehen oder in der Abfahrt quer liegen. Aber wenn alle nicht in Bestform sind, ist es natürlich hart, wenn man dann als Letzter oder Vorletzter hinterherläuft.“
Hedegart bringt Norwegen auf die Siegerstraße
Das „prügelharte Rennen“, das Florian Notz erwartet hatte, bezog sich bei seinem Rennstart aber nur auf dem Kampf gegen Schweden um ein einstelliges Ergebnis. Selbst die Schweizer, die in dieser Saison nicht viel reißen konnten, waren für das DSV-Team immer außer Reichweite. „Für mich war es mehr oder weniger ein Einzelstart. Ich wollte es mir selbst noch einmal richtig hart machen und habe mir noch einen eingeschenkt. Ich hatte eigentlich ein ganz gutes Gefühl, aber ich weiß auch gar nicht, wie mein Rennen an sich war. Ich glaube, ich habe nach vorne nichts verloren, nach hinten auch gehalten“, sagte Florian Notz, der immer die Schweden im Nacken hatte: „Es war sehr unangenehm, weil der Schwede etwa 15 Sekunden hinter mir gestartet ist und ich nicht der schnellste Starter bin. Ich wollte aber wie im Einzelstart starten, die Runde ist sehr hart und da kann man in der zweiten Runde dann noch viel verlieren. Ich habe ihn die ganze Zeit hinter mir gehört. Ich habe versucht, ein konstant hohes Tempo zu laufen.“ Vorn ging Einar Hedegart vorsichtiger an als im Einzelstart, um nicht wieder blau zu gehen. Mathis Desloges versuchte, nach vorne heranzulaufen, hatte sich aber offenbar übernommen und verlor wieder an Boden, so dass Hedegart nach einer Runde nun 16 Sekunden vor den anderen lag. In der zweiten Runde fiel die Gruppe völlig auseinander, vor allem Remi Drolet und Martino Carollo wurden ziemlich blau. Desloges konnte seinen Rückstand auf Hedegart leicht auf zwölf Sekunden reduzieren und einen ordentlichen Vorsprung auf Finnlands Arsi Ruuskanen herauslaufen, die 37 Sekunden auf Norwegen hatten. 21 Dahinter folgte Italien, wo Carollo sich noch wieder gefangen hatte wie auch der Kanadier knapp dahinter. Johnny Hagenbuch fiel erwartungsgemäß zurück auf Platz sieben und lag nur noch 13 Sekunden vor der Schweiz und Tschechien.
Lovera riskiert, Klaebo entspannt
Victor Lovera gab von Beginn an alles und halbierte seinen Vorsprung auf Klaebo zunächst, aber das hatte zu viel Kraft gekostet, so dass Klæbo wieder davonzog auf 19 Sekunden beim Stadiondurchlauf. Im Zorzi-Anstieg gelang es Federico Pellegrino, an Niko Anttola heranzulaufen, so dass die italienische Hoffnung auf Bronze wieder lebte. Kanada und vor allem die USA mit Tom Stephen und Zak Ketterson hatten sich aus dem Kampf um die Medaillen verabschiedet. Johannes Hoesflot Klæbo lief den Sieg ungefährdet und erwartungsgemäß nach Hause und ließ sich von Emil Iversen, Martin Løwstrøm Nyenget und Einar Hedegart feiern. „Das ist magisch, das zusammen mit diesem Team hier zu schaffen. In der Staffel zu laufen ist immer besonders und als Norweger will man natürlich die Staffel gewinnen. Ich konnte das Rennen genießen, ich hatte die perfekte Ausgangslage. Die drei anderen haben einen perfekten Job gemacht. Die Goldmedaille bedeutet allen sehr viel, aber auch die Unterstützung vom gesamten Team, das Tag und Nacht dafür sorgt, das wir gut versorgt sind und die besten Ski haben. Wir sind so ein starkes Team, da ist es nicht selbstverständlich, dass man laufen darf“, sagte Klæbo in Gedanken an Valnes und Amundsen, die keinen Platz im Team fanden. Er ist nun der erfolgreichste Winterolympionike der Geschichte mit neun Goldmedaillen. Dahinter jubelten Theo Schely, Hugo Lapalus, Mathis Desloges und Victor Lovera über die dritte französische Silbermedaille dieser Spiele – die erste als Team. Lovera sagte nach dem Rennen: „Ich habe alles versucht, aber Klaebo war zu stark für mich heute. Ich bin sehr schnell gestartet, aber nach drei Kilometern merkte ich, oh f**k. Ich hatte dann sehr müde Beine, aber die Silbermedaille ist auch großartig.“ Die Entscheidung um die Bronzemedaille fiel am Zorzi-Anstieg, wo der viel umjubelte Federico Pellegrino angriff und Anttola keine Chance ließ. Der 35-jährige Aostataler konnte unter großem Jubel die gesamte Zielgerade feiern, weil der Finne deutlich geschlagen war. „Das ist etwas, wovon ich lange geträumt habe. Als ich vor zwei Jahren über die Olympischen Spiele zu Hause nachzudenken begann und merkte, wie stark meine Teamkollegen werden, wurde aus dem Traum ein Ziel. heute wurde dieser Traum nun wahr. Ich glaube, ich bin so stolz wie nie in meiner Karriere“, sagte der überglückliche Federico Pellegrino, der vor seinem Karriereende auch im Teamsprint und über 50 Kilometer noch einmal die Medaillen angreifen wird. Rang fünf ging an die starken Kanadier vor den Amerikanern. Die Tschechen konnten sich durch ihren überraschend starken Schlussläufer Mike Ophoff von den Schweizern absetzen und Platz sieben sichern.
