Johannes Høsflot Klæbo beweist einmal mehr, dass er eine Klasse für sich ist. Der Titel im Skiathlon ist jedoch sein erster Olympiasieg in einem Distanzrennen. Dahinter jubelte Mathis Desloges über Silber.
Acht Athleten setzen sich Klassisch ab
Beim Skiathlon der Herren herrschten Klister-Bedingungen bei +5 °C Lufttemperatur und Schneetemperaturen von -0,4°C und der Rennbeginn wurde zwangsläufig von den vier Norwegern kontrolliert, die mit den Startnummern eins bis vier die Pole Position in allen vier Spuren am Start hatten. Auch bei den Herren kam es zu Stürzen und Edvin Anger wurde durch seinen Fahrfehler und Stockbruch weit durchgereicht. Wie bei den Damen begann sich zu Beginn der zweiten Runde eine Gruppe abzusetzen, aber nach wenigen hundert Metern war der Zusammenschluss zunächst wieder hergestellt. Dennoch bildeten sich immer wieder Lücken im Feld und Savelii Korostelev führte eine siebenköpfige Gruppe in die letzte Klassikrunde gefolgt von fünf weiteren Athleten mit Friedrich Moch und Iivo Niskanen, der sich zuvor am steilsten Anstieg der zweiten Runde sichtlich schwer getan hatte. Truls Gisselman gelang es außerhalb des Stadions, sich noch der Spitzengruppe anzuschließen, die nun aus den vier Norwegern, Lapalus und Desloges, Korostelev und Gisselman bestand.
Probleme, Sturz und unerlaubte Abkürzung
Vor dem Skiwechsel attackierten Nyenget und Klæbo, konnten sich aber nicht von den anderen absetzen, aber Stenshagen und Gisselman bekamen Probleme. Beim Herauslaufen aus dem Stadion verloren beide den Anschluss und vor allem der Norweger sah plötzlich gar nicht mehr gut aus. Gleich darauf berührten sich Korostelev und Nyenget, so dass der Norweger stürzte. Nun waren also noch fünf Athleten Teil der Spitzengruppe, dahinter ein Duo mit Amundsen und Gisselman und noch weiter dahinter Mattis Stenshagen. Beim Stadiondurchlauf passierte dann Mathis Desloges ein möglicherweise folgenschwerer Fehler, der in die Boxengasse abbiegen wollte und dann durch die V-Boards abkürzte in die richtige Spur. Die Jury war aber gnädig und gab ihm nur eine gelbe Karte. Korostelev, der nach der Kollision mit Amundsen immer wieder um Anschluss kämpfte, war pünktlich zum Beginn der letzten Runde nach Stehversuchen nach dem Zorzi-Anstieg wieder da, so dass fünf Athleten um die Medaillen kämpften.
Klaebo im Zorzi-Anstieg Klasse für sich
Auf der Schlussrunde zeigten sich Klæbo und Lapalus in den ersten Positionen, kurz darauf ging Nyenget in den Windschatten des Teamkollegen, der alles unter Kontrolle behielt. Durch seine Kurventechnik zog er schon in der Abfahrt die Gruppe auseinander, aber Desloges übernahm oben am vorletzten Anstieg, dem Macor-Anstieg, die Führung. In 1-1 Technik attackierte Klæbo in beeindruckender Frequenz am Zorzi-Anstieg, wo er wieder eine Klasse für sich war. Ohne jemandem Windschatten zu bieten ging er mit großem Vorsprung in die Valena-Abfahrt ins Stadion und er feierte seinen ersten Olympiasieg in einem Distanzrennen und den sechsten insgesamt. „Das ist eine große Erleichterung. Ich war sehr nervös in den letzten zwei Tagen. Das ist sehr gut, so in die Olympischen Spiele zu starten. Das ist unbeschreiblich, wirklich!“ Mathis Desloges hielt die Konkurrenten hinter sich und jubelte über die Silbermedaille vor Martin Løwstrøm Nyenget. Savelii Korostelev und Hugo Lapalus verpassten die Medaillen ganz knapp. Russland legte noch Protest wegen des Abkürzens ein, die Jury hörte sich beide Seiten an und diskutierte dann erneut den Vorfall. Letztendlich blieben sie aber bei ihrer Entscheidung, eine gelbe Karte zu geben und keine Disqualifikation. Auch in Norwegen gab es unterschiedliche Meinungen zur Bestrafung, am Ende entschied man sich aber, keinen Protest einzulegen. „Das war mein eigener Fehler. Ich habe einfach nicht nachgedacht, als ich die Kurve nahm. Das tut mir leid“, so Desloges bei NRK, der damit schon 50 Prozent seiner Ziele erreicht hat: Eine Einzel- und eine Teammedaille. Um einen möglichen Verlust seiner Medaille machte er sich keinen Gedanken: „Nein, ich denke, die Jury ist der Meinung, dass es einfach ein Fehler war und ich mir keinen Vorteil verschaffen wollte.“ Korostelev reagierte überrascht, als er nach dem Rennen erfuhr, dass es nur Gelb gab, sagte aber nur: „Das liegt ganz allein in der Verantwortlichkeit der Jury. Es ist nicht meine Aufgabe, darüber zu urteilen. Ich kenne nicht alle Regeln. Aber es war schon lustig, als ich das sah. Mir ist das beim Warmlaufen nämlich auch passiert.“ Sechster wurde Harald Østberg Amundsen mit 30 Sekunden Rückstand, der ohne den Sturz definitiv ein Medaillenkandidat gewesen wäre. Rang sieben ging an Truls Gisselman und Davide Graz wurde als bester Italiener Achter vor dem drittbesten Franzosen Jules Lapierre, Andrew Musgrave und Arsi Ruuskanen.
Moch mit Problemen in beiden Rennhälften
Nachdem er mit der Spitzengruppe nicht mitgehen konnte, fand sich Friedrich Moch zunächst in der zweiten großen Gruppe wieder. Beim Skiwechsel lag er am Ende dieser Gruppe an 23. Stelle, bekam danach aber erneut Probleme und endete schließlich an 26. Stelle. „Es war ganz schön hart heute. Klassisch habe ich mich die ersten zwei Runden ganz gut gefühlt, aber dann hat es mich ein bisschen verhauen und die ersten zwei Skatingrunden waren ganz schön hart. Dann habe ich ich noch ein bisschen gefangen und habe versucht, noch ein bisschen was gutzumachen. Ich habe mir heute nichts vorzuwerfen, ich habe alles gegeben. Aber nun bin ich ganz schön am Arsch“, meinte er schwer schnaufend am ZDF-Mikrofon direkt nach dem Rennen. Zum Kurs und den Bedingungen sagte der 25-Jährige: „Es sind ziemlich schwere Abfahrten und gerade mit den tiefen Bedingungen ist es doch relativ schwer. Aber ich komme mit solchen Abfahrten gut klar, aber das schlimmste waren heute die langen Berge, die gefühlt nie aufhören. Ski hatte ich heute ziemlich gut, ich war sehr zufrieden heute. Ich glaube, da haben unsere Serviceleute nochmal was Gutes gefunden im Vergleich zu gestern und da kann ich mich gar nicht beschweren.“ Auf die Renntaktik von Friedrich Moch reagierte Peter Schlickenrieder etwas irritiert, weil er „anrennt, als wenn er das Ding hier gewinnen will, statt sich nach vier Wochen Training erst langsam wieder reinzusteigern.“Weiter erklärte er: „Was mir gut gefallen hat, dass er sich für die letzte Runde wieder aufraffen konnte, nachdem er sich übernommen hatte. Er konnte wohl das Laktat verstoffwechseln und das ist ein gutes Zeichen. Sonst geht es in der Regel ganz nach hinten los. Sein Mindset stimmt, er will wieder Großes einreißen. Ist noch nicht ganz so weit, aber das ist auch normal, wenn man vier Wochen trainiert hat, dass man die Maschine nicht gleich wieder so hochfährt. Darum hätte ich gesagt, passt eigentlich, wie dann der Rennverlauf war. Es scheint so zu sein, dass das Training gewirkt hat und dass es in die richtige Richtung geht.“
Starkes Debüt vom „Mini-Moch“
Florian Notz lag zur Rennhälfte als 29. noch knapp 20 Sekunden hinter dem Teamkollegen, konnte aber direkt nach dem Skiwechsel zu ihm aufschließen und das weitere Rennen mit ihm zusammen bestreiten. Im Zielsprint rangierte er sich zwei Plätze weiter hinten auf Position 28 ein. „Von Flo Notz hätten wir ein bisschen mehr erwartet“, sagte Schlickenrieder. „Er hat sich sehr schwer getan im klassischen Bereich. Er sagt, wenn er bei Klister-Bedingungen im Anstieg so explosiv hindrücken muss, tut er sich extrem schwer dranzubleiben. Da war der Speed zu hoch für ihn. Im Skatingbereich macht er es gut in den 1-1-Passagen in den nicht ganz so steilen Anstiegen und sobald er umstellen muss in den Bergschritt, dreht es ihm gefühlt die Beine zu. Dazu hat er noch die Müdigkeit vom klassischen Lauf. Er hat es im Skating noch versucht, aber das ist nicht gelungen. Der hat sich ein bisschen unter Wert verkauft, der kann mehr. Ich würde ihm die Top15 definitiv zutrauen. Dann muss er im Zehner zeigen, dass er mehr kann.