Stölben klar bester Deutscher
Jan Stölben zeigte ein starkes Rennen und holte in seiner ersten Runde gegenüber der Schweiz und Schweden vor und hinter ihm auf. Für ihn war es eine große Ehre, olympischer Schlussläufer zu sein – ein Ziel, das er sich schon früh in der Saison gesetzt hatte. „Ich bin unfassbar froh, das machen zu dürfen. Aber ich habe auch Respekt vor der Aufgabe. Ich werde die Herausforderung annehmen“, sagte der Rheinländer aus der Vulkaneifel, der erst zweimal in seinem Leben überhaupt Schlussläufer gewesen war – bei der Vereinsstaffel der Deutschen Meisterschaft 2018 und bei der Junioren-WM 2021. Auf der Schlussrunde holte er noch den Rückstand auf die Schweizer auf und kam als Achter ins Ziel. Der 24-Jährige war bei seinem Staffel-Debüt der mit Abstand beste Deutsche und nur drei Sekunden langsamer als Klaebo, der aber nicht mehr voll laufen musste. Er ließ den Schweizer Ersatzmann Noe Näff noch klar hinter sich wie auch die von vorne bis hinter enttäuschenden Schweden, die 45 Sekunden hinter der Schweiz als Letzte das Ziel erreichten. „Zuerst muss ich sagen, es hat auf der Strecke einen Riesenspaß gemacht, die Stimmung war unfassbar. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn wir einen Ticken weiter vorne gewesen wären. Aber es ist eine Teamleistung. Jeder hat heute gefightet und gefightet. Ich habe es mir dann gesagt, ich laufe jetzt alleine. Ich versuche, nicht so schnell anzugehen und mein eigenes Tempo zu laufen. Ich denke, das habe ich heute sehr gut hinbekommen, das Ganze flüssig und schön durch zulaufen und bin ganz happy, dass ich am Ende noch einen bekommen habe. Ich habe die Zeiten noch nicht gesehen, aber mit meiner Leistung bin ich heute ziemlich zufrieden“, sagte der 24-Jährige im ZDF. „Es war wie erwartet unfassbar hart. Es ist zumindest von den Bedingungen kompakt und hart geblieben. Weil wir nur mit fünf Leuten hingefahren sind, konnte man sich ja ausrechnen, vier müssen laufen, war die Hoffnung sehr sehr groß, das machen zu dürfen als Schlussläufer, weil ich der Sprinter bin und auch im Skating stärker. Aber es ist eine große Ehre, wenn dann der Bescheid kommt.“ Florian Notz meinte abschließend: „Wir haben uns sicher mehr vorgenommen. Wir wollten natürlich weiter vorne mitlaufen, aber wir haben alle alles geben und das ist das Ergebnis. Wenn jeder auf seinem top top Level ist, können wir sicher auch weiter vorne laufen.“ Und auch Peter Schlickenrieder fand deutliche Worte für seine Klassikläufer: „Fangen wir beim Positiven an: Was der Jan Stölben hier gezeigt hat, war sicherlich eins seiner besten Rennen über die Distanz: Kontrolliert, gutes Race Pacing, gute Technik, in den Abfahrten top. Das war ein weiteres Superresultat, das ihn motiviert, so weiterzuarbeiten. Bei den ersten beiden Läufern ist es das, was wir die ganze Zeit schon sehen. Janosch Brugger ist völlig außer Form, konnte nicht an die guten Ergebnisse anschließen. Auch ein Friedrich Moch setzt das fort, was wir die ganze Saison sehen: Er hat keine Chance, etwas gegen die Weltspitze auszurichten. Florian Notz war dann sehr alleine auf einer stark besetzten dritten Runde, hat den Abstand nur minimal verkürzen können. Jan Stölben brachte uns mit seinem guten Rennen noch von Platz neun auf Platz acht, das war das Minimalziel.“
=> Ergebnis 4×7,5 Kilometer Staffel
Milano26 Langlauf zum Nachlesen
=> Diese Athleten wurden im Langlauf für Mailand-Cortina nominiert
=> Das sagt das deutsche Team vor dem Beginn der Olympischen Spiele
=> Olympische Spiele 2026: Kampf um Gold im Langlauf, Biathlon und Nordischer Kombination beginnt am Wochenende
=> Frida Karlsson holt im Skiathlon erstes Olympia-Gold – Kälin Vierte!
=> Klaebo holt im Skiathlon erstes olympisches Distanz-Gold
=> Svahn und Klæbo holen Gold im olympischen Klassiksprint
=> Schwedens Langlauf-Star Frida Karlsson in Überform läuft zum zweiten Gold
=> Klæbo gewinnt erstmals einen zehn Kilometer Freistil Einzelstart und drittes Gold
=> Norwegens Damen gewinnen dramatische Langlauf-Staffel – Deutschland Vierte
=> Marios xc-ski.de Olympia-Tagebuch