“ Der erst 19-jährige Jakob Moch, von den Technikern „Mini-Moch“ genannt, ist in erster Linie zum Lernen dabei und zeigte ein gutes olympisches Debüt nur eine halbe Minute hinter dem großen Bruder auf Platz 33, obwohl er eine deutlich ungünstigere Startposition hatte und sich nach vorne arbeiten musste. „Es war ziemlich hart. Es war von Anfang an viel Tempo drin. Es ging von Anfang an ums Überleben für mich“, so Jakob Moch nach seinem ersten Skiathlon, der dafür überraschend nah dran war am Ziel Top30. Genießen konnte er sein Olympiadebüt dennoch nicht: „Heute waren es eher Schmerzen, vor allem weil es im Klassischpart so schnell war. Die letzte Abfahrt konnte ich genießen, aber davor war es ein Kampf. Der Skatingpart lief richtig gut, aber auf den ersten zehn Kilometern bin ich nicht mitgekommen. Im Skating habe ich noch Positionen gut gemacht. Nur ein Skatingrennen wäre mir heute lieber gewesen. Die Bedingungen waren überraschenderweise ziemlich gut, ich habe Schlimmeres erwartet, tiefer, und war positiv überrascht.“ Lob gab es dafür vom Teamchef: „Mit Jakob Moch bin ich sehr zufrieden, weil der aus meiner Sicht das, was er kann, hier gezeigt hat. Er hat sich Klassisch nicht total übernommen, sondern ist da gelaufen, wo er gestartet ist, musste geduldig sein und so laufen, dass du dich im Skating noch bewegen kannst und der Skatingpart war gut. Er war in den Zeiten auch der Beste von den Dreien und das ist ordentlich. Für einen 19-Jährigen ein tolles Olympiadebüt.“
Wigger besser als Klee
Das Schweizer Team wurde von den beiden Distanzläufern Nicola Wigger und Beda Klee vertreten, die beide ihre ersten Olympischen Spiele bestreiten. Wigger schien die Atmosphäre zu genießen und winkte auf der Zielgeraden ins Publikum. Der 24-Jährige aus dem Zürcher Oberland war beim Skiwechsel knapp hinter Friedrich Moch und auch im Ziel als 30. knapp hinter dem Deutschen. Beda Klee war schon in der ersten Klassikrunde weit hinten im Feld und fiel dann zurück. Über weite Strecken des Rennens war der Wattwiler zusammen mit Mika Vermeulen unterwegs und überquerte als 46. die Ziellinie.
Vermeulen findet Form nicht wieder
Als in der zweiten Runde Lücken aufgingen, war es auch um Mika Vermeulen geschehen und es wurde klar: Die Form ist nicht plötzlich zu den Olympischen Spielen wieder da, wie er gehofft hat, weil er in seiner Vorbereitung keine Fehler fand. Nach Platz 38 nach zehn Kilometern verlor er im Skaten weitere zwei Minuten und endete auf Platz 41 als einziger ÖSV-Starter – die anderen beiden Österreicher schonen sich für den Sprint am Dienstag. „Genauso hatte ich mir den Auftakt vorgestellt. Spaß gehabt, sonnig, Wetter hat gepasst, viel Zeit zum Genießen gehabt. Fans waren auch da, war ein super Tag“, witzelte er und erklärte dann: „Ich habe mir gute Beine gewünscht. Das Rennen war eigentlich nach 900 Metern gelaufen für mich, wenn du da oben läuft und hast 190 Puls und merkst, dass da gar nichts weiter. Dann kannst du noch die weltbesten Ski haben, aber das bringt alles nichts, es ist Olympia. Da ist jeder auf seinem Top-Niveau, da hat jeder seinen besten Tag und den braucht man, wenn man vorne dabei sein will. Aber da war ich relativ weit weg. Ich tät gern sagen, dass ich abgestellt habe, aber ich bin bis zum Schluss Vollgas gelaufen. Aber ich bin einfach langsam. Es ist erst aus, wenn’s aus ist. Es gibt nur zwei Chancen, heute war ein schlechter Tag, was soll man machen. Es sind im Sport definitiv schon wildere Sachen passiert als einer, der von 41 auf drei gekommen ist. Es gibt immer noch Hoffnung, wir geben Gas, es ist noch nicht alles und heut war scheiße, man kann es nicht schöner sagen.“
